Eberhard Weber in Esslingen

Jazzbassist von Welt und „Ex-Lazianer“ liest im Jazzkeller aus seinen Memoiren.

Er stammt ursprünglich aus Esslingen, hat einst hier an der Lazi Akademie Fotodesign studiert, machte dann Weltkarriere als Musiker und kehrte nun an seine Herkunftsstätte zurück: Eberhard Weber, Meister der tiefen Töne im internationalen Jazz und darüber hinaus Erfinder des elektronischen Kontrabasses, las nun im Esslinger Jazzkeller aus seinen Lebenserinnerungen.

Weber, der altershalber so eben das Dreivierteljahrhundert vollendet hat, kann aufgrund einer Schlaganfall-Erkrankung nicht mehr Bass spielen. Virtuos ist er aber weiterhin und hat die Bass-Saiten gegen Buchseiten eingetauscht. "Résumé - eine deutsche Jazz-Geschichte" lautet der Titel seines jetzt vorgelegten Werks, aus dem der Künstler vergangenen Mittwoch vor prall gefülltem Jazzkeller las.

Hier erfuhren die Zuhörer bemerkenswerte Details einer großartigen Weltkarriere, die teilweise auch erschreckend kleinkarierte Dimensionen beinhaltete. So zum Beispiel der quasi bürokratische Zwang eines prominenten Jazzredakteurs im öffentlichen Rundfunk, der bei Liveaufnahmen zu einer Sendung über Free-Jazz an Weber und seine Mitmusiker die Losung ausgab "nur volles Karacho und keine harmonischen Passagen, meine Herren!"

Der geradezu eiserne Zwang zu musikalischer Unabhängigkeit und Loslösung von traditionell Überkommenem, der letztendlich selbiges ad absurdum führte - auch das ist ein "Résumé" eines ganz Großen der Jazz-Szene. Webers persönliche Auseinandersetzung mit seiner künstlerischen Karriere liest sich an diesem Abend im Jazzkeller aber noch weit vielfältiger: zum einen großartig, zum anderen detailorientiert.

Da beeindruckt beispielsweise die Aufzählung sowohl weltbekannter Spielstätten als auch großer Namen des Jazz, mit denen der explizite Bekenner der freien Improvisation aufgetreten ist, genauso wie die Tatsache, dass ein ganz persönliches Highlight für den Jazz-Kosmopoliten - wenn er mal wieder in Deutschland aufgetreten ist - der Verzehr einer Bratwurst war. Guter Geschmack ist eben vielfältig - auch im Jazz.