AIFF ist ein von Apple 1988 auf Basis des IFF-Formats entwickeltes, unkomprimiertes Audio-Dateiformat, das PCM-Audiodaten speichert und als bevorzugtes Arbeitsformat im Apple-Ökosystem und in Logic Pro gilt.

Rubrik: Ausgabeformate & Technische Standards · Unterrubrik: Audio-Formate · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: .aiff, .aif, Audio Interchange File Format, AIFF-C (komprimierte Variante)


Was ist AIFF?

AIFF wurde 1988 von Apple Computer auf Basis des von Electronic Arts entwickelten IFF-Formats (Interchange File Format) spezifiziert. Es ist Apples Antwort auf Microsofts WAV-Format – technisch weitgehend äquivalent, jedoch mit einer für Apple-Systeme optimierten Architektur.

Wie WAV speichert AIFF Audiodaten als unkomprimiertes PCM (Pulse Code Modulation). Der wichtigste technische Unterschied zu WAV: AIFF verwendet Big-Endian-Byte-Reihenfolge (PowerPC-Erbe), während WAV Little-Endian (Intel/AMD) nutzt. In der Praxis ist dieser Unterschied für Anwender unsichtbar – moderne Software konvertiert transparent.

Eine wichtige Variante ist AIFF-C (auch AIFC), die optional Kompression mit verschiedenen Codecs ermöglicht. In der Praxis wird AIFF-C jedoch selten verwendet; das unkomprimierte AIFF dominiert.


Technische Eigenschaften

ParameterTypische WerteProfi-Standard
Sample Rate44.100 Hz, 48.000 Hz88.200 Hz, 96.000 Hz
Bittiefe16-bit24-bit, 32-bit Float
KanalanzahlStereo (2)bis zu 32 Kanäle
KompressionKeine (PCM)AIFF-C: optional
Byte-ReihenfolgeBig-EndianBig-Endian
Bitraten (unkomprimiert)1.411 kbps (CD-Qualität)4.608 kbps (24-bit/96kHz Stereo)
Maximale Dateigröße~4 GB (theoretisch)praktisch: durch Speicher begrenzt

AIFF unterstützt umfangreiche Metadaten-Chunks, darunter NAME (Titelname), AUTH (Autor), ANNO (Kommentare) und MARK (Marker/Cue-Punkte). Besonders die Marker-Unterstützung macht AIFF attraktiv für Musikproduktion, wo Loop-Punkte und Cue-Marker direkt in der Datei gespeichert werden.

Die Klangqualität von AIFF und WAV ist bei identischen Parametern (Sample Rate, Bittiefe) absolut identisch – beide speichern dieselben PCM-Rohdaten.


Einsatzgebiete

  1. Logic Pro und GarageBand: Apple hat AIFF als das native Format seiner DAWs etabliert. Logic Pro speichert Projekte, Aufnahmen und exportierte Dateien standardmäßig in AIFF. Die Integration ist nahtlos – keine Konvertierungsschritte notwendig.
  2. Apple Music und iTunes: Vor dem Aufkommen von ALAC war AIFF das einzige verlustfreie Format, das iTunes unterstützte. Apple Music kann AIFF-Dateien importieren und für die Bibliothek nutzen.
  3. Sample-Libraries für Musik: Viele Sample-Hersteller – insbesondere jene, die primär für Logic Pro und den Mac-Markt produzieren – liefern ihre Sounds in AIFF-Format aus, da die Marker-Unterstützung Loop-Punkte direkt einbettet.
  4. Musikproduktion und Mastering: Im Mac-lastigen Musikproduktions-Ökosystem ist AIFF das unkomprimierte Austauschformat zwischen DAW, Mastering-Engineer und Presswerk. Viele Mastering-Studios akzeptieren AIFF gleichwertig zu WAV.
  5. Broadcast in Apple-Produktionsumgebungen: Sendestudios, die auf Final Cut Pro und Logic Pro setzen, verwenden AIFF als natives Audio-Austauschformat zwischen den Applikationen.

In der Praxis

Logic Pro: AIFF ist das Standard-Exportformat. Unter Ablage → Bouncen → Projekt oder Sektion wählt man „AIFF" aus dem Format-Dropdown. Empfohlene Einstellungen: 24-bit, 48 kHz für Broadcast; 24-bit, 44,1 kHz für Musikproduktion. Logic kann intern mit 32-bit Float arbeiten und beim Export auf 24-bit dithern.

GarageBand: Export via Ablage → Teilen → Song in Finder exportieren. Format-Auswahl „AIFF" für verlustfreie Qualität.

Pro Tools: Pro Tools unterstützt AIFF nativ. Bounce via File → Bounce to → Disk, Format auf AIFF stellen. Für Projekte, die zwischen Pro Tools und Logic geteilt werden, ist AIFF die reibungsloseste Option.

Audacity: Export via Datei → Exportieren → In AIFF exportieren. Bittiefe-Einstellung im Dropdown: 16-bit für CD, 24-bit für Profi-Zwecke.

ffmpeg (Terminal): Konvertierung WAV zu AIFF ohne Qualitätsverlust: `` ffmpeg -i input.wav -c:a pcm_s24be output.aiff ``

Empfohlene Einstellungen:

  • Musikproduktion (Mastering): 44,1 kHz / 24-bit AIFF
  • Podcast-Produktion (Master): 48 kHz / 24-bit AIFF, dann AAC-Export
  • Broadcast: 48 kHz / 24-bit AIFF oder WAV (je nach Senderanforderung)
  • Sample-Libraries: 44,1 kHz / 24-bit mit eingebetteten Loop-Markern

Vergleich & Abgrenzung

KriteriumAIFFWAVALACFLAC
EntwicklerAppleMicrosoftAppleOpen-Source
KompressionKeineKeineVerlustfreiVerlustfrei
Byte-ReihenfolgeBig-EndianLittle-Endian
MetadatenMarker, Loop-PunkteINFO-ChunkiTunes-TagsVorbis-Comment
Apple-IntegrationNativGutNativ (iTunes)Begrenzt
Windows-KompatibilitätGutNativiTunes nötigSehr gut
Broadcast-EignungGutStandard (BWF)NeinNein

Der praktische Unterschied zwischen AIFF und WAV ist marginal. Die Wahl hängt oft vom primären Arbeitsumfeld ab: Apple-Ökosystem → AIFF, plattformübergreifend oder Broadcast → WAV/BWF.


Häufige Fragen (FAQ)

Klingt AIFF besser als WAV? Nein. Bei identischen Parametern (Sample Rate, Bittiefe) sind AIFF und WAV klanglich identisch – beide speichern dieselben PCM-Rohdaten, lediglich in unterschiedlicher Byte-Reihenfolge. Wer behauptet, einen Klangunterschied zu hören, unterliegt einem Placebo-Effekt.

Kann ich AIFF-Dateien auf Windows nutzen? Ja, aber nicht mit allen Programmen. Modern DAWs wie Pro Tools, Ableton Live und Reaper unterstützen AIFF auf Windows vollständig. Windows Media Player und viele einfachere Anwendungen benötigen einen zusätzlichen Codec oder Player wie VLC.

Was ist der Unterschied zwischen AIFF und AIFF-C? AIFF-C (AIFC) ist eine Erweiterung, die komprimierte Audio-Daten erlaubt (z.B. mit ULAW-, ALAW- oder Apple's eigenen Codecs). In der Praxis wird AIFF-C selten verwendet – die meisten Anwender und DAWs meinen mit „AIFF" immer das unkomprimierte PCM-Format.

Sollte ich für Podcast-Produktion AIFF oder WAV nutzen? Für Mac-Anwender, die ausschließlich in Logic Pro oder GarageBand arbeiten: AIFF. Für plattformübergreifende Workflows oder bei Zusammenarbeit mit Windows-Nutzern: WAV. Für die finale Podcast-Auslieferung konvertiert man ohnehin zu MP3 oder AAC – das Arbeitsformat ist dann sekundär.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • Apple Computer Inc. (1989): Audio Interchange File Format AIFF: A Standard for Sampled Sound Files. Apple Computer.
  • Rumsey, Francis / McCormick, Tim (2014): Sound and Recording. 7. Aufl. Focal Press.
  • Online: Apple Logic Pro Dokumentation –
  • Online: AIFF-Spezifikation (Apple Developer) –
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