Der Drehplan (auch: Shooting Schedule) ist das verbindliche Planungsdokument einer Filmproduktion, das für jeden Drehtag festlegt, welche Szenen an welchem Drehort, mit welchem Schauspieler-Cast und welchem technischen Personal gedreht werden.

Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Produktion · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Shooting Schedule, Drehtagsplanung, Disposition, Produktionsplan

Was ist ein Drehplan?

Der Drehplan ist das operative Herzstück einer Filmproduktion. Er übersetzt das kreative Konzept (Drehbuch, Storyboard) in eine konkrete, kostenoptimierte Abfolge von Drehtagen. Das zentrale Prinzip: Drehtage sind teuer. Ein professioneller Drehplan minimiert Kosten, indem er alle Szenen an demselben Drehort zusammenlegt, unabhängig davon, wo sie im Film narrativ erscheinen. Ein Film wird fast nie in der Reihenfolge gedreht, in der er im Kino zu sehen ist.

Erklärung

Grundprinzip – Drehen nach Ort, nicht nach Szenenfolge: Das Drehbuch erzählt die Geschichte linear; der Drehplan optimiert nach Logistik. Alle Szenen, die am selben Drehort spielen, werden gebündelt – auch wenn sie dramaturgisch weit auseinander liegen. Das spart Auf- und Abbauzeiten, Fahrtkosten und Mietkosten für Drehorte.

Weitere Optimierungskriterien:

  • Schauspielerplan: Bekannte (und damit teure) Schauspieler werden so eingeplant, dass ihre Drehtage minimiert werden. Ein Star, der nur in wenigen Szenen vorkommt, dreht alle seine Szenen in möglichst wenigen, aufeinanderfolgenden Tagen.
  • Wetterbedingungen: Außenszenen werden so geplant, dass ein Wetterausfall-Puffer (Rain Cover) existiert – Innenszenen an einem anderen Drehort als Ausweichoption.
  • Tageszeit und Licht: Szenen, die in der Dämmerung oder Nacht spielen, werden entsprechend geplant; „Magic Hour"-Aufnahmen (kurz nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang) erfordern präzises Timing.
  • Continuity: Wenn ein Schauspieler in einer früh im Film gedrehten Szene einen Bart trägt, der späteren Szene aber nicht, muss die Reihenfolge der Drehtage die Continuity (Haare, Make-up, Kostüm) sichern.

Stripboard: Das klassische Werkzeug des Aufnahmeleiters ist das Stripboard: ein Satz farbiger Streifen (Strips), einer pro Szene, der physisch oder digital umsortiert werden kann, um verschiedene Drehplanvarianten zu testen. Heute wird das Stripboard häufig digital mit Software wie Movie Magic Scheduling, Celtx oder StudioBinder abgebildet.

Call Sheet: Aus dem Drehplan wird täglich die Disposition (Call Sheet) abgeleitet: eine detaillierte Tagesplanung für alle Beteiligten, die Ankunftszeiten, Szenen, Drehorte, Requisiten und technische Anforderungen für den jeweiligen Drehtag bündelt.

Beispiele

  1. Indie-Kurzfilm: Ein 10-Minuten-Kurzfilm mit zwei Drehtagen – alle Innenszenen an Tag 1, alle Außenszenen an Tag 2. Einfache Planung, klare Trennung.
  2. Spielfilm-Drehplan: Eine Liebesgeschichte mit 80 Szenen, 12 Drehorte, 40 Drehtage – die letzten Szenen des Films (Klimax) werden aus Kostengründen als erste gedreht, solange der teuerste Drehort noch verfügbar ist.
  3. Serienproduktion: Zwei Episoden werden gleichzeitig gedreht (Block Shooting) – alle Szenen beider Episoden am selben Drehort werden an denselben Tagen gedreht.
  4. Wetterpuffer: Ein Außendreh ist eingeplant; bei Regen werden Innen-Szenen (Rain Cover) aus einem anderen Drehtag vorgezogen. Der Plan ist flexibel und enthält immer eine Ausweichoption.
  5. Magic Hour-Planung: Für einen Sonnenuntergangs-Shot am Strand wird der gesamte Drehtag rückwärts geplant – alle anderen Szenen müssen bis zur goldenen Stunde abgewickelt sein.

In der Praxis

Der Drehplan wird vom Aufnahmeleiter oder dem 1st Assistant Director (1st AD) in enger Abstimmung mit dem Produktionsleiter, der Regie und dem DoP erstellt. Ein guter Drehplan ist flexibel genug für spontane Änderungen (Schlechtwetter, Krankheit, technische Ausfälle), aber präzise genug, um das Budget und den Zeitplan einzuhalten. Jede Verzögerung am Set kostet Geld – ein professioneller Drehplan enthält Pufferzeiten, um übliche Überziehungen aufzufangen. Am Ende jedes Drehtags wird geprüft, ob der Plan eingehalten wurde, und der folgende Tagesplan angepasst.

Vergleich & Abgrenzung

Der Drehplan unterscheidet sich vom Drehbuch (dem narrativen Dokument) und vom Storyboard (dem visuellen Konzept). Er ist das operative Logistikdokument. Die Call Sheet ist die tagesgenaue Ableitung des Drehplans – sie enthält alle Detailinformationen für den jeweiligen Drehtag und wird üblicherweise am Abend vor dem Dreh ausgeteilt. Der Budgetplan und der Drehplan sind eng verzahnt: Jede Änderung im Drehplan hat direkte Kostenauswirkungen.

Häufige Fragen (FAQ)

Wer erstellt den Drehplan? In professionellen Produktionen ist der 1st Assistant Director (1st AD) für die Erstellung des Drehplans zuständig, in kleinen Produktionen der Produktionsleiter oder der Regisseur selbst. Es ist eine der anspruchsvollsten logistischen Aufgaben in der Filmproduktion.

Wie früh vor dem Dreh wird der Drehplan erstellt? In größeren Produktionen beginnt die Drehplanentwicklung 6–12 Wochen vor dem Drehbeginn, parallel zur Schauspieler-Verhandlung und zum Location Scouting.

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Weiterführend

  • Singleton, R. S. (1996): Film Scheduling. Lone Eagle Publishing.
  • Cury, I. (2007): Directing & Producing for Television. Focal Press.
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