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Stundensatz berechnen bezeichnet die systematische Ermittlung des Mindest-Stundensatzes eines freiberuflichen Kreativen auf Basis von Fixkosten, gewünschtem Nettoeinkommen, tatsächlich verrechenbaren Arbeitsstunden und Sozialversicherungsbeiträgen – mit dem Ziel, einen kostendeckenden und marktfähigen Stundenpreis festzulegen.

Rubrik: Soft Skills & Berufspraxis · Unterrubrik: Karriere & Selbstvermarktung · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Honorarkalkulation, Tagessatz berechnen, Preiskalkulation Freelance, Mindest-Stundensatz

Was ist Stundensatz berechnen?

Viele Kreative machen beim Einstieg in die Selbstständigkeit den Fehler, ihren Stundensatz nach Gefühl, nach dem Preise von Konkurrenten oder schlicht zu niedrig anzusetzen. Das Ergebnis ist strukturelle Unterbezahlung: Man arbeitet viel, verdient aber zu wenig, um nachhaltig selbstständig zu bleiben. Ein korrekt berechneter Stundensatz bildet die Grundlage für wirtschaftliche Selbstständigkeit.

Erklärung

Die Berechnung des Stundensatzes folgt einer klaren Logik: Wie viel muss ich verdienen, und wie viele Stunden kann ich realistisch in Rechnung stellen?

Schritt 1 – Gewünschtes Nettoeinkommen festlegen Was möchte ich monatlich netto verdienen? Ein Vergleich mit einem äquivalenten Angestelltengehalt hilft als Ausgangspunkt. Beispiel: 3.000 € netto/Monat = 36.000 € netto/Jahr.

Schritt 2 – Kosten addieren Zu den gewünschten 36.000 € netto kommen hinzu:

  • Einkommensteuer (abhängig vom Gesamteinkommen, grobe Schätzung: 20–30 %)
  • Krankenversicherung (freiwillig gesetzlich: ca. 800–1.200 €/Monat; mit KSK deutlich günstiger)
  • Rentenversicherung (empfohlen: 10–15 % des Einkommens)
  • Betriebliche Fixkosten (Software-Abonnements, Miete Arbeitsplatz, Hardware-Abschreibungen, Buchhaltung, Versicherungen: je nach Setup 200–1.000 €/Monat)
  • Weiterbildung, Büromaterial, Reisekosten

Beispielrechnung (vereinfacht): 36.000 € netto + 12.000 € Steuern + 9.600 € KV + 5.000 € Fixkosten = ca. 62.600 € benötigter Jahresumsatz.

Schritt 3 – Verrechenbare Stunden berechnen Ein Arbeitsjahr hat ca. 220 Arbeitstage. Davon abziehen: Urlaub (25 Tage), Krankheit (5 Tage), Weiterbildung (5 Tage), Akquise und Administration (ca. 30 % der Arbeitszeit, also ~50 Tage) = ca. 135 verrechenbare Tage à 8 Stunden = 1.080 verrechenbare Stunden/Jahr.

Schritt 4 – Mindeststundensatz berechnen 62.600 € ÷ 1.080 Stunden = ca. 58 €/Stunde (Nettostundensatz, ohne MwSt.)

Richtwerte der AGD (Allianz Deutscher Designer): Die AGD veröffentlicht regelmäßig Honorarempfehlungen. Für Grafikdesigner liegen die empfohlenen Stundensätze je nach Erfahrung und Spezialisierung zwischen 65 € und 150 € netto. Senior-UX-Designer und spezialisierte Kreative erzielen oft höhere Sätze. Diese Richtwerte sind wichtig als Argumentationshilfe gegenüber Kunden, die niedrigere Preise verlangen.

Tagessatz: Viele Kreative kommunizieren mit einem Tagessatz (8 Stunden à Stundensatz). Bei einem Stundensatz von 80 € entspricht das 640 € netto/Tag. Für Projekte ist ein Pauschalpreis (Festpreis) oft sinnvoller als stündliche Abrechnung.

Beispiele

  1. Junior-Grafiker Tim H. kalkuliert seinen ersten Stundensatz: 2.200 € Netto-Wunscheinkommen/Monat + Kosten ergibt einen Mindeststundensatz von 52 €. Er setzt seinen Markt-Stundensatz bei 65 € an und kommuniziert ihn selbstbewusst.
  2. Senior-UX-Designerin Birgit N. hat 12 Jahre Berufserfahrung und einen spezialisierten Ruf im Fintech-Bereich. Sie berechnet einen Mindeststundensatz von 90 €, setzt ihn aber bei 130 € an, weil ihr Marktwert und ihre Expertise diesen Preis tragen.
  3. Fotograf Klaus M. berechnet keinen Stundensatz, sondern Projektpauschalen. Er kennt aber seinen Mindeststundensatz (70 €), um bei der Angebotserstellung zu prüfen, ob ein Festpreis wirtschaftlich ist.
  4. Häufiger Fehler: Den Stundensatz eines angestellten Kollegen (Bruttogehalt ÷ 8 Stunden × Tage) nehmen. Dieser Ansatz ignoriert alle Overhead-Kosten, das Risiko und die nicht verrechenbaren Stunden – und führt systematisch zur Unterbezahlung.
  5. Best Practice: Texterin Lena W. überprüft ihren Stundensatz jährlich. Sie berücksichtigt gestiegene Kosten, neue Spezialisierungen und Marktentwicklungen. In drei Jahren hat sie ihren Stundensatz von 55 € auf 90 € angehoben, ohne Kunden zu verlieren.

In der Praxis

Formel: Jahres-Umsatzbedarf ÷ verrechenbare Jahresstunden = Mindeststundensatz Kalkulationstools: Freiberufler-Stundensatzrechner auf selbststaendig.de, Honorarrechner der AGD (agd.de), Excel/Numbers-Vorlagen von Berufsverbänden. Wichtig: Den berechneten Mindeststundensatz als Untergrenze, nicht als Zielwert betrachten. Marktpositionierung, Spezialisierung und Erfahrung rechtfertigen höhere Stundensätze. Sich selbst am Markt unterbieten schadet der gesamten Branche.

Vergleich & Abgrenzung

Der Stundensatz ist die Grundlage für Tagessatz (Stundensatz × 8) und Projektpauschale (Stundensatz × geschätzte Stunden + Puffer). Im Unterschied zum Gehalt (festes monatliches Einkommen, unabhängig von geleisteten Stunden) ist der Stundensatz variabel und muss alle unternehmerischen Risiken und Kosten abdecken. Die Honorarempfehlung (z. B. AGD) ist ein Marktorientierungswert, keine verbindliche Vorgabe, aber wichtige Verhandlungsgrundlage.

Häufige Fragen (FAQ)

Was tue ich, wenn Kunden meinen Stundensatz zu hoch finden? Zunächst: nicht sofort nachgeben. Preiseinwände sind normal und oft Verhandlungstaktik. Statt den Stundensatz zu reduzieren, lieber den Leistungsumfang anpassen (kleineres Projektpaket) oder den Mehrwert besser kommunizieren. Wer seinen Stundensatz sachlich begründen kann (AGD-Richtwerte, eigene Qualifikation, Marktsituation), steht glaubwürdiger da.

Sollte ich meinen Stundensatz kommunizieren oder lieber Projektpauschalen nennen? Pauschalpreise sind für Kunden einfacher zu entscheiden und reduzieren das Risiko für beide Seiten. Der Stundensatz sollte aber intern die Kalkulationsbasis sein. Auf Nachfrage transparent über den Tagessatz zu informieren, wirkt professionell. Im Erstkontakt reicht oft: „Für ein Projekt dieser Größe kalkuliere ich erfahrungsgemäß X €."

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • AGD – Allianz Deutscher Designer: AGD-Honorarempfehlungen. Online: agd.de/honorar
  • BFF – Berufsverband Freie Fotografen: Honorarleitfaden Fotografie. Online: bff.de
  • selbststaendig.de: Stundensatz-Kalkulator für Freiberufler. Online: selbststaendig.de
  • Bundesverband der Freien Berufe: Honorare und Gebühren. Online: freie-berufe.de
  • Fuhlrott, Michael (2021): Freiberufler – Recht, Steuern, Versicherung. dtv Verlag.
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