Design-Tipp: Warum nicht mal Kino im Kopf?

Wenn gute Gestaltung ist, wie gute Erotik – einfach mal nicht alles zeigt.

Die Furcht des Gestalters vor dem "Ideenbankrott" - nicht nur Film-, Foto- oder Grafikdesigner kennen das Problem. Ja klar, es gibt genügend Bücher über Kreativtechniken - aber meistens hat man genau so eins nicht im Regal, wenn man(n)/frau es braucht.

Was tun ...? Eine ganz einfache Technik lautet: Lass den Betrachter, den Hörer, den Leser - eben alle, die mit der entsprechenden Gestaltungsaufmachung konfrontiert werden - lass die einfach mitarbeiten! Jawoll m-i-t-a-r-b-e-i-t-e-n. Wie soll das gehen ...? Ganz einfach: Zeig vom gewählten Aufmacher-Motiv nicht alles. Zeig' beispielsweise Werbung für Schuhe nur den Absatz, den Schnürsenkel oder sogar nur den leeren Schuhkarton! Zeig bei Hundefutterwerbung die straff gespannte Leine an der Hand des Besitzers, aber nicht den Hund. Zeig von der Nobelkarrosse die Radkappe und sonst mal nix.

Was passiert? Ganz automatisch - eventuell durch eine witzige, auffordernde Headline noch zusätzlich unterstützt - vervollständigt der geneigte Betrachter das Bild selbständig in seinem Kopf. Radioleute, wie jüngst der X-Tensions-Referent Ingo Lege von Antenne 1 Stuttgart, arbeiten nahezu ausschließlich mit diese Stilmittel und es funktioniert! Muss ja auch, wenn man sonst nix sehen kann - wie es bei Hörfunk nun mal der Fall ist. Aber auch im professionellen Film-, Fotografie- oder Grafikdesign wirkt "Kino im Kopf" mitunter wundervoll, weil spannend. Genau wie seinerzeit eine bekannte Produktmarke, die im Rahmen einer Kampagne, ihre Models nur von hinten zeigte und damit einen wahren Ansturm von Nachfrage auslöste. Alle wollten die Models gern auch mal von vorn sehen. Manchmal ist weniger dann doch mehr ;-)