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HDR10 ist ein offener, lizenzfreier High-Dynamic-Range-Standard für Video- und Fernsehsignale, der den Rec.-2020-Farbraum mit der PQ-Transferfunktion (SMPTE ST 2084) und statischen SMPTE-ST-2086-Metadaten kombiniert, um einen Dynamikumfang von bis zu 10.000 cd/m² zu unterstützen.

Rubrik: Ausgabeformate & Technische Standards · Unterrubrik: Standards & Normen · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: HDR-10, SMPTE ST 2084 HDR, UHD HDR (offener Standard), High Dynamic Range 10-Bit


Was ist HDR10?

HDR10 ist der am weitesten verbreitete HDR-Standard für Consumer-Unterhaltungselektronik. „HDR" steht für High Dynamic Range – also einen erweiterten Kontrastumfang zwischen den dunkelsten und hellsten darstellbaren Bereichen eines Bildes. „10" verweist auf die 10-Bit-Farbtiefe, die mindestens 1.024 Helligkeitsstufen pro Farbkanal ermöglicht (gegenüber 256 bei 8 Bit).

HDR10 ist ein offener Standard – er ist lizenzfrei und wird von der Consumer Technology Association (CTA) in Zusammenarbeit mit SMPTE, IEC und ITU definiert. Jeder Gerätehersteller kann HDR10 implementieren, ohne Lizenzgebühren zu zahlen. Das unterscheidet ihn grundlegend von Dolby Vision, das ein proprietäres Lizenzformat ist.


Hintergrund & Entstehung

Die Grundlagen von HDR10 wurden ab 2014 gelegt, als SMPTE die Norm ST 2084 (Perceptual Quantizer, PQ) verabschiedete – eine Transferfunktion, die den menschlichen Helligkeitssinn mathematisch modelliert und Helligkeitswerte bis 10.000 cd/m² codiert. Parallel dazu definierte SMPTE ST 2086 das Format für statische Mastering-Metadaten (sogenannte SMPTE ST 2086 Mastering Display Color Volume).

Im Jahr 2015 führte Samsung HDR10 als Basis-HDR-Format für seine SUHD-Fernseher ein. Die Ultra HD Alliance standardisierte HDR10 als Mindestanforderung für das „Ultra HD Premium"-Zertifikat. Seitdem ist HDR10 in praktisch jeder HDR-fähigen Anzeige, jedem UHD-Blu-ray-Player und jedem Streaming-Dienst implementiert.

HDR10+ (2017) ist eine Erweiterung von Samsung und Amazon, die dynamische Metadaten hinzufügt – ähnlich wie Dolby Vision, aber ebenfalls lizenzfrei.


Technische Spezifikationen

ParameterWert
FarbraumRec. 2020 (ITU-R BT.2020)
TransferfunktionPQ (Perceptual Quantizer, SMPTE ST 2084)
Mastering-MetadatenSMPTE ST 2086 (statisch, einmal pro Inhalt)
Bit-Tiefe10 Bit (Minimum)
Peak-Helligkeit (Mastering)Bis zu 10.000 cd/m²
Minimale Schwarzhelligkeit0,0001 cd/m² (theoretisch)
Typische Mastering-Displays1.000–4.000 cd/m²
Lichtnormen für TVMaximal 1.000 cd/m² (UHD Premium-Zertifikat: 1.000 nit, Schwarz < 0,05 nit)
ContainerformatHEVC/H.265 (SEI-Metadaten), VP9, AV1
Unterstützte FrameratenBis zu 120 fps (4K HDR)
Standardisierungsorg.Consumer Technology Association (CTA), SMPTE, IEC

Die PQ-Kurve (ST 2084) ist eine absolute Transferfunktion: Ein PQ-Signal mit einem bestimmten Kodierungswert entspricht immer einer definierten absoluten Helligkeit in cd/m² (Nit). Das unterscheidet sie von relativen Transferfunktionen wie Gamma 2.2, die keine Aussage über die absolute Helligkeit treffen.


Einsatzgebiete

  1. UHD-Blu-ray: HDR10 ist das Pflicht-HDR-Format auf allen UHD-Blu-ray-Discs. Dolby Vision und HDR10+ sind optionale Zusatzspuren.
  2. Streaming-Dienste: Netflix, Amazon Prime Video, Disney+, Apple TV+ und YouTube liefern 4K-HDR-Inhalte standardmäßig in HDR10. Es ist das universell kompatible Format, das jeder HDR-TV versteht.
  3. Gaming: PlayStation 5, Xbox Series X und PC-Gaming-Setups (via HDMI 2.1 oder DisplayPort 1.4) unterstützen HDR10 nativ. Viele Spiele nutzen Auto HDR (Microsoft) auf Basis von HDR10.
  4. Produktion und Mastering: Film- und Serien-Produktionen werden im Mastering-Schritt in HDR10 finalisiert, oft auf Sony BVM-HX310- oder Dolby Pulsar-Monitoren mit bis zu 4.000 nit Peak-Helligkeit.
  5. Videokonferenz und Corporate HDR: Erste professionelle Videokonferenzsysteme (Cisco, Poly) integrieren HDR10-fähige Displays für medizinische oder Broadcast-Anwendungen.

In der Praxis

DaVinci Resolve: Im Projekt-Farbmanagement wählt man als Output-Farbraum „Rec.2020 ST2084" (PQ). Unter Deliver können HDR-Metadaten (MaxCLL, MaxFALL, Mastering Display Primaries) direkt in die Exportdatei geschrieben werden. Resolve liefert auch ein vollständiges HDR-Grading-Environment mit Waveform, Parade und Vectorscope in HDR.

Adobe Premiere Pro / Media Encoder: Beim Export über Media Encoder wird unter Videokodec-Einstellungen (HEVC) die Option „HDR-Übertragungsmerkmale aktivieren" aktiviert. Anschließend können mastering display metadata (MaxCLL, MaxFALL) eingetragen werden.

Final Cut Pro: Unterstützt HDR10-Export für Apple TV 4K. In der Library-Einstellung „Rec. 2020 PQ" anlegen, dann mit dem Apple Pro Display XDR (6.000 nit Referenzmodus) oder einem externen HDR-Referenzmonitor graden.

Compressor (macOS): Bietet vorkonfigurierte HDR10-Exportprofile für 4K HEVC.


Vergleich & Abgrenzung

FormatMetadatenLizenzMax. HelligkeitFarbraum
HDR10Statisch (ST 2086)Offen/kostenlos10.000 nit (theoretisch)Rec. 2020
HDR10+Dynamisch (frameweise)Offen/kostenlos10.000 nitRec. 2020
Dolby VisionDynamisch (frameweise)Proprietär/Lizenz10.000 nitRec. 2020
HLGKeineOffen/kostenlos~1.000 nitRec. 2020
SDR (Rec. 709)KeineOffen/kostenlos~100–300 nitRec. 709

Der entscheidende Nachteil von HDR10 gegenüber Dolby Vision und HDR10+ sind die statischen Metadaten: Die Helligkeitsinformationen werden einmal für den gesamten Film hinterlegt. Das bedeutet, dass dunkle Szenen und sehr helle Szenen mit denselben Tonemapping-Parametern behandelt werden – mit Einbußen in der Bildqualität gegenüber dynamischen Formaten.


Häufige Fragen (FAQ)

Was bedeutet MaxCLL und MaxFALL? MaxCLL (Maximum Content Light Level) gibt die höchste Helligkeitsstufe eines einzelnen Pixels im gesamten Inhalt an (in nit). MaxFALL (Maximum Frame Average Light Level) beschreibt die maximale durchschnittliche Helligkeit eines vollständigen Frames. Beide Werte helfen dem Display-Tonemapping, das Signal optimal auf die verfügbare Displayhelligkeit abzubilden.

Ist HDR10 auf jedem 4K-TV verfügbar? Nahezu alle aktuellen 4K-Fernseher unterstützen HDR10. Es ist die Mindestanforderung für das UHD-Premium-Zertifikat der Ultra HD Alliance. Allerdings variiert die tatsächliche Darstellungsqualität erheblich: Ein Einstiegs-4K-TV mit 300 nit Peak-Helligkeit kann HDR10-Signale empfangen, aber nicht annähernd so darstellen wie ein Premium-OLED mit 1.000+ nit.

Kann man HDR10-Material auf SDR-Displays abspielen? Ja, aber es muss ein Tonemapping durchgeführt werden. Moderne Streaming-Clients und Blu-ray-Player tun dies automatisch (SDR-Konvertierung). Ohne Tonemapping erscheinen HDR10-Bilder auf SDR-Displays zu hell und ausgewaschen, weil die PQ-Kurve für SDR-Displays nicht interpretierbar ist.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • SMPTE (2014): ST 2084:2014 – High Dynamic Range Electro-Optical Transfer Function of Mastering Reference Displays. New York: SMPTE.
  • SMPTE (2014): ST 2086:2018 – Mastering Display Color Volume Metadata Supporting High Luminance and Wide Color Gamut Images. New York: SMPTE.
  • Consumer Technology Association (2016): CTA-861-G – A DTV Profile for Uncompressed High Speed Digital Interfaces. Arlington: CTA.
  • Online: Ultra HD Alliance – UHD Premium Specification –
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