← Zurück zu Fotografie
Automotive-Fotografie ist die professionelle Fotografie von Automobilen und Fahrzeugen – von statischen Studio-Standaufnahmen über dynamische Rolling Shots bis zu CGI-unterstützten Werbekampagnen.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Fotografie-Gattungen · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Fahrzeugfotografie, Car Photography, Automotive Photography


Was ist Automotive-Fotografie?

Automotive-Fotografie bedient eine Industrie mit Milliarden-Budgets. Autohersteller, Händler, Leasingfirmen, Tuner, Magazinredaktionen (auto motor und sport, AUTO BILD, Top Gear) und Privatverkäufer brauchen professionelle Fahrzeugbilder. Das Spektrum reicht von schnellen Gebrauchtwagenfotos für mobile.de bis zu internationalen Werbeshootings, bei denen die Nachbearbeitung (oft mit CGI-Unterstützung) Wochen dauert.

Automotive-Fotografie verbindet Landschafts- und Lichtkenntnis mit technischem Verständnis für Fahrzeugdesign: Jede Linie, jeder Reflex, jeder Schattenwurf kommuniziert etwas über die Qualität des Fahrzeugs.


Erklärung

Rolling Shot: Der Rolling Shot ist die Königsdisziplin der Automotive-Fotografie: Das Auto fährt, die Kamera fährt mit – entweder von einem Begleitfahrzeug (Car-to-Car) oder einem Rig (Kamera montiert am Fahrzeug selbst). Das Ergebnis: Das Auto wirkt scharf und dynamisch, der Hintergrund verwischt und kommuniziert Geschwindigkeit.

Technische Umsetzung:

  • Car-to-Car: Photographer auf/in Begleitfahrzeug (Transporter mit offener Hecktür, Motorrad-Socius), das mit derselben Geschwindigkeit fährt. Verschlusszeit: 1/30–1/80 s für scharfes Auto + Hintergrundunschärfe
  • Rig-Shooting: Kamerasystem wird mit Saugnäpfen (Car Clamps, z. B. Sistema Movi) am Fahrzeug montiert – ermöglicht extreme Low-Angles und dramatische Perspektiven ohne Begleitfahrzeug
  • Längere Belichtungszeit: 1/15–1/30 s für stärkeren Wischeffekt der Räder (Bewegungsunschärfe der Reifen zeigt Rotation)

Panning: Ähnlich dem Rolling Shot, aber der Fotograf steht still: Das Fahrzeug fährt an der Kamera vorbei, der Fotograf verfolgt es mit dem Sucher und löst aus. Bei 1/30–1/60 s entsteht scharfes Auto mit wischenden Hintergrund.

Location Scouting: Der Drehort kommuniziert die Markenwelt des Fahrzeugs:

  • Offroad-SUV: Berglandschaft, Schotterpiste, Furt
  • Sportwagen: Bergpass, Rennstrecke, nächtliche Stadtautobahn
  • Luxuslimousine: Stadthotels, Opernfassaden, Weinberge
  • Elektroauto: Moderne Architektur, Windparks, Ladestationen

Gute Lichtbedingungen: Goldene Stunde (30 min nach Sonnenaufgang / vor -untergang) für weiches Licht ohne harte Schatten. Bewölkter Himmel als riesige Softbox – ideal für lackierte Karosserieflächen.

Spiegelkontrolle: Autolacke (besonders Hochglanzlackierungen) reflektieren wie Spiegel. In jeder Karosseriefläche spiegeln sich Bäume, Gebäude, Himmel – und der Fotograf. Profis tragen schwarze Kleidung, benutzen schwarze Tücher um die Kamera und kontrollieren Reflexionen durch Bildausschnitt und Position. Im Studio wird die Karosserie mit polarisiertem Licht und einem zirkularen Polfilter auf der Kamera (CPL) behandelt, um Reflexionen zu dämpfen.

CGI-Nachbearbeitung: In der Automobilwerbung auf internationalem Niveau werden Bilder oft substanziell mit CGI (Computer-Generated Imagery) nachbearbeitet:

  • Himmelsaustausch (spezielle Wolken, Sonnenuntergang, Nacht)
  • Umgebungsaustausch (Originalfoto in Wüste, Berglandschaft, Hafen gesetzt)
  • Reflexionsretuschen (Fotografen aus Spiegelflächen entfernen)
  • Radglanz-Rendering (Räder werden oft am Computer hinzugefügt oder verbessert)
  • Komplette CGI-Fahrzeuge: Bei noch nicht existenten Modellen werden reine Computer-Renderings erstellt und mit fotografischen Hintergründen kombiniert

Beispiele

  1. Frank Brandwijk (BMW, Mercedes-Benz): Niederländischer Automotive-Fotograf, bekannt für seine klaren, präzisen Karosserie-Aufnahmen im Studiostil.
  2. Dean Smith (The Car Spy): US-amerikanischer Automobilfotograf, spezialisiert auf nächtliche Stadtaufnahmen von Supercars – moody, cinematisch.
  3. AUTO BILD Deutschland: Wöchentliche Fachzeitschrift mit eigenem Fototeam – Standards für redaktionelle Automobilfotografie in Deutschland.
  4. Stephan Drescher: Bekannter deutscher Automotive-Fotograf, arbeitet für BMW, Audi, Porsche – bekannt für emotionale Naturbedingungsaufnahmen.
  5. Porsche AG Pressedienst: Die offizielle Pressefotografie von Porsche gilt als Benchmark für Automobile-Werbefotografie – kostenlos für Redaktionen lizenzierbar.

In der Praxis

Statische Standaufnahme:

  • Kamera auf Stativhöhe Motorhaube (ca. 80 cm) – zeigt Design, ohne zu strecken oder zu stauchen
  • 3/4-Frontansicht (45°) oder 3/4-Heckansicht zeigt das Auto am vorteilhaftesten
  • Alle vier Räder müssen sichtbar sein (gerade ausgerichtet)
  • Seitenspiegel einklappen (außer wenn Spiegel-Design Markenzeichen ist)
  • Alle Aufkleber, Preisschilder, Nummernschilder entfernen oder retuschieren
  • Reifen mit Gummipfleger aufbereiten

Rolling Shot Einsteiger-Methode: Begleitfahrzeug (z. B. Transporter) mit offener Seitentür oder Heckluke, Fotograf mit Sicherheitsgurt gesichert. Synchrongeschwindigkeit des Fahrzeugs 30–60 km/h, Kamera auf Körper gehalten (kein Stativ nötig bei stabilem Fahrzeug). Verschlusszeit: 1/50 s, ISO 400, Blende f/8. Für scharfe Räder (weniger Drehung sichtbar): 1/250 s.

Kameraeinstellungen:

  • Für Standaufnahmen: f/8–f/11 für maximale Schärfe, ISO 100–400, Stativ
  • Für Rolling Shot: 1/30–1/80 s (Hintergrundunschärfe), ISO 400–1600, Bildstabilisator aktiv
  • Für Panning: 1/30–1/60 s, kontinuierlicher AF mit Objekterkennung wenn möglich

Vergleich und Abgrenzung

MerkmalAutomotive-FotografieDrohnenfotografieFood Photography
HaupttechnikRolling Shot, PanningLuftperspektiveStyling, Licht
LocationStraße, Studio, NaturÜberallStudio, Fensterlicht
CGI-AnteilHoch (professionell)SeltenGering
BudgetMittel bis sehr hochMittelNiedrig bis mittel

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Automotive-Fotografie auf öffentlichen Straßen legal? Das Fotografieren auf öffentlichen Straßen ist grundsätzlich erlaubt. Für kommerzielle Dreharbeiten auf Straßen, Plätzen und in Nationalparks können Sondergenehmigungen nötig sein. Auf gesperrten Geländen (z. B. Rennstrecken, Militärgelände) immer vorab anfragen. Das Fahren auf öffentlichen Straßen für Rolling-Shot-Aufnahmen erfordert normale Straßenverkehrsregeln – Tempolimits gelten.

Was macht Automotive-Fotografie teuer? Mehrere Faktoren: Location-Scouting und -Genehmigungen, Begleitfahrzeuge und Safety-Fahrzeuge, Rig-Equipment (Sucker Mount System, Remote Head), Nachbearbeitungsaufwand (Reflexretusche, Himmel, CGI), Styling-Team für Fahrzeugpflege am Set. Hochwertige internationale Kampagnen kosten mehrere hunderttausend Euro.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Eggers, Frank (2021): Automotive Photography: Capturing the World of Cars. Buffalo: Amherst Media.
  • Hicks, Roger (2014): Commercial Photography Handbook. Brighton: Rotovision.
  • auto motor und sport (Stuttgart): Fachmagazin mit wöchentlichen Produktionsstrecken als Benchmark
  • c't Fotografie (2023): „Fahrzeugfotografie – Rolling Shot, Lichttechnik und Retusche", Heft 5/2023.
  • Porsche Pressedatenbank (newsroom.porsche.com): Hochauflösende Pressefotos als Standard für automobile Bildsprache.
← Zurück zu Fotografie
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar
Automotive-Fotografie — Wiki | Lazi Akademie | Lazi Akademie Esslingen