Chromatische Aberration (kurz CA) ist ein optischer Abbildungsfehler, bei dem verschiedene Wellenlängen des Lichts (Farben) durch eine Linse unterschiedlich stark gebrochen werden, was an Kontrastkanten zu sichtbaren Farbsäumen – meist lila-grün oder rot-cyan – führt.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Optik & Objektive · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: CA, Farbsaum, Farblängs- und Querchromasie, Chromatic Aberration, Fringing

Was ist chromatische Aberration?

Weißes Licht besteht aus Wellenlängen von Violett (ca. 400 nm) bis Rot (ca. 700 nm). Linsen brechen verschiedene Wellenlängen unterschiedlich stark – ein Phänomen namens Dispersion. Wenn die Brennpunkte für verschiedene Farben nicht exakt übereinstimmen, entsteht chromatische Aberration: Kontrastkanten (z. B. dunkle Äste vor hellem Himmel) zeigen farbige Ränder. CA ist eines der häufigsten optischen Probleme und tritt in nahezu jedem Objektiv in irgendeiner Form auf.

Erklärung

Axiale (longitudinale) chromatische Aberration (LaCA): Bei axialer CA liegt der Brennpunkt für verschiedene Farben auf der optischen Achse an unterschiedlichen Punkten hinter der Linse. Violettes Licht wird stärker gebrochen und fokussiert näher an der Linse; rotes Licht fokussiert weiter dahinter. Das Ergebnis sind Farbsäume vor und hinter der Fokusebene: scharfe Kanten erscheinen mit lila- oder grünem Schimmer. Axiale CA ist besonders bei offener Blende stark ausgeprägt und nimmt mit dem Abblenden ab.

Laterale (transversale) chromatische Aberration (TCA): Bei lateraler CA treffen verschiedene Wellenlängen nicht exakt am gleichen Punkt auf den Sensor, sondern sind leicht versetzt – besonders am Bildrand. Kanten erscheinen mit einem roten oder blauen Saum, der seitlich versetzt ist. TCA verändert sich durch Abblenden kaum und ist softwarebasiert gut korrigierbar.

Ursachen: Einfache Linsen zeigen starke CA. Hochwertige Objektive nutzen Apochromate (APO-Designtyp) mit speziellen Glassorten (niedrige Dispersionsgläser, ED-Glas, Fluorit), die die Brennpunkte mehrerer Wellenlängen übereinander legen. Trotzdem ist CA in keinem Objektiv völlig eliminiert.

Anfälligkeit: Lichtstärke, Brennweite und Qualität des Objektivs beeinflussen die CA:

  • Günstige Weitwinkelobjektive und Zooms zeigen oft starke TCA am Rand.
  • Sehr lichtstarke Objektive (f/1.4–f/1.8) zeigen bei offener Blende oft starke axiale CA.
  • Makroobjektive und Festbrennweiten höherer Preisklassen haben weniger CA.

Softwarekorrektur: Kameraprofile in Lightroom, Capture One, DXO und Photoshop können TCA automatisch korrigieren. Lightroom bietet eine einfache Checkbox „Chromatische Aberration entfernen" sowie manuelle Schieberegler für Lila/Grün-Farbsäume. Axiale CA ist schwieriger zu korrigieren, da sie von der Schärfentiefe abhängt.

Beispiele

  1. Äste vor weißem Himmel: Günstige Weitwinkelzooms zeigen lila Säume an dunklen Zweigen auf hellem Hintergrund – klassische laterale CA.
  2. Porträt mit offener Blende (f/1.4): Kontrastkanten im Bokeh-Bereich zeigen grünen oder violetten Schimmer – axiale CA bei offener Blende.
  3. Gegenlichtaufnahme: CA tritt besonders bei starkem Kontrast (helle Lichtquelle, dunkles Motiv) hervor.
  4. Architektur (Kanten von Gebäuden): Horizontale und vertikale Kanten am Bildrand zeigen farbige Säume bei günstigen Weitwinkelobjektiven.
  5. Astronomie: Teleskope und Spiegelobjektive mit Chromasie zeigen Farbsäume um helle Sterne – APO-Refraktoren minimieren diesen Fehler.

In der Praxis

Für die meisten Fotografen ist die Softwarekorrektur in Lightroom ausreichend: Einfach „Chromatische Aberration entfernen" anhaken und bei Bedarf die Farb­schieberegler feintunen. Wer Wert auf maximale optische Qualität legt, investiert in Objektive mit APO-Bezeichnung oder ED-Glas (Extra-Low-Dispersion-Glas), die CA optisch reduzieren. Beim Kauf eines Objektivs liefern Tests auf Seiten wie Lensrentals, SLR Gear oder DXOMark detaillierte CA-Messungen.

Vergleich & Abgrenzung

CA ist von Vignettierung (Abdunklung der Bildecken) und Verzeichnung (Verzerrung gerader Linien) zu unterscheiden – alle drei sind optische Abbildungsfehler, betreffen aber unterschiedliche Aspekte. CA ist spezifisch ein Farbfehler, der durch Dispersion verursacht wird. Sphärische Aberration (Unschärfe bei verschiedenen Randstrahlen) ist ein weiterer, nicht-chromatischer Abbildungsfehler.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist chromatische Aberration ein Zeichen für ein schlechtes Objektiv? Nicht zwingend. Selbst teure Profi-Objektive zeigen kleine CA-Mengen. Entscheidend ist das Ausmaß und ob es in der Praxis störend wirkt. Bei modernem RAW-Workflow ist CA kein Problem, da sie softwarebasiert zuverlässig korrigiert wird.

Hilft Abblenden gegen chromatische Aberration? Ja, teilweise. Axiale CA reduziert sich deutlich beim Abblenden (ab f/5.6 kaum mehr sichtbar). Laterale CA verändert sich durch Abblenden wenig und wird besser durch Software korrigiert.

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Weiterführend

  • Langford, Michael (2010): Grundkurs Fotografie. Dorling Kindersley.
  • Ray, Sidney F. (2002): Applied Photographic Optics. Focal Press.
  • Hase, Christian (2019): Kameratechnik für Einsteiger. Rheinwerk Fotografie.
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