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Portfolio (lat. portare = tragen, folium = Blatt): Eine kuratierte Sammlung eigener Arbeiten, die Fähigkeiten, Denkweise und Entwicklungsstand eines Gestalters dokumentiert und kommuniziert. Im Unterschied zum Lebenslauf zeigt das Portfolio nicht, was jemand kann – sondern wie er oder sie denkt und arbeitet.

Im Kreativbereich entscheidet selten der Lebenslauf darüber, ob du eine Stelle bekommst oder einen Auftrag an Land ziehst. Was zählt, ist das Portfolio. Recruiter in Agenturen, Unternehmen und Studios verbringen im Schnitt weniger als zwei Minuten damit, einen Bewerbungsunterlagen-Satz zu sichten – aber mehrfach mehr Zeit damit, ein gutes Portfolio zu durchsuchen. Das Portfolio ist dein stärkstes Werkzeug zur Selbstvermarktung: Es spricht für sich, auch wenn du nicht im Raum bist.

Dieser Guide erklärt Schritt für Schritt, wie du als Mediengestalter ein Portfolio aufbaust, das überzeugt – auch dann, wenn du noch am Anfang stehst und wenig vorzuweisen zu haben glaubst.

Was gehört in ein Mediendesign-Portfolio?

Das häufigste Missverständnis beim Portfolioaufbau: Mehr ist besser. Das Gegenteil ist der Fall.

Qualität vor Quantität ist die Grundregel. Zeige 8 bis 12 Projekte – nicht mehr. Ein überladenes Portfolio signalisiert fehlendes Urteilsvermögen. Ein knappes, aber starkes Portfolio zeigt Selbstreflexion und Professionalität.

Was Recruiter wirklich sehen wollen

Erfahrene Art Directors und Personalverantwortliche in Kreativagenturen betonen immer wieder: Sie wollen nicht nur das Endergebnis sehen, sondern den Denkprozess dahinter. Warum wurde diese Farbe gewählt? Welches Problem sollte das Design lösen? Welche Alternativen wurden verworfen – und weshalb?

Das bedeutet: Zeige Skizzen, Moodboards, Konzeptphasen und Zwischenstände. Ein Projekt mit drei Entwicklungsstufen ist wertvoller als zehn Endversionen ohne Kontext.

Das Projektbeschreibungs-Format: Problem → Lösung → Ergebnis

Jedes Projekt im Portfolio braucht eine kurze, strukturierte Beschreibung:

  • Hintergrund/Problem: Was war die Ausgangssituation oder Aufgabenstellung?
  • Lösung: Welchen gestalterischen Ansatz hast du gewählt und warum?
  • Ergebnis: Was kam dabei heraus, und welche Wirkung hatte es?

Diese drei Zeilen genügen oft. Wer mehr schreibt, verliert die Aufmerksamkeit.

Vielfalt zeigen

Besonders für Berufseinsteiger gilt: Zeige verschiedene Medien und Gattungen. Ein Print-Layout neben einem Social-Media-Konzept neben einem Screen-Design zeigt Flexibilität. Das ist gerade dann wichtig, wenn du noch keine feste Spezialisierung hast. Nutze die Berufsfelder im Medienbereich als Orientierung, welche Gattungen relevant sind.

Schritt 1 – Projekte sammeln und kuratieren

Bevor du irgendeine Plattform aufrufst oder eine Domain registrierst, brauchst du Material. Die erste Aufgabe ist das ehrliche Durchsehen aller eigenen Arbeiten.

Quellen für Portfolio-Projekte

  • Schulprojekte und Ausbildungsprojekte: Oft unterschätzt, aber professionell aufbereitet absolut portfoliotauglich.
  • Freelance-Aufträge: Auftragsprojekte mit Kundenbezug wirken besonders überzeugend – sofern keine Geheimhaltungsvereinbarungen entgegenstehen.
  • Eigeninitiativen: Eigene Projekte, die ohne Auftrag entstanden sind, zeigen Motivation und Eigeninitiative.

Was tun, wenn noch keine Projekte vorhanden sind?

Der häufigste Einwand von Berufseinsteigern lautet: „Ich habe noch nichts Vorzeigbares." Das ist lösbar.

Übungsprojekte und Faux-Projekte sind in der Branche etabliert und vollkommen legitim. Möglichkeiten:

  • Rebrand-Challenges: Wähle ein bekanntes Unternehmen (beispielsweise eine lokale Bäckerei oder ein Fiktiv-Startup) und gestalte dessen visuellen Auftritt komplett neu.
  • Brief-Challenges auf DesignBriefs.io oder Sharpen.design: Plattformen, die zufällige Designbriefings generieren.
  • Persönliche Projekte: Ein eigener Schriftschnitt, ein Editorial-Layout zu einem Thema, das dich interessiert, oder ein Illustrationsprojekt.

Das Entscheidende: Kennzeichne solche Projekte klar als Eigeninitiative oder Übungsprojekt. Das ist kein Nachteil – es zeigt, dass du ohne externe Aufforderung gestaltest.

Screenshot-Qualität und Mockups

Ein gutes Projekt kann durch schlechte Präsentation ruiniert werden. Investiere Zeit in hochauflösende Screenshots (mindestens 1920 × 1080 px) und nutze Mockup-Vorlagen, um Printprodukte, Screens oder Packaging-Designs realistisch darzustellen.

Kostenlose und günstige Quellen für Mockups: Mockup World, Placeit, Freepik (Premium-Abo). Achte darauf, dass Mockups zum Stil deiner Arbeit passen – zu viele verschiedene Mockup-Stile wirken unruhig.

Schritt 2 – Projekte dokumentieren

Die Aufbereitung ist oft wichtiger als das Projekt selbst. Entwickle für jedes Portfolio-Stück eine kurze Case Study nach folgendem Format:

  1. Hintergrund: Wer war der Auftraggeber oder was war der Anlass? Welches Ziel sollte erreicht werden?
  2. Zielsetzung: Was sollte das Design kommunizieren oder leisten?
  3. Prozess: Welche gestalterischen Entscheidungen wurden getroffen? Zeige Entwicklungsstufen, Skizzen, Varianten.
  4. Ergebnis: Das fertige Projekt – hochwertig präsentiert. Ergänze ggf. messbare Ergebnisse (z. B. „Klickrate stieg um 18 %") oder qualitatives Feedback.

Halte die Texte kurz. Drei bis fünf Sätze pro Abschnitt sind ausreichend. Das Portfolio ist kein Aufsatz, sondern ein visuelles Dokument, das durch Bilder und knappe Erklärungen spricht.

Schritt 3 – Plattform wählen

Die Wahl der richtigen Plattform hängt von Zielgruppe, Schwerpunkt und Budget ab. Eine Übersicht:

PlattformStärkenZielgruppeKosten
BehanceRiesige Community, Adobe-Integration, gute SichtbarkeitGeneralisten, BerufseinsteigerKostenlos
Cargo CollectiveHochwertige Design-Community, individuelle LayoutsDesign-affine FachleuteAb ca. 13 USD/Monat
FramerModerne Web-Portfolios, interaktive ElementeUI/UX, Web DesignerKostenlos (limitiert)
SquarespaceEinfache Bedienung, professionelle TemplatesGeneralisten, FotografenAb ca. 16 USD/Monat
WebflowMaximale Gestaltungsfreiheit, kein Code nötigFortgeschrittene, UI/UXKostenlos (mit Domain ab ca. 14 USD/Monat)
Figma CommunityIdeal für UI/UX-Arbeiten direkt aus dem ToolUI/UX DesignerKostenlos
DribbbleKurz-Shots, starke Designer-CommunityUI/UX, IllustratorenKostenlos (Pro ab 5 USD/Monat)

Empfehlung für Berufseinsteiger: Beginne mit Behance – kostenlos, einfach zu bedienen, mit eigener URL (behance.net/deinname) und direkter Integration in Adobe-Tools. Ergänze es mittelfristig durch eine eigene Domain auf Framer, Webflow oder Squarespace, sobald du ein klares gestalterisches Profil entwickelt hast.

Schritt 4 – Die eigene Mappe gestalten

Das Portfolio selbst ist auch ein Designprojekt. Es muss zeigen, dass du Gestaltungsprinzipien verstehst und anwenden kannst.

Typografische Konsistenz

Verwende maximal zwei Schriftfamilien: eine für Überschriften, eine für Fließtext. Sorge für konsequente Hierarchien – gleiche Schriftgrößen, gleiche Abstände, gleiche Gewichtungen für gleiche Inhaltselemente.

Farbwelt

Definiere eine persönliche Farbpalette für das Portfolio selbst. Das müssen nicht viele Farben sein – eine Hauptfarbe, eine Akzentfarbe und neutrale Töne (Weiß, Schwarz, Grau) genügen. Die Palette muss nicht mit deinen Projekten übereinstimmen, aber sie muss konsistent durch das gesamte Portfolio durchlaufen.

Startseite und Navigation

Die erste Seite entscheidet. Zeige sofort die stärksten Projekte – keine lange Einleitung, kein Splash-Screen. Die Navigation muss intuitiv sein: Portfolio (Projekte), About, Kontakt. Mehr braucht es nicht.

About-Seite

Ein kurzes Porträt (max. 200 Wörter), ein professionelles oder semi-professionelles Foto und klare Kontaktinformationen. Verlinke LinkedIn und – falls vorhanden – XING oder andere relevante Profile. Nenne deine aktuellen Fähigkeiten und Werkzeuge, und lass erkennen, in welche Richtung du dich entwickeln willst.

Schritt 5 – Portfolio aktuell halten

Ein Portfolio ist kein Projekt, das man einmal abschließt. Es ist ein laufendes Dokument.

Empfehlung: Überprüfe das Portfolio mindestens einmal pro Quartal. Fragen dabei:

  • Gibt es neue Projekte, die rein sollten?
  • Gibt es alte Projekte, die nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen und entfernt werden sollten?
  • Hat sich dein Schwerpunkt verändert – und spiegelt das Portfolio das wider?

Veraltete oder schwache Projekte aktiv zu entfernen ist genauso wichtig wie neue hinzuzufügen. Ein Portfolio, das Projekte aus vor drei Jahren als Kernstücke zeigt, signalisiert Stillstand.

Richte dir eine Erinnerung ein – zum Beispiel immer am ersten Tag eines neuen Quartals – für einen kurzen Portfolio-Check.

Bewerbungsmappe vs. Online-Portfolio

Beide Formate haben ihre Berechtigung, dienen aber unterschiedlichen Zwecken.

Das Online-Portfolio ist deine dauerhafte digitale Visitenkarte. Es ist jederzeit erreichbar, kann laufend aktualisiert werden und eignet sich für Kaltakquise, Networking und die Begleitung von Bewerbungsprozessen.

Die Bewerbungsmappe (als PDF oder physisches Dokument) ist für konkrete Bewerbungssituationen gedacht. Sie ist kuratiert auf eine spezifische Stelle oder Ausbildung zugeschnitten, zeigt weniger Breite, dafür mehr Tiefe in relevanten Bereichen.

Für die Bewerbung an der Lazi-Akademie gilt: Eingereicht werden 10 bis 15 eigene Arbeiten als Mappe. Mehr Tipps dazu findest du im Artikel Bewerbung an der Lazi-Akademie: Mappe einreichen – so geht's.

Der wichtigste Unterschied: Das Online-Portfolio kann und soll laufend wachsen. Die Bewerbungsmappe ist eine Selektion aus dem Portfolio, gefiltert für einen konkreten Kontext.

Portfolio-Aufbau in der Ausbildung an der Lazi-Akademie

An der Lazi-Akademie in Esslingen – gegründet 1950, eine der ältesten Mediendesign-Akademien Deutschlands – entstehen Portfolio-Stücke nicht als separate Aufgabe, sondern als direktes Ergebnis der Ausbildung.

Von Tag eins an arbeiten Studierende an echten, praxisorientierten Projekten. Je nach Schwerpunkt entstehen dabei unterschiedliche Arten von Portfolio-Material:

  • Grafik- und Kommunikationsdesign: Corporate Designs, Poster, Editorials, Verpackungsgestaltung
  • Mediendesign / Screen Design: App-Konzepte, Webauftritte, UI/UX-Prototypen
  • Foto- und Videodesign: Bildserien, Imagefilme, Reels, Dokumentararbeiten
  • Animationsdesign: Motion-Graphics, Charakteranimationen, Erklärvideos

Das bedeutet: Nach einem Semester hast du bereits mehrere portfoliotaugliche Arbeiten. Nach zwei Semestern die Basis eines professionellen Portfolios. Das Portfolio als Teil der Berufspraxis wächst automatisch mit der Ausbildung.

Die Ausbildung kostet 3.510 € pro Semester und startet im September sowie im März. Wer mehr über den Einstieg in die Selbstständigkeit nach der Ausbildung erfahren möchte, findet im Artikel Freelance als Mediendesigner starten nach der Ausbildung weiterführende Informationen.

Wenn du wissen willst, wie du dein Portfolio schon während der Ausbildung systematisch aufbaust – und welche Fachbereiche zu dir passen – findest du alle Informationen auf der Website der Lazi-Akademie.

Portfolio-Checkliste

Bevor du dein Portfolio veröffentlichst, geh diese Liste durch:

  • [ ] 8–12 Projekte ausgewählt (nur bestes)
  • [ ] Jedes Projekt hat eine Case-Study-Beschreibung
  • [ ] Mockups und hochauflösende Screenshots vorhanden
  • [ ] Konsistente Typografie und Farbwelt im Portfolio selbst
  • [ ] Kurz-Bio und Kontakt sichtbar
  • [ ] Mobile-Ansicht getestet
  • [ ] LinkedIn verlinkt
  • [ ] Dateiname der Bilder sprechend (nicht „IMG_3421.jpg")

Häufige Fragen

Muss ich als Berufseinsteiger echte Kundenprojekte vorweisen?

Nein. Eigeninitiative-Projekte und Übungsarbeiten sind vollkommen legitim und werden von erfahrenen Recruitern als Zeichen von Eigeninitiative geschätzt. Wichtig ist die transparente Kennzeichnung und eine professionelle Aufbereitung.

Wie lange sollte das Portfolio sein – also wie viele Projekte?

8 bis 12 Projekte sind ideal. Unter 6 Projekten wirkt das Portfolio dünn; über 15 Projekte verliert der Betrachter die Übersicht. Wenn du viele gute Projekte hast, wähle die stärksten und lasse den Rest weg.

Soll ich ein kostenloses oder kostenpflichtiges Portfolio-System nutzen?

Für den Einstieg reicht Behance (kostenlos) völlig aus. Eine eigene Domain (über Framer, Webflow oder Squarespace) macht Sinn, sobald du aktiv Aufträge akquirierst oder dich für Stellen bewirb, bei denen Professionalität besonders zählt.

Wie often sollte ich das Portfolio aktualisieren?

Mindestens einmal pro Quartal überprüfen, nach jedem abgeschlossenen relevanten Projekt aktualisieren. Als Faustregel gilt: Wenn du dein Portfolio nicht ohne Scham jemandem zeigen könntest, der dich heute zum ersten Mal kennenlernt, muss es aktualisiert werden.

Darf ich Schul- oder Ausbildungsprojekte zeigen?

Ja, ausdrücklich. Gerade am Anfang der Karriere sind Ausbildungsprojekte der authentischste Beweis für das eigene Können. Kennzeichne sie als Ausbildungsprojekte und beschreibe den Kontext.

Quellen

  • Airey, D. (2019): Work for Money, Design for Love. New Riders.
  • Millman, D. (2011): Self-Promotion for Designers. HOW Books.
  • Behance (2024): Portfolio Guide for Creatives. behance.net (Stand: 2024).
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

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