Weißabgleich (engl. White Balance, WB) ist eine Kameraeinstellung, die bestimmt, welche Farbtemperatur des Lichts als „weiß" definiert wird, damit die Kamera unabhängig von der Lichtquelle natürlich wirkende Farben aufnimmt und Farbstiche durch Kunstlicht, Tageslicht oder Mischlichtsituationen korrigiert.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Kameratechnik · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: White Balance, WB, Farbabgleich, Farbtemperaturabgleich, Color Balance

Was ist der Weißabgleich?

Der Weißabgleich legt fest, welche Farbe die Kamera als neutrales Weiß interpretiert. Verschiedene Lichtquellen haben unterschiedliche Farbtemperaturen (gemessen in Kelvin): Eine Kerze strahlt warmgelbliches Licht (ca. 1800 K) aus, Tageslicht liegt bei ca. 5500 K, Bewölkung bei 6500–7500 K. Ohne Weißabgleich erscheinen Innenaufnahmen unter Glühlampen gelblich-orange, Aufnahmen im Schatten bläulich. Der Weißabgleich kompensiert diese Verschiebungen.

Erklärung

Automatischer Weißabgleich (AWB): Die Kamera analysiert die Szene und schätzt die Farbtemperatur. Bei einfarbigem Licht funktioniert AWB gut; bei Mischlicht (z. B. Fenstertageslicht + Innenraumlampe) kann AWB scheitern.

Preset-Weißabgleich: Kameras bieten vordefinierte Profile:

  • Tageslicht (ca. 5500 K)
  • Bewölkt (ca. 6500 K)
  • Schatten (ca. 7500 K)
  • Kunstlicht / Glühlampe (ca. 3200 K)
  • Leuchtstofflampe / Neonlicht (ca. 4000 K)
  • Blitz (ca. 5500 K)

Manueller Weißabgleich (Kelvin): Der präziseste Ansatz: Die Farbtemperatur wird in Kelvin direkt eingegeben. Für konsistente Aufnahmen in Produktfotografie oder Videoproduktion unverzichtbar.

Weißabgleich per Graukarte: Eine 18%-Graukarte oder eine WeißCard wird in der Szene fotografiert, dann als Referenz in der Kamera oder in der Bildbearbeitungssoftware gesetzt. Liefert den genauesten Weißabgleich.

Farbstich-Achsen: Der Weißabgleich hat zwei Achsen:

  • Farbtemperatur (Kalt–Warm): Blau ↔ Gelb/Orange
  • Tönung (Tint): Grün ↔ Magenta (zur Korrektur von Leuchtstofflampen-Grünstich)

Bei RAW-Aufnahmen kann der Weißabgleich verlustfrei in der Nachbearbeitung angepasst werden – bei JPEG ist er in die Datei eingebrannt.

Beispiele

  1. Porträt unter Glühlampe ohne Weißabgleich: Das Gesicht erscheint orangegelb verfärbt. Korrektiver Weißabgleich auf „Kunstlicht" (3200 K) neutralisiert den Farbstich.
  2. Produktfotografie im Studio: Dauerlicht mit 5600 K, Weißabgleich auf Graukarte gesetzt – alle Aufnahmen einer Serie haben identische, neutrale Farben.
  3. Outdoor-Shooting im Schatten: Ohne Anpassung wirkt das Modell bläulich. Weißabgleich auf „Schatten" (7500 K) wärmt die Hauttöne an.
  4. Videoproduktion: Für konsistente Farbwiedergabe über mehrere Kameras hinweg werden alle Kameras auf denselben manuellen Kelvin-Wert eingestellt und per Referenzgraukarte abgeglichen.
  5. Kreativer Weißabgleich: Bewusstes Falschsetzen des Weißabgleichs (z. B. „Tageslicht" bei Glühlampe) erzeugt warme Goldtöne für künstlerische Portraiteffekte.

In der Praxis

Im RAW-Workflow in Adobe Lightroom wird der Weißabgleich im Entwickeln-Modul unter „Weißabgleich" angepasst: Temperatur-Regler (Kelvin) und Tönung-Regler. Das Pipette-Werkzeug ermöglicht, auf eine neutrale graue Fläche zu klicken und den Weißabgleich automatisch zu setzen. In DaVinci Resolve für die Videobearbeitung bietet der Color-Bereich umfangreiche Weißabgleich-Optionen über Farbräder.

Für wiederholbare Ergebnisse in Fotostudios empfiehlt sich eine X-Rite ColorChecker Passport oder ein ähnliches Farbreferenz-Tool: Es enthält Graufelder und definierte Farbtöne, aus denen DNG-Kameraprofile erstellt werden können.

Vergleich & Abgrenzung

Weißabgleich korrigiert globale Farbtemperaturverschiebungen der gesamten Szene. Color Grading ist dagegen die kreative, stilistische Farbgestaltung nach der technischen Korrektur. Der Weißabgleich ist technische Basis, Color Grading ist gestalterische Ausarbeitung. Auch mit Farbprofilen (ICC-Profile) verwechselt: Ein Kamera-ICC-Profil beschreibt die Farbcharakteristik des Sensors, der Weißabgleich die Lichttemperatur-Kompensation.

Häufige Fragen (FAQ)

Wann sollte ich den Weißabgleich manuell setzen statt auf Auto zu vertrauen? Bei konsistenten Lichtverhältnissen (Studio, kontrolliertes Kunstlicht), bei Mischlichtsituationen, bei Videoaufnahmen (bei Auto-WB kann die Kamera mid-shot nachregeln) und bei präziser Farbwiedergabe für Produkt- oder Archivfotografie.

Kann ich den Weißabgleich bei RAW-Dateien nachträglich verlustfrei ändern? Ja. Bei RAW-Dateien ist der Weißabgleich nur eine Metadaten-Information und kann in Lightroom, Capture One, DXO PhotoLab oder Camera Raw beliebig angepasst werden, ohne Qualitätsverlust. Bei JPEG-Dateien ist die Farbkorrektur in die Bilddaten eingerechnet – spätere Änderungen führen zu Qualitätsverlusten.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Evening, M. (2021): Adobe Photoshop Lightroom Classic. Pearson.
  • Kelby, S. (2017): The Digital Photography Book. Peachpit Press.
  • Online-Tool: ColorChecker – xrite.com/colorchecker
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