Storyboard ist eine geordnete Abfolge von Zeichnungen oder Bildern, die die geplanten Einstellungen, Kamerabewegungen, Handlungsabläufe und ggf. Dialoge eines Films, Videos, Werbespots oder einer Animation visuell skizzieren – das Filmblaupause-Instrument der Preproduktion.
Rubrik: Film & Mediendesign · Unterrubrik: Konzept & Preproduktion · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Bildsequenz, Panel-Sequenz, Shot Plan, Continuity Board, Storyboards (engl.)
Was ist ein Storyboard?
Ein Storyboard übersetzt das Drehbuch in eine Bildsprache, bevor auch nur eine Kamera aufgebaut ist. Es zeigt, welche Einstellungsgrößen (Totale, Halbtotale, Nahaufnahme), welche Kameraperspektiven und Bewegungen geplant sind, und wie die Szenenübergänge (Schnitte, Überblendungen) gestaltet werden sollen. Storyboards sind in Werbefilm, Spielfilm, Animation und UX-Design gleichermaßen verbreitet.
Erklärung
Aufbau eines Storyboard-Panels: Jede Seite enthält mehrere Felder (Panels), die je eine Einstellung darstellen. Zu jedem Panel gehören:
- Bildbereich: Skizze der Einstellung (Komposition, Figuren, Hintergrund)
- Nummer: Einstellungsnummer (E1, E2, ... oder Shot 1A, 1B)
- Beschreibung: Kamerabewegung, Ton, Dialog, Aktionsanweisung
- Dauer: Geplante Länge der Einstellung in Sekunden
Einstellungsgrößen im Storyboard:
- EWS / Totale: Gesamte Umgebung sichtbar
- Halbtotale: Figur von Kopf bis Knie
- Amerikanische Einstellung: Hüfte aufwärts
- Halbnahe / Medium Shot: Brust aufwärts
- Nahe / Close-Up: Gesicht
- Detailaufnahme / Extreme Close-Up: Auge, Hand, Detail
Kamerabewegungen: Pan (schwenken), Tilt (neigen), Dolly/Track (fahren), Zoom, Crane/Jib (heben/senken), Handheld – werden mit Pfeilsymbolen im Panel angezeigt.
Animatic: Ein Animatic ist ein animiertes Storyboard – die Panels werden in einer Videosequenz zusammengefügt, mit Ton unterlegt und zeitlich synchronisiert. So lässt sich die Gesamtdynamik des Films vor dem Dreh prüfen.
Storyboard vs. Shot List: Das Storyboard ist visuell-skizzenhaft, die Shot List ist eine tabellarische Textform mit allen geplanten Einstellungen. Beide ergänzen sich und werden in professionellen Produktionen parallel genutzt.
Beispiele
- Werbefilmproduktion: Eine Agentur storyboardet einen 30-Sekunden-TV-Spot auf 15 Panels – jedes Panel zeigt Produkt, Emotion, CTA-Einstellung. Das Storyboard wird vom Kunden freigegeben, bevor das Produktionsteam gebucht wird.
- Spielfilmszene: Der Regisseur und der Director of Photography (DoP) entwickeln gemeinsam das Storyboard für eine Action-Sequenz – Kamerasetzungen, Schnittrythmus und Stuntplanung werden abgestimmt.
- Animationsfilm: Pixar storyboardet jeden Film mehrmals; ganze Szenen werden neu gezeichnet, bevor 3D-Animatoren beginnen. Das spart Produktionskosten.
- Social-Media-Video: Ein Instagram-Reels-Storyboard mit 6 Panels plant Schnitt, Musik-Beat und Texteinblendungen in 15 Sekunden.
- UX-Storyboard: Im UX-Design visualisiert ein Storyboard die User Journey – welche Schritte durchläuft die Nutzerin, um ihr Ziel zu erreichen. Dies ist eine Methode aus dem Design Thinking.
In der Praxis
Für professionelle Storyboards werden genutzt:
- Adobe Fresco / Photoshop: Für illustrative, detaillierte Boards
- Storyboarder (YouTube/Film): Open-Source-Desktop-App speziell für Film-Storyboards
- Boords (boords.com): Web-basiertes Storyboard-Tool mit Team-Collaboration
- FrameForge (3D-Storyboard): Für komplexe 3D-Einstellungsplanungen
- Canva / PowerPoint: Für schnelle, einfache Boards ohne Zeichenkenntnisse
Wer nicht zeichnen kann, nutzt Stick Figures oder Foto-Referenzen (aus Filmarchiven oder Shotdeck.com). Professionelle Storyboard Artists werden für aufwändige Produktionen engagiert.
Vergleich & Abgrenzung
Storyboard ≠ Moodboard. Ein Moodboard zeigt den angestrebten Look, die Stimmung und Referenzbilder. Das Storyboard plant die konkrete Einstellungsfolge. Shotlist ist die textliche Planungsvariante ohne Zeichnungen. Ein Floorplan (Vogelperspektive des Sets) ergänzt das Storyboard durch die räumliche Kamerapositionierung.
Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich gut zeichnen können, um ein Storyboard zu erstellen? Nein. Einfache Strichfiguren, grundlegende Formen und Pfeile für Kamerabewegungen reichen vollkommen aus. Wichtig ist die Kommunikation der Einstellungsidee – nicht die zeichnerische Qualität. Auch Foto-Collages oder KI-generierte Bilder werden als Storyboard-Panels eingesetzt.
Ist ein Storyboard bei kleinen Produktionen sinnvoll? Ja, auch bei einfachen YouTube-Videos oder Social-Media-Clips hilft ein rudimentäres Storyboard, Drehtage effizienter zu nutzen und unnötige Re-Shoots zu vermeiden. Eine Skizze auf einem Blatt Papier reicht für kleine Projekte.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Tumminello, W. (2005): Exploring Storyboarding. Delmar Learning.
- Hart, J. (1999): The Art of the Storyboard. Focal Press.
- Online-Tool: Storyboarder (kostenlos) – wonderunit.com/storyboarder
