Editorial Design ist die gestalterische Disziplin, die Inhalte in Printpublikationen – Büchern, Magazinen, Katalogen, Jahresberichten – visuell strukturiert, hierarchisiert und lesefreundlich aufbereitet.
Rubrik: Grafik & Kommunikationsdesign · Unterrubrik: Editorial & Print · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Buchgestaltung, Magazingestaltung, Printlayout, Printmediengestaltung, Publication Design
Was ist Editorial Design?
Editorial Design ist die Kunst, Texte und Bilder so auf Seiten anzuordnen, dass Leserinnen und Leser geführt, informiert und begeistert werden. Es geht nicht nur darum, hübsche Seiten zu gestalten – es geht darum, Inhalte verständlich, attraktiv und strukturiert zu vermitteln. Gutes Editorial Design macht Kompliziertes zugänglich und Alltägliches interessant.
Erklärung
Das Rastersystem (Grid):
Das Herzstück jedes Editorial Designs ist das Rastersystem. Ein Grid teilt die Seite in Spalten, Zeilen und Stege (Ränder). Es schafft die unsichtbare Struktur, die allen Elementen – Text, Bild, Weißraum – ihren Platz gibt. Bekannte Grid-Systeme:
- Einspalter: Für Romane und Sachbücher – maximal 70 Zeichen pro Zeile für optimale Lesbarkeit
- Zweispalter: Häufig in wissenschaftlichen Zeitschriften und Fachpublikationen
- Dreispalter: Klassisches Magazin-Grid; Bilder können ein, zwei oder drei Spalten breit sein
- Mehrspaltige Grids: Zeitungen (6–10 Spalten) für maximale Flexibilität
Typografische Systeme:
Für Editorial Design wird eine Typografische Hierarchie entwickelt: Überschriften erster Ordnung (H1), zweiter Ordnung (H2), Vorspann (Lead), Fließtext, Bildunterschriften, Pull Quotes. Konsistente Stile (Absatzformate in InDesign) stellen sicher, dass diese Hierarchie über das gesamte Dokument gilt.
Der Seitenaufbau (Mise en Page):
Jede Doppelseite wird als Einheit gedacht. Der Blick des Lesers wird durch Bildgröße, Farbakzente und typografische Gewichte geführt. Ankerpunkte setzen das Auge in Bewegung; Weißraum gibt Raum zum Atmen.
Fließtext und Schriften:
Für mehrseitigen Fließtext gelten besondere Anforderungen: Gute Lesbarkeit über viele Seiten, nicht zu eng gesetzt (Zeilenabstand 120–145 % der Schriftgröße), keine zu langen oder zu kurzen Zeilen. Serifenschriften (z. B. Garamond, Minion Pro) gelten als besonders lesefreundlich für langen Fließtext im Print.
Bilder und Bildbearbeitung:
Fotos müssen in 300 dpi im Endformat vorliegen. Die Bildauswahl und -positionierung bestimmt entscheidend den Charakter einer Publikation. Full-Bleed (Bild bis zum Seitenrand) erzeugt Dramatik; kleines Bild mit viel Weißraum wirkt elegant und ruhig.
Beispiele
- Magazin „GEO": Beeindruckende Fototechnologie, klare Dreispaltenraster, emotionale Titelbilder – ein Lehrbeispiel für den Einsatz von Bildkraft im Editorial Design.
- Jahresbericht Bosch: Sachliche, datengetriebene Layouts mit Infografiken, klarer Hierarchie und einem Rastersystem, das Informationsdichte mit Übersichtlichkeit verbindet.
- Kinderbuch: Großzügige Schrift, viel Bildraum, hohe Kontraste und Verspieltheit in der Typografie – Editorial Design adaptiert sich vollständig an Zielgruppe und Inhalt.
- Schulungsmaterial Bildungseinrichtung: Klar strukturierte Kapitel, konsistente Absatzformate, Marginalspalte für Anmerkungen – Editorial Design für informatives Lernen.
- Modekatalog: Großformatige Bilder auf Doppelseiten, sparsame Typografie, luxuriöse Weißräume – das Produkt im Mittelpunkt, das Layout als eleganter Rahmen.
In der Praxis
Editorial Design wird heute hauptsächlich in Adobe InDesign umgesetzt. Das Programm bietet Absatzformate, Musterseiten und Bücher-Funktion für mehrseitige Projekte. Vor dem Design beginnt eine Struktur- und Inhaltsplanung: Wie viele Seiten? Welche Kapitelstruktur? Welche Rubrikentypen? Ein Dummy-Heft aus Papier hilft beim Gefühl für den physischen Fluss. Druckdateien werden als PDF/X mit Beschnittzugabe und eingebetteten Schriften geliefert.
Vergleich & Abgrenzung
| Begriff | Fokus |
|---|---|
| Editorial Design | Gesamte Gestaltung einer Publikation |
| Magazin-Layout | Spezifisch für Magazinseiten |
| Typografie | Nur die Textgestaltung |
| Webdesign | Digitale Übertragung ähnlicher Prinzipien |
Häufige Fragen (FAQ)
Welche Software wird für Editorial Design verwendet? Adobe InDesign ist der Industriestandard. Für einfachere Projekte existieren Alternativen wie Affinity Publisher oder Canva (für nicht-professionelle Verwendung).
Was ist der Unterschied zwischen Editorial Design und Grafikdesign? Grafikdesign ist der übergeordnete Begriff; Editorial Design ist eine Spezialisierung auf mehrseitige, textbasierte Publikationen. Ein Editorial Designer denkt in Strukturen, Seitenfolgen und Leseflüssen.
Wie lang dauert die Gestaltung eines Magazins? Eine typische Magazinausgabe (48 Seiten, monatlich) braucht 2–4 Wochen reine Designzeit pro Ausgabe – zuzüglich Korrekturrunden und Druckvorbereitung.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Müller-Brockmann, Josef (2018): Rastersysteme für die visuelle Gestaltung. Niggli.
- Samara, Timothy (2002): Making and Breaking the Grid. Rockport Publishers.
- Caldwell, Cath / Zappaterra, Yolanda (2014): Editorial Design. Laurence King.
