Designstudium - Das Ende des Noten-Terrors

Was bedeuten eigentlich Noten im Designstudium wirklich? Die Antwort lautet: Nix und nochmal nix! Die Erklärung: Keine Arbeit eines Grafikdesigners, Fotografen und Filmemachers wird nach dem Studium – „in der freien Wildbahn des Berufsalltags“ – benotet.

Wobei – haaalt …, stimmt nicht ganz – eine Note wird für die jeweiligen Aufträge vergeben: die Note „sehr gut“. Denn: Was anderes zählt nicht. Oder hat jemand von euch schon mal jemanden erlebt, der nach Ansehen eines TV-Spots, einer Zeitungsanzeige, eines Werbebanners oder eines Großplakats gesagt hätte: „Ja, das finde ich ausreichend.“ Oder: „Diese Darstellung ist befriedigend für mich.“ Es gibt hier keine solche Noten, weil es keine solchen Bewertungsmaßstäbe in der Kreativbranche gibt. Hier zählt einfach nur „sehr gut“ oder schlimmstenfalls noch „ungenügend“ – sonst nix. Das gilt für Betrachter wie für Auftraggeber. Auch letztere werden niemals eine Arbeit abnehmen und sagen: „Ja, befriedigend bis ausreichend … das passt schon.“ So etwas gibt es einfach nicht in der Realität. Aber im Designstudium an diversen Hochschulen schon. Hier ist das Notensystem Alltag. Komisch: Da heißt es immer „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“ und dann wird benotet, als wäre das Leben ein riesiges Klassenzimmer. Ist es aber nicht. Und genau deshalb fangen einige Designschulen an, das herkömmliche Notensystem dahingehend zu verändern, dass sich die Realität darin wieder findet und nicht der erhobene Zeigefinger des Bildungssystems.

Bei uns an der Lazi Akademie ist es auch so. Bei den Studierenden im Fachbereich Film- und Mediendesign gibt es für abgegebene Arbeiten zwar noch Noten, diese sind aber lediglich als Orientierung für die Urheber gedacht, um sich gegebenenfalls noch verbessern zu können. Und auch das kann man so lange machen, bis unter der Arbeit eine Eins steht – sehr gut, also. Erst dann ist gewährleistet, dass die Arbeit auch draussen im Berufsleben Bestand hätte. Und das ist das erklärte Ziel der Lazi-Medienausbildung: „Nicht für die Schule, sondern für das Berufsleben lernen wir hier!“

Zugegeben: Das Einzige, was hier dann aber doch passieren kann ist, dass manche Arbeit nicht bis zum Ende geführt wird und somit auf der Orientierungs-Note „verharrt“. Da taucht sie dann doch wieder auf, die vermaledeite Schulnoten-Skala. Aber: In gänzlich anderem Auftrag. Nicht als unwiederbringlich gesprochenes  Qualitätsurteil über die abgegebene Arbeit steht hier „gut, befriedigend, ausreichend oder mangelhaft“ drunter, sondern als Gradmesser der momentanen, professionellen Einstellung desjenigen, der die Arbeit abgeliefert hat. Und das wissen wir als anspruchsvolle Mediendesigner doch wohl alle: Dass man an der eigenen Professionalität eigentlich nie genug verbessern kann. Stimmt’s oder hab’ ich recht …?

Autor: Nils Hemmen