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Intermediale Gestaltung ist das bewusste, konzeptionell durchdachte Arbeiten über Mediengrenzen hinweg – die Verbindung von Film, Design, Klang, Raum und digitalen Medien zu kohärenten Aussagen, die in keinem Einzelmedium allein möglich wären.

Von Dominik Lazi | Lazi-Akademie | Mai 2025 | Aktualisiert: Mai 2026

In einer Medienwelt, in der TikTok-Clips Musik, Bewegtbild, Text, Grafik und Sprache in Sekundensequenzen verschmelzen, klingt das Konzept intermedialer Gestaltung fast selbstverständlich. Und doch: Gerade weil mediale Grenzen im Alltag so durchlässig geworden sind, wird das bewusste Arbeiten über diese Grenzen hinweg zur Kernkompetenz – und zu einem der wenigen Berufsfelder, das durch generative KI nicht substituiert, sondern aufgewertet wird.

Was ist intermediale Gestaltung?

Bevor wir über Berufsperspektiven sprechen, lohnt eine terminologische Klärung – denn „multimedial", „crossmedial" und „intermedial" werden im Alltag oft synonym verwendet. Das ist unpräzise:

  • Multimedial = mehrere Medien nebeneinander (eine Präsentation mit Bildern und Text)
  • Crossmedial = ein Inhalt wird über verschiedene Kanäle distribuiert (Kampagne auf Instagram, YouTube, Print)
  • Transmedial = eine Erzählwelt entfaltet sich über mehrere Medien mit je eigenem Beitrag (Marvel Cinematic Universe)
  • Intermedial = die Grenzen zwischen Medien werden selbst zum gestalterischen Material; die Verbindung erzeugt etwas qualitativ Neues, das in keinem Einzelmedium möglich wäre

Der Begriff „Intermedia" wurde 1966 vom Fluxus-Künstler Dick Higgins geprägt. In seinem programmatischen Essay unterschied er zwischen „mixed media" – verschiedene Künste nebeneinander – und echten Intermedien, bei denen die Grenzen selbst Gegenstand der Reflexion werden. Heute beschreibt intermediale Gestaltung ein Berufsfeld, das in immersiven Installationen, Brand Experiences, Experience Design und interaktiven Medien seine praktische Heimat gefunden hat.

Warum intermediale Gestaltung gerade jetzt relevant ist

Generative KI hat die Produktionshürden für Mediencontent dramatisch gesenkt. Ein erfahrener Creative Director kann heute mit KI-Unterstützung in zwei bis drei Tagen prototypisch entwickeln, wofür früher ein fünfköpfiges Spezialistenteam drei Wochen brauchte (Adobe 2024).

Gleichzeitig erzeugt diese Demokratisierung der Ausdrucksmittel eine neue Knappheit: Wenn alle mit denselben Tools dieselben visuellen Welten generieren können, wird das Differenzierungsmerkmal nicht mehr das Werkzeug sein, sondern die Idee dahinter. Genau hier liegt das Herzstück intermedialer Kompetenz.

Was generative KI heute kann:

  • Untertitel und Übersetzung (nahezu vollständig automatisiert)
  • Bildbasierter Schnitt, Musikuntermalung nach Stimmung
  • 3D-Assets aus Fotos, Sprachsynthese, Videogenerierung

Was KI strukturell nicht kann und was den Kern intermedialer Gestaltung ausmacht:

Konzeptuelle Intermedialität: KI kann Bilder, Klänge und Texte produzieren – aber nicht entscheiden, welche Verbindung zwischen ihnen eine kohärente kulturelle Aussage ergibt. Diese Entscheidung ist zutiefst interpretativ: Sie setzt voraus, dass jemand weiß, was ausgesagt werden soll – und für wen.

Kuratorisches Urteilen: Die Frage „Welches Bild gehört neben welchem Text, damit ein bestimmter Effekt entsteht?" ist keine Optimierungsaufgabe, sondern eine Deutungsaufgabe. Sie erfordert Kenntnis historischer Referenzen, Empathie mit dem Publikum und die Bereitschaft, eine Position zu vertreten, die möglicherweise umstritten ist.

Kulturelle Verortung: Intermediale Werke sprechen immer eine bestimmte Gemeinschaft in einem spezifischen historischen Moment an. KI trainiert auf Daten – aber kennt keinen Standpunkt.

Physische Raumerfahrung: Wie ein Körper in einem Raum einen bestimmten Klangraum erlebt, ist eine situierte, physische Erfahrung. KI kann Raum simulieren – aber nicht in ihm stehen.

Das WEF identifiziert „Creative AI Specialists" und „Digital Experience Designers" als eine der am schnellsten wachsenden Berufsgruppen mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 28 Prozent bis 2030 (WEF 2025). 67 Prozent der deutschen Kreativunternehmen suchen gezielt nach Profilen mit mehrfacher Medienkompetenz (Bitkom 2024).

Historische Wurzeln: Woher kommt intermediales Denken?

Intermediales Denken ist keine Erfindung des Digitalzeitalters. Wer die Geschichte kennt, versteht die Gegenwart besser:

  • Richard Wagner (1849) entwickelte das Konzept des Gesamtkunstwerks – die organische Einheit von Musik, Dichtung, Bühne und bildender Kunst
  • Bauhaus (1919–1933) übersetzte es in pädagogische Praxis: Typografie, Textil, Theater, Fotografie und Architektur in einem Bildungsprogramm
  • Fluxus (ab 1960): Dick Higgins, Nam June Paik, Yoko Ono lösten Grenzen zwischen Aufführung, Objekt, Klang und Alltagshandlung auf
  • Digitale Ära (ab 1991): Das WWW ermöglichte Text, Bild, Video, Audio und Interaktion nicht nur nebeneinander, sondern ineinander

Diese Geschichte zeigt: Intermediale Gestaltung ist nicht die Folge digitaler Technologie – sie ist eine dem künstlerischen Denken inhärente Impulskraft, die in jeder technologischen Epoche neue Ausdrucksformen findet. Das gilt auch für das KI-Zeitalter.

Konkrete Berufsfelder heute

Wer eine Ausbildung in intermedialer Gestaltung abschließt, tritt in einen heterogenen und wachsenden Arbeitsmarkt ein.

Experience Designer / Immersive Experience Designer

Entwickeln mehrsinnliche Erlebnisse an der Schnittstelle von physischem Raum und digitaler Interaktion. Das japanische Kollektiv teamLab beschäftigt über 600 Mitarbeitende und hat dieses Feld zur globalen Kulturindustrie gemacht. Arbeitgeber: Experience-Agenturen, Museen, Themenparks, Eventunternehmen.

Gehalt: 35.000–60.000 € (Bundesagentur für Arbeit 2024)

Creative Technologist

Verbindet künstlerische Konzeption mit prototypischer technischer Umsetzung – interaktive Installationen, datengetriebene Visualisierungen, KI-basierte Gestaltungssysteme. Gefragt in Innovations-Labs großer Agenturen (R/GA, AKQA, Serviceplan Pulse) und Tech-Unternehmen.

Gehalt: 42.000–72.000 € (LinkedIn Salary Insights DE 2024)

XR Designer

Gestaltet für Augmented Reality, Virtual Reality und Mixed-Reality-Plattformen. Wachsende Nachfrage in Automotive (BMW, Audi nutzen VR für Designreviews), Medizin, Bildung.

Gehalt: 38.000–65.000 €

Brand Experience Designer

Verantwortet die kohärente Gestaltung einer Marke über alle Touchpoints – physisch, digital, auditiv. Zentral für Corporate Design und Markenkommunikation.

Gehalt: 40.000–68.000 €

Motion Designer / Visual Artist

Produziert animierte Inhalte für Broadcast, Web, Werbung und Kunstkontexte – ein durch KI-Tools stark veränderter, aber weiterhin nachgefragter Bereich.

Gehalt: 28.000–52.000 €

Gehaltsrahmen gesamt (Deutschland 2025)

KarrierestufeGehaltsspanne
Einstieg (0–2 Jahre)28.000–38.000 €
Mid-Level (3–7 Jahre)45.000–60.000 €
Senior/Lead (7+ Jahre)62.000–80.000 €
Creative Director75.000–100.000 €
Freelance Tagessatz (erfahren)700–1.200 €

(Quellen: Bundesagentur für Arbeit 2024; LinkedIn Salary Insights 2024)

Bildungswege in Deutschland

Die deutsche Bildungslandschaft für intermediale Gestaltung ist heterogen. Grob lassen sich drei Wege unterscheiden:

Staatliches Hochschulstudium (B.A./M.A.): Wissenschaftliche Tiefe, Forschungszugang, bundesweit anerkannter Abschluss. Regelstudienzeit 6–8 Semester. BAföG-förderfähig. Voraussetzung: Hochschulreife, oft Mappenprüfung. Relevant: Muthesius Kunsthochschule Kiel (Intermediales Design), HfK Bremen (Integriertes Design), Merz Akademie Stuttgart.

Duale Berufsausbildung (z.B. Mediengestalter Digital/Print IHK): Hohe Praxisnähe, 3 Jahre, Ausbildungsvergütung. Intermediale Breite curricular begrenzt.

Private Berufsfachschulen: Praxisintensive Programme mit hohem Dozentenexpertise-Anteil und professioneller Ausrüstung. Bei staatlich anerkannten Schulen: BAföG-förderfähig. Qualität variiert – sorgfältige Recherche der Akkreditierung ist wichtig.

Die Lazi-Akademie: Intermedia Designer/in als Ausbildungsgang

Unter den deutschen Ausbildungsinstitutionen, die intermediale Gestaltung als eigenständigen Bildungsweg ernst nehmen, nimmt die Lazi-Akademie Esslingen eine besondere Position ein. Seit 1950, mehr als 4.000 Alumni, konsequent gemeinnützig (gGmbH), mit einer klar formulierten Haltung: „Bildung ist kein Konsumprodukt."

Fachbereiche der Lazi-Akademie

  • Fotodesign und Digital Imaging (staatlich anerkannt, 3 Jahre)
  • Film und Mediendesign (staatlich anerkannt, 3 Jahre)
  • Grafik- und Kommunikationsdesign (staatlich anerkannt, 3 Jahre)
  • Digital Film – Animation & VFX (3 Jahre)
  • GenAI und Content Creation (3 Jahre)
  • Intermediale Gestaltung / Intermedia Designer/in (3 Jahre)

Ergänzend: Masterprogramme in Kooperation mit der University of Wolverhampton (M.A. Digital and Visual Communications; M.A. Film and Television Production) – direkt nach dem Abschluss an der Lazi aufzusatteln.

Praktische Details: Semesterbeitrag 3.510 €. Starttermine: Wintersemester (September) und Sommersemester (März).

Was das Curriculum der Intermedialen Gestaltung ausmacht

Das Programm vermittelt vier Kompetenzsäulen:

Fachspezifische Kernmodule: Intermedia Praxis (4 Semester), Projektstudio Intermedia, Bildkulturen & Medienkunst, Raum, Installation & Inszenierung. Hier lernen Studierende, was intermediale Gestaltung konzeptuell bedeutet: die durchdachte Verbindung von Medien zu einer Aussage mit kultureller Tiefe.

Crossmedia-Werkzeugmodule: Fotodesign, Grafikdesign, Mediendesign, 3D Animation, VFX – über vier Semester. Wer hier ausgebildet wird, ist kein Spezialist in einem einzigen Medium, sondern werkzeugkompetent in allen relevanten Feldern.

KI- und Technologiemodule: GenAI Tools (4 Semester), Automatisierte Medienproduktion, Technologie Medien – und eigenständig: KI-Ethik (2 Semester). Der Unterschied zwischen Werkzeugbenutzung und reflektiertem Gestalten wird als eigene Kompetenz behandelt.

Konzept, Kultur und Business: Storytelling, Dramaturgie, Typografie, Content Production, Soft Skills, Online-Marketing, BWL und Recht.

Der Campusbetrieb ist auf Intensität ausgelegt: Studios rund um die Uhr, flache Hierarchien, das „Du" ist Programm. Ab Tag eins: echte Projekte, echte Profis.

Häufige Fragen (FAQ)

Was unterscheidet Intermediale Gestaltung von Mediendesign?

Mediendesign konzentriert sich oft auf digitale Ausgabeformate und Screendesign. Intermediale Gestaltung denkt von der Aussage her und wählt die Medien danach – das können Film, Klang, physischer Raum, Installation, digitale Interaktion oder deren Kombination sein. Der Unterschied liegt nicht im Werkzeug, sondern im konzeptuellen Ausgangspunkt.

Brauche ich Vorkenntnisse in allen Medien?

Nein. Was zählt, ist die Bereitschaft, über Mediengrenzen hinweg zu denken und zu lernen. Technische Perfektion in einem einzelnen Medium ist nicht der Anforderung – aber ein genuines Interesse daran, was durch die Verbindung verschiedener Medien ausgesagt werden kann.

Ist intermediale Gestaltung ein KI-sicherer Beruf?

Ja – aus einem strukturellen Grund: KI kann Bilder, Töne und Texte produzieren, aber nicht entscheiden, welche Verbindung davon eine kohärente kulturelle Aussage für ein bestimmtes Publikum in einem bestimmten Moment ergibt. Diese konzeptuelle und kuratorische Entscheidung ist zutiefst menschlich. Das WEF prognostiziert 28 % Wachstum für „Digital Experience Designers" bis 2030 (WEF 2025).

Was kostet die Ausbildung an der Lazi-Akademie und ist sie förderbar?

Der Semesterbeitrag beträgt 3.510 €. Die Masterprogramme in Kooperation mit der University of Wolverhampton sind gesondert. Für aktuelle Stipendien und Förderoptionen empfiehlt sich ein direktes Gespräch mit der Akademie.

Fazit

Intermediale Gestaltung wird nicht trotz, sondern wegen der KI relevanter. Wenn alle mit denselben Tools dieselben visuellen Welten generieren können, wird die Fähigkeit, aus dem Reich der Möglichkeiten eine notwendige Auswahl zu treffen – das richtige Medium für die richtige Aussage für das richtige Publikum – zum echten Differenzierungsmerkmal.

Das Curriculum der Lazi-Akademie zeigt, wie ein modernes Bildungsinstitut diesen Anspruch umsetzt: mediale Breite, konzeptuelle Tiefe, technologische Aktualität und ethische Reflexionsfähigkeit in einem integrierten Ausbildungsgang. Wer diesen Weg einschlägt, lernt nicht Rezepte – er lernt zu denken.

Ausbildung beginnen – bei der Lazi-Akademie Esslingen

Interessiert an einer Ausbildung zur Intermedia Designer/in? Die Lazi-Akademie bietet persönliche Portfolioberatungen, Schnuppertage und Infoveranstaltungen an. Nächste Starttermine: September 2026 (Wintersemester) und März 2027 (Sommersemester).

Mehr zum Ausbildungsgang Intermediale Gestaltung →

Infoveranstaltung anfragen →

Quellen

Adobe Inc. (2024): Adobe Firefly: Generative AI for Creative Cloud. Usage and Impact Report 2024. San Jose: Adobe.

Bitkom e.V. (2024): Kreativwirtschaft Digital 2024. Berlin: Bitkom.

Bolter, J. D. / Grusin, R. (1999): Remediation. Understanding New Media. Cambridge MA: MIT Press.

Bundesagentur für Arbeit (2024): Entgeltatlas: Medien- und Kreativberufe. Nürnberg.

Elleström, Lars (Hg.) (2010): Media Borders, Multimodality and Intermediality. Basingstoke: Palgrave Macmillan.

EU AI Act (2024): Verordnung (EU) 2024/1689, August 2024. EUR-Lex.

Higgins, Dick (1966): „Intermedia." In: Something Else Newsletter 1/1. New York: Something Else Press.

Jenkins, Henry (2006): Convergence Culture: Where Old and New Media Collide. New York: New York University Press.

Lazi-Akademie (2025): Intermedia Designer/in – Studiengangsbeschreibung. Esslingen: Lazi-Akademie gGmbH.

LinkedIn Economic Graph (2024): Emerging Jobs Report Germany 2024.

Rajewsky, Irina O. (2002): Intermedialität. Tübingen/Basel: Francke Verlag.

WEF (World Economic Forum) (2025): The Future of Jobs Report 2025. Genf: WEF.

© Dominik Lazi / Lazi-Akademie, 2025. Für Bildungszwecke frei verwendbar mit Quellenangabe.

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