Biografie

Von Bildhauer und Maler zu einem der einflussreichsten Fotografen Deutschlands.

Frühe Jahre in München (1884–1906)

Adolf Lazi wird 1884 in München geboren. 1896 beginnt er eine Lehre beim Architekten und Bildhauer Karl Heinrich Seboldt. 1900 wird er in die Vereinigten Werkstätten für Wohnungskunst als Maler und Bildhauer aufgenommen. 1906 wird die Fotografie zu seinem Hauptberuf: Er eröffnet ein Münchener Atelier für Fach- und Porträtfotografie und bevorzugt dabei Gummidruck als Verfahren. Er besucht Abendkurse und entwickelt einen unverwechselbaren Blick für Licht und Komposition.

Paris & Freudenstadt (1908–1927)

1908 zieht Lazi nach Paris und arbeitet bei Nadar Fils. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 kehrt er nach Deutschland zurück. Nach einem Lazarettaufenthalt wird er 1917 als kriegsuntauglich entlassen. 1918 gründet er ein Fotoatelier in Freudenstadt im Schwarzwald. 1922 wird sein Sohn Franz Lazi geboren — er zieht zeitweise nach Neapel und nimmt an Ausstellungen teil.

Stuttgart & Industriefotografie (1928–1944)

1928 zieht Lazi nach Stuttgart und wechselt von der Porträtfotografie zur Industrie- und Architekturfotografie. 1932/33 baut er nach eigenem Entwurf ein modernes Studiogebäude auf der Pischekstraße, das er gemeinsam mit seinem Mentor Willi Baumeister gestaltet. Er gehört zum Künstlerkreis am Bubenbad. Zu seinen Kunden zählen Daimler-Benz, Bosch, Kreidler sowie Marken aus Porzellan- (Arzberg, Fürstenberg), Besteck- (WMF, Pott) und Glasproduktion (Gral).

Nachkriegszeit & Schulgründung (1945–1955)

Nach 1945 engagiert sich Lazi intensiv für den Wiederaufbau der Fotokultur. 1947 gründet er die Internationale Gesellschaft für Fortgeschrittene Fotografie. Am 1. April 1950 eröffnet die Internationale Schule für Fortgeschrittene Fotografie mit dreimonatigen Blockseminaren für je zehn Fotografen — eine der ersten ihrer Art in Deutschland. Die Schule inspiriert junge Fotografenbewegungen, darunter die Gruppe fotoform, und sorgt mit der Photokina 1950 für den internationalen Durchbruch. 1951 nimmt Lazi erstmals an der Photokina teil. Am 9. Januar 1955 stirbt Adolf Lazi in Stuttgart.

Fortführung durch die Familie (1955–heute)

Eta Lazi, die am 2. Januar 1950 Adolf geheiratet hat, führt Atelier und Schule nach seinem Tod weiter — gemäß den Grundsätzen des Gründers. 1978 übernimmt A. Ingo von Münster-Lazi die technisch-künstlerische Leitung und gründet mit der Lazi Akademie Europas erste Medienausbildung — Fotografie und Film/Mediendesign erhalten staatliche Anerkennung. 1987 zieht die wachsende Akademie nach Esslingen um. Das nahezu vollständige Bildarchiv — Positive, Negative, Bromsilberabzüge, Originale, Kameras, Korrespondenz und Skulpturen — befindet sich heute in Esslingen.

Chronik

Meilensteine

Fakten
Adresse
Schlösslesweg 48–50, 73732 Esslingen am Neckar
Kontakt
archiv(at)lazi-akademie.de
Öffnungszeiten
Montag – Mittwoch (Führungen auf Anfrage)
Bestände
Positive, Negative, Bromsilberabzüge, Originalwerkzeuge, Kameras, Korrespondenzen und Skulpturen aus über 50 Schaffensjahren
Ausstellungspartner
Villa Merkel – Galerie der Stadt Esslingen
Veranstaltungen

Workshops & Gespräche

Workshop: Ein Haar muss ein Haar bleiben

Dieser Großformat-Workshop bietet die verlangsamte, konzentrierte fotografische Welt der klassischen Studiofotografie. Inspiriert durch Adolf Lazis Methode wird Fotografie zum bewussten Prozess, der vor der Aufnahme beginnt. Jedes Motiv erhält sorgfältiges Setup, Komposition und Beleuchtung, bevor es auf Planfilm festgehalten wird.

Großformatarbeit erfordert Präzision und Aufmerksamkeit — das Ergebnis sind Bilder von besonderer Tiefe und Klarheit. Teilnehmer lernen: Bedienung der Großformatkamera, Tiefenschärfe-Einstellung, Studiobeleuchtung, Planfilm-Belichtung, Dunkelkammerentwicklung und Kontaktabzüge auf Barytpapier.

Kamingespräch mit Ingo Lazi

Das Lazi-Archiv lädt zu einem besonderen Abend ein: Ingo Lazi spricht über seinen Vater Adolf Lazi. Er gibt Einblick in das Familienarchiv, die Studioarbeit und die charakteristische Sichtweise seines Vaters — aus einer Zeit, als Fotografie als Handwerk, Haltung und künstlerische Verantwortung verstanden wurde.

Das Kamingespräch bietet Raum für Fragen, Austausch und die Betrachtung von Originalarbeiten, die Adolf Lazis unverwechselbaren Stil zeigen. Ein inspirierender Abend über Bildkultur und die Idee, dass ein Haar ein Haar bleiben muss.

Kontakt

Archiv-Besuch oder Anfrage

Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

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Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

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