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Makroobjektiv ist ein Objektiv, das einen Abbildungsmaßstab von mindestens 1:1 erreicht – das Motiv wird also mindestens in Originalgröße auf dem Sensor abgebildet.

Rubrik: Fotografie & Digital Imaging · Unterrubrik: Objektive & Optik · Niveau: Einsteiger

Was ist ein Makroobjektiv?

Der Begriff „Makrofotografie" bezeichnet die Fotografie kleiner Objekte in Nahaufnahme. Im engeren Sinne gilt erst ein Abbildungsmaßstab von 1:1 (Lebensgröße) als echter Makro – eine 5 mm große Biene füllt dann 5 mm des Sensors aus. Einige Hersteller werben mit „Makro" bei Zooms, die nur einen Maßstab von 1:3 oder 1:4 erreichen – dies ist technisch kein Makro, sondern lediglich Nahaufnahme.

Erklärung

Abbildungsmaßstab

Der Abbildungsmaßstab (engl. Magnification Ratio) beschreibt das Verhältnis zwischen Motivgröße in der Realität und Motivgröße auf dem Sensor:

  • 1:4 (0,25×) – häufig bei normalen Objektiven in der Naheinstellung
  • 1:2 (0,5×) – Halb-Makro, z. B. Canon EF 100mm f/2,8 USM (älteres Modell)
  • 1:1 (1,0×) – echter Makromaßstab, z. B. Canon RF 100mm f/2,8 L IS USM Macro
  • 2:1 (2,0×) – Supermakro, z. B. Laowa 25mm f/2,8 2.5-5× Ultra Macro
  • 5:1 (5,0×) – Mikrofotografie-Bereich, z. B. Laowa 25mm bei maximaler Vergrößerung

Bei einem Maßstab von 1:1 und einem Vollformatsensor (36 × 24 mm) kann ein Objekt von maximal 36 mm × 24 mm formatfüllend abgebildet werden. Bei APS-C (ca. 23,5 × 15,6 mm) ist das entsprechend kleinere Motiv in dieser Größe möglich.

Minimale Fokussierungsdistanz (MFD)

Jedes Objektiv hat eine minimale Fokussierungsdistanz (Minimum Focus Distance, MFD) – den kürzesten Abstand, auf den das Objektiv scharf stellen kann, gemessen vom Sensor. Bei Makroobjektiven ist diese sehr kurz:

  • Canon RF 100mm f/2,8 L IS USM Macro: MFD = 26 cm
  • Tamron SP 90mm f/2,8 Di Macro: MFD = 30 cm
  • Sigma 105mm f/2,8 DG DN Macro Art: MFD = 29,5 cm

Working Distance (Arbeitsabstand)

Die Working Distance (Arbeitsabstand) beschreibt den Abstand zwischen Frontlinse und Motiv (nicht zwischen Sensor und Motiv). Dies ist für die Praxis entscheidend: Ein Makroobjektiv mit kurzer Brennweite (50 mm) muss sehr nah ans Motiv heran – bei lebenden Insekten scheucht man das Tier damit auf. Ein 180-mm-Makroobjektiv erlaubt viel mehr Abstand zum Motiv:

ObjektivBrennweiteMFDWorking Distance (ca.)
Laowa 60mm f/2.8 2×60 mm12,3 cm2,5 cm
Canon RF 100mm f/2,8 L100 mm26 cm16 cm
Sigma 150mm f/2,8 Macro150 mm38 cm21 cm
Canon EF 180mm f/3,5 L180 mm47 cm24 cm

Für Insekten- und Tiermakros empfehlen sich Brennweiten ab 100 mm. Für Produkt- und Blumenmakros im Studio sind auch 50–60-mm-Objektive gut geeignet.

Schärfentiefe bei Makroaufnahmen

Bei 1:1-Abbildung und f/11 beträgt die Schärfentiefe an einem Vollformatsensor nur ca. 0,5–1 mm. Viele Makrobilder entstehen daher durch Focus-Stacking: Das Objektiv wird auf einem motorisierten Schlitten (Makroschiene, z. B. Novoflex Castel-Q, ca. 300 Euro) in winzigen Schritten verschoben; die Software (Helicon Focus, Zerene Stacker) stapelt die Einzelbilder zu einem durchgehend scharfen Kompositbild.

Optische Qualität

Hochwertige Makroobjektive sind in der Regel auch ausgezeichnete Portraitobjektive: Sie weisen eine sehr hohe Auflösung bis an den Bildrand, geringe Verzeichnung und exzellente Farbkorrektur auf. Das Canon RF 100mm f/2,8 L IS USM Macro (ca. 1.500 Euro) gilt als eines der schärfsten Objektive im Canon RF-System überhaupt.

Beispiele

  1. Bienenauge, 105 mm f/11, 1:1: Das facettierte Auge einer Honigbiene füllt das Vollformat-Bild – Focus-Stacking aus 20 Einzelbildern ergibt ein vollständig scharfes Resultnat.
  2. Schmuck-Produktfoto, 60 mm f/8: Ein Verlobungsring im Lightbox-Studio – alle Gravuren sind gestochen scharf, das Bokeh blendet den strukturierten Hintergrundstoff sanft ab.
  3. Mineralien, 180 mm f/16: Ein Amethyst-Kristall mit 1:1-Abbildung – die große Working Distance erlaubt das Platzieren von Zusatzbeleuchtung (Ringblitz) ohne Abschattung.
  4. Porträt mit Makroobjektiv, 100 mm f/2,8: Das 100-mm-Makro als Portraitobjektiv – auf 1,5 m Abstand liefert es klassisches Portraitbokeh und ausgezeichnete Schärfe.
  5. Wasserspritzen-Hochgeschwindigkeitsfoto, 105 mm f/16: Wassertropfen auf einer Spiegeloberfläche – Stroboskopblitz gefriert die Bewegung, Makrobrennweite zeigt Tropfenstruktur.

In der Praxis

Für Einsteiger ist das Tamron SP 90mm f/2,8 Di Macro (ca. 450–550 Euro) ein exzellentes Einstiegsobjektiv: Echter 1:1-Maßstab, hervorragende Bildqualität, nutzbar als Portraitobjektiv. Alternativ gibt es günstige Makro-Zwischenringe (ca. 20–50 Euro), die normale Objektive in die Nähe eines Makromaßstabs bringen – mit einigen Einschränkungen (kein Autofokus, Lichtverlust).

Beleuchtung ist bei Makroaufnahmen kritisch: In der Naheinstellung ist die Tiefenschärfe so gering, dass natürliches Tageslicht schwierig zu beherrschen ist. Ringblitze (Canon MR-14EX: ca. 500 Euro) oder LED-Lupen-Leuchten sind verbreitete Lösungen.

Vergleich & Abgrenzung

Makroobjektiv vs. Nahlinse: Nahlinsen (Dioptrienfilter) werden wie ein Filter vor ein normales Objektiv geschraubt und ermöglichen größere Abbildungsmaßstäbe. Sie sind günstig (20–100 Euro), reduzieren aber die Bildqualität spürbar und eignen sich nur als günstige Einführung.

Makroobjektiv vs. Balgengerät: Balgenkameras aus der Analogzeit erlauben sehr große Abbildungsmaßstäbe, sind aber unhandlich und meist ohne Autofokus. Für die kreative Makrofotografie im Digitalalter kaum noch gebräuchlich.

1:1 vs. 2:1: Maßstäbe über 1:1 werden als Ultramakro bezeichnet. Das Laowa 25mm f/2,8 2.5-5× Ultra Macro (ca. 400 Euro) erreicht bis 5:1 – ein Bereich, der sonst nur Mikroskopen vorbehalten ist.

Häufige Fragen (FAQ)

Brauche ich unbedingt ein Stativ für Makroaufnahmen? Nicht zwingend, aber sehr empfehlenswert. Bei 1:1-Maßstab ist jede Verwacklung extrem vergrößert. Mit IBIS (In-Body Image Stabilization) in modernen Kameras sind freihändige Makroaufnahmen bei gutem Licht möglich, aber anspruchsvoller. Für Focus-Stacking ist ein Stativ mit Makroschiene obligatorisch.

Kann ich ein Makroobjektiv für Portrait nutzen? Absolut – viele Fotografen setzen ihre 100-mm- oder 90-mm-Makros als alltägliche Portraitobjektive ein. Die optische Qualität ist ausgezeichnet; lediglich der Autofokus kann im Nahfokusbereich langsamer sein als bei Nicht-Makro-Portraitobjektiven.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Hecht, Eugene: Optik, 5. Auflage, De Gruyter Oldenbourg, 2014, Kapitel 6.
  • Nasse, H. H. (Zeiss): Close-up and Macro Photography, Zeiss Camera Lens Division, 2011.
  • Helicon Focus Software (Focus Stacking):
  • Laowa Makro-Objektive:
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