Drittelregel ist ein Kompositionsprinzip, bei dem eine Bild- oder Layoutfläche durch zwei horizontale und zwei vertikale Linien in neun gleich große Felder unterteilt wird, um Motive, Horizonte oder Schwerpunkte gezielt an den entstehenden Schnittpunkten oder entlang der Linien zu positionieren und so dynamisch wirkende, ausgewogene Kompositionen zu erzeugen.

Rubrik: Grundlagen der Gestaltung · Unterrubrik: Komposition & Bildaufbau · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Rule of Thirds (engl.), Drittelprinzip, Drittelteilung

Was ist die Drittelregel?

Die Drittelregel ist eines der bekanntesten und am häufigsten angewendeten Kompositionsprinzipien in Fotografie, Film und Grafikdesign. Sie besagt, dass ein Bild gedanklich oder real durch zwei gleichmäßig verteilte horizontale und zwei vertikale Linien in neun gleichgroße Rechtecke unterteilt wird. Wichtige Bildelemente werden dann bevorzugt an den vier Schnittpunkten dieser Linien oder entlang der Linien selbst platziert. Das Ergebnis sind Kompositionen, die lebendiger und harmonischer wirken als eine zentrale Anordnung der Motive.

Erklärung

Die Drittelregel geht auf den englischen Maler und Kunsttheoretiker John Thomas Smith zurück, der das Prinzip 1797 erstmals schriftlich formulierte. Seitdem hat es sich in der Fotografie, im Film und im Grafikdesign als praxisnahe Faustregel etabliert. Das Grundprinzip ist intuitiv: Wer ein Motiv aus der Bildmitte herausnimmt und an einen der vier Schnittpunkte des Drittelnetztes verschiebt, erzeugt Spannung, Tiefe und visuelles Gleichgewicht zugleich.

Die vier Schnittpunkte des Gitters – in der Fotografie auch „Power Points" genannt – sind jene Stellen im Bild, an denen das menschliche Auge beim Betrachten bevorzugt landet. Ein Portrait, dessen Augen auf dem oberen Dritteldrittel positioniert sind, wirkt natürlicher als eines, bei dem das Gesicht mittig platziert ist. Ein Horizont, der auf der unteren Drittellinie liegt, betont den Himmel; liegt er auf der oberen, rückt das Vordergrundmotiv in den Fokus.

In der Layoutgestaltung wird die Drittelregel genutzt, um Textelemente, Bilder und Weißraum in ausgewogener Beziehung zueinander zu positionieren. Sie ist bewusst als vereinfachtes Hilfsmittel konzipiert – anwendbar ohne rechnerischen Aufwand, direkt auf dem Kameradisplay oder im Designprogramm ablesbar. Für Einsteiger bietet sie einen schnellen Zugang zu professionell wirkenden Kompositionen; erfahrene Gestalterinnen und Gestalter verwenden sie als Ausgangspunkt, von dem aus sie gezielt abweichen, wenn der Zweck es erfordert.

Beispiele

  1. Landschaftsfotografie mit Kamera oder Smartphone: Der Horizont wird auf der unteren Drittellinie platziert, damit der dramatische Abendhimmel das obere Bilddrittel dominiert. Das Gitter wird über das Kameradisplay eingeblendet (in nahezu allen Smartphones und Kameras als Option verfügbar).
  2. Portrait-Fotografie in Adobe Lightroom: Beim nachträglichen Beschnitt (Crop-Tool) wird das Drittelnetz eingeblendet und das Auge der porträtierten Person auf den oberen linken Power Point ausgerichtet.
  3. Webdesign in Figma: Ein Hero-Bild wird so gestaltet, dass die Call-to-Action-Schaltfläche auf dem rechten unteren Schnittpunkt des Drittelnetztes liegt.
  4. Videoschnitt in Adobe Premiere Pro: Gesprächspartner in Interview-Szenen werden nach der Drittelregel im Bild positioniert, mit dem Blick in die Bildmitte (sogenannter „Nose Room").
  5. Print-Layout in Adobe InDesign: Ein dominantes Bildelement belegt das rechte Drittel der Seite, während Text und Weißraum das linke Drittel strukturieren.

In der Praxis

Die meisten modernen Kameras erlauben das Einblenden eines Drittelnetzgitters im Sucher oder auf dem Display. In Adobe Lightroom und Photoshop erscheint das Drittelnetz automatisch beim Aktivieren des Beschnitt-Werkzeugs. Capture One bietet dasselbe als anpassbares Overlay. In Figma, Adobe XD und Sketch können Rasterlinien nach dem Drittelprinzip manuell gesetzt oder als Layoutraster konfiguriert werden.

Vergleich & Abgrenzung

Die Drittelregel wird regelmäßig mit dem Goldenen Schnitt verglichen. Beide Prinzipien empfehlen, Motive aus der Bildmitte zu verschieben. Der Unterschied liegt in der Mathematik: Die Drittelregel teilt gleichmäßig in Drittel (33,3 % / 66,6 %), der Goldene Schnitt asymmetrisch im Verhältnis 1:1,618 (ca. 38 % / 62 %). Die Drittelregel ist einfacher anzuwenden und im professionellen Alltag verbreiteter.

Häufige Fragen (FAQ)

Muss ich die Drittelregel immer befolgen? Nein. Die Drittelregel ist ein Hilfsmittel, kein Dogma. Zentrale Kompositionen können ebenso wirkungsvoll sein, insbesondere bei Symmetrie, Architektur oder bestimmten Produktfotos. Profis kennen die Regel – und brechen sie gezielt, wenn es dem Bild dient.

Gilt die Drittelregel auch im Videobereich? Ja, die Drittelregel ist im Videobereich und im Filmschnitt ebenso verbreitet wie in der Standfotografie. Sie regelt die Platzierung von Personen im Bild, die Positionierung des Horizonts in Außenaufnahmen und die Anordnung von Textelementen in Titelsequenzen.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Freeman, M. (2007): The Photographer's Eye. Focal Press.
  • Smith, J. T. (1797): Remarks on Rural Scenery. London. [Erstformulierung der Drittelregel]
  • Peterson, B. (2003): Learning to See Creatively. Amphoto Books.
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