Timecode ist ein standardisiertes, kontinuierliches Zeitstempel-System in der Film- und Videoproduktion, das jedem einzelnen Bild (Frame) einer Videoaufnahme eine eindeutige Adresse im Format Stunden:Minuten:Sekunden:Frames (HH:MM:SS:FF) zuweist und so die präzise Synchronisation von Bild, Ton und Metadaten über Kameras, Tongeräte und Schnittsysteme hinweg ermöglicht.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Post-Production · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: SMPTE Timecode, LTC (Longitudinal Timecode), VITC (Vertical Interval Timecode), TC, Time Address

Was ist Timecode?

Timecode ist das Rückgrat jeder professionellen Film- und Videoproduktion. Statt Aufnahmen nach Dateinamen oder Zeitstempeln zu verwalten, erhält jedes Bild eine eindeutige Adresse. Bei 25 Bildern pro Sekunde enthält eine einstündige Aufnahme 90.000 einzeln adressierte Frames – jeder auffindbar, referenzierbar und synchronisierbar.

Erklärung

SMPTE Timecode: Der Standard wurde von der Society of Motion Picture and Television Engineers (SMPTE) entwickelt. Das Format HH:MM:SS:FF (Stunden:Minuten:Sekunden:Frames) ist weltweit in Film und TV verbindlich.

Frameraten und Timecode:

  • 24 fps (Film): 00:00:00:00 bis 00:00:00:23 pro Sekunde
  • 25 fps (PAL/Europa): Standard für europäisches TV
  • 29,97 fps (NTSC/USA): Mit Drop-Frame-Korrektur
  • 30 fps: Für Web und neuere Formate

Drop Frame vs. Non-Drop Frame: 29,97 fps ist keine ganzzahlige Framerate. Um die tatsächliche Echtzeit präzise abzubilden, überspringt Drop Frame Timecode (DF) bestimmte Framezahlen (die Frames selbst werden nicht ausgelassen, nur die Nummerierung). Non-Drop Frame (NDF) zählt fortlaufend – einfacher, aber bei Langproduktionen weicht der Timecode von der Realzeit ab.

Jam Sync: In Multicam-Produktionen werden alle Kameras und Tongeräte auf denselben Timecode synchronisiert (Jam Sync). Dazu wird ein Master-Timecode-Generator (z. B. Tentacle Sync E, Deity TC-1) genutzt, der per Audiokabel oder Bluetooth Timecode auf alle Geräte überträgt.

LTC (Longitudinal Timecode): Timecode wird als Audiosignal auf eine Audiospur aufgezeichnet – lesbar von Professionellen Abspielgeräten und Schnittsoftware.

VITC (Vertical Interval Timecode): Timecode ist in das Videosignal selbst eingebettet (unsichtbar im vertikalen Austastintervall).

Beispiele

  1. Multicam-Dokumentarfilm: 4 Kameras + 1 Zoom-H6-Recorder erhalten denselben Timecode per Tentacle Sync. In DaVinci Resolve synchronisiert „Multicam Sync by Timecode" alle Spuren automatisch auf Frame-Genauigkeit.
  2. Spielfilmproduktion: Klappe und Ton-Equipment (Sound Devices MixPre-6) teilen denselben SMPTE Timecode. Der Cutter findet in Avid Media Composer jede Einstellung per Timecode innerhalb von Sekunden.
  3. Broadcast-Produktion: Nachrichtensendung mit exakter Timecode-Planung: Beitrag A endet bei 00:05:30:00, Beitrag B beginnt bei 00:05:30:00 – präziser Schnittanschluss ohne Lücke.
  4. DCP (Digital Cinema Package): Kinoprojektions-DCPs nutzen SMPTE Timecode für die genaue Synchronisation von Bild, Ton und Untertiteln.
  5. VFX-Workflow: Visual-Effects-Aufnahmen werden mit dem Frame-exakten Timecode der Originalaufnahmen verwaltet – der VFX-Supervisor kann per TC auf jede Einstellung referenzieren.

In der Praxis

In DaVinci Resolve wird Timecode unter „Project Settings > Master Settings" konfiguriert. In Adobe Premiere Pro ist Timecode unter „Sequence Settings" einsehbar und bearbeitbar. Das Multicam-Sync-Feature beider Programme erkennt Timecode aus Metadaten und synchronisiert automatisch.

Für Low-Budget-Produktionen ohne Timecode-Generator: Clapper/Klappe + Marker-Methode in der Schnittsoftware. Für professionelle Produktionen ab zwei Kameras ist ein Timecode-System unverzichtbar.

Vergleich & Abgrenzung

TimecodeTimestamp (Zeitstempel). Ein Zeitstempel ist die Echtzeit (Datum/Uhrzeit) der Aufnahme, ein Timecode die interne Frame-Adresse der Produktion. Reel Number ist eine zusätzliche Ebene zur Kennzeichnung von Filmrollen innerhalb eines Projekts. Burn-In Timecode ist Timecode, der sichtbar ins Bild gerendert wird – für Review-Kopien und Client-Feedback.

Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich Timecode für Einzelkamera-Drehs? Bei Einzelkamera-Projekten ohne externen Ton ist Timecode weniger kritisch – die Kamera setzt automatisch internen Timecode. Sobald ein externer Recorder verwendet wird oder mehrere Kameras eingesetzt werden, wird Timecode unverzichtbar für die schnelle Synchronisation.

Was ist der Unterschied zwischen 23.98 und 24 fps in Bezug auf Timecode? 23.98 fps (technisch 24000/1001) ist die gebräuchliche Framerate für Film-Produktion im NTSC-Umfeld (USA). Der Timecode-Standard dafür ist „Non-Drop Frame 24", obwohl technisch 23.976 fps aufgezeichnet werden. Bei der Ausgabe auf Kino (24 fps) muss umkonvertiert werden.

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Weiterführend

  • Hollyn, N. (2009): The Film Editing Room Handbook. Peachpit Press.
  • Hullfish, S. (2008): The Art and Technique of Digital Color Correction. Focal Press.
  • Online-Ressource: Tentacle Sync Timecode Guide – tentaclesync.com
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