Das Bauhaus war eine 1919 in Weimar gegründete Schule für Gestaltung, Kunst und Architektur, deren Prinzipien – insbesondere die Verbindung von Kunst, Handwerk und Funktion – das moderne Design weltweit revolutioniert haben.
Rubrik: Grafik & Kommunikationsdesign · Unterrubrik: Designgeschichte · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Staatliches Bauhaus, Bauhaus-Bewegung, Weimarer Bauhaus, Dessauer Bauhaus
Was ist das Bauhaus?
Das Bauhaus ist vielleicht die einflussreichste Designschule der Geschichte. In nur 14 Jahren ihres Bestehens (1919–1933) revolutionierte sie die Art, wie wir über Design, Architektur und Kunst denken – und ihre Prinzipien sind in jedem modernen Designstudium, in jeder minimalistischen App-Oberfläche und in jedem funktional gestalteten Stuhl noch lebendig. Das Bauhaus lehrte: Gutes Design löst ein Problem. Ästhetik und Funktion sind kein Gegensatz – sie bedingen einander.
Erklärung
Gründung und Geschichte:
Das Bauhaus wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet. Gropius wollte Kunst und Handwerk versöhnen: In der industriellen Moderne galten Kunsthandwerk und freie Kunst als getrennte Welten. Das Bauhaus erklärte diese Trennung für überholt und lehrte ganzheitliches Gestalten.
Das Bauhaus existierte an drei Orten:
- Weimar (1919–1925): Gründungsphase unter Gropius; expressionistisch geprägt
- Dessau (1925–1932): Höhepunkt; das legendäre Dessauer Bauhaus-Gebäude (1926) von Gropius; Zusammenarbeit mit Industrie
- Berlin (1932–1933): Letzter Standort; unter Druck des Nationalsozialismus; 1933 geschlossen
Kernprinzipien:
„Form follows Function" (Form folgt Funktion): Dieses Leitprinzip – ursprünglich vom amerikanischen Architekten Louis Sullivan geprägt – wurde zum zentralen Credo des Bauhauses. Design beginnt mit dem Zweck; die Form ergibt sich aus der Funktion. Überflüssige Dekoration ist Fehler, nicht Tugend.
Gesamtkunstwerk: Das Bauhaus versuchte, alle Gestaltungsdisziplinen zu vereinen – Architektur, Typografie, Möbel, Textil, Bühne, Fotografie, Malerei. Design als ganzheitliche Disziplin statt isolierter Einzelkünste.
Handwerk als Grundlage: Jede/r Studierende lernte zunächst ein Handwerk (Tischler, Weber, Töpfer) und erhielt gleichzeitig Kunstunterricht. Meister des Handwerks und Meister der Form lehrten gemeinsam.
Reduktion und Geometrie: Bauhaus-Design ist charakteristisch: klare geometrische Formen (Kreis, Quadrat, Dreieck), Primärfarben (Rot, Blau, Gelb), keine unnötige Dekoration. Das Ergebnis: Zeitlosigkeit.
Einflussreiche Lehrende:
- Walter Gropius (Gründer): Architekt, Visionär
- László Moholy-Nagy: Fotografie, Licht, Bewegung als Gestaltungsmittel
- Herbert Bayer: Typografie; entwickelte die „Universal"-Schrift (nur Kleinbuchstaben)
- Marcel Breuer: Möbel; erfand den Stahlrohrstuhl
- Paul Klee / Wassily Kandinsky: Malerei, Farbtheorie, Formenlehre
- Mies van der Rohe: Letzter Direktor; „Weniger ist mehr"
Nachleben:
Nach der Schließung durch die Nationalsozialisten flohen viele Bauhaus-Meister in die USA und prägten dort Architektur und Design. Das New Bauhaus in Chicago (heute IIT Institute of Design) führte die Tradition fort. Bis heute ist das Bauhaus präsent: in Hochhäusern, Webseiten, Mobiliar und Schriftarten.
Beispiele
- Wassily Chair (Marcel Breuer, 1925): Ein Stuhl aus Stahlrohr und Leder – minimalistisch, industriell, zeitlos. Prototyp des modernen Designmöbels.
- Bauhaus-Typografie (Herbert Bayer): Reduktion auf Kleinbuchstaben, geometrische Grundformen – radikale Vereinfachung der Schrift als Gestaltungselement.
- Tischleuchte „MT8" (Wilhelm Wagenfeld, 1924): Eine Lampe aus klaren geometrischen Formen – funktional, schön und bis heute produziert.
- Bauhaus-Gebäude Dessau (Gropius, 1926): Glasfassade, klare Funktionsgliederung, kein historisierender Zierrat – Architektur als Manifest.
- Farbstudien (Itten, Klee, Kandinsky): Die systematische Untersuchung von Farb- und Formwirkungen am Bauhaus legte die Grundlage für moderne Farbtheorie im Design.
In der Praxis
Wer heute als Designer oder Designerin arbeitet, trägt Bauhaus-DNA in sich – bewusst oder unbewusst. Die Reduktion auf das Wesentliche, die Frage nach der Funktion vor der Dekoration, das Denken in Grundformen und -farben: All das sind Bauhaus-Prinzipien. In der Designausbildung ist die Analyse von Bauhaus-Werken Pflicht. Besonders der Farbkreis nach Johannes Itten und Kandinskys Zuordnung von Formen zu Farben sind didaktisch wertvoll.
Vergleich & Abgrenzung
| Strömung | Merkmale |
|---|---|
| Bauhaus | Funktion + Geometrie + Handwerk; 1919–1933 |
| Art Deco | Dekorativ, luxuriös, ornamental; zeitgleich |
| Schweizer Stil | Typografisch, Raster, International Style; 1950er |
| Postmodernismus | Kritik am Funktionalismus; Ornament als Zitat; 1970er+ |
Häufige Fragen (FAQ)
Ist das Bauhaus-Prinzip heute noch relevant? Absolut. Von minimalem App-Design bis zu modularen Möbeln – das Denken in Funktion und Reduktion ist zeitlos. Die meisten großen Designschulen weltweit basieren auf einem Grundkurs-Konzept, das direkt vom Bauhaus-Vorkurs abstammt.
Wo kann man das Bauhaus-Erbe heute besichtigen? Das Bauhaus-Museum Weimar (2019 eröffnet) und das Bauhaus-Museum Dessau zeigen Originale und rekonstruierte Werke. Das Bauhaus-Gebäude in Dessau ist UNESCO-Weltkulturerbe und besuchbar.
Was bedeutet „Form follows Function" konkret für Grafikdesigner? Konkret: Jedes Gestaltungselement muss gerechtfertigt sein. Warum diese Farbe? Warum diese Schrift? Warum dieser Abstand? Wenn ein Element keinen funktionalen Beitrag leistet – Lesbarkeit, Hierarchie, Orientierung –, muss seine Existenz begründet werden.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Droste, Magdalena (2019): Bauhaus. Taschen.
- Whitford, Frank (1984): Bauhaus. Thames & Hudson.
- Wick, Rainer K. (2000): Teaching at the Bauhaus. Hatje Cantz.
