Was macht eigentlich ein „Kreativdirektor digital“?

Ganz ehrlich …? Der Begriff Kreativdirektor war für mich anfangs total irreführend. Wie kann man „Direktor“ und „kreativ“ in einer Person sein? Also die Direktoren, die ich in meinem bisherigen Dasein kennengelernt habe – angefangen vom „D.Rex“ in der Schule – waren streng und direktiv, aber nie kreativ.

Aber, das wissen wir ja nicht erst seit Toyota – in der Werbung wird auch „Unmögliches möglich“. Und das letztendlich auch deshalb, weil die Werbung sich momentan ja selbst neu erfindet. Oder besser: erfinden muss. Denn: Ging es früher darum, möglichst viele Menschen einfach nur zu erreichen, hängen die so genannten „Neuen Medien“ die Messlatte für Werbetreibende jetzt ein beträchtliches Maß höher.

Relevanz und Mehrwert entscheiden jetzt über „Top“ oder „Flop“ in der Werbung.

Vorbei die Zeiten, wo nervige Kampagnen die Menschen in Endlosschleifen diverser Werbeblöcke, Anzeigenserien oder Plakatkampagnen geradezu belästigt haben. Das gilt zumindest für die digitale Welt. Wer hier „Everybodys Werbe-Darling“ sein will, muss den Everybodys etwas bieten, was sie „liken“ oder was Ihnen Info-Vorsprung gewährt. Alles andere ist verpönt und löst im schlechtesten Fall statt Begeisterungs- „Shitstürme“ aus. Die bezahlte Werbung wird zur Negativempfehlung und fordert damit sogar auf, das Produkt nicht zu kaufen. Fatal für den, dem das passiert!

Digitale Kreativdirektoren – „Verhüterlis“ von Pleiten, Pech und Pannen …?

Im gewissen Sinne ja. Im günstigsten Fall als professionelle Mediengestalter oder -designer ausgebildet, wissen sie, dass die digitalen Medien zunehmend „crossmedial“ genutzt werden. Ein bisschen Twitter, ein bisschen Facebook und bei näherem Interesse Youtube oder gleich die Homepage eines Anbieters – so informiert sich der Kunde von heute. Logisch also, dass der verantwortliche Kampagnenmacher zu vorderst wissen muss, wo die „Touchpoints“, also die Berührungspunkte der digitalen Medien mit den jeweiligen Zielgruppen, liegen und – ganz wichtig – was die User hier sehen, hören, fühlen wollen.

Crossmedia ist nicht nur Kopfsache.

Als Kreativdirektor Digital steht man an oberster Stelle der Verantwortung, hat aber in der Regel ein Team um sich, dass aus verschiedensten Blickwinkeln vor allem auch die ständig neuen Entwicklungstrends im Netz aufmerksam registriert. Man muss also „Chief“ und „Team-Member“ in einem sein – und dazu beim Auftraggeber stets den Kopf hinhalten, wenn es sowohl um die begeisterungsfähige Präsentation der digitalen Neukampagnen, als auch die Erfolgsbewertung vergangener Aktionen geht. Dafür lockt aber in aller Regel auch ein Gehalt, das frau/man durchaus jeden Monat „liken“ wird.