Abschlusspräsentationen oder Werkschau – und was sie wirklich sind.

Abschlusspräsentationen oder Werkschauen – wie sie im Designbereich oft auch genannt werden – sind immer ein Anlass zum Feiern. Schöne Kleider, schönes Ambiente, schöne Drinks – alles gut. Aber mal ehrlich: „Schöne Kleider und so weiter“ gibts auch bei Omas Achtzigstem. Also: Worin unterscheidet sich dann eine Werkschau in Wirklichkeit von anderen Feierlichkeiten?

Sie unterscheidet sich darin, dass sie im Gegensatz zum angenehm relaxten „Get Together“ anderweitiger Feiern harte Arbeit sind. Harte, seelische Arbeit! Oh nö …, nicht schon wieder buckeln werden jetzt die meisten LeserInnen denken. Da haben wir die Studienjahre, die bekanntlich „keine Herrenjahre sind“ gerade hinter uns und dann quatscht der Blogger hier wieder vom buchten. Ja und Nein lautet die Antwort. Denn ich sprach von „seelischer“ Arbeit. Und diese orientiert sich sehr oft nicht an Zeit und Aktivitäts-Level, sondern an zeitloser Erkenntnis. Und diese kann manchmal in einem Bruchteil von Sekunden erledigt sein, obwohl sie ganz, ganz harte Arbeit ist! Ich will das mal kurz erklären: Da haben jetzt alle LAZI-Absolventen den Design-Führerschein in Theorie und Praxis geschafft. Sehr schön. Und jetzt gibts on top noch einen möglichen Riesen-Lernschritt dazu …

„Die Hölle, das sind die anderen.“

Denn Werkschauen sind die erste Chance für die Präsentierenden zu erfahren, wie sie mit ihren Leistungen andere Menschen erreichen und beeindrucken. Was Sartre mit obigem Zitat im negativen Sinne darstellte, lässt sich durchaus auch positiv formulieren: „Der Himmel – das sind die anderen!“ Für die Absolventen sind genau das die Reaktionen der interessierten Besucher auf ihre Werke. „Schaut euch das an, saugt es geradezu auf in euerm Bewusstsein – jede einzelne Reaktion auf eure Gestaltungen!“ möchte ich den Ausstellenden zurufen. Denn alles, was da passiert, ist euer Werk! Alles folgt eurer Regieanweisung. Und der Lohn dafür ist nicht Geld. Es ist vielmehr: Es ist Stolz und Selbstbewusstsein! Wer das mitnimmt aus diesem Abend, der hat gewonnen. Nicht nur auf der Ziellinie. Sondern auch für das Rennen danach.

Am Start erkennt man die Gewinner!

Im späteren Design-Dasein, ob selbständig oder angestellt, zählen sehr oft viel weniger die kreativen Ideen, als vielmehr die Überzeugungskraft von innen heraus, mit welcher diese präsentiert werden. Ein Beispiel aus dem Abseits: Keiner lässt sich von einem Gehirn-Chirurgen operieren, der vorher sagt: „Ich weiss auch nich’ so genau …?!“. Kunden brauchen Design, auf jeden Fall. Aber was sie noch viel mehr benötigen, ist eine Haltung dazu. Eine, die ihnen Sicherheit gibt, dass das was sie tun bzw. in Auftrag genau richtig ist. Und diese innere Haltung speist sich ausschließlich aus stolz- und selbstbewusstmachenden Vorerfahrungen, die der kreative Arbeiter – egal, ob Film-, Foto- oder Grafikdesigner – eben auch auf einer, auf „seiner Werkschau“ machen kann. Wer an diesem Abend so viele wie möglich davon macht, wird später im gleichen Ausmaß davon profitieren. Ergo: Es ist nochmal harte Arbeit am Tag der MFG-Präsentation angesagt. Aber: Harte Arbeit, die sich auf jeden Fall lohnt!

Und all den anderen sei gesagt: Kommt und schaut euch das an. Denn hier wird zukünftiges Einkommen vorbereitet – in Form von immaterieller Anerkennung und Erfolg, aber auch – ganz habhaft – in Form von zukünftigem Verdienst. Und von guter Zukunft kann man nie genug bekommen.

 

„MFG“ im Überblick:

Samstag, 18. Juli von 16 bis 00 Uhr

Alte Kelter Fellbach

Untertürkheimer Straße 33

70734 Fellbach