XMP (Extensible Metadata Platform) ist ein von Adobe Systems 2001 entwickeltes und 2012 als ISO 16684-1 normiertes XML-basiertes Metadatenformat, das redaktionelle, technische und rechtliche Metadaten aus verschiedenen Standards (EXIF, IPTC, Dublin Core) in einem erweiterbaren, maschinenlesbaren Format vereint und in Dateien eingebettet oder als externe .xmp-Sidecar-Datei gespeichert werden kann.
Rubrik: Ausgabeformate & Technische Standards · Unterrubrik: Standards & Normen · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Extensible Metadata Platform, XMP-Sidecar, Adobe XMP, ISO 16684
Was ist XMP?
XMP ist das Schweizer Taschenmesser der Metadatenwelt. Während EXIF nur technische Kameradaten und IPTC nur redaktionelle Presseinformationen enthält, kann XMP praktisch beliebige strukturierte Metadaten in einer standardisierten Form speichern. Es dient als gemeinsamer Container für alle Metadatenstandards und macht Informationen maschinenlesbar und austauschbar.
Technisch ist XMP eine Implementierung von RDF (Resource Description Framework) in XML – dem W3C-Standard für die maschinenlesbare Beschreibung von Ressourcen. Jedes XMP-Dokument beschreibt eine Ressource (z. B. ein Foto) durch eine Sammlung von Eigenschaften (Properties) mit Werten, die in benannten Namensräumen (Namespaces) organisiert sind.
In der Praxis ist XMP vor allem als Speicherformat für Bearbeitungsschritte in Adobe-Programmen bekannt: Lightroom-Entwicklungseinstellungen (Entwicklungsmodule, Schnittmarken, Sterne, Farb-Labels) werden als XMP-Daten gespeichert – entweder in die Originaldatei eingebettet oder in einer separaten .xmp-Sidecar-Datei.
Hintergrund & Entstehung
Adobe Systems veröffentlichte XMP im Jahr 2001 und integrierte es sofort in alle Adobe-Produkte: Photoshop, InDesign, Illustrator, Acrobat. Das Ziel war es, die bis dahin fragmentierte Metadaten-Landschaft zu vereinheitlichen: IPTC-IIM (binär, veraltet), EXIF (binär, kameraspezifisch) und herstellerspezifische proprietäre Metadaten sollten in einem offenen, erweiterbaren XML-Format zusammengeführt werden.
2012 wurde XMP als ISO 16684-1 normiert – ein wichtiger Schritt, der XMP über die Adobe-Welt hinaus als offenen Standard etablierte. Die ISO-Norm definiert das Datenmodell und die Serialisierung, aber nicht die spezifischen Namensräume (Schemas), die separat definiert und registriert werden.
Heute wird XMP von nahezu allen professionellen Bild- und Medienbearbeitungsprogrammen unterstützt: Adobe (Photoshop, Lightroom, Premiere, After Effects), Apple (Final Cut Pro, Photos), DaVinci Resolve, Capture One, GIMP, Inkscape und viele weitere.
Technische Spezifikationen
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Normungsorganisation | ISO (International Organization for Standardization) |
| Norm | ISO 16684-1:2012 (Grundnorm), ISO 16684-2:2014 |
| Technologiebasis | W3C RDF/XML |
| Codierung | UTF-8 |
| Einbettung | Als Segment in JPEG, PNG, TIFF, PDF, INDD, SVG |
| Externe Datei | .xmp (Sidecar-Datei) |
Wichtige XMP-Namensräume (Schemas):
| Namensraum | Prefix | Inhalt |
|---|---|---|
| Dublin Core | dc: | Titel, Autor, Beschreibung, Rechte |
| IPTC Core | Iptc4xmpCore: | Pressebild-Felder (Stadt, Land, Quelle) |
| IPTC Extension | Iptc4xmpExt: | Erweiterte Rechte, Model Release |
| EXIF | exif: | Belichtungsdaten, GPS |
| TIFF | tiff: | Bildabmessungen, Farbprofil |
| Photoshop | photoshop: | Photoshop-spezifische Felder |
| Camera Raw | crs: | Lightroom/ACR-Entwicklungseinstellungen |
| XMP Rights | xmpRights: | Nutzungsrechte, WebStatement |
| XMP Basic | xmp: | Erstellungsdatum, Werkzeug, Thumbnails |
Einsatzgebiete
- Lightroom-Workflow: Lightroom speichert alle Entwicklungseinstellungen (Belichtung, Kontrast, Kurven, Farbkorrekturen, Schnitt, Sterne, Labels) als XMP-Daten. Entweder in der Lightroom-Datenbank (Katalog) oder in .xmp-Sidecar-Dateien neben den RAW-Originalendaten – für plattformübergreifenden Workflow.
- PDF-Metadaten: PDF-Dateien (InDesign-Exporte, Druckdaten) enthalten XMP-Metadaten mit Erstellungsdatum, Autor, Beschreibung und Farbprofil-Informationen. Professionelle Druckereien und Archivare nutzen diese Informationen zur Dokumentenverwaltung.
- Videoproduktion: Adobe Premiere Pro und After Effects schreiben XMP-Metadaten in Videodateien (MXF, MP4). DaVinci Resolve liest XMP-Clip-Metadaten und kann sie für Reel-Verwaltung und Archivierung nutzen.
- Digital Asset Management (DAM): Systeme wie Canto Cumulus, Extensis Portfolio oder Bynder nutzen XMP als primäres Metadaten-Austauschformat. Beim Import werden XMP-Felder in die DAM-Datenbank übernommen; beim Export wieder in die Datei eingebettet.
- Web und Barrierefreiheit: XMP in SVG-Dateien und PNG-Grafiken kann Alt-Text-Informationen, Lizenzangaben und Creator-Informationen enthalten, die von Screen-Readern und Crawlern ausgewertet werden.
In der Praxis
Adobe Lightroom Classic: Unter Bearbeiten → Katalogeinstellungen kann eingestellt werden, dass Lightroom XMP-Daten automatisch in die Originaldateien schreibt (empfohlen für RAW-Workflows). Über Metadaten → Metadaten in Datei speichern (Ctrl+S / Cmd+S) werden Entwicklungseinstellungen manuell in XMP exportiert.
Adobe Bridge: Bridge liest und schreibt XMP aus allen unterstützten Dateiformaten. Im Metadaten-Panel können alle Namensräume eingesehen und editiert werden. Besonders nützlich für Batch-Metadatierung ohne Lightroom-Katalog.
ExifTool: exiftool -xmp:all *.jpg zeigt alle XMP-Tags einer JPEG-Datei an. XMP-Sidecar-Dateien können mit exiftool -o %d%f.xmp -xmp -all *.NEF aus RAW-Dateien exportiert werden.
Interoperabilität: XMP-Sidecar-Dateien (.xmp) neben RAW-Dateien sind die bevorzugte Methode für plattformübergreifende Workflows: Lightroom-Bearbeitungen lassen sich so auch in Capture One, DxO PhotoLab oder anderen XMP-kompatiblen Programmen öffnen – mit der Einschränkung, dass proprietäre Einstellungen (z. B. spezifische Lightroom-Masken) nicht übertragen werden.
Vergleich & Abgrenzung
| Aspekt | EXIF | IPTC-IIM | XMP |
|---|---|---|---|
| Format | Binär (TIFF-basiert) | Binär | XML/RDF |
| Erweiterbar | Nein | Eingeschränkt | Ja (beliebige Namensräume) |
| Lesbarkeit | Maschinell | Maschinell | Maschinell + menschenlesbar |
| ISO-normiert | Nein (CIPA-Standard) | Nein | Ja (ISO 16684) |
| Externe Datei | Nein | Nein | Ja (.xmp Sidecar) |
| Entwicklungseinstellungen | Nein | Nein | Ja (crs: Namespace) |
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen XMP in der Datei und einer XMP-Sidecar-Datei? XMP kann entweder direkt in die Bilddatei eingebettet werden (in JPEG, TIFF, PDF – nicht bei RAW-Dateien aller Hersteller möglich) oder als separate .xmp-Datei neben dem Original gespeichert werden (Sidecar). Sidecar-Dateien sind das einzige Format für RAW-Dateien, deren Struktur keine nachträgliche Einbettung erlaubt (z. B. CR3 von Canon). Der Nachteil von Sidecar-Dateien: Sie können versehentlich getrennt vom Originalbild werden, was zu Informationsverlust führt.
Kann XMP sensible Informationen enthalten? Ja – XMP kann GPS-Daten, Bearbeitungshistorie, verwendete Software-Versionen und Benutzernamen enthalten. Für die Veröffentlichung sollten XMP-Daten bereinigt werden. In Lightroom gibt es beim Export die Option, Metadaten zu minimieren oder vollständig zu entfernen.
Unterstützen alle Bildbetrachter XMP? Professionelle Bildverwaltungs- und Bearbeitungsprogramme unterstützen XMP vollständig. Einfache Bildbetrachter (Windows Foto-App, ältere Versionen von Preview/macOS) zeigen nur Basis-EXIF-Daten an. Browser ignorieren eingebettete XMP-Daten vollständig.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Adobe Systems (2010): XMP Specification Part 1 – Data Model, Serialization and Core Properties. San José: Adobe. Online:
- ISO (2012): ISO 16684-1:2012 – Graphic technology – Extensible metadata platform (XMP) specification – Part 1: Data model, serialization and core properties. Genf: ISO.
- Harvey, Phil (o. J.): ExifTool XMP Tags. Online:
- Online: IPTC XMP Namespaces –
