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Portfolio UX Design ist eine dokumentierte Sammlung abgeschlossener oder laufender Gestaltungsprojekte, die nicht nur die visuellen Ergebnisse, sondern vor allem den Designprozess, die angewandten Methoden und die messbaren Auswirkungen auf Nutzererfahrung und Geschäftsziele darstellt.

Rubrik: Soft Skills & Berufspraxis · Unterrubrik: Karriere & Selbstvermarktung · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: UX Portfolio, Designportfolio, Case Study Collection, Work Samples

Was ist Portfolio UX Design?

Ein UX-Design-Portfolio unterscheidet sich grundlegend von einem Grafikdesign- oder Fotografen-Portfolio: Während dort fertige Bilder im Mittelpunkt stehen, interessieren Recruiter und Unternehmen im UX-Bereich vor allem, wie ein Designer denkt, welche Methoden er einsetzt und wie er mit Widersprüchen zwischen Nutzeranforderungen und Geschäftszielen umgeht. Gut strukturierte Case Studies sind das Herzstück jedes professionellen UX-Portfolios.

Erklärung

Im deutschsprachigen Raum hat sich die Nachfrage nach UX/UI-Designerinnen und -Designern seit 2015 vervielfacht. Entsprechend gestiegen sind auch die Erwartungen an die Portfoliopräsentation. Ein überzeugendes UX-Portfolio beleuchtet drei Ebenen: den Problemraum (Was war die Herausforderung?), den Prozess (Welche Methoden wurden eingesetzt: User Research, Personas, Wireframes, Prototypen, Usability-Tests?) und die Ergebnisse (Welche messbaren Verbesserungen wurden erzielt?).

Case Studies als Kernformat: Jedes Projekt wird als eigenständige Case Study aufbereitet. Der typische Aufbau folgt dem Muster: Kontext und Ausgangsproblem → Research-Phase → Ideation und Konzeption → Prototyping und Testing → Finale Lösung → Learnings und Reflexion. Dieser Aufbau zeigt nicht nur, dass etwas gemacht wurde, sondern warum und mit welchem Ergebnis.

Anzahl der Projekte: Qualität schlägt Quantität. Drei bis fünf ausführliche, gut dokumentierte Case Studies überzeugen mehr als zehn oberflächlich dargestellte Projekte. Selbst wenn man noch wenig Berufserfahrung hat, lassen sich Hochschulprojekte, Selbstprojekte oder Pro-bono-Arbeiten als vollwertige Case Studies aufbereiten.

Vertraulichkeit (NDA): Viele UX-Projekte unterliegen Geheimhaltungsvereinbarungen. In diesem Fall können Designers trotzdem den Prozess (ohne Markenlogos und geschützte Inhalte) darstellen oder die Darstellung mit Genehmigung des Auftraggebers anonymisieren. Mit potenziellen Arbeitgebern kann auch im persönlichen Gespräch aus NDA-Projekten berichtet werden.

Plattformen: Behance und Dribbble eignen sich zur Sichtbarkeit, ersetzen aber keine persönliche Portfolio-Website. Notion wird zunehmend für informelle Case Studies genutzt. Figma Community erlaubt das direkte Teilen interaktiver Prototypen.

AGD-Hinweis: Die Allianz Deutscher Designer (AGD) empfiehlt UX-Designerinnen und -Designern, ihre Portfolio-Website mit grundlegenden Accessibility-Standards umzusetzen – das Portfolio selbst demonstriert damit das Verständnis für nutzerzentriertes Design.

Beispiele

  1. Junior UX Designerin Katharina V. hat ihr erstes Portfolio mit drei Hochschulprojekten aufgebaut. Jede Case Study folgt dem doppelten Diamanten-Modell und zeigt Fotos aus Nutzerinterviews, Affinity Maps und finale Mockups. Trotz fehlender Berufserfahrung erhielt sie drei Intervieweinladungen innerhalb einer Woche nach Veröffentlichung.
  2. UX/UI Designer Marko S. arbeitet bei einem Fintech-Startup. Da alle Projekte unter NDA stehen, hat er sein Portfolio mit einem anonymisierten Prozess-Walkthrough aufgebaut: Persona-Methoden, Entscheidungsrahmen und Testergebnisse sind dokumentiert, ohne schützenswerte Daten preiszugeben.
  3. Freelance UX Designerin Petra L. ergänzt ihre Website mit einem Behance-Profil und einem aktiven LinkedIn-Kanal, auf dem sie regelmäßig UX-Learnings aus ihren Projekten teilt. Diese Content-Strategie hat ihr mehrere Direktanfragen eingebracht.
  4. Häufiger Fehler: Ein Portfolio ausschließlich mit finalen Mockups füllen, ohne den Weg dorthin zu zeigen. Recruiter sehen dann ein visuell ansprechendes, aber inhaltlich nichtssagendes Portfolio – sie können nicht einschätzen, ob der Designer wirklich denken kann.
  5. Best Practice: Designer Florian K. hat für jede Case Study auf seiner Website eine öffentliche Version und eine passwortgeschützte Vollversion. In Bewerbungsschreiben gibt er das Passwort weiter – das schützt vertrauliche Inhalte und zeigt gleichzeitig proaktive Transparenz.

In der Praxis

Tools für die Portfolioerstellung: Figma (für interaktive Prototypen direkt im Portfolio), Webflow oder Squarespace (für eigene Website), Notion (für schnelle Case Studies), Adobe InDesign (für PDF-Portfolio). Empfohlene Struktur einer Case Study: 1. Hero-Bild oder kurzes Video → 2. Projektübersicht (Rolle, Zeitraum, Team) → 3. Problem und Kontext → 4. Research-Methoden und Erkenntnisse → 5. Konzept und Iterationen → 6. Finale Lösung → 7. Ergebnisse und Kennzahlen → 8. Persönliche Learnings. Gesamtlänge pro Case Study: 500–1.500 Wörter plus visuelle Unterstützung.

Vergleich & Abgrenzung

Im Unterschied zum Grafik-Design-Portfolio (Fokus auf visuelle Ästhetik und finale Ergebnisse) steht beim UX-Portfolio der Prozess im Vordergrund. Ein Interaktionsdesign-Portfolio ähnelt dem UX-Portfolio, legt jedoch stärkeren Fokus auf Micro-Interactions und Animationen. Das Service-Design-Portfolio dokumentiert systemische Perspektiven und oft auch nicht-digitale Touchpoints. Ein Entwickler-Portfolio auf GitHub zeigt Code, kein visuelles Design.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie präsentiere ich Projekte, wenn ich noch wenig Berufserfahrung habe? Hochschulprojekte, Hackathon-Teilnahmen, Pro-bono-Projekte für NGOs oder Redesign-Übungen (sogenannte „Concept Redesigns") eignen sich hervorragend als Portfolio-Material. Wichtig ist die konsequente Anwendung einer Designmethodik und die ehrliche Reflexion über Learnings. Recruiter in der Juniorposition wissen, dass Berufserfahrung fehlt – sie suchen nach Denkweise und Lernbereitschaft.

Sollte mein Portfolio auf Deutsch oder Englisch sein? Das hängt vom Zielmarkt ab. Für den deutschsprachigen Markt (DE, AT, CH) ist Deutsch sinnvoll; für internationale Unternehmen oder Remote-Positionen ist Englisch Standard. Viele UX-Designerinnen und -Designer erstellen zweisprachige Websites oder verfassen Case Studies auf Englisch, auch wenn sie sich primär an deutsche Arbeitgeber wenden.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Hoekman, Robert Jr. (2019): UX for Lean Startups. O'Reilly Media.
  • Gothelf, Jeff / Seiden, Josh (2021): Lean UX. O'Reilly Media.
  • AGD – Allianz Deutscher Designer: Berufsbild und Honorarempfehlungen. Online: agd.de
  • Nielsen Norman Group (2023): How to Create a UX Portfolio. Online: nngroup.com
  • Designerinnen & Designer Österreich: Online: designaustria.at
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