Die gute Idee - gibt es sie ...?

Es sind unzählige Bücher geschrieben worden über die gute Idee. Oder besser gesagt zur Frage: Wie findet der Gestalter die gute Idee - oder findet diese etwa ihn ...?

Sicher ist nach all den Erkenntnissen nur eines: Es gibt eigentlich keinen Königsweg hin zur guten Idee. Die gute Idee ist eben nichts Physikalisches und somit nicht messbar. Was aber ist sie dann ...?

"Die gute Idee - das sind die anderen!"

Ein möglicher - quasi "biologisch-physiologischer" - Lösungsweg hin zur Idee ist mit Sicherheit die Frage: "Was gefällt den anderen?" Denn gute Ideen sind meist mehrheitsfähig. Siehe Internet. Die online-demokratische Abstimmung auf youtube, facebook, twitter usw. als Bewertungsmaßstab - die Quoten der Klicks als Qualitätsbarometer der guten Idee. Grundsätzlich ja nicht schlecht. Wären da bloß nicht die unendlich langweiligen Katzenbilder, die Diddle-Maus-Lebensweisheiten oder die "Wie cool sind wir eigentlich"- Selfies, die zwar richtig Quote machen, aber nicht wirklich ideenreich sind. Dennoch bietet die Frage: "Was gefällt den anderen?" bzw. "Wer sind die anderen überhaupt?" für professionelle Mediengestalter durchaus einen möglichen Lösungsansatz hin zu guten Idee. Frei nach Sartre: "Die guten Ideen - das sind die anderen" bietet dieses Vorgehen dem Profidesigner zumindest die Chance von den eigenen Wertvorstellungen etwas wegzurücken, hin in die Köpfe der anderen. In die Denk- und Fühlzentralen der Betrachter. Und mit deren Augen, Ohren und Bewusstsein wahrzunehmen und letztendlich die eigene Leistung zu bewerten.

Aber: Everybody's darling is' halt auch everybody's ...?

Auch eine Wahrheit: Wer mit einer Idee allen gefallen will, fällt damit eher durch als auf. Das einzige, was dagegen hilft, ist im vorab die Frage zu klären, für wen die Idee denn eigentlich sein soll. Die Werbung nennt das Zielgruppenbestimmung. Der positive Effekt dieser Maßnahme im Vorfeld einer Ideenentwicklung formuliert sich dann so: Was Klaus gefallen soll, kann Klausi ruhig doof finden, denn er ist ja auch nicht die eigentliche Zielperson. Wenn's dennoch auch ihm gefällt, dann nennt die Werbung das "Beifang". Kein besonders schönes Wort für Breitenwirksamkeit, aber ein durchaus lukratives. Denn Beifang bietet dem professionellen Fotografen, dem Film- und Mediengestalter sowie dem Grafikdesigner die Möglichkeit, sein Image wirkungsvoll aufzupolieren. Sein Kontostand wird dadurch aber erstmal nicht unbedingt zwingend höher. Denn professionelle Gestaltungsarbeiten haben immer ein klar definiertes Ziel bzw. eine Zielgruppe im Visier. Ist diese von einer guten Idee überzeugt, ist das ein objektiver Erfolg. Alles andere ist subjektiv - wie beispielsweise auch die Frage: "Die gute Idee - gibt es sie ...?--

Autor: Nils Hemmen