Das Drehbuch (engl. Screenplay) ist das schriftliche Konzept eines Films: Es beschreibt in einem standardisierten Format alle Szenen, Handlungen, Dialoge und visuellen Anweisungen, die für die Produktion eines Films erforderlich sind.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Konzept & Preproduktion · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Skript, Screenplay, Script, Filmskript

Was ist ein Drehbuch?

Das Drehbuch ist das Fundament jeder narrativen Filmproduktion. Es ist mehr als eine Geschichte auf Papier: Es ist ein Arbeitsdokument, das allen Beteiligten – Regisseur, Schauspieler, Kamerateam, Produktionsdesigner – als gemeinsame Referenz dient. Ein professionell formatiertes Drehbuch ermöglicht präzise Kalkulation, Planung und Kommunikation auf dem Set. Die standardisierten Formatregeln sind international weitgehend einheitlich und haben sich im Laufe von über 100 Jahren Filmgeschichte herausgebildet.

Erklärung

Format: Das professionelle Drehbuch wird in einer Monospace-Schrift (oft Courier 12pt) auf US-Letter-Format geschrieben. Ein korrekt formatiertes Drehbuch ergibt grob eine Filmminute pro Seite – eine 90-minütige Komödie umfasst also etwa 90 Seiten.

Slugline (Szenenüberschrift): Jede Szene beginnt mit einer Slugline in Großbuchstaben, die angibt: Innen oder Außen (INT./EXT.), der Ort und die Tageszeit (z. B. „INT. KÜCHE – TAG"). Sie ermöglicht die sofortige Zuordnung im Drehplan.

Action Lines (Handlungsbeschreibungen): Knappe, präsensische Beschreibungen dessen, was im Bild zu sehen ist. Nur das Sichtbare und Hörbare wird beschrieben – keine inneren Zustände der Figuren, keine Kameraanweisungen (die dem Regisseur obliegen).

Dialog: Der Dialog ist zentriert auf der Seite und mit dem Namen der sprechenden Figur darüber. Regieanweisungen in Klammern (Parentheticals) stehen direkt unter dem Namen und sparsam eingesetzt.

Übergänge: Klassische Übergänge wie SCHNITT:, ÜBERBLENDE: oder AUF SCHWARZ werden im modernen Drehbuch sparsam eingesetzt – nur wenn der Übergang dramaturgisch bedeutsam ist.

Figurenentwicklung: Das Drehbuch führt alle wichtigen Figuren bei ihrer ersten Erwähnung mit einer kurzen Charakterisierung ein. Die Entwicklung der Figuren über die Akte hinweg ist die dramaturgische Grundlage des Skripts.

Software wie Final Draft, Highland 2 oder das kostenlose Fade In vereinfachen das korrekte Formatieren erheblich.

Beispiele

  1. Kurzfilm-Drehbuch: Eine Szene auf drei Seiten – Slugline, knappe Handlungsbeschreibung, prägnante Dialoge, ein Wendepunkt am Ende.
  2. Spielfilm-Expose: Bevor das vollständige Drehbuch geschrieben wird, fasst ein Expose auf 3–5 Seiten die Geschichte, Figuren und den dramaturgischen Bogen zusammen.
  3. Überarbeitung (Rewrite): Professionelle Drehbücher durchlaufen zahlreiche Fassungen; in Hollywood sind 10–20 Überarbeitungen vor dem Dreh normal.
  4. Treatments: Zwischen Expose und Drehbuch steht das Treatment – eine prosaisch erzählte, szenisch gegliederte Version der Geschichte ohne vollständige Dialoge.
  5. Table Read: Schauspieler und Regie lesen das Drehbuch gemeinsam laut vor – Schwachstellen in Dialogen und Dramaturgie werden hörbar.

In der Praxis

In der Filmproduktion bildet das fertige Drehbuch die Grundlage für den Drehplan, den Budgetplan und die Besetzung. Die Produktion analysiert jede Szene auf benötigte Drehorte, Requisiten und Darsteller. Änderungen am Drehbuch während der Produktion werden in überarbeiteten Seiten (Revisions) ausgegeben, die farbig markiert sind. Nach dem Dreh weicht das gedrehte Material oft vom Drehbuch ab – der Schnitt und das Drehbuch eines fertigen Films können sich erheblich unterscheiden.

Vergleich & Abgrenzung

Das Drehbuch unterscheidet sich vom Romanmanuskript: Es beschreibt nur das Sichtbare und Hörbare. Ein Roman kann die Gedanken einer Figur in seitenlangen Passagen ausführen; ein Drehbuch muss diese inneren Zustände durch Dialog, Handlung und visuellen Ausdruck übertragen. Das Storyboard visualisiert, was das Drehbuch beschreibt – beide Dokumente sind komplementär, nicht austauschbar.

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich das exakte Format einhalten? Für professionelle Produktionen: ja. Das Format ist kein Stilmittel, sondern ein Arbeitswerkzeug. Abweichungen signalisieren Unerfahrenheit und können dazu führen, dass ein Skript ungelesen abgelehnt wird.

Wie beginne ich mein erstes Drehbuch? Mit einer klaren Idee: Wer ist die Hauptfigur? Was will sie? Was hindert sie daran? Diese drei Fragen bilden den dramaturgischen Kern. Dann: Einfach anfangen und überarbeiten – ein schlechter erster Entwurf ist besser als kein Entwurf.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • McKee, R. (1997): Story: Substance, Structure, Style and the Principles of Screenwriting. HarperCollins.
  • Field, S. (1994): Das Drehbuch: Die Grundlagen des Screenwritings. Autorenhaus Verlag.
  • Seger, L. (1987): Making a Good Script Great. Dodd, Mead & Company.
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