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Die Drittelregel ist ein Kompositionsprinzip, das das Bildfeld durch zwei horizontale und zwei vertikale Linien in neun gleichgroße Felder unterteilt und die Platzierung von Hauptmotiven an den Schnittpunkten dieser Linien empfiehlt.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Bildkomposition · Niveau: Einsteiger

Synonyme / Auch bekannt als: Rule of Thirds, Dreiecksregel, Drittelprinzip, Drittelgitter


Was ist die Drittelregel?

Die Drittelregel ist die bekannteste und am häufigsten angewandte Kompositionsrichtlinie in der Fotografie. Sie empfiehlt, das Bild gedanklich oder per eingeblendetem Raster in drei gleiche horizontale und drei gleiche vertikale Zonen einzuteilen. An den vier Schnittpunkten dieser Linien, oft als „Power Points" oder „Kraftpunkte" bezeichnet, sollten wichtige Bildelemente – Hauptmotiv, Auge einer Person, Horizontlinie – platziert werden.

Das Prinzip gilt als vereinfachte, praxistaugliche Näherung des Goldenen Schnitts. Während der Goldene Schnitt mathematisch exakt ist, lässt sich die Drittelregel im Feld ohne Rechnung anwenden. Sie ist das erste Kompositionsprinzip, das Fotoeinsteiger erlernen sollten.


Erklärung

Zieht man zwei horizontale und zwei vertikale Linien, die das Bild jeweils bei einem Drittel und zwei Dritteln teilen, entstehen vier Schnittpunkte. Bryan Peterson bezeichnet diese in „Understanding Composition" (Peterson, 2012, S. 18) als die „vier magischen Punkte" des Bildes: Motive, die an diesen Punkten platziert werden, wirken dynamischer und interessanter als mittig positionierte Motive.

Warum funktioniert das? Das menschliche Auge folgt beim Betrachten eines Bildes nicht zwingend dem geometrischen Zentrum. Es sucht nach Gewichten, Linien und Kontrasten. Ein Motiv, das leicht dezentriert ist, erzeugt eine Spannung zwischen sich und dem umgebenden Raum – es entsteht ein visueller Dialog.

Michael Langford erklärt in „Langford's Basic Photography" (Langford/Fox/Smith, 2010, S. 234), dass die Drittelregel besonders bei Landschafts- und Reisefotografie hilft, weil sie sofortige Orientierung bietet, ohne die kreative Entscheidung vorwegzunehmen.


Beispiele

  1. Landschaftsfotografie – Horizontlinie auf einem Drittel: Der Horizont wird auf die untere Drittellinie gesetzt. Damit erhält der Himmel zwei Drittel der Bildfläche, was bei dramatischen Wolkenformationen oder Sonnenuntergängen die atmosphärische Wirkung verstärkt. Kamera-Setting: Weitwinkel 16–35 mm, f/11, ISO 100, Polfilter.
  2. Porträtfotografie – Augenlinie: Bei einem Einzelporträt liegt das dominante Auge des Motivs auf der oberen horizontalen Drittellinie. Die Bildseite, zu der das Gesicht schaut, erhält etwas mehr Platz. Kamera-Setting: 85 mm Portraitobjektiv, f/2,8, natürliches Seitenlicht.
  3. Street Photography – bewegliche Person: Eine Person in Bewegung wird so positioniert, dass sie auf dem linken oder rechten vertikalen Drittel steht und in das Bild hineinläuft – d. h. vor ihr liegt mehr Bildraum als hinter ihr. Klassisch bei Henri Cartier-Bresson zu beobachten.
  4. Tierfotografie – Wildtier im Gras: Der Kopf eines liegenden Löwen liegt auf dem oberen rechten Schnittpunkt, der Körper zieht diagonal nach links. Das erzeugt Tiefe und Ruhe zugleich. Kamera-Setting: Supertele 400 mm, f/5,6, erhöhter ISO 800.
  5. Architektur – Turm oder Hochhaus: Der Turm einer Kirche oder ein Wolkenkratzer wird auf einer der vertikalen Drittellinien platziert. Damit tritt der Hintergrund als eigenständige Bildfläche in Erscheinung. Peterson empfiehlt hier, den „Atemraum" der Architektur zu respektieren (Peterson, 2012, S. 55).

In der Praxis

Die meisten modernen Kameras (Spiegellose Systeme von Sony, Fujifilm, Canon, Nikon) bieten die Möglichkeit, ein Drittelraster im Sucher oder auf dem Display einzublenden. Bei Canon DSLRs ist die Einstellung unter „Anzeigegitter" zu finden, bei Sony Alpha-Kameras unter „Gitterlinienanzeige". Für Einsteiger empfiehlt es sich, dieses Raster permanent aktiviert zu lassen, bis das Gefühl für die Aufteilung internalisiert ist.

In der Nachbearbeitung bietet Lightroom Classic im Zuschnitt-Werkzeug (Tastenkürzel „R") das Dritterlraster als Standard-Overlay. In Adobe Photoshop kann beim Beschneiden über „Ansicht" das gewünschte Kompositions-Overlay ausgewählt werden.

Michael Freeman (2007, S. 38) warnt vor einer zu sklavischen Anwendung: Die Drittelregel ist ein Ausgangspunkt, kein Dogma. Wer sie blind befolgt, produziert vorhersehbare Bilder. Die Regel dient dazu, bewusste Abweichungen zu ermöglichen.


Vergleich & Abgrenzung

MerkmalDrittelregelGoldener SchnittZentralperspektive
PrinzipGleichmäßige DrittelteilungPhi-Proportion (1:1,618)Symmetrische Zentrierung
AnwendungsaufwandMinimalMittelMinimal
BildwirkungDynamisch, lebendigHarmonisch, klassischStatisch, monumental
EinsatzbereichUniversalFeingestaltungArchitektur, Abstraktion

Die Drittelregel und der Goldene Schnitt ähneln sich, sind aber nicht identisch. Die Kraftpunkte des Goldenen Schnitts liegen 5–7 % näher an der Bildmitte. In der täglichen Praxis ist der Unterschied gering, die konzeptuelle Haltung jedoch verschieden.


Häufige Fragen (FAQ)

Sollte das Hauptmotiv immer auf einem Schnittpunkt liegen? Nicht zwingend. Die Regel beschreibt, wo ein Motiv oft gut wirkt – nicht, wo es immer stehen muss. Manchmal genügt es, das Motiv auf einer der Drittellinien zu platzieren, ohne exakt auf den Schnittpunkt zu zielen. Peterson betont, dass der Weg zu einem guten Bild über bewusstes Sehen führt, nicht über mechanisches Regelanwenden (Peterson, 2012, S. 22).

Gilt die Drittelregel auch bei quadratischen Formaten? Ja. Auch im Quadrat gibt es Drittelpunkte, sie liegen nur näher beieinander. Im quadratischen Format (z. B. Instagram-Post) neigen viele Fotografen zur Zentrierung, aber auch hier kann eine Drittelplatzierung Spannung erzeugen.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Peterson, Bryan (2012): Understanding Composition. New York: Amphoto Books. S. 15–35.
  • Freeman, Michael (2007): The Photographer's Eye. Lewes: ILEX Press. S. 36–45.
  • Langford, Michael; Fox, Anna; Smith, Richard (2010): Langford's Basic Photography. 9. Aufl. Oxford: Focal Press. S. 232–237.
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