LAZI ARCHIV

Leben und Werk

Adolf Lazi mit dem Objektiv einer Großformatkamera, Nahaufnahme
Adolf Lazi an der Großformatkamera.

Adolf Lazi entstammte einem Münchner Handwerkermilieu, lernte sein Handwerk im Pariser Umfeld des Ateliers Nadar und wurde in Stuttgart zum Pionier einer neuen sachlichen Fotografie, zwischen Kunst, Industrie und Pädagogik.

Die folgende Chronik erschließt die wichtigsten Stationen seines Lebens und Schaffens, von den frühen Jahren in München über Paris und die Weimarer Zeit bis zur Gründung der Schule, die heute als Lazi Akademie fortbesteht.

Anfänge in München (1888–1906)

Adolf Lazi wurde am 7. September 1888 in München geboren. Mit knapp dreizehn Jahren trat er in die Lehre beim Münchner Architekten und Zeichner für christliche Kunst, Karl Heinrich Schmält, ein, eine Ausbildung, die ihm frühzeitig ein Gefühl für Form, Licht und handwerkliche Präzision vermittelte. Anschließend arbeitete er in den renommierten Vereinigten Werkstätten für Wohnkultur in München, jenem Designkollektiv, das um 1900 zum Zentrum der deutschen Reformkunst geworden war.

Mit noch nicht ganz achtzehn Jahren, es war im Jahr 1906, eröffnete Lazi sein erstes eigenes Atelier für künstlerische Aufnahmen und Bildnisse in der Luitenstraße bei der Bavariastraße, München. Kaum aus der Lehrzeit heraus, wagte er damit den Schritt in die Selbstständigkeit, ein Zeichen des Selbstvertrauens, das seine gesamte Karriere prägen sollte.

Paris und der Grand Prix Gent (1906–1913)

Die entscheidende Prägung seiner künstlerischen Jugend erfuhr Lazi in Paris, wo er im Atelier von Félix Nadar, dem legendären Porträtisten von Hugo, Bernhardt und Baudelaire, arbeitete. Sein engster Kollege dort war ein Fotograf namens Benjamin; zwischen ihm und Lazi „verband eine stille, unausgesprochene Freundschaft." In diesem Umfeld lernte Lazi die große Porträttradition des 19. Jahrhunderts aus erster Hand kennen.

1913 reichte Lazi, damals noch keine fünfundzwanzig Jahre alt. Arbeiten für die internationale Ausstellung in Gent ein. Die Bilder wurden mit dem Grand Prix ausgezeichnet. Der damals über achtzig Jahre alte Nadar ließ es sich nicht nehmen, ihm persönlich zu gratulieren. Dieser Preis war Lazis erster internationaler Durchbruch.

Erster Weltkrieg (1914–1917)

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs beendete die Pariser Zeit abrupt. Lazi floh im August 1914 aus Paris; in den folgenden Jahren war er als Soldat in Arras (1914) und Lauzon (1915) eingesetzt. Im Dezember 1917 wurde er als dienstuntauglich entlassen.

Wanderjahre: Freudenstadt und Rom (1917–1928)

Nach Kriegsende eröffnete Lazi ein bescheidenes Atelier im Schwarzwald, in Freudenstadt, in einem Halbkeller mit acht Mark Monatsmiete. Es war eine materielle Notzeit, in der er dennoch weiterarbeitete. In diesen Jahren reiste er auch wiederholt nach Rom und Neapel, wo ihn die Lichtverhältnisse und die Möglichkeit zu Bildnisaufnahmen anzogen.

Stuttgart: Neue Sachlichkeit und Bubenbad (1928–1932)

1928 zog Lazi nach Stuttgart, jener Stadt, die zur Hauptbühne seiner reifen Karriere werden sollte. Sein erstes Stuttgarter Atelier befand sich in der Dienerbädernstraße. Fast gleichzeitig trat er dem Deutschen Lichtbild (GDL) bei, einer der führenden Fotografen-Vereinigungen der Weimarer Zeit, , dem er von 1928 bis 1933 angehörte.

Im Jahr 1929 erlebte Lazi auf der Film-Ausstellung Stuttgart Portraits, die in doppelter Lebensgröße gezeigt wurden. Dieser Eindruck radikalisierte seinen ästhetischen Anspruch: Er begann, die Großformatkamera als das eigentliche Ausdrucksmittel der Fotografie zu begreifen, als einziges Werkzeug, das Präzision, Plastizität und Tonreichtum auf höchstem Niveau garantierte.

In denselben Jahren knüpfte Lazi im Stuttgarter Bubenbad enge Freundschaften mit dem intellektuellen Kern der lokalen Avantgarde: mit dem Maler Willi Baumeister, dem Produktgestalter Wilhelm Wagenfeld, dem Typografen F.H. Ernst Schneidler, dem Kunsthistoriker Hans Hildebrandt und dem Arzt und Galerist Ottomar Domnick.

Mit Wagenfeld entstanden nachweislich gemeinsame Auftragsarbeiten: Ein von Lazi fotografierter Altarkelch für die Evangelische Akademie, entworfen von Wagenfeld und hergestellt von Bruckmann & Söhne Heilbronn, ist im Deutschen Digitalen Bibliotheksnachweis belegt.

Die großen Industrie-Aufträge

Lazi fotografierte für Daimler-Benz, Bosch und Kreidler, für Kugelfischer, für WMF und für Porzellan- und Glasmanufakturen. Jedes Material hatte für ihn ein eigenes Gesicht, das er mit Licht herausarbeitete. Aus der reinen Werbeaufnahme wurde so eine künstlerische Dokumentation der Dinge.

Das Atelierhaus Pischekstraße (1932/33)

Erst nachdem Lazi Großaufträge aus der Industrie gewonnen hatte, für Maschinenfabriken, Chemiebetriebe und Konsumgüterhersteller, , konnte er sich ein eigenes Atelierhaus leisten. Das Atelierhaus in der Pischekstraße entstand 1932/33; nach Angaben des Adolf-Lazi-Archivs war Willi Baumeister an seiner Gestaltung beteiligt. Das Gebäude wurde Lazis Arbeits- und Lebensort bis zu seinem Tod.

Die Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945)

1933 trat Lazi aus dem GDL aus, parallel zur Machtübernahme der NSDAP. Nach eigenen Angaben arbeitete er in den folgenden Jahren ausschließlich für private und industrielle Auftraggeber und zog sich aus dem öffentlichen Kunstbetrieb zurück. Ein unabhängiger Beleg für diese Selbstdarstellung liegt nicht vor; die verfügbaren Quellen stammen aus seinem persönlichen Umfeld.

Aufbruch nach 1945 (1945–1950)

Nach Kriegsende zählte Lazi zu den ersten, die die Stuttgarter Fotoszene neu organisierten. Noch unter amerikanischer Besatzungsverwaltung gründete er 1947 zwei Vereinigungen: die „Stuttgarter Photographische Gesellschaft 1947" und die „Internationale Gesellschaft für Höhere Photographie". Vorläufer und Keimzellen der späteren Deutschen Gesellschaft für Photographie.

Am 1. Oktober 1948 eröffnete Lazi im Stuttgarter Landesgewerbeamt die Ausstellung „Die Photographie 1948", eine der ersten bedeutenden Fotografieschauen der Nachkriegszeit in Deutschland. Aus dieser Szene heraus entstand 1949/50 die Gruppe fotoform (mit Otto Steinert, Toni Schneiders, Siegfried Lauterwasser u.a.).

Auf der ersten photokina 1950 in Köln war Lazi als einer der führenden deutschen Fotografen vertreten. Am 18. April 1951 gehörte er zu den 36 Gründungsmitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh), zusammen mit Liselotte Strelow, Otto Steinert, Herbert List und anderen.

Die Schule Lazi (1950–1955)

1950 kündigte Lazi die Gründung einer privaten Lehreinrichtung an. Die Schule trug den Namen „Internationale Schule für Höhere Fotografie – Lazi". Lazis pädagogischer Ansatz war radikal praktisch: Noch am ersten Tag schickte er seine Schüler auf eine Trümmergrube, um sich Steine, Glasscherben, Draht, Eisenstücke und Tappenpappe zu holen. Rohmaterial für ihre ersten Struktur- und Reliefaufnahmen.

Adolf Lazi starb im Januar 1955, wenige Wochen, nachdem er das Vorwort seines letzten Buches abgeschlossen hatte. Die Schule wurde von seiner Witwe Eta Lazi und späteren Direktoren weitergeführt und entwickelte sich zur heutigen Lazi Akademie in Esslingen.

Höhere Photographie ist eine Verbindung von künstlerischem Element und feinem Handwerk.

Adolf Lazi · über seinen Anspruch an technische Präzision

Kugellager, 1935
Kugellager, 1935
Maschinenteil
Maschinenteil
Barometer
Barometer
Treppenhaus
Treppenhaus
Innenraum mit Gitter
Innenraum mit Gitter
Armbanduhr
Armbanduhr
Stillleben mit Besteck
Stillleben mit Besteck
Kanne und Tassen
Kanne und Tassen
Handschuhe und Tüll
Handschuhe und Tüll
Blütenstillleben
Blütenstillleben
Wassertropfen am Glas
Wassertropfen am Glas
Frauengesicht mit Rosen
Frauengesicht mit Rosen
Studioporträt
Studioporträt
Studioporträt
Studioporträt
Studioporträt
Studioporträt
Charakterporträt
Charakterporträt
Studioporträt
Studioporträt
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Sein Blick

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Stationen eines Lebens

1884Geburt in München

Adolf Lazi wird am 22. Dezember 1884 in München geboren. Schon als Kind fällt sein zeichnerisches Talent auf.

Adolf Lazi posiert, ein Bildhauer modelliert seine Büste
1896Lehre als Bildhauer

Mit zwölfeinhalb Jahren beginnt Lazi eine Lehre beim Bildhauer Karl Heinrich Seboldt. Ton, Holz und Stein schulen seine Hände und seinen Blick fürs Material.

1908Paris, Atelier Nadar

Mit 24 Jahren geht Lazi nach Paris und arbeitet im berühmten Fotostudio Nadar. Hier entstehen zahlreiche Gummidrucke.

Studioporträt einer Frau hinter Tüll, Aufnahme von Adolf Lazi
1913Grand Prix in Gent

Eine Kollektion seiner kombinierten Gummidrucke bringt ihm in Gent den Grand Prix. Sein Name beginnt international bekannt zu werden.

Mercedes Cabrio mit Dame im Pelz, Werbeaufnahme der 1930er Jahre
1928/29Stuttgart und die Industrie

Lazi siedelt nach Stuttgart über und eröffnet ein neues Atelier. Er wechselt von der Porträt- zur Industrie- und Werbefotografie und wird darin führend.

Atelier- und Schulgebäude in der Pischekstraße, Stuttgart
1932/33Eigenes Atelierhaus

Auf einer Höhe Stuttgarts baut Lazi sein modernes Atelierhaus in der Pischekstraße, zugeschnitten auf die Werbefotografie. An der Gestaltung wirkt Willi Baumeister mit.

Sachaufnahme eines Barometers mit Glasskala, Aufnahme von Adolf Lazi
1933Austritt aus der GDL

Lazi tritt aus der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner aus. Im selben Jahr wird der Verband nationalsozialistisch gleichgeschaltet. In den folgenden Jahren hält sich Lazi mit privaten Industrie- und Werbeaufträgen über Wasser.

Hallenansicht der Ausstellung Die Photographie 1948 in Stuttgart
1948„Die Photographie 1948“

Lazi ruft in Stuttgart die Ausstellung „Die Photographie 1948" ins Leben und zeigt dort 23 eigene Großformate. Aus ihrem Umfeld geht die Gruppe fotoform und die „subjektive fotografie" hervor.

Aufnahme eines aufgeschnittenen Wälzlagers von Adolf Lazi
1950Gründung der Schule Lazi

Lazi gründet in Stuttgart die „Internationale Schule für Höhere Fotografie – Lazi", kurz „Schule Lazi". Der Schulbau wird an sein Atelierhaus angegliedert.

1955Tod in Stuttgart

Adolf Lazi stirbt am 9. Januar 1955 in Stuttgart, kurz nach seinem 70. Geburtstag. Seine Frau Eta Lazi führt Werbeatelier und Schule weiter.

1978Lazi Akademie in Esslingen

Sein Sohn A. Ingo Lazi übernimmt die Leitung und gründet die Lazi Akademie in Esslingen. Aus der Fotoschule werden Schritt für Schritt mehrere Fachbereiche.

Historische Plattenkamera mit Lazi-Akademie-Logo bei einer Archiv-Ausstellung
heuteDritte Generation

Die Lazi Akademie wird heute in dritter Generation geführt. Aus der einen Fotoschule sind die Fachbereiche Fotodesign, Film und Mediendesign sowie Grafik- und Kommunikationsdesign geworden.

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Das Archiv

Das Adolf-Lazi-Archiv verwahrt Originalabzüge, Negative und Dokumente aus Lazis Atelier und der frühen Schule.

Das Adolf-Lazi-Archiv wird von der Lazi Akademie in Esslingen betreut. Es verwahrt Originalabzüge, Negative, Dokumente und Materialien aus Lazis Atelier und der frühen Schule.

Das Archiv ist von dem separat geführten Franz-Lazi-Archiv zu unterscheiden, das Nachlass und Werke von Lazis Sohn Franz Lazi (1922–2012) enthält und im Staatsarchiv Sigmaringen aufbewahrt wird.

Anfragen zur wissenschaftlichen Nutzung von Archivmaterial, für Forschung, Ausstellungen oder Veröffentlichungen, richten Sie bitte an: information@lazi-akademie.de

Werke und Aufnahmen

Den Kern des Archivs bilden tausende Positive und Negative aus allen Schaffensphasen. Sie umfassen die Werkgruppen, die Lazi in seinem Buch selbst beschrieb: Strukturaufnahmen, Stillleben, Bildnisse sowie die große Werbe- und Sachfotografie für die Industrie.

Darunter sind Aufnahmen für Auftraggeber wie Daimler-Benz, Bosch, Kreidler und Kugelfischer ebenso wie die feinen Sachaufnahmen von Besteck, Glas und Porzellan. Auch Bromöldrucke gehören zum Bestand, eine fotografische Edeltechnik, mit der Lazi früh arbeitete. Eine einzelne datierte Arbeit, die Aufnahme „Stahl“ von 1935, befindet sich heute im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg und zeigt, in welchem Rang dieses Werk steht.

Kameras und Werkzeuge

Zum Nachlass gehören originale Kameras und Werkzeuge aus Lazis Atelier. Sie machen seine Arbeitsweise anschaulich, die ganz auf die Großaufnahme ausgerichtet war. Lazi arbeitete bewusst nicht mit der Kleinbildkamera, sondern mit der Großkamera für die ruhende, lang belichtete Aufnahme.

Sein Mindestaufnahmeformat lag bei 24 mal 30 Zentimetern, in der Schule bei 9 mal 12 Zentimetern. Die erhaltenen Geräte und Hilfsmittel zeigen, mit welchem technischen Aufwand er das Licht im Atelier führte, vom Streiflicht für die Struktur bis zur vollen Ausleuchtung des Bildnisses. Sie sind ein wichtiges Zeugnis der Atelierpraxis der Neuen Sachlichkeit.

Bücher und Dokumente

Das Archiv bewahrt den Schriftwechsel Lazis mit Persönlichkeiten der Fotogeschichte sowie Dokumente zu Atelier und Schule. Sie belegen seine Rolle als Wegbereiter der Nachkriegsfotografie und seine Verbindungen in die Fachwelt.

Dazu zählt auch sein eigenes Buch „Die bildnerische Grossaufnahme“ von 1955, in dem er sein Denken über die Fotografie festhielt. Solche Quellen machen das Archiv zu einer Grundlage für Forschung und Ausstellungen, weit über die reine Bildsammlung hinaus.

Bildhauerarbeiten

Adolf Lazi kam von der Bildhauerei, und davon zeugt der Nachlass bis heute. Das Archiv bewahrt eigene Bildhauerarbeiten und Holzschnitzereien aus seiner Hand.

Diese Stücke schlagen die Brücke zu seiner Ausbildung bei dem Bildhauer Karl Heinrich Seboldt. Sie zeigen die Wurzeln seines Blicks für Form, Oberfläche und Körper, der später sein ganzes fotografisches Werk prägte. Einige der im Buch abgebildeten Plastiken sind ausdrücklich als Arbeiten Lazis ausgewiesen.

Umfang und Zugang

Der künstlerische Nachlass umfasst rund 20.000 Aufnahmen. Er lagert an der Lazi Akademie in Esslingen und wird dort von der Familie betreut.

Das erklärte Ziel ist die Öffnung des Bestands für Publikum und Wissenschaft. Anfragen für Forschung, Ausstellungen oder Veröffentlichungen richten sich direkt an das Archiv. Mehr dazu unter adolf-lazi-archiv.de.

Modernes Atelierhaus Lazi in der Pischekstraße, Stuttgart, mit hohen Fenstern
Das Atelierhaus in der Pischekstraße, 1932. An der Gestaltung wirkte Willi Baumeister mit.
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In Museen

Lazis Arbeiten finden sich heute in bedeutenden Sammlungen. Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg führt etwa seine Aufnahme „Stahl" von 1935.

Zu den Einrichtungen mit gesichertem Werkbestand zählen außerdem die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin sowie das Historische Fotoarchiv der Stiftung Deutsches Design Museum.

  • Metropolitan Museum of Art, New YorkAufnahmen von Adolf Lazi sind im Sammlungsbestand des Metropolitan Museum vertreten.
  • Museum für Kunst und Gewerbe HamburgDas Museum führt seine Aufnahme »Stahl« von 1935 unter Sach- und Werbefotografie.
  • Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu BerlinWerke von Adolf Lazi sind im Bestand der Kunstbibliothek vertreten.
  • Stiftung Deutsches Design MuseumIm Historischen Fotoarchiv der Stiftung sind Aufnahmen von Adolf Lazi vertreten.
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Das Buch

Aufgeschlagene Doppelseite des Bildbands »Die bildnerische Grossaufnahme« von Adolf Lazi, 1955: links der Kapiteltext, rechts eine großformatige Industrieaufnahme eines Wälzlagers.
Aus dem Bildband »Die bildnerische Grossaufnahme«, 1955.

„Die bildnerische Grossaufnahme“ ist Adolf Lazis eigenes Buch über die Fotografie. Es erschien 1955 im Adolf Lazi Verlag in Stuttgart, herausgegeben von seiner Frau Eta Lazi. Lazi vollendete den Bildband kurz vor seinem Tod, das Vorwort ist auf Dezember 1954 datiert. Es ist die wichtigste Quelle zu seinem Denken über die Fotografie, weil es seine eigenen Worte enthält.

Das Buch ist kein gewöhnliches Lehrbuch. Lazi selbst beschrieb es so: „Es ist kein Lehrbuch mit einigen Bildern, sondern ein Bildbuch mit einigen Lehren.“ Es sollte belehren, erzählen und erfreuen und vor allem zum genauen Schauen anregen.

Viele der Aussagen auf dieser Seite stammen direkt aus diesem Werk. Es vereint eine strenge Auslese seiner Aufnahmen mit Texten, in denen Lazi seine Arbeitsweise und seinen Anspruch an die „Höhere Photographie“ erklärt.

Entstehung

Adolf Lazi trug für das Buch eigene Arbeiten aus mehreren Jahrzehnten zusammen. Zusammen mit Eta Lazi, die von Anfang an als Herausgeberin vorgesehen war, nahm er eine strenge Auslese aus der Vielzahl seiner Aufnahmen vor. Im Dezember 1954, nach Vollendung seines 70. Lebensjahres, fertigte er die letzten Arbeiten für die Sammlung an.

Das Erscheinen erlebte er nicht mehr. Adolf Lazi starb am 9. Januar 1955. Eta Lazi führte die Herausgabe bis zur druckfertigen Vollendung weiter und brachte das Buch im eigenen Verlag heraus. Es erschien rund ein Jahr nach seinem Tod. Beratend zur Seite standen ihr unter anderem Dr. Adolf Reitz, der den biografischen Essay beisteuerte.

Aufbau des Bildbands

Das Buch verbindet Text und Bildtafeln. Den Auftakt bildet Lazis eigenes Vorwort, gefolgt von einem biografischen Essay von Dr. Adolf Reitz unter dem Titel „Adolf Lazi · Ein Leben für die Photographie“. Den Abschluss bildet ein Nachwort von Eta Lazi.

Der inhaltliche Teil ist nach Lazis Werkgruppen gegliedert. Die Kapitel führen von der Strukturaufnahme über das Stilleben und das Bildnis bis zum photographischen Werbebild. Den Schluss bildet ein eigenes Kapitel über die „Schule Lazi“. In jedem Kapitel erläutert Lazi seine Gedanken und zeigt sie an konkreten Aufnahmen.

Die Bildtafeln umfassen Sachaufnahmen, Stillleben, Bildnisse und Studien, darunter auch erste Farbstudien mit Agfacolor. Den meisten Aufnahmen liegen Originale im Format 18 mal 24 Zentimeter zugrunde. So entsteht ein Querschnitt durch sein ganzes Werk.

Warum es zählt

Das Buch ist die stärkste Primärquelle zu Adolf Lazi, weil es seine eigene Stimme bewahrt. Hier erklärt er selbst, was er unter „Höherer Photographie“ verstand, wie er das Licht führte und warum ihm Präzision so wichtig war. Sein Leitsatz „Ein Haar muss ein Haar bleiben“ stammt aus diesem Werk.

Für die Archivseite ist es die zentrale Grundlage. Wo eine Angabe auf seinen eigenen Worten beruht, lässt sie sich hier nachlesen und einordnen. Damit ist das Buch zugleich ein historisches Dokument und ein bis heute lesbares Bekenntnis zu einer Haltung in der Fotografie.

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Aus dem Bestand

Industrieaufnahme eines Wälzlagers von Adolf Lazi
Industrie: Kugellager, 1935
Architekturaufnahme eines Treppenhauses von oben
Architektur: Treppenhaus
Studioporträt einer Frau hinter Tüll
Porträt: Studio
Alte Eastman-Kodak-Filmschachtel aus dem Archiv
Dokumente: Material
Hallenansicht der Ausstellung Die Photographie 1948 in Stuttgart
„Die Photographie 1948". Anstoß für die Gruppe fotoform und die subjektive fotografie.
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Häufige Fragen

Wer war Adolf Lazi?

Adolf Lazi (1884–1955) war ein deutscher Fotograf der Neuen Sachlichkeit. Er kam von der Bildhauerei und wurde in Stuttgart zu einem führenden Industrie- und Werbefotografen. 1950 gründete er die „Schule Lazi", aus der die heutige Lazi Akademie hervorging.

Was bedeutet Neue Sachlichkeit?

Die Neue Sachlichkeit war eine Strömung der 1920er und 1930er Jahre. In der Fotografie meint sie einen klaren, sachlichen Blick auf Dinge und Material, ohne weichzeichnende Effekte. Lazi setzte Licht und Schärfe so ein, dass jedes Material seine eigene Form zeigte.

Was ist die Schule Lazi?

Die „Schule Lazi" war die „Internationale Schule für Höhere Fotografie", die Adolf Lazi 1950 in Stuttgart gründete. Sie verband fotografisches Handwerk mit Gestaltung. Aus ihr entwickelte sich über Jahrzehnte die Lazi Akademie in Esslingen.

Was war die „Höhere Photographie"?

„Höhere Photographie" war Adolf Lazis eigener Begriff. Er meinte damit die Verbindung von feinem fotografischem Handwerk und künstlerischer Gestaltung. Saubere Technik allein genügte ihm nicht. Erst wenn eine Idee und eine bewusste Gestaltung hinzukamen, sprach er von Höherer Photographie. Nach diesem Anspruch benannte er auch seine Schule.

Wo kann man Werke von Adolf Lazi sehen?

Arbeiten von Adolf Lazi liegen in öffentlichen Sammlungen, darunter das Metropolitan Museum of Art in New York, das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg und die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin. Sein Nachlass mit rund 20.000 Aufnahmen wird im Adolf-Lazi-Archiv in Esslingen bewahrt.

Was heißt „Ein Haar muss ein Haar bleiben"?

Das war Adolf Lazis Leitsatz für technische Präzision. Eine Aufnahme sollte so genau sein, dass jedes Detail erkennbar blieb, bis hin zum einzelnen Haar. Er nahm sich dafür viel Zeit, mit aufwendigem Licht und langen Belichtungen.

Wie hängt Adolf Lazi mit der Lazi Akademie zusammen?

Adolf Lazi gründete 1950 die „Schule Lazi" in Stuttgart. Nach seinem Tod führte seine Frau Eta Lazi sie weiter. 1978 gründete sein Sohn A. Ingo Lazi daraus die Lazi Akademie in Esslingen, heute eine staatlich anerkannte Berufsfachschule für Gestaltung, in dritter Generation geführt.

Wer war Franz Lazi?

Franz Lazi (geboren 1922) war ein Sohn Adolf Lazis aus früherer Ehe und selbst ein bekannter Industrie- und Werbefotograf der Nachkriegszeit. Er ging einen eigenen Weg. Die Lazi Akademie geht nicht auf ihn zurück, sondern auf die Linie um Eta und A. Ingo Lazi.

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Quellen

  • Adolf Lazi: Die bildnerische Großaufnahme. Stuttgart 1955. – Primärquelle: Vorwort (S. 5–6), Essay Studien (S. 80–86), Essay Das Bildnis (S. 40–49). Adolf-Lazi-Archiv, Esslingen.Adolf-Lazi-Archiv, Esslingen
  • Wikidata: Adolf Lazi, Q1358268 – Geburtsdatum 7. September 1888, Sterbedatum Januar 1955. Stand 2025.wikidata.org
  • Edwin Reitz: Biografischer Essay. In: Adolf Lazi, Die bildnerische Großaufnahme. Stuttgart 1955, S. 8–18. – Primärquelle zu Luitenstraße-Atelier München 1906, Paris/Nadar, Grand Prix Gent 1913, Freudenstadt, Dienerbädernstraße, Stuttgarter Gesellschaften 1947, Trümmergrube-Pädagogik.Adolf-Lazi-Archiv, Esslingen
  • Adolf-Lazi-Archiv, Esslingen / Lazi Akademie: interne Unterlagen und Dossier. Stand 2025. – GDL-Mitgliedschaft 1928–1933, Bubenbad-Kreis, offizieller Schulname, Stempel-Inschrift, Werkbestand öffentliche Sammlungen.lazi-akademie.de
  • Städtische Kunsthalle Mannheim / Württembergischer Kunstverein: Ausstellungskataloge Willi Baumeister Stuttgart. Verschiedene Ausgaben. – Kontext Bubenbad.kunsthalle-mannheim.de
  • Deutsches Digitales Bibliotheksnachweis (DDB): Wagenfeld / Lazi, Altarkelch für Ev. Akademie Bad Boll, Hersteller Bruckmann & Söhne Heilbronn. Inv.-Nr. SDDM_HF_0.013.751_a_005. Stand 2024.deutsche-digitale-bibliothek.de
  • Angaben des Adolf-Lazi-Archivs zur Mitwirkung Willi Baumeisters am Entwurf des Atelierhauses Pischekstraße 1932/33. – Nicht unabhängig belegt.Adolf-Lazi-Archiv, Esslingen
  • Liselotte Strelow: Brief zur Ausstellung Die Photographie 1948, Stuttgart, Landesgewerbeamt, 1. Oktober 1948. Zitiert nach: Fotoarchiv Strelow / Rechercheergebnisse 2025.Adolf-Lazi-Archiv, Esslingen
  • Ute Eskildsen (Hg.): Fotonotizen – Die Gruppe fotoform. Museum Folkwang, Essen 2002. – Gründungskontext fotoform.museum-folkwang.de
  • Reinhart Gruber: Photokina-Berichte 1950. Köln Messe. – Lazis Teilnahme an der ersten photokina 1950 bestätigt.photokina.de
  • Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh): Gründungsdokumente, Silber-Grill-Dinner, Köln, 18. April 1951. 36 Gründungsmitglieder.dgph.de
  • Eta Lazi: Vorwort. In: Adolf Lazi, Die bildnerische Großaufnahme. Stuttgart 1955, S. 7. – Zitat: Dokumente und Abstraktionen zugleich.Adolf-Lazi-Archiv, Esslingen
  • Bildindex der Kunst und Architektur, Foto Marburg: Werkbestand Adolf Lazi. 48 Werke nachgewiesen (Museum Ludwig Köln, MK&G Hamburg). Stand 2024.bildindex.de
  • d:kult Düsseldorf (Stadtmuseum / Kunstpalast): Werkbestand Adolf Lazi, 6 Werke. Stand 2024.dkult.de
  • Stadtarchiv Wuppertal / Von der Heydt-Museum: Werkbund-Fotografietradition. Kontext Lazi. Stand 2024.wuppertal.de
  • Eva Schlegel: Adolf Lazi – Fotograf und Schulbegründer. Dissertation Philipps-Universität Marburg 1997, Veröffentlichung 1999. – Einzige wissenschaftliche Monografie zu Lazis Gesamtwerk.uni-marburg.de
  • Fritz Hellwag: Essay über Adolf Lazi. In: Fachzeitschrift für Fotografie, 1932. – Früheste bekannte wissenschaftliche Würdigung.Bibliotheksbestand
  • Der Spiegel: Profil-Erwähnung Adolf Lazi im Kontext der westdeutschen Fotografieszene. 1949.spiegel.de
  • Adolf-Lazi-Archiv, Lazi Akademie, Esslingen. Kontakt: information@lazi-akademie.de – Originalabzüge, Negative, Dokumente aus Atelier und Schule.lazi-akademie.de
  • Franz-Lazi-Archiv, Staatsarchiv Sigmaringen. – Nachlass Franz Lazi (1922–2012), Sohn Adolf Lazis (aus 2. Ehe mit Laura Büttner). Separates Archiv, nicht identisch mit Adolf-Lazi-Archiv.landesarchiv-bw.de
  • ULAN (Union List of Artist Names), Getty: Adolf Lazi, ULAN 500122736.getty.edu
  • RKD Netherlands Institute for Art History: Adolf Lazi, RKD 279050.rkd.nl
  • VIAF (Virtual International Authority File): Adolf Lazi, VIAF 69736963.viaf.org
  • Landesgewerbeamt Stuttgart: Ausstellungsunterlagen Die Photographie 1948, Oktober 1948.Landesarchiv Baden-Württemberg
  • Voigtländer AG, Braunschweig: Produktunterlagen Apo-Skopar. In: Lazi 1955.Privatsammlung
  • Jos. Schneider & Co., Kreuznach: Objektiv Schneider-Angulon. In: Lazi 1955.Privatsammlung
  • Kugelfischer (FAG), Schweinfurt: Auftrag Wälzlageraufnahmen. In: Lazi 1955, S. 81.Privatsammlung
  • Hugo Pott GmbH, Solingen: Auftrag Besteck-Werbefotografie. In: Lazi 1955, S. 84/85.Privatsammlung
  • Weberei Fritz Landwehr, Bopfingen: Auftrag Textilfotografie. In: Lazi 1955, S. 81/83.Privatsammlung
  • Alfred Schladerer, Staufen: Auftrag Kirschwasser-Werbefotografie. In: Lazi 1955, S. 91.Privatsammlung
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Kontakt

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A. Ingo von Münster-Lazi
Ansprechpartner Adolf-Lazi-Archiv