Der Crop-Faktor ist eine Kennzahl, die angibt, um welchen Faktor ein Kamerasensor kleiner ist als das klassische Kleinbildformat (35 mm / Vollformat) und damit auch, um welchen Faktor die effektive Brennweite eines Objektivs auf diesem Sensor vergrößert wird.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Kameratechnik · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Brennweitenmultiplikator, Crop Factor, Fokalreduktor-Kehrwert, Field of View Crop

Was ist der Crop-Faktor?

Das klassische Kleinbildformat (35-mm-Film) misst 36 × 24 mm. Digitale Sensoren, die kleiner als dieses Format sind, erfassen nur einen Ausschnitt (englisch: Crop) des Bildkreises eines Objektivs. Dadurch verändert sich das effektive Sichtfeld: Ein 50-mm-Objektiv wirkt auf einem APS-C-Sensor mit Crop-Faktor 1,5 wie ein 75-mm-Objektiv auf Vollformat. Der Crop-Faktor ist das Verhältnis der Vollformat-Diagonale zur Sensor-Diagonale.

Erklärung

Vollformat (Full Frame, FF): Sensor 36 × 24 mm, Crop-Faktor 1,0. Alle Brennweiten entsprechen dem Kleinbildäquivalent. Maximaler Dynamikumfang und bestes Rauschverhalten durch große Einzelpixel. Kameras: Canon EOS R, Nikon Z6/Z7, Sony Alpha 7-Serie.

APS-C: Sensor ca. 23,5 × 15,6 mm (Canon: 22,3 × 14,9 mm), Crop-Faktor 1,5 (Canon: 1,6). Ein 50-mm-Objektiv entspricht ca. 75 mm auf APS-C. Verbreitet in Einstiegs- und Mittelklassekameras (Canon EOS R10, Nikon Z50, Sony A6700, Fujifilm X-Serie). Kompakter, leichter und günstiger als Vollformat.

Micro Four Thirds (MFT): Sensor 17,3 × 13 mm, Crop-Faktor 2,0. Ein 25-mm-Objektiv entspricht 50 mm auf Vollformat. Sehr kompaktes Systemformat; Kameras von Olympus (OM System) und Panasonic. Besonders verbreitet in der Videografie (GH-Serie).

1-Zoll-Sensor: Crop-Faktor ca. 2,7. In hochwertigen Kompaktkameras und Drohnen (DJI Zenmuse).

Smartphone-Sensoren: Crop-Faktor 5–9+; winzige Sensoren, die durch Software und mehrere Linsen kompensiert werden.

Praktische Auswirkungen des Crop-Faktors:

  • Teleobjektive profitieren: Ein 400-mm-Teleobjektiv an APS-C entspricht 600 mm – gut für Wildtier- und Vogelfotografie.
  • Weitwinkelobjektive verlieren: Ein 24-mm-Weitwinkel an APS-C entspricht nur noch 36 mm; echter Weitwinkeleffekt erfordert kürzere Brennweiten.
  • Schärfentiefe: Kleinere Sensoren bei gleicher äquivalenter Brennweite und gleichem Bildwinkel erzeugen tendenziell mehr Schärfentiefe – das macht Freisteller schwieriger.
  • Lichtstärkenäquivalenz: f/1.8 an APS-C entspricht in Bezug auf Schärfentiefe und Rauschverhalten ca. f/2.8 an Vollformat.

Der Crop-Faktor beeinflusst nur das Sichtfeld, nicht die physikalischen Eigenschaften des Objektivs wie Lichtstärke oder Abbildungsqualität.

Beispiele

  1. Wildlife (APS-C Vorteil): 400-mm-Objektiv an APS-C = 600 mm äquivalent; ermöglicht mehr Reichweite ohne teureres 600-mm-Profilas.
  2. Streetfotografie (MFT): 12-mm-MFT-Objektiv = 24-mm-Vollformat-Äquivalent; kompakte Ausrüstung, wenig auffällig.
  3. Architektur (Vollformat Vorteil): 16-mm-Vollformat bleibt 16 mm; keine Brennweitenverlängerung, maximal breiter Bildwinkel.
  4. Porträt (APS-C, 85mm): 85 mm an APS-C (1,5×) = 127,5 mm äquivalent; stärkere Kompression, noch flacherer Hintergrund.
  5. Drohne (1-Zoll): 8,8-mm-Drohnensensor = ca. 24 mm äquivalent; kompakter Sensor, aber bereits für Landschaftsaufnahmen tauglich.

In der Praxis

Beim Kauf von Objektiven für nicht-Vollformat-Kameras gibt es zwei Strategien: (1) Vollformat-Objektive verwenden und den Crop-Faktor einkalkulieren; (2) systemspezifische APS-C- oder MFT-Objektive nutzen, die kleiner und günstiger sind, aber nicht auf Vollformat umsteigbar. Wer mit dem Gedanken spielt, auf Vollformat zu wechseln, sollte das Objektivinvestment im Blick behalten. Fujifilm-Nutzer bekommen mit dem X-System ein vollständiges APS-C-Ökosystem ohne Vollformat-Kompatibilität.

Vergleich & Abgrenzung

Crop-Faktor und Megapixelzahl sind unabhängig. Ein hochauflösender APS-C-Sensor kann mehr Pixel haben als ein älteres Vollformat-Modell. Der Crop-Faktor bestimmt Sichtfeld und Lichteffizienz, nicht Auflösung. Vollformat bietet bei gleicher Pixelzahl größere Einzelpixel und damit besseres Rauschverhalten.

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich bei APS-C-Objektiven auch mit dem Crop-Faktor rechnen? Nein. APS-C-Objektive (z. B. Canon EF-S, Nikon DX, Sony E) sind bereits für das kleinere Format konzipiert; ihre angegebene Brennweite ist physikalisch korrekt. Das äquivalente Vollformat-Sichtfeld ergibt sich erst durch Multiplikation mit dem Crop-Faktor.

Verändert der Crop-Faktor die Lichtstärke eines Objektivs? Nein, die physikalische Lichtstärke (f-Wert) bleibt gleich. Der Crop-Faktor beeinflusst jedoch Schärfentiefe und Rauschäquivalenz – für äquivalentes Schärfentiefe- und Rauschbild am APS-C-Sensor (1,5×) müsste man ca. 1,5 Stufen mehr öffnen oder ISO senken.

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Weiterführend

  • Hase, Christian (2019): Kameratechnik für Einsteiger. Rheinwerk Fotografie.
  • Langford, Michael (2010): Grundkurs Fotografie. Dorling Kindersley.
  • Busch, David D. (2022): Digital SLR Cameras & Photography. Wiley.
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