Usability (dt. Gebrauchstauglichkeit) bezeichnet das Ausmaß, in dem ein Produkt von bestimmten Nutzenden in einem bestimmten Kontext genutzt werden kann, um Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen.

Rubrik: Mediendesign & Digitale Medien · Unterrubrik: UX/UI Design · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Gebrauchstauglichkeit, Benutzerfreundlichkeit, Bedienbarkeit

Was ist Usability?

Usability ist der messbare Aspekt der User Experience, der sich auf die Frage konzentriert: Kann ein Mensch dieses Produkt tatsächlich benutzen – und zwar ohne unnötig viel Aufwand, Fehler oder Frustration? Die ISO-Norm 9241-11 definiert Usability formal über drei Dimensionen: Effektivität (werden Ziele erreicht?), Effizienz (mit welchem Aufwand?) und Zufriedenheit (wie angenehm ist der Prozess?). Gute Usability bedeutet nicht zwingend, dass ein Produkt einfach ist – es muss für seine Zielgruppe und seinen Kontext angemessen sein.

Erklärung

Jakob Nielsen, einer der bekanntesten Usability-Forscher, beschrieb Usability über fünf Qualitätsdimensionen, die als Grundlage für Evaluierungen dienen:

Erlernbarkeit (Learnability): Wie schnell können neue Nutzende grundlegende Aufgaben beim ersten Kontakt mit dem System erledigen?

Effizienz: Wie schnell können erfahrene Nutzende Aufgaben ausführen, sobald sie das System gelernt haben?

Einprägsamkeit (Memorability): Wenn Nutzende das System nach einer Pause wieder benutzen – wie schnell kehrt ihre Kompetenz zurück?

Fehler (Errors): Wie viele Fehler machen Nutzende? Wie schwerwiegend sind diese Fehler? Wie leicht können sie sich erholen?

Zufriedenheit (Satisfaction): Wie angenehm ist es, das Design zu nutzen?

Usability wird durch strukturierte Methoden gemessen und verbessert:

Usability-Tests: Echte Nutzende führen definierte Aufgaben aus, während Beobachtende Probleme und Muster notieren. Schon fünf Testpersonen decken die meisten schwerwiegenden Probleme auf.

Heuristische Evaluation: Experteninnen und Experten bewerten ein Interface anhand anerkannter Usability-Prinzipien (z. B. Nielsens 10 Heuristiken).

Cognitive Walkthrough: Das Team versetzt sich gedanklich in die Rolle der Nutzenden und geht Schritt für Schritt durch typische Aufgaben.

Analytics: Absprungraten, Zeit auf Seite, Fehlerseiten und Klickpfade liefern quantitative Hinweise auf Usability-Probleme.

Beispiele

  1. Formulare: Ein Registrierungsformular mit klaren Feldbezeichnungen, sofortiger Inline-Validierung und automatischem Fokus auf das erste Feld hat gute Usability.
  2. Suchfunktion: Eine Suchmaske, die Tippfehler toleriert, Vorschläge anzeigt und Null-Treffer sinnvoll erklärt, ist deutlich benutzerfreundlicher als eine, die nur exakte Treffer findet.
  3. Fehlermeldungen: „Fehler 403" ist schlechte Usability; „Sie haben keine Berechtigung, auf diese Seite zuzugreifen. Bitte melden Sie sich an." ist gute Usability.
  4. Mobile Menü: Ein Hamburger-Menü ohne sichtbare Beschriftung verwirrt viele Nutzende – eine Tab-Navigation am unteren Bildschirmrand ist intuitiver und hat bessere Usability auf mobilen Geräten.
  5. Datei-Upload: Ein Drag-and-Drop-Upload-Bereich, der Dateiformate und maximale Dateigrößen klar kommuniziert, reduziert Fehler und Supportanfragen.

In der Praxis

Usability-Tests werden heute auch in kleinen Teams und mit begrenztem Budget durchgeführt: Screenrecording-Tools wie Lookback.io oder UserTesting.com erlauben remote-Tests, ohne physisches Labor. Viele Teams führen bi-weekly Usability-Tests ein, bei denen in kurzen Sessionen (45–60 Minuten) ein bis drei Aufgaben getestet werden. In der Medienbranche ist Usability besonders relevant für redaktionelle Websites, Podcast-Portale, Lernplattformen und Archiv-Systeme – überall, wo Nutzende selbstständig durch Inhalte navigieren.

Vergleich & Abgrenzung

Usability vs. UX: Usability ist ein Teilaspekt der User Experience. UX umfasst auch emotionale, ästhetische und strategische Dimensionen. Ein Produkt kann gute Usability haben, aber trotzdem eine schlechte UX bieten (z. B. weil es funktioniert, aber keinen echten Mehrwert liefert). Usability vs. Accessibility: Accessibility (Barrierefreiheit) beschäftigt sich mit der Zugänglichkeit für Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten; Usability gilt für alle Nutzenden. Beide überschneiden sich, sind aber unterschiedliche Konzepte. Usability vs. Findability: Findability beschreibt, ob Inhalte gefunden werden können (durch Suche, Navigation, SEO) – eine Voraussetzung für Usability, aber nicht dasselbe.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viele Personen brauche ich für einen Usability-Test? Jakob Nielsen empfiehlt als Faustregel: Schon fünf Testpersonen decken rund 85 % der schwerwiegendsten Usability-Probleme auf. Für differenziertere Analysen oder mehrere Nutzergruppen können mehr Teilnehmende sinnvoll sein – aber auch kleine Tests bringen wertvolle Erkenntnisse.

Was sind Nielsens 10 Usability-Heuristiken? Sie sind anerkannte Designprinzipien: u. a. Systemstatus sichtbar machen, Nutzersprache verwenden, Fehler vermeiden statt reparieren, Flexibilität anbieten und minimalistische Gestaltung. Sie dienen als Checkliste für Expertenreviews ohne Nutzertests.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Nielsen, J. (1993): Usability Engineering. Academic Press.
  • Krug, S. (2014): Don't Make Me Think. 3. Auflage. New Riders.
  • DIN EN ISO 9241-11:2018: Ergonomics of Human-System Interaction – Usability: Definitions and Concepts.
Verwandte Einträge
User ExperienceUser InterfaceAccessibility WCAGDesign Thinking
← Zurück zu Mediendesign & Digitale Medien
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, Snacks, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar