Die Belichtungszeit (auch Verschlusszeit) ist der Zeitraum, während dessen der Kameraverschluss geöffnet ist und Licht auf den Sensor fällt; sie bestimmt maßgeblich, wie Bewegungen im Bild dargestellt werden und ist einer der drei Parameter des Belichtungsdreiecks.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Kameratechnik · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Verschlusszeit, Shutter Speed, Exposurezeit

Was ist die Belichtungszeit?

Die Belichtungszeit gibt an, wie lange der Kameraverschluss geöffnet bleibt – üblicherweise in Bruchteilen einer Sekunde angegeben (z. B. 1/250 s, 1/60 s) oder bei Langzeitbelichtungen in ganzen Sekunden oder Minuten. Sie ist neben Blende und ISO der dritte Eckpunkt des Belichtungsdreiecks und bestimmt, neben der Helligkeit, vor allem die Darstellung von Bewegung im Bild.

Erklärung

Die Belichtungszeit wird vom Kameraverschluss gesteuert. Moderne Digitalkameras verwenden meist einen Schlitzverschluss (Focal-Plane-Shutter), der aus zwei Lamellenpaketen besteht, die hintereinander über den Sensor laufen. Bei sehr kurzen Zeiten überlappen sich beide Lamellenpakete und bilden einen wandernden Schlitz.

Kurze Belichtungszeiten (1/500 s, 1/1000 s und kürzer) „frieren" schnelle Bewegungen ein: Ein Sprung, ein Vogel im Flug oder ein Fußball werden scharf abgebildet. Diese Zeiten werden in der Sport-, Wildlife- und Actionfotografie bevorzugt. Sie benötigen aber mehr Licht (oder höheres ISO / größere Blende).

Mittlere Belichtungszeiten (1/60 s bis 1/250 s) sind für ruhige Motive und Alltagssituationen geeignet. Die Faustregel lautet: Die kürzeste handfreie Belichtungszeit entspricht dem Kehrwert der (äquivalenten) Brennweite – bei 50 mm also mindestens 1/50 s, um Verwackeln zu vermeiden.

Lange Belichtungszeiten (ab 1/15 s aufwärts bis zu mehreren Minuten) erzeugen bewusste Bewegungsunschärfe (engl. Motion Blur): Wasserfälle erscheinen seidig, Autoscheinwerfer erzeugen Lichtspuren, Sternspuren am Nachthimmel werden sichtbar. Lange Zeiten erfordern ein Stativ und empfehlen die Nutzung eines Fernauslösers oder des Selbstauslösers, um Verwackeln durch den Auslösedruck zu vermeiden.

Der Bildstabilisator (OIS oder IBIS) korrigiert Verwacklungen und ermöglicht handfreie Aufnahmen bei 2–5 Stufen längeren Zeiten als ohne Stabilisierung.

Die Belichtungszeit wird in ganzzahligen Stufen verdoppelt oder halbiert: 1/1000 – 1/500 – 1/250 – 1/125 – 1/60 – 1/30 – 1/15 – 1/8 – 1/4 – 1/2 – 1 s. Moderne Kameras erlauben auch Drittel- und Halbstufen für feinere Kontrolle.

Beispiele

  1. Sportevent (1/1000 s): Bewegungsfreies Einfrieren eines Sprinters im Zieleinlauf.
  2. Wasserfall (1 s): Auf Stativ mit geschlossener Blende erzeugt die lange Zeit den seidigen, glatten Wassereffekt.
  3. Lichtmalerei (30 s – Bulb): Im dunklen Raum wird mit einer Taschenlampe eine Zeichnung in die Luft gemalt, die vollständig sichtbar wird.
  4. Panning (1/30 s): Die Kamera wird mit einem fahrenden Auto mitbewegt – das Motiv bleibt scharf, der Hintergrund zeigt Bewegungsunschärfe und vermittelt Dynamik.
  5. Nachtlandschaft (20 s): Sterne erscheinen als Punkte, wenn die Belichtungszeit die „500er-Regel" einhält (500 ÷ äquivalente Brennweite = max. Sekunden).

In der Praxis

Im Modus Tv (Canon) oder S (Nikon/Sony) – Zeitautomatik – wählt der Fotograf die gewünschte Belichtungszeit, die Kamera berechnet die passende Blende. Dieser Modus eignet sich besonders für die Sportfotografie. Für Langzeitbelichtungen bieten Kameras den Bulb-Modus (B), bei dem der Verschluss so lange offen bleibt, wie der Auslöser gedrückt wird. Eine externe Fernbedienung mit Sperrfunktion ist hier empfehlenswert. Wer oft bei schlechtem Licht fotografiert, sollte in Bildstabilisatoren oder lichtstarke Objektive investieren.

Vergleich & Abgrenzung

Während die Blende die Schärfentiefe beeinflusst, steuert die Belichtungszeit die Bewegungsdarstellung. ISO beeinflusst die Empfindlichkeit, hat aber keinen direkten Einfluss auf Bewegung oder Schärfentiefe. Bei Videoaufnahmen gilt eine eigene Regel: Die Verschlusszeit sollte das Doppelte der Bildrate betragen (180-Grad-Regel), um natürlich wirkende Bewegungsunschärfe zu erzielen.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist die „Faustregel" für handfreie Fotografie? Die Kehrwert-Regel: Bei einer (KB-äquivalenten) Brennweite von 100 mm sollte die Belichtungszeit mindestens 1/100 s betragen. Mit modernem Bildstabilisator lassen sich 2–4 Stufen langsamere Zeiten noch erschütterungsfrei festhalten.

Was ist der Unterschied zwischen mechanischem und elektronischem Verschluss? Der mechanische Verschluss nutzt physische Lamellen und erzeugt ein Klick-Geräusch. Der elektronische Verschluss ist lautlos und ermöglicht kürzere Zeiten, kann aber bei schnellen Motiven zu Rolling-Shutter-Verzerrungen führen.

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Weiterführend

  • Peterson, Bryan (2004): Understanding Exposure. Amphoto Books.
  • Hase, Christian (2019): Kameratechnik für Einsteiger. Rheinwerk Fotografie.
  • Langford, Michael (2010): Grundkurs Fotografie. Dorling Kindersley.
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