Das Weitwinkelobjektiv ist ein fotografisches Objektiv mit einer Brennweite kleiner als 35 mm (Kleinbildäquivalent), das durch seinen großen Bildwinkel und die ausgeprägte Tiefenwirkung besonders für Landschaft, Architektur, Interieur und Street-Fotografie eingesetzt wird.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Optik & Objektive · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Weitwinkel, Wide Angle Lens, WA-Objektiv

Was ist ein Weitwinkelobjektiv?

Ein Weitwinkelobjektiv deckt einen Bildwinkel von mehr als 63° (diagonal) ab. Typische Brennweiten auf Vollformat reichen von 14 mm (Ultraweitwinkel, ca. 114°) bis 35 mm (klassisches Weitwinkel, ca. 63°). Je kürzer die Brennweite, desto breiter das Sichtfeld und desto ausgeprägter die optischen Charakteristika: perspektivische Übertreibung, scheinbare Raumvergrößerung und erhöhte Schärfentiefe bei gleicher Blende.

Erklärung

Bildwinkel: Während ein Normalobjektiv (50 mm) etwa 47° Bildwinkel hat, erfasst ein 24-mm-Weitwinkel ca. 84° und ein 14-mm-Ultraweitwinkel über 110°. Das ermöglicht das Einbeziehen ganzer Räume, Gebäudefassaden oder weiter Landschaften in einem einzigen Bild.

Perspektivische Wirkung: Weitwinkelobjektive übertreiben die Raumtiefe: Objekte im Vordergrund erscheinen überproportional groß, der Hintergrund wirkt weit entfernt. Diesen Effekt nutzt man gezielt in der Architekturfotografie (Gebäudefassaden wirken mächtiger), der Interieurfotografie (Räume wirken größer) oder im kreativen Portrait (verzerrte Proportionen bei naher Kameraposition).

Verzeichnung: Die meisten Weitwinkelobjektive zeigen tonnenförmige Verzeichnung (gerade Linien erscheinen am Rand nach außen gewölbt). Hochwertige Ultraweitwinkel korrigieren dies optisch oder nutzen Kamera- und Software-Korrekturen. Fisheye-Objektive (Spezialfall, 8–16 mm) haben eine bewusst unkorrigierte, extreme tonnenförmige Verzeichnung für künstlerische Effekte.

Schärfentiefe: Bei gleicher Blende und ähnlichem Abstand hat ein Weitwinkelobjektiv eine tiefere Schärfentiefe als ein Tele – ideal für Landschaftsaufnahmen, wo Vorder- und Hintergrund gleichermaßen scharf sein sollen.

Brennweiten-Übersicht (Vollformat):

  • 8–15 mm: Fisheye
  • 14–20 mm: Ultraweitwinkel (starke Verzeichnung, extreme Tiefenwirkung)
  • 21–35 mm: Klassisches Weitwinkel (gemäßigt, universell einsetzbar)

Auf APS-C: Der Crop-Faktor 1,5 reduziert den Bildwinkel: Ein 18-mm-APS-C-Objektiv entspricht ca. 27 mm auf Vollformat. Für echte Ultraweitwinkeleffekte auf APS-C werden Objektive ab ca. 10–12 mm benötigt.

Beispiele

  1. Architekturfotografie: 16-mm-Weitwinkel auf Vollformat erfasst eine ganze Gebäudefassade aus wenigen Metern Abstand und lässt das Bauwerk beeindruckend wirken.
  2. Interieurfotografie: 24-mm-Objektiv in einem kleinen Hotelzimmer zeigt den gesamten Raum einschließlich Bett, Fenster und Bad.
  3. Landschaftsfotografie: 21-mm-Weitwinkel mit Felsen als dominantem Vordergrund und weiter Bergkulisse im Hintergrund – maximale Raumtiefe.
  4. Street-Fotografie: 28-mm-Objektiv für unauffälliges, dokumentarisches Fotografieren in Menschenmengen.
  5. Astrofotografie: 14-mm-f/2.8 für möglichst viel Himmelsabdeckung und maximales Licht bei Milchstraßenaufnahmen.

In der Praxis

Beim Einsatz von Weitwinkelobjektiven für Porträts ist Vorsicht geboten: Durch die perspektivische Übertreibung können Gesichtszüge verzerrt werden – besonders die Nase wirkt bei kurzen Brennweiten und geringem Abstand zu groß. Die ideale Weitwinkel-Brennweite für Umgebungsporträts liegt bei 28–35 mm. Für reine Porträts empfiehlt sich eher ein Normal- oder leichtes Teleobjektiv. Die Stärke des Weitwinkels liegt in der Einbettung von Personen in ihren Kontext.

Vergleich & Abgrenzung

Weitwinkelobjektive unterscheiden sich von Normalobjektiven (35–55 mm) durch ihren größeren Bildwinkel und die stärkere perspektivische Wirkung. Gegenüber Teleobjektiven (> 85 mm) ist das Gegenteil der Fall: Teles komprimieren die Perspektive und haben weniger Schärfentiefe. Tilt-Shift-Objektive sind eine Spezialform des Weitwinkels für perspektivkorrigierte Architekturaufnahmen.

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Weitwinkelbrennweite ist für Einsteiger empfehlenswert? Ein 24-mm- oder 28-mm-Objektiv ist ein guter Einstieg: breiter Bildwinkel ohne extreme Verzerrung, universell einsetzbar für Landschaft, Reise und Street.

Warum verzerrt das Weitwinkel Gesichter? Weil der Fotograf sehr nah ans Motiv heranmuss, um es im Bild zu füllen. Die kurze Distanz übertreibt die Perspektive und lässt nahe Elemente (Nase) gegenüber entfernten (Ohren, Hinterkopf) übergroß erscheinen.

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Weiterführend

  • Langford, Michael (2010): Grundkurs Fotografie. Dorling Kindersley.
  • Freeman, Michael (2012): Der perfekte Ausdruck. dpunkt.verlag.
  • Präkel, David (2012): Komposition. Stiebner Verlag.
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