Infografik Design ist die Disziplin, Daten, Fakten und komplexe Zusammenhänge durch die Kombination von Bild, Grafik und Text in einer verständlichen und ansprechenden visuellen Form darzustellen.
Rubrik: Grafik & Kommunikationsdesign · Unterrubrik: Illustration & Icon · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Informationsdesign, Datenvisualisierung, Dataviz, Information Graphics
Was ist Infografik Design?
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – insbesondere, wenn es um komplexe Daten geht. Infografiken machen das Abstrakte sichtbar: eine Statistik wird zur Grafik, ein Prozess zur Abfolge von Piktogrammen, ein Vergleich zum Balkendiagramm. Gutes Infografik Design vermittelt Information schneller und einprägsamer als reiner Text – und macht Daten zu etwas, das man teilen möchte.
Erklärung
Typen von Infografiken:
Statistische Infografiken: Balkendiagramme, Kreisdiagramme, Liniendiagramme, Flächendiagramme – alle visuell so gestaltet, dass Muster, Trends und Vergleiche sofort erkennbar sind.
Prozess-Infografiken: Schritt-für-Schritt-Abläufe, Flowcharts, Zeitachsen (Timelines) – ideal für Anleitungen, Unternehmensgeschichten oder Produktionsprozesse.
Geografische Infografiken: Karten mit Datenpunkten (Choroplethenkarten, Blasenkarten) – für räumliche Verteilungen und regionale Vergleiche.
Vergleichsinfografiken: Gegenüberstellung von Produkten, Optionen oder Zeiträumen in Tabellenform oder visuell.
Hierarchische Infografiken: Organigramme, Baumstrukturen, Pyramidendiagramme – für Strukturen und Rangordnungen.
Grundprinzipien des Infografik Designs:
Datenintegrität: Die Visualisierung muss die Daten korrekt wiedergeben. Manipuliertes Datendesign – abgeschnittene Y-Achsen, unverhältnismäßige Größendarstellungen – ist unethisch und schadet dem Vertrauen.
Fokus auf die Kernaussage: Jede Infografik sollte eine klare Hauptaussage haben. Alles andere ist Kontext, der diese Aussage unterstützt.
Visuelles Gewicht: Die wichtigsten Informationen erhalten durch Größe, Farbe oder Position das meiste visuelle Gewicht.
Farbkodierung: Farbe transportiert Bedeutung. Konsequente Farbkodierung (z. B. immer dieselbe Farbe für „positive" Werte) erleichtert das Lesen.
Reduktion: Zu viele Beschriftungen, Gitterlinien, Farben und Designelemente („Chartjunk") stören das Verständnis. Weniger ist mehr.
Tools für Infografik Design:
Professionell: Adobe Illustrator. Niedrigschwellig: Canva, Datawrapper, Flourish (für datenbasierte interaktive Visualisierungen), Tableau (für komplexe Datenanalyse).
Beispiele
- Impfquote nach Bundesland: Eine Choroplethenkarte Deutschlands, farbkodiert von hellgelb (niedrig) bis dunkelblau (hoch) – auf einen Blick zeigt sie regionale Unterschiede.
- Produktvergleich Smartphones: Tabelle mit ikonografischen Bewertungen (Sternchen, Symbole) statt Zahlen – macht technische Daten für Laien verständlich.
- Geschichte des Internet: Timeline von 1969 bis heute mit Meilensteinen, Bildern und skalierten Nutzerzahlen – Geschichte wird greifbar.
- Nachhaltigkeitsbericht: Kreisdiagramme zu Energieherkunft, Balkendiagramme zu CO₂-Einsparungen – Infografik als Vertrauensbeweis durch Transparenz.
- Lernmaterialien (Bildungsbereich): Infografiken für Kursmaterialien verwandeln komplexe Zusammenhänge in lernfreundliche Schemata, die Schüler besser erinnern.
In der Praxis
Der Workflow beginnt mit der Datenbeschaffung und -analyse: Stimmt die Datenqualität? Welche Geschichte erzählen die Daten? Danach folgt die Konzeption: Welcher Infografik-Typ ist am besten geeignet? Erste Skizzen auf Papier, dann digitale Umsetzung in Illustrator oder Datawrapper. Bei Druck-Infografiken ist Farbmodus CMYK zu beachten; für Web RGB/HEX. Barrierefreiheit berücksichtigen: Infografiken sollten nicht allein auf Farbe als Unterscheidungsmerkmal setzen.
Vergleich & Abgrenzung
| Begriff | Beschreibung |
|---|---|
| Infografik | Kombination von Text, Daten und Grafik |
| Datenvisualisierung | Stärker daten- und toolbasiert, weniger gestalterisch |
| Diagramm | Einzelne Grafik (Säule, Kreis) ohne übergeordnetes Design |
| Illustration | Bild ohne Datenanspruch |
Häufige Fragen (FAQ)
Muss man Daten haben, um eine Infografik zu erstellen? Nicht zwingend. Auch Prozesse, Zusammenhänge oder Hierarchien können infografisch dargestellt werden – dann spricht man eher von Informationsgrafiken als von Datenvisualisierungen.
Wie vermeidet man irreführende Infografiken? Y-Achsen immer bei 0 beginnen (außer bei Liniendiagrammen mit geringen Schwankungen), keine 3D-Effekte bei Kreisdiagrammen (verzerren Winkel), Datenbeschriftungen klar und vollständig. Quellen immer angeben.
Welches Tool empfiehlt sich für Anfänger? Canva für einfache, nicht-datenbasierte Infografiken; Datawrapper für korrekte, interaktive Diagramme mit eigenen Daten – kostenlos und intuitiv.
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Weiterführend
- Tufte, Edward R. (2001): The Visual Display of Quantitative Information. 2. Aufl. Graphics Press.
- Cairo, Alberto (2016): The Truthful Art. New Riders.
- Rendgen, Sandra (2019): History of Information Graphics. Taschen.
