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Von der KI-Werkstatt zum fertigen Auftritt — in rund zwei Wochen

Dominik Lazi · Lazi Akademie · Mai 2026

Es gibt Projekte, die man jahrelang vor sich herschiebt. Unsere Website war so eines. Sie lag auf TYPO3 – einem klassischen, datenbankgestützten Content-Management-System – und sie war in die Jahre gekommen. Nicht kaputt, aber träge, schwer zu pflegen, technisch ein Stück hinter der Zeit. Jeder Eingriff fühlte sich an wie eine kleine Operation.

Dazu kam ein Detail, das mich ehrlich gesagt am meisten gewurmt hat. Unsere TYPO3-Version – die v10 – hatte ihren regulären Support-Zeitraum längst hinter sich. Für so eine Version stellt TYPO3 dann den sogenannten Extended Long Term Support (ELTS) bereit: ein kostenpflichtiges Verlängerungsprogramm, das eine ausgelaufene Version noch eine Weile mit Sicherheits-Updates versorgt. Genau dafür zahlten wir jeden Monat rund 15 Euro extra – Geld dafür, ein veraltetes System künstlich am Leben zu halten, ohne dass die Seite dadurch auch nur einen Deut besser wurde. Kein großer Betrag – aber genau die Sorte Kosten, die einen jeden Monat aufs Neue daran erinnert, dass hier etwas grundsätzlich nicht stimmt.

Trotzdem haben wir es immer wieder verschoben. Der Grund ist banal und vermutlich vielen kleineren Bildungseinrichtungen und Betrieben vertraut: Eine Website neu programmieren zu lassen ist teuer. Ein größeres Update ist fast genauso teuer. Und als gemeinnützige Akademie überlegt man sich jede solche Investition zweimal. Also blieb es beim guten Vorsatz – und die alte Seite lief weiter.

Im Hinterkopf habe ich aber nie aufgehört, nach einer Lösung zu suchen. Wir sind eine Medienakademie – Gestaltung, Film, Fotografie, digitale Kommunikation sind unser tägliches Handwerk. Was uns bei der eigenen Website jahrelang ausgebremst hat, war nie das Gestalterische. Es war der technische Unterbau: die Programmierung. Genau dieser Teil fühlte sich lange wie eine Mauer an – ein Bereich, in den man nur über teuer bezahlte externe Dienstleister kam. Die Frage war irgendwann nicht mehr ob wir den Schnitt machen, sondern wie.

Der Zündfunke kam aus der KI-Werkstatt

Den Anstoß gab dann etwas, das mit der Website zunächst gar nichts zu tun hatte: unsere KI-Werkstatt.

Die KI-Werkstatt ist bei uns im Zuge eines neuen Fachbereichs entstanden, an dem wir gerade arbeiten: Generative AI Content Creation. Dieser Fachbereich ist noch im Aufbau – und die KI-Werkstatt ist einer der ersten konkreten Schritte in diese Richtung, ein erstes inhaltliches Format, in dem wir uns dem Thema praktisch nähern. Sie ist der Ort, an dem wir die ersten Tests fahren, an dem wir uns selbst ins Thema einarbeiten, an dem sich auch unsere Dozentinnen und Dozenten fortbilden, und an dem wir das Ganze unseren Studierenden zugänglich machen. Eine Akademie für Visuelle Kommunikation kann zu künstlicher Intelligenz schlecht von außen referieren. Wir müssen es selbst machen, selbst verstehen, selbst ausprobieren – und genau dafür ist die Werkstatt da.

In der KI-Werkstatt waren wir mehrere – Studierende sowie Dozentinnen und Dozenten, die sich gemeinsam ins Thema eingearbeitet haben. Es ging unter anderem darum, wie man heute per Web-Coding arbeitet – welche Werkzeuge man dafür auf dem Rechner braucht, wie das Zusammenspiel mit KI-Assistenz aussieht, wie man so etwas überhaupt aufsetzt. Unser Dozent Michael Aschenborn hat erklärt, wie das alles funktioniert. Den Website-Neubau, der daraus entstanden ist, habe dann ich übernommen.

Und in genau diesem Moment hat es bei mir Klick gemacht. Was wir hier gerade lernten, um es zu unterrichten, war exakt das, was ich für unsere eigene Website seit Jahren gesucht hatte. Die teure Hürde – die Programmierung – war auf einmal keine unüberwindbare Mauer mehr. Aus der Fortbildung wurde ein konkreter Plan: Wir bauen die Seite neu. Selbst.

Zwei Wochen, keine Konzeptphase

Ich war zwei Wochen lang komplett out of order. Keine Zeit für Vlogs, keine Zeit für irgendetwas anderes – diese Seite hat mich in dieser Zeit voll vereinnahmt.

Und es war kein über Monate geplantes Großprojekt. Es gab keine separate Konzeptphase, kein Lastenheft, keine Vorlaufrunde. Konzept und Umsetzung sind in denselben rund zwei Wochen im Mai 2026 zusammengefallen. Gedacht und gebaut wurde parallel.

Das klingt erst einmal nach Chaos, war es aber nicht – weil die Arbeitsweise eine klare Linie hatte:

  • KI-gestützt, aber menschengeführt. Code, Texte und Optimierungen sind im engen Zusammenspiel von mir und KI-Assistenz entstanden. Die KI recherchiert, schreibt Code, prüft, schlägt vor. Die Entscheidungen – Design, Inhalte, was bleibt, was rausfliegt, was live geht – lagen durchgehend bei mir.
  • Lokal zuerst. Jede Änderung wurde erst lokal auf dem eigenen Rechner getestet und freigegeben, bevor sie online ging. Kein blindes Veröffentlichen, kein „wird schon passen".
  • In kleinen Schritten. Viele kleine, überprüfbare Verbesserungen statt eines einzigen großen Wurfs. Das macht jeden Schritt umkehrbar – und nimmt einem die Angst, etwas kaputt zu machen.

Beim Aufwand will ich ehrlich sein: Im Kern habe ich das alleine gemacht. Das ist kein Heldenstück, sondern eine Aussage über das, was heute möglich ist. Eine Aufgabe, die früher ein ganzes Team und ein ordentliches Budget gebraucht hätte, lässt sich mit den richtigen Werkzeugen von einer Person stemmen – wenn diese Person weiß, was sie will.

Was dabei herausgekommen ist

Damit man versteht, was wir gebaut haben, lohnt ein kurzer Blick unter die Haube – in Alltagssprache, ohne dass man Entwickler sein muss.

Die neue Seite läuft auf einem zeitgemäßen Web-Stack. Next.js erzeugt die Seiten und baut den allergrößten Teil davon vorab fertig zusammen – am Ende sind das über 2.100 einzelne Seiten, die schnell ausgeliefert werden. Sanity ist unser Redaktionssystem: Die Inhalte liegen dort als saubere, strukturierte Daten, getrennt vom Programmcode, und lassen sich pflegen, ohne dass jemand am Code arbeiten muss. Cloudinary kümmert sich um Bilder und Videos und liefert sie automatisch im passenden Format und in der passenden Größe aus – ein Handy bekommt eine kleinere Datei als ein großer Bildschirm. Gehostet wird das Ganze bei Mittwald, das Veröffentlichen läuft automatisiert.

Der wichtigste Gedanke dahinter ist aber kein einzelnes Werkzeug, sondern ein Prinzip. Eine Seite ist bei uns kein starres Template, in das man Text hineingießt. Sie ist eine Abfolge von Bausteinen: Banner, eine Leiste mit unseren Stärken, ein aufklappbarer Text, Faktenblöcke, ein Bildmosaik, Stimmen von Studierenden, die einzelnen Schwerpunkte. Diese Bausteine stecken wir im Redaktionssystem zusammen wie Module. Das heißt: Neue Inhalte brauchen keinen Programmierer mehr, und das Design bleibt trotzdem überall einheitlich.

Auf dieser Grundlage stehen jetzt sechs Fachbereiche, der Blog, unser Wiki – ein wachsendes Fachlexikon der Mediengestaltung –, die Werkschau, der Freundeskreis, die Seminare. Vieles davon war auf der alten Seite mühsam. Jetzt ist es ein System.

Die Hürden – der ehrliche Teil

Eine Geschichte, in der alles glatt läuft, glaubt einem zu Recht niemand. Diese hier hatte ihre Reibungspunkte, und ich finde, die gehören dazu.

Die Migration. Die Inhalte der alten Seite lagen in einer Datenbank, nicht als saubere Dateien. Texte, Bilder und Strukturen von TYPO3 herüberzuholen, war Handarbeit. Gerade Blog und Wiki mussten dabei nicht nur umgezogen, sondern auch aufgeräumt und neu sortiert werden.

Ein kurzer Ausfall. Am 18. Mai 2026 war die Seite für kurze Zeit nicht erreichbar. Unser Redaktionssystem hat ein Abfrage-Limit, und durch zu viele Live-Anfragen war das Kontingent erschöpft. Ärgerlich – aber lehrreich. Die Konsequenz: konsequentes Zwischenspeichern, statt bei jedem einzelnen Seitenaufruf frische Daten anzufordern.

Der Domain-Umzug. Unsere eigentliche Adresse hängt technisch noch am alten Hosting-Vertrag. Sie ins neue System zu holen, ist ein heikler Schritt – weil an derselben Stelle auch unsere E-Mail hängt, und die darf keine Sekunde ausfallen. Dieser Umzug ist vorbereitet, aber wir machen ihn bewusst vorsichtig und ohne Hektik.

Eine Altlast. Die Seite lief anfangs zusätzlich auf einer zweiten Plattform mit. Dieses alte Projekt veröffentlichte bei jedem Update unbemerkt parallel mit – eine doppelte, verwirrende Infrastruktur. Beim Aufräumen ist sie geflogen.

Die Sichtbarkeit. Schon im August 2025 hatte die alte Seite durch eine technische Störung einen großen Teil ihrer Auffindbarkeit bei Google verloren. Diese Sichtbarkeit mussten wir aktiv zurückholen – mit sauberen technischen Grundlagen, korrekten Vorschau-Informationen für soziale Netzwerke und ordentlich ausgezeichneten Inhalten.

Dazu kam viel Kleinarbeit: ein zu schweres Banner-Video, das wir deutlich verschlankt haben, Bilder, die jetzt geräteabhängig laden, ein Layout-Flackern, das verschwinden musste, Dark Mode, mobile Ansicht, Kontraste, Barrierefreiheit. Und ja – ein paar bewusste kleine Spielereien, versteckt im Detail. Weil man einer Seite anmerken soll, dass Menschen mit Freude daran gearbeitet haben.

Kann KI eine ganze Website bauen?

Das ist die Frage, die in so einem Projekt unweigerlich auftaucht – und ich will sie ehrlich beantworten.

Ja, KI kann sehr viel. Sie hat bei uns Code geschrieben, recherchiert, geprüft, optimiert, Varianten vorgeschlagen. Ohne diese Unterstützung wären zwei Wochen niemals realistisch gewesen. Das ist kein Makel, den man verstecken müsste – das ist der Kern dieser Geschichte, und er passt zu einer Akademie, die genau dieses Thema unterrichtet.

Aber genauso ehrlich gehört der zweite Teil dazu: Die KI hat nichts allein entschieden. Welche Inhalte auf die Seite gehören, wie sie sich anfühlen soll, was gutes Design ist und was nicht, was freigegeben wird – das blieb durchgehend menschliche Arbeit. Geschmack, Urteil und Verantwortung kann einem kein Werkzeug abnehmen. Die KI war ein außergewöhnlich starker Assistent. Sie war nicht der Geschäftsführer.

Und die Kosten? Die neue Seite kommt uns unterm Strich günstiger als die alte – und das aus mehreren Gründen. Die 15 Euro im Monat für die alte Altlast fallen weg. Änderungen können wir jetzt selbst machen, statt sie teuer einzukaufen. Und dann kommt ein Punkt dazu, der uns als gemeinnützige Einrichtung sehr hilft: Bei vielen der Werkzeuge, die wir nutzen, bekommen wir als Non-Profit ausgesprochen faire Konditionen – beim Redaktionssystem Sanity ebenso wie bei Cloudinary, das unsere Bilder und Videos ausliefert. Das macht den laufenden Betrieb der modernen Seite noch einmal deutlich günstiger. Wir bekommen also nicht nur die bessere Technik, wir zahlen dafür am Ende auch weniger. Solche Momente nehme ich gerne mit.

Für mich ist das eigentlich der schönste Teil der ganzen Sache. Wir sind eine Akademie für Visuelle Kommunikation. Wir reden mit jungen Menschen über Gestaltung, über Medien, über die Werkzeuge ihrer Zukunft. Es fühlt sich richtig an, dass wir unsere eigene Website in unserer eigenen KI-Werkstatt neu gedacht und gebaut haben. Wir haben nicht über Wandel gesprochen. Wir haben ihn gemacht.

Und beim nächsten Schritt – dem Domain-Umzug, der nicht groß, aber heikel ist – gilt dasselbe wie bei allem hier: lieber einen Tag länger nachdenken als eine Stunde unüberlegt handeln. Aber das, wovor wir uns jahrelang gedrückt haben, liegt jetzt hinter uns. Das fühlt sich gut an.

Ein persönlicher Dank zum Schluss

Eine Sache liegt mir noch sehr am Herzen, und damit möchte ich diesen Text beenden. Dieser ganze Weg wäre ohne Michael Aschenborn so nicht möglich gewesen. Michael unterstützt uns in diesem Bereich schon seit Jahren – mit einem Können und einer Hingabe, die alles andere als selbstverständlich sind.

Zu dem, was wir ihm verdanken, gehört auch eine zweite Website: unser Portfoliosystem für die Studierenden. Ein sehr umfangreiches, aufwendiges System, das Michael ebenfalls komplett per Web-Coding aufgebaut hat – Stück für Stück, mit enormer Sorgfalt und einem langen Atem.

Lieber Michael, dafür ein großes, ehrlich gemeintes Dankeschön. Du hast uns nicht nur Technik nähergebracht – du hast uns ein Stück Zukunft mitgegeben und den Mut, sie selbst in die Hand zu nehmen. Ohne dich gäbe es diese Geschichte nicht. Danke.

Dominik Lazi

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