18 alles gratis, alles easy?

Künstler und Kunstschaffende haben es in heutigen Zeiten echt nicht einfach. Auch sie erliegen in besonders hohem Maße einem sich immer höher schraubenden Leistungsdruck.

Entscheidende Befeuerung erhielt diese Entwicklung mit Sicherheit durch das Internet. Ein Beispiel: Ich mag die Comiczeichnungen von Ralf Ruthe sehr gerne. Herr Ruthe stellt nahezu täglich eines seiner witzigen Werke umsonst ins Internet. Wohlgemerkt: u m s o n s t !  Ich freue mich immer wieder über diese kostenlose Zugabe, die ich – zu was, ja, zu was eigentlich? – völlig kostenfrei erhalte! Es gibt nichts, was ich dafür geben muss, nichts was ich dafür abnehmen muss. Dieser talentierte Zeichner verschenkt also auch an mich Tag für Tag sein Hab und sein Gut in der digitalen Welt und schafft damit gleichzeitig Hochwertiges zu definitiv niedrigstem Tarif. Somit ist er – zumindest aus Sicht der Volkswirtschaft – ein absoluter Hochleistungsfaktor: Viel Leistung für wenig, sprich: null, Tarif.

Und: Ralf Ruthe ist mit dem digitalen Verschenken seiner Produkte bei weitem nicht alleine. Wie viele unzählige Songs, Fotos, Texte, Bilder bekomme ich im Internet tagtäglich geliefert – von begabten Talenten als ebenfalls kostenlose Präsente? Während die klassische Werbung ja zumindest für ihre kostenlosen „Mehr-oder-weniger-kreativ-Auftritte“ noch jeweils den Auftraggeber im Hintergrund hält, verschenken die Künstler von heute oftmals zu Werbezwecken gleich ihre gesamte Produktpalette. Ein befreundeter Fotograf formulierte diesen Trend zur Hightec-Freizügigkeit mir gegenüber einmal so: „Meine Fotografien verkaufe ich schon längst nicht mehr. Mit was ich mein Geld verdiene ist einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass, je präsenter ich im Internet bin, desto gefragter sind  meine Ausstellungen!“

Tröstlich zu wissen, dass die digitale Welt letztendlich die reale keineswegs verdrängen kann, sondern zumindest im kreativen Bereich sogar hier und da zustande bringt. Das Internet als riesige Werbebörse für die dann anhängigen Produkte leibhaftiger Begegnung und kultureller Zusammenführung. Ich glaube irgendwie ja auch dran. Denn ich verschenke meine Texte hier ja auch und hoffe auf Entdeckung. Die Einladung zu einer Lesungen vor Ort beispielsweise. Das wär’ dann schon schön – und alles andere als umsonst :-)