Networking bezeichnet den systematischen und authentischen Aufbau sowie die Pflege beruflicher Beziehungen, mit dem Ziel, gegenseitig zu profitieren, Wissen zu teilen und berufliche Chancen zu schaffen.

Rubrik: Soft Skills & Berufspraxis · Unterrubrik: Netzwerk · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Netzwerkaufbau, Netzwerkpflege, Beziehungsmanagement, Kontaktpflege


Was sind Networking-Grundlagen?

Networking ist in der Kreativbranche keine optionale Zusatzfähigkeit – es ist eine Kernkompetenz. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil aller Aufträge, Stellen und Kooperationen über persönliche Empfehlungen und Beziehungen zustande kommt (LinkedIn 2016 zufolge entstehen bis zu 85 % aller Jobs durch Netzwerke). Für Freelancer und Selbstständige in Medienberufen ist ein funktionierendes Netzwerk oft wichtiger als jede Werbekampagne.

Das Problem: Viele Menschen empfinden Networking als unangenehm, weil es sich anfühlt wie Selbstdarstellung oder das Ausnutzen von Beziehungen. Dabei sind die erfolgreichsten Networker solche, die das Gegenteil tun: Sie geben, bevor sie nehmen.


Erklärung

Netzwerken ohne unauthentisch zu wirken: Das Geben-vor-Nehmen-Prinzip

Organisationspsychologe Adam Grant unterscheidet in seinem Buch „Give and Take" (2013) drei Typen in Netzwerken: „Taker" (nehmen mehr als sie geben), „Matcher" (geben und nehmen gleich viel) und „Giver" (geben ohne direkte Gegenleistung zu erwarten). Grants Forschung zeigt: Langfristig sind „Giver" die erfolgreichsten – weil sie Vertrauen aufbauen, echte Beziehungen schaffen und als wertvolle Netzwerkknoten gelten.

Konkret bedeutet das: Networking beginnt damit, anderen zu helfen. Eine Information teilen, eine Empfehlung aussprechen, jemanden mit einer anderen Person vernetzen – ohne sofort eine Gegenleistung zu erwarten.

Diese Haltung unterscheidet Networking als Beziehungsaufbau vom transaktionalen Kontakte-Sammeln.

Netzwerken online vs. offline

Online-Networking:

  • LinkedIn als wichtigstes professionelles Netzwerk in der DACH-Region
  • Twitter/X für Echtzeit-Fachdiskussionen (in bestimmten Kreativbranchen noch relevant)
  • Instagram für visuell orientierte Kreative (Fotografen, Designer, Videografen)
  • Facebook-Gruppen für Nischen und lokale Berufsverbände
  • Discord-Server für spezifische Communitys (Gaming, Animation, Indie-Film)

Offline-Networking:

  • Branchen-Events und Konferenzen
  • Meetups und lokale Verbandstreffen
  • Workshops und Weiterbildungsangebote
  • Zufällige Begegnungen in Co-Working-Spaces oder auf Drehs

Der Unterschied: Offline-Kontakte sind oft tiefer, vertrauensvoller und persönlicher. Online-Netzwerke ermöglichen eine größere Reichweite. Die Kombination ist ideal.

Branchen-Events für Kreativschaffende

Einige zentrale Events in der deutschsprachigen und europäischen Kreativ- und Medienbranche:

  • DMEXCO (Köln): Messe für digitales Marketing und Technologie – wichtig für Digitalagenturen und Markenverantwortliche
  • re:publica (Berlin): Konferenz zu Internet, Gesellschaft und digitaler Kultur – relevant für alle digitalen Kreativschaffenden
  • Gamescom (Köln): Weltgrößte Spielemesse – unverzichtbar für die Gaming-Branche
  • Filmfest München und Berlinale: Für Filmschaffende und Serienkreative die wichtigsten deutschen Events
  • ADC-Festival (Wiesbaden): Award-Feier und Networking für Werbe- und Kommunikationskreative
  • SXSW (Austin, Texas): Internationales Leitfestival für Musik, Film und Technologie – wichtig für internationale Vernetzung

Tipp: Nicht nur als Besucher, sondern aktiv teilnehmen – als Redner, Moderator oder Helfer/Volunteer erhält man deutlich mehr Networking-Möglichkeiten.

Visitenkarten vs. QR-Code

Die klassische Visitenkarte ist nicht tot – aber sie hat Konkurrenz bekommen. Moderne Alternativen:

  • QR-Code auf dem Handy: Direkter Link zu LinkedIn, Portfolio oder persönlicher Website
  • NFC-Visitenkarten: Digitale Karten, die beim Berühren Kontaktdaten übertragen
  • Digitale Profil-Links: Plattformen wie Linktree oder eine eigene Kurz-URL

Die physische Visitenkarte hat nach wie vor einen Vorteil: Sie wird im richtigen Moment physisch übergeben – das schafft eine greifbare, memorierbare Interaktion. Welches Format gewählt wird, hängt von der Zielgruppe und dem Event ab.

Netzwerk pflegen

Ein Kontakt, der sechs Monate nicht gepflegt wurde, ist kein aktives Netzwerk mehr. Netzwerkpflege bedeutet:

  • Regelmäßiger, echter Austausch (nicht nur bei Bedarf melden)
  • Auf Posts und Erfolge reagieren (ein Kommentar ist oft mehr wert als ein Like)
  • Relevante Inhalte, Links oder Empfehlungen teilen – ohne Hintergedanken
  • Einmal im Jahr ein persönliches Treffen oder ein Kaffee-Telefonat mit wichtigen Kontakten anbieten
  • Geburtstage und berufliche Meilensteine wertschätzen (LinkedIn erleichtert das)

Networking-Experte Keith Ferrazzi formulierte es so: „Networking is not about collecting contacts. It is about planting relationships." (Ferrazzi & Raz 2005)


Beispiele

  1. Erster Kontakt auf einem Branchenevent: Ein Kameramann spricht auf der Gamescom einen Produktionsleiter an, nachdem er dessen Panel-Vortrag gesehen hat. Er stellt sich kurz vor, lobt einen spezifischen Punkt aus dem Vortrag (echte Aufmerksamkeit, kein Floskeln) und fragt nach einem Detail. Am Ende tauschen sie LinkedIn-Profile aus.
  2. Online-Netzwerken mit echtem Mehrwert: Eine Grafikdesignerin kommentiert regelmäßig Beiträge anderer Designer auf LinkedIn – nicht mit „Toller Post!", sondern mit echten Gedanken oder Ergänzungen. Nach einem Monat erinnern sich mehrere der Autoren an sie; einer meldet sich später mit einer Kooperationsanfrage.
  3. Netzwerk pflegen nach einer Zusammenarbeit: Nach einem gemeinsamen Fotoprojekt schreibt ein Fotograf an die Stylistin, mit der er gearbeitet hat, eine kurze Empfehlung auf LinkedIn und taggt sie. Sie revanchiert sich. Beide bleiben in Kontakt – ein Jahr später empfiehlt sie ihn an einen Kunden weiter.
  4. Netzwerk reaktivieren nach Pause: Jemand, der vier Jahre im Ausland war, kehrt zurück und reaktiviert sein Netzwerk systematisch: eine Nachricht pro Tag an alte Kontakte, die er wirklich kennt, mit einem echten Bezugspunkt: „Ich habe gesehen, dass du jetzt bei X arbeitest – herzlichen Glückwunsch! Ich bin gerade zurück und würde mich über einen Kaffee freuen."
  5. Offline-Netzwerken ohne Aufdringlichkeit: Eine Texterin besucht ein Meetup lokaler Freelancer. Anstatt ihre Dienste anzubieten, fragt sie andere, woran sie gerade arbeiten und welche Herausforderungen sie haben. Durch echtes Zuhören und eine oder zwei hilfreiche Hinweise bleibt sie in Erinnerung.

In der Praxis

Networking funktioniert langfristig, nicht kurzfristig. Wer erst dann anfängt zu netzwerken, wenn er Aufträge braucht, ist zu spät. Die beste Zeit, ein Netzwerk aufzubauen, ist dann, wenn man es noch nicht braucht.

Realistische Strategie für Einsteiger:

  • Einen LinkedIn-Post pro Woche (nicht verkäuferisch, sondern informativ oder persönlich)
  • Ein bis zwei Events pro Quartal besuchen
  • Pro Monat drei bis fünf echte Interaktionen mit bestehenden Kontakten
  • Nach jeder neuen Bekanntschaft innerhalb von 48 Stunden auf LinkedIn vernetzen, mit einer persönlichen Nachricht

Vergleich & Abgrenzung

NetzwerkenMarketing
FokusBeziehungBotschaft
ZeitrahmenLangfristigMittel bis kurzfristig
AuthentizitätNotwendigOptional
ReichweiteBegrenzt, aber tiefGroß, aber flach
VertrauenHochAufzubauen

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich auf jedem Branchen-Event präsent sein? Nein – und Qualität schlägt Quantität. Besser ein bis zwei Events pro Jahr wirklich präsent zu sein (vorbereitet, engagiert, gut vernetzt nachgefasst) als jedes Quartal zu erscheinen und nichts mitzunehmen. Überlegen, welche Events für die eigene Nische und Zielgruppe wirklich relevant sind.

Wie spreche ich Menschen auf Events an, ohne aufdringlich zu wirken? Ein einfacher Einstieg: Fragen stellen und echtes Interesse zeigen. „Was hat Sie zu diesem Event gebracht?" oder „Ich habe gerade Ihren Vortrag gehört – was war der Hintergrund für diesen Ansatz?" Menschen reden gerne über sich und ihre Arbeit. Wer fragt und zuhört, wirkt nicht aufdringlich, sondern interessiert.


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Weiterführend

  • Grant, Adam (2013): Give and Take. A Revolutionary Approach to Success. Viking.
  • Ferrazzi, Keith & Raz, Tahl (2005): Never Eat Alone. And Other Secrets to Success, One Relationship at a Time. Currency/Doubleday.
  • Granovetter, Mark S. (1973): „The Strength of Weak Ties." In: American Journal of Sociology, 78(6), S. 1360–1380.
  • LinkedIn (2016): The 2016 LinkedIn Job Search Survey. Online: linkedin.com.
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