Studio-Monitoring-Kopfhörer sind Kopfhörer mit möglichst linearem Frequenzgang, die in der Audioproduktion zum objektiven Abhören (Monitoring) von Aufnahmen und Mixen eingesetzt werden – im Gegensatz zu Consumer-Kopfhörern, die den Klang verfärben.

Rubrik: Audio & Podcast · Unterrubrik: Equipment · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Studio-Kopfhörer, Monitoring-Kopfhörer, Abhörkopfhörer, Over-Ear-Headphones


Was sind Monitoring-Kopfhörer?

Nicht jeder Kopfhörer ist für professionelles Audiomonitoring geeignet. Consumer-Kopfhörer – von günstigen Supermarkt-Modellen bis zu teuren Lifestyle-Modellen (Beats by Dre, Bose QC) – sind auf einen angenehmen Klang abgestimmt: fetter Bass, weiche Höhen, oft ein „V-Kurve"-Frequenzgang. Das klingt gut beim Musikhören, verfälscht aber das Signal für die Audioproduktion.

Studio-Monitoring-Kopfhörer streben nach einem möglichst flachen, linearen Frequenzgang: Was eingespielt wird, soll unverfärbt wiedergegeben werden. Das ermöglicht objektive Klangentscheidungen beim Mixen, Mastern und der Qualitätskontrolle.


Erklärung

Offen vs. Geschlossen: Der fundamentale Unterschied

#### Offene Kopfhörer (Open-Back)

Offene Kopfhörer haben perforierte oder gitterartige Gehäuse, die Luft hindurchlassen. Das Resultat ist ein natürliches, räumliches Klangbild, das dem Abhören über Lautsprecher ähnlicher ist.

Eigenschaften:

  • Natürliches, luftiges Klangbild, keine Bassübertreibung durch geschlossenes Gehäuse
  • Keine Schallreflexionen innerhalb des Gehäuses → linearer Frequenzgang
  • Sehr gut geeignet für langes Mixen (ermüdungsarm)
  • Nachteil: Schallundicht – Umgebungsgeräusche dringen ein, und der Kopfhörerton ist für andere hörbar

Einsatz: Mix-Sessions im Studio, Mastering, Qualitätskontrolle – überall, wo keine Schallundichtheit stört

Typische Modelle: Beyerdynamic DT 990 Pro, Sennheiser HD 600/650, AKG K702, Beyerdynamic DT 1990 Pro

#### Geschlossene Kopfhörer (Closed-Back)

Geschlossene Kopfhörer kapseln das Ohr vollständig ab. Das schützt vor Umgebungsgeräuschen und verhindert, dass Kopfhörerton aus dem Kopfhörer austritt.

Eigenschaften:

  • Passive Schallisolierung (gut für laute Umgebungen)
  • Kein Übersprechen in das Mikrofon (kritisch bei Aufnahmen mit Headset!)
  • Klangbild oft etwas basslastiger und weniger räumlich als offene Modelle
  • Wärmer am Ohr bei längerem Tragen

Einsatz: Aufnahmen (wenn Kopfhörer neben einem Mikrofon getragen wird), Live-Monitoring auf der Bühne, mobile Nutzung in der Öffentlichkeit

Typische Modelle: Beyerdynamic DT 770 Pro, Sony MDR-7506, Audio-Technica ATH-M50x, Shure SRH840


Wichtige Studio-Kopfhörer-Modelle im Detail

#### Beyerdynamic DT 770 Pro (Geschlossen)

  • Impedanz: 80 Ω (am Interface/Computer) oder 250 Ω (für Kopfhörerverstärker)
  • Frequenzgang: 5 Hz – 35 kHz
  • Preis: ca. 120–150 €
  • Klang: Leicht erhöhter Bass und Hochton – nicht perfekt linear, aber in der Studio-Welt sehr etabliert
  • Stärke: Sehr robust, sehr bequem für lange Sessions, gute Schallisolierung
  • Einsatz: Aufnahme-Monitoring, Bühne, Homerecording

#### Beyerdynamic DT 990 Pro (Offen)

  • Impedanz: 250 Ω (braucht Kopfhörerverstärker oder Interface mit gutem Amp)
  • Frequenzgang: 5 Hz – 35 kHz
  • Preis: ca. 120–150 €
  • Klang: V-Kurve (etwas erhöhter Bass und Höhen) – nicht perfekt linear, aber sehr angenehm zum Mixen
  • Stärke: Bequem, langlebig, sehr weit verbreitet
  • Einsatz: Mixen, Mastering, Qualitätskontrolle

#### Sony MDR-7506 (Geschlossen)

  • Impedanz: 63 Ω
  • Frequenzgang: 10 Hz – 20 kHz
  • Preis: ca. 90–110 €
  • Klang: Analytisch, leicht „crisp" in den Höhen – guter Referenz-Klang
  • Stärke: Sehr weit verbreitet in Broadcast und Rundfunk (oft in Fernsehstudios)
  • Einsatz: Broadcast-Monitoring, Voice-Over, Film-Set, Qualitätskontrolle

#### Audio-Technica ATH-M50x (Geschlossen)

  • Impedanz: 38 Ω (sehr einfach zu befeuern)
  • Frequenzgang: 15 Hz – 28 kHz
  • Preis: ca. 120–150 €
  • Klang: Ausgewogen mit leicht erhöhtem Bass und guter Detailwiedergabe
  • Stärke: Sehr weit verbreitet, gute Isolation, faltbar für mobile Nutzung
  • Einsatz: Studio-Allrounder, Home-Recording, mobiles Monitoring

#### Sennheiser HD 600 / HD 650 (Offen)

  • Impedanz: 300 Ω (braucht Kopfhörerverstärker!)
  • Frequenzgang: 12 Hz – 38,5 kHz
  • Preis: ca. 280–380 €
  • Klang: Sehr linear, warm, natürlich – einer der Referenz-Kopfhörer im audiophilen Bereich
  • Stärke: Ausgezeichnete Detailwiedergabe, sehr bequem, gut ausgewogen
  • Einsatz: Mastering, Mixing, audiophiles Hören, High-End Monitoring

Frequenzgang und Linearität

Was ist Linearität? Ein perfekt linearer Kopfhörer würde alle Frequenzen mit exakt gleicher Lautstärke wiedergeben. In der Realität gibt es diesen Kopfhörer nicht – aber Studio-Monitoring-Modelle sind lineareren Wiedergabe verpflichtet als Consumer-Modelle.

Messdatenbank: Die Webseite headphones.com und rtings.com bieten gemessene Frequenzgänge aller bekannten Kopfhörer – nützlich für den Vergleich.

Kompensationsmöglichkeit: Mit Software-EQ (z. B. EqualApo + Peace GUI unter Windows, SoundSource unter macOS) können individuelle Frequenzgang-Abweichungen von Kopfhörern kompensiert werden.


Kopfhörer-Verstärker

Hochwertige Monitoring-Kopfhörer haben oft hohe Impedanz (150–300 Ω). Eine hohe Impedanz bedeutet, dass mehr elektrische Leistung für ausreichende Lautstärke benötigt wird. Günstige Audio-Interfaces und Laptops schaffen oft nicht genug Ausgangspegel.

Symptome unzureichender Verstärkung:

  • Kopfhörer klingt leiser als erwartet
  • Bass klingt dünn, Dynamik scheint komprimiert
  • Interface muss auf Maximum aufgedreht werden

Wann ist ein Kopfhörer-Verstärker nötig?

  • Beyerdynamic DT 770/990/1990 in 250 Ω-Variante: Empfohlen
  • Sennheiser HD 600/650 (300 Ω): Notwendig
  • ATH-M50x (38 Ω): Nicht nötig, läuft an jedem Interface/Smartphone

Empfohlene Kopfhörer-Verstärker:

  • iFi Zen Headphone Amp (ca. 130 €): Einstieg, ausreichend für DT 770/990
  • Schiit Magni (ca. 110 USD): Sehr beliebt in der audiophilen Community, sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Focusrite Scarlett / Audient / UA Interfaces: Bieten integrierte Kopfhörer-Ausgänge – oft ausreichend für 80 Ω Modelle, manchmal für 250 Ω

Beispiele

  1. Podcast-Aufnahme mit Monitoring: Podcaster trägt geschlossenen DT 770 Pro (80 Ω) beim Aufnehmen, um sich selbst in Echtzeit zu hören. Kein Übersprechen ins Mikrofon, gute Schallisolierung.
  2. Mix-Session: Toningenieur mischt mit Sennheiser HD 600 über iFi Zen Amp. Offener Kopfhörer, linearer Klang, lange Session ohne Hörmüdigkeit.
  3. Broadcast-Studio: Fernsehredakteur bearbeitet O-Töne mit Sony MDR-7506 – dem Standard im deutschen und internationalen Broadcast-Bereich.
  4. Mobile Produktion: Content Creator arbeitet im Café mit Audio-Technica ATH-M50x. Gute Schallisolierung (geschlossen), faltbar, leicht genug.
  5. Mastering: Mastering-Ingenieur vergleicht Mix auf offenen Sennheiser HD 650 mit Studio-Monitoren. Unterschiede zwischen Monitoring-Systemen helfen, fundierte Entscheidungen zu treffen.

In der Praxis

Consumer-Kopfhörer im Studio – klingt gut, mischt schlecht: Apple AirPods Pro, Bose QC45 oder Beats klingen für Musikgenuss angenehm – aber ihre starke Bassanhebung und Klangfärbung machen sie für objektives Monitoring ungeeignet. Ein damit gemischter Track klingt auf anderen Systemen oft zu dünn im Bass.

Praxisempfehlung:

  1. Geschlossener Kopfhörer für Aufnahmen (Beyerdynamic DT 770 Pro 80 Ω)
  2. Offener Kopfhörer für Mix-Sessions (Sennheiser HD 600 oder DT 990 Pro)
  3. Mixes immer auf mehreren Systemen testen (Studio-Monitor, Smartphone-Speaker, Auto)

Vergleich & Abgrenzung

ModellTypImpedanzPreisStärke
Beyerdynamic DT 770 ProGeschlossen80 / 250 Ω~130 €Aufnahme, robust
Beyerdynamic DT 990 ProOffen250 Ω~130 €Mixen
Sony MDR-7506Geschlossen63 Ω~100 €Broadcast
Audio-Technica ATH-M50xGeschlossen38 Ω~130 €Allrounder
Sennheiser HD 600Offen300 Ω~300 €High-End Monitoring

Häufige Fragen (FAQ)

Kann ich mit Kopfhörern genauso gut mixen wie mit Studio-Monitoren? Mit linearen offenen Kopfhörern ist professionelles Mixen möglich – erfordert aber Erfahrung mit dem Klangbild des Kopfhörers. Eine Schwäche bleibt: Stereo-Panorama und Raumwahrnehmung funktionieren im Kopfhörer anders als auf Lautsprechern. Profis nutzen beide Systeme für optimale Ergebnisse.

Was bedeuten „Impedanz" und warum ist sie wichtig? Impedanz (gemessen in Ohm, Ω) ist der elektrische Widerstand des Kopfhörers. Hohe Impedanz (250–600 Ω) bedeutet, dass der Kopfhörer mehr Spannung zum Antrieb braucht – er ist für professionelle Verstärker ausgelegt und läuft an schwachen Quellen leise und bassarm. Niedrige Impedanz (16–80 Ω) ist einfacher zu befeuern und läuft gut an Smartphones und günstigen Interfaces.


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Weiterführend

  • Olive, Sean et al. (2012): „A New Headphone Listening Test Methodology". In: Journal of the AES, 60(4), S. 238–251.
  • Villchur, Edgar (1969): „Problems of Realism in the Reproduction of Sound". In: AES Journal.
  • rtings.com (2024): Headphone Frequency Response Database. https://www.rtings.com/headphones
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