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Das Pantone Matching System (PMS) ist ein 1963 von Lawrence Herbert entwickeltes und von Pantone LLC verwaltetes standardisiertes Sonderfarbsystem für die Druckindustrie, das über 2.100 nummerierte Farbtöne auf Basis definierter Pigmentmischungen umfasst und weltweit als Referenzstandard für präzise Farbkommunikation zwischen Designern, Druckereien und Herstellern gilt.

Rubrik: Ausgabeformate & Technische Standards · Unterrubrik: Standards & Normen · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: PMS, Pantone-Farbe, Spot Color (Sonderfarbe), Pantone+, Pantone Spot


Was ist das Pantone Matching System?

Das Pantone-System löst ein fundamentales Problem in der Designbranche: Wie kommuniziert man präzise über Farben, wenn jeder Monitor anders kalibriert ist, jeder Drucker anders druckt und jede Druckerei andere Farben mischt? Die Antwort ist ein nummeriertes Farbsystem mit physischen Farbfächern (Color Guides), in dem jede Farbe durch eine spezifische Pigmentmischungs-Rezeptur definiert ist.

Wenn ein Designer „Pantone 485 C" angibt, weiß jede Druckerei weltweit exakt, welches Rotton gemeint ist – unabhängig davon, wie es auf dem Monitor aussieht. Diese Verlässlichkeit hat Pantone zum Branchenstandard gemacht: Corporate-Design-Systeme globaler Marken (Coca-Cola: Pantone 485, UPS: Pantone 7399) basieren auf Pantone-Farben. Das Fächer-System ist in Agenturen und Druckereien weltweit ein unverzichtbares Arbeitsmittel.


Hintergrund & Entstehung

Lawrence Herbert trat 1956 als junger Chemiker in die New Yorker Druckfarbenfirma Pantone ein. Zu dieser Zeit war Farbkommunikation im Druck chaotisch: Jede Druckerei mischte Farben nach eigenem Gutdünken, Reproduzierbarkeit war Glückssache.

1963 übernahm Herbert das Unternehmen und führte das Pantone Matching System ein: ein standardisiertes Nummerierungssystem für Druckfarben mit definierten Mischrezepturen. Die erste Kollektion umfasste 500 Farben. 2010 übernahm X-Rite Pantone; 2012 folgte die Übernahme durch Danaher Corporation.

Wichtige Entwicklungsmeilensteine:

  • 1992: Pantone Process Color System (CMYK-Simulation)
  • 2012: Pantone+ (erweiterte Kollektion, digitale Integration)
  • 2013: Pantone Color of the Year-Programm (jährliche Trendfarbe, heute marketingwirksam)
  • 2022: Pantone Very Peri (17-3938) als Color of the Year

Das Pantone-System ist kein ISO-Standard im klassischen Sinne, sondern ein kommerzieller Standard, der durch Marktdurchdringung zum De-facto-Standard geworden ist.


Technische Spezifikationen

Nomenklatur und Farbfächer-Typen

Farbfächer-TypKürzelUntergrundEinsatz
CoatedCGestrichenes Papier (glänzend)Hochglanzdrucke, Verpackung
UncoatedUUngestrichenes Papier (matt)Briefpapier, Bücher, Kopiererpapier
MatteMMattgestrichenes PapierMatte Drucke
MetallicM (Metallic)SpezialpapierGold-, Silbereffekte
Pastel / NeonGestrichenes PapierPastelltöne, Leuchtfarben
Pantone for FashionTCXTextilmusterMode, Textil, Heimtextilien

Beispiele wichtiger Markenpantone

MarkePantone-FarbeBeschreibung
Coca-Cola485 CKräftiges Rot
UPS7399 CBraun
Tiffany & Co.1837 (Blue)Türkis
IKEA (Blau)2748 CKräftiges Blau
MilkaPantone 2577 CLavendel-Lila

Pantone und CIE-Lab*-Farbwerte

Pantone-Farben werden neben der Mischrezeptur auch in *CIE-Lab (Messstandard: D50-Beleuchtung, 2°-Beobachter) sowie in CMYK- und RGB-Näherungswerten** definiert. Diese Werte sind jedoch nur Annäherungen – eine Pantone-Sonderfarbe kann mit CMYK-Prozessfarben oft nicht exakt reproduziert werden (insbesondere Leuchtorange, Leuchtgrün, Metallic-Töne).

Beispiel Pantone 485 C (Rot):

  • L: 47,85 / a: 66,79 / b*: 50,35
  • RGB (Näherung): R 218, G 41, B 28
  • CMYK (Näherung): C 0, M 91, Y 86, K 0

Einsatzgebiete

  1. Corporate Design / Brand Identity: Marken legen ihre primären Unternehmensfarben in Pantone fest, um weltweit konsistente Druckergebnisse zu gewährleisten – auf Visitenkarten, Verpackungen, Werbemitteln und Textilien.
  2. Verpackungsdesign: Lebensmittel- und Konsumgüterverpackungen nutzen Pantone-Sonderfarben, weil CMYK-Druckergebnisse je nach Druckmaschine und Papier variieren können – besonders bei Rottönen und Orangetönen.
  3. Textil- und Modebranche: Pantone TCX (Textile-Cotton eXtended) ist der Farbstandard der Modeindustrie. Designer und Hersteller kommunizieren über TCX-Codes, um weltweit identische Stofffärbungen zu erhalten.
  4. Innenarchitektur und Produktdesign: Pantone Fashion, Home + Interiors ermöglicht Farbabstimmung zwischen Wandfarben, Möbeln und Textilien.
  5. Werbemittelproduktion: Kugelschreiber, T-Shirts, Messeaufsteller – alle im Siebdruck hergestellten Werbemittel werden in Pantone-Farben spezifiziert.

In der Praxis

Adobe Illustrator: Über Fenster → Farbfelder → Farbfeldbibliotheken → Pantone kann die komplette Pantone-Bibliothek geöffnet werden. Elemente mit Pantone-Spotfarben markiert erscheinen in der Druckvorstufe als eigene Separationen.

Adobe InDesign: Identische Integration wie Illustrator. Bei der PDF-Erstellung können Pantone-Farben als Spotfarben erhalten oder zu CMYK konvertiert werden. Wichtig: Für reinen CMYK-Offset-Druck müssen Spotfarben umgewandelt werden.

Canva: Canva bietet keine native Pantone-Integration, aber über die Hex- oder RGB-Werte können Näherungsfarben eingegeben werden. Für professionelle Markenfarben ist Illustrator oder InDesign unverzichtbar.

Druckvorstufe: Bei der Übergabe an Druckereien muss klar kommuniziert werden, ob Pantone-Farben als Spotfarben (eigene Druckfarbe, kostenintensiver) oder als CMYK-Konvertierung (4-Farb-Druck, günstig, leichte Farbabweichung) gedruckt werden sollen.


Vergleich & Abgrenzung

SystemHerkunftEinsatzFarbanzahl
Pantone (PMS)USA (Pantone LLC)Weltweit, alle Branchen2.100+
HKSDeutschland (HKS)Offsetdruck, Europa120 Grundfarben
RALDeutschland (RAL gGmbH)Industrie, Lackierung200+
NCSSchweden (NCS Colour)Innenarchitektur, Wandfarbe1.950
MunsellUSA (historisch)Wissenschaft, Forschungunbegrenzt

Pantone und HKS sind in Deutschland beide verbreitet, sprechen aber unterschiedliche Branchen an: Pantone ist der internationale Standard (Logoschutz, globale Marken), HKS ist im deutschen Offsetdruck und Verlagsbereich stärker verankert.


Häufige Fragen (FAQ)

Warum kann ich Pantone-Farben nicht einfach in CMYK drucken? Pantone-Sonderfarben (Spot Colors) werden aus speziellen Pigmentmischungen hergestellt, die den Farbraum des CMYK-Prozessdrucks überschreiten können. Besonders leuchtende Orangetöne (z. B. Pantone 021 Orange), Neonfarben und Metallics lassen sich mit CMYK nicht exakt reproduzieren. Der Umstieg auf CMYK erzeugt immer einen Kompromiss – wie gut dieser ist, hängt von der spezifischen Farbe ab. Die Software zeigt Warnungen, wenn Farben außerhalb des CMYK-Gamuts liegen.

Was ist die „Pantone Color of the Year" und warum ist sie wichtig? Seit dem Jahr 2000 kürt Pantone jährlich eine „Color of the Year" – eine Trendfarbe, die als Designempfehlung für Mode, Innenarchitektur und Konsumgüter gilt. Die Auswahl basiert auf einer Analyse globaler Kulturtrends durch das Pantone Color Institute. Für Designer und Marketers hat diese Farbe realen Einfluss: Produktdesigner orientieren sich daran, und Medienberichterstattung macht die Farbe zu einem kulturellen Ereignis.

Brauche ich einen Pantone-Farbfächer, oder reicht die Software? Digitale Pantone-Darstellungen auf Monitoren sind Näherungen – jeder Monitor stellt Farben anders dar. Für präzise Farbentscheidungen im Druck ist ein aktueller, nicht verblasster Pantone-Farbfächer (Color Guide) unverzichtbar. Farbfächer veralten durch Lichteinwirkung (empfohlener Tausch alle 1–2 Jahre). Digitale Tools wie Pantone Connect (Abo-Service) bieten digitale Bibliotheken für Software, ersetzen aber nicht den physischen Fächervergleich.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Pantone LLC (2023): Pantone Formula Guide – Coated and Uncoated. Carlstadt: Pantone.
  • Fink, Anne (2019): Farbpsychologie im Marketing. München: Haufe.
  • Eiseman, Leatrice (2006): Pantone on Fashion: A Century of Colour in Design. San Francisco: Chronicle Books.
  • Online: Pantone Color Finder –
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