Location Scout (auch: Motivsuche, Drehorterkundung) bezeichnet den Prozess der Recherche, Besichtigung und Bewertung potenzieller Drehorte für eine Filmproduktion sowie die Person, die diese Aufgabe beruflich ausübt.
Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Produktion · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Motivsuche, Drehorterkundung, Location Scouting, Motivscout
Was ist ein Location Scout?
Der Location Scout ist ein essenzieller Bestandteil der Preproduktion. Bevor die Kamera rollt, muss jede Szene eines Films einen physischen Drehort haben – sei es eine reale Umgebung (Location) oder ein aufgebautes Studio-Set. Der Location Scout prüft, ob ein potenzieller Drehort zu den Anforderungen des Drehbuchs, der visuellen Konzeption und dem Budget passt. Das bedeutet: visuelle Eignung, akustische Eignung, Genehmigungsfähigkeit, Logistik und Kosten müssen in Einklang gebracht werden.
Erklärung
Aufgaben des Location Scouts:
- Recherche: Anhand des Drehbuchs erstellt der Location Scout eine Liste der benötigten Drehorte. Er recherchiert in Datenbanken, Stadtarchiven, über Kontakte und persönliche Erkundungen.
- Erstbewertung (Pre-Scout): Der Location Scout besucht Orte alleine, fotografiert sie ausführlich und erstellt Berichte über Eignung, Lage, Zustand und erste Einschätzungen zu Kosten und Genehmigungen.
- Scout-Tour mit Regie und DoP: Vielversprechende Orte werden gemeinsam mit Regisseur, DoP und Produktionsleiter besucht. Hier werden visuelle und technische Anforderungen abgeglichen.
- Genehmigungen: Viele Drehorte – öffentliche Plätze, private Gebäude, historische Stätten – erfordern Drehgenehmigungen von Behörden, Eigentümern oder Denkmalschutzbehörden. Der Location Scout koordiniert diese Prozesse.
- Vertragsabschluss: Der Location Manager (in größeren Produktionen eine eigene Position) schließt Mietverträge mit Eigentümern ab und regelt Konditionen.
Technische Checkliste beim Scouting:
- Lichtverhältnisse (Himmelsrichtung, Fenster, Tageszeit)
- Stromanschluss für Scheinwerfer und Equipment
- Lärmquellen (Straßenverkehr, Maschinen, Flugverkehr)
- Zugänglichkeit für Fahrzeuge und Equipment
- Sanitäre Einrichtungen für das Team
- Parkmöglichkeiten
Fotografische Dokumentation: Gute Location-Fotos sind entscheidend. Der Scout fotografiert aus allen Richtungen, zu verschiedenen Tageszeiten und mit Angabe der Himmelsrichtung. Zunehmend werden auch 360°-Panoramen und kurze Video-Walkthroughs erstellt.
Beispiele
- Stadtkommission: Eine Produktion möchte auf dem Marktplatz einer Kleinstadt drehen; der Location Scout koordiniert mit der Stadtverwaltung Drehgenehmigungen, Absperrungen und Parkverbote.
- Historisches Gebäude: Ein Kostümdrama benötigt ein authentisches Schloss; der Scout recherchiert verfügbare Gebäude, klärt mit Denkmalbehörden und Eigentümern und prüft, ob das Set baulich verändert werden darf.
- Naturkulisse: Für ein Roadmovie werden Straßenabschnitte gesucht, die bestimmten ästhetischen Anforderungen genügen und genehmigt werden können; der Scout erstellt eine Karte mit Optionen entlang der geplanten Fahrroute.
- Notfall-Location: Eine Außenszene muss wegen Wetteränderungen spontan nach drinnen verlegt werden; ein gut vernetzter Location Scout kann kurzfristig Alternativen anbieten.
- Internationales Scouting: Eine Produktion möchte in Marokko statt in der Sahara drehen (günstiger, besser erschlossen); der Scout reist vorab zur Erkundung und dokumentiert die lokalen Bedingungen.
In der Praxis
Location Scouting beginnt früh in der Preproduktion – manchmal Monate vor dem Drehtag. In großen Produktionen gibt es spezialisierte Location Scouts und Location Manager als eigenständige Berufsbilder. In kleinen Produktionen übernimmt oft der Produktionsleiter oder die Regie das Scouting selbst. Gut dokumentierte Location-Fotos und -Berichte sparen am Set Zeit und Geld: Je besser das Team den Drehort kennt, desto effizienter arbeitet es vor Ort. Digitale Location-Datenbanken (z. B. LocationScout-App, nationale Filmförderungs-Datenbanken) erleichtern die Erstrecherche erheblich.
Vergleich & Abgrenzung
Location Scout und Location Manager sind verwandte, aber unterschiedliche Rollen: Der Scout recherchiert und bewertet Orte; der Manager koordiniert die gesamte Abwicklung (Verträge, Genehmigungen, Kommunikation mit Eigentümern) und ist am Set anwesend. In kleineren Produktionen werden beide Funktionen von einer Person übernommen. Im Gegensatz zu Studio-Drehs bieten Locations den Vorteil echter Atmosphäre, erfordern aber mehr logistischen Aufwand und bieten weniger Kontrolle über Licht, Ton und Zugangsbeschränkungen.
Häufige Fragen (FAQ)
Brauche ich immer eine Drehgenehmigung? Für Drehs auf öffentlichem Grund (Straßen, Plätze, Parks) ist in Deutschland fast immer eine Genehmigung der zuständigen Behörde erforderlich. Private Grundstücke benötigen die Erlaubnis des Eigentümers. Genehmigungsfreiheit gilt nur für rein private, nicht-kommerzielle Aufnahmen in bestimmten Situationen.
Was kostet Location-Miete? Die Preisspanne ist enorm: Öffentliche Räume kosten manchmal nichts außer der Verwaltungsgebühr; exklusive Villen, Schlösser oder Industrieanlagen können 5.000–50.000 Euro pro Drehtag kosten. Viele Eigentümer vermieten Drehorte gerne, wenn sie professionell angesprochen werden.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Hurbis-Cherrier, M. (2012): Voice & Vision: A Creative Approach to Narrative Film and DV Production. Focal Press.
- Lee, J. (2000): Film Directing: Cinematic Motion. Michael Wiese Productions.
