Gamut bezeichnet den gesamten Bereich aller Farben, die ein bestimmtes Gerät (Monitor, Drucker, Kamera) oder ein Farbraum (sRGB, Adobe RGB, CMYK) darstellen oder reproduzieren kann.

Rubrik: Grundlagen der Gestaltung · Unterrubrik: Farbsysteme · Niveau: Fortgeschritten Synonyme / Auch bekannt als: Farbumfang, Farbraumumfang; englisch: Color Gamut

Was ist der Gamut?

Der Gamut ist die „Farbpalette" eines Geräts oder Farbraums – der Bereich aller darstellbaren Farben. Ein Monitor mit großem Gamut kann mehr Farben darstellen als einer mit kleinem Gamut. Jeder Farbraum – sRGB, Adobe RGB, CMYK, DCI-P3 – hat einen eigenen Gamut, der angibt, welche Farbnuancen er enthält. Das CIE-Diagramm visualisiert alle menschlich wahrnehmbaren Farben; darauf eingezeichnet zeigen Gamuts, welchen Anteil ein Farbraum oder Gerät davon abdeckt. Farben außerhalb des Gamuts eines Geräts heißen „out-of-gamut" und können dort nicht originalgetreu dargestellt werden.

Erklärung

Das CIE-Farbraum-Diagramm: Die Commission Internationale de l'Éclairage (CIE) hat 1931 einen mathematischen Referenzrahmen aller menschlich wahrnehmbaren Farben definiert – das CIE xy-Chromatizitätsdiagramm. Es hat die Form eines Hufeisens und enthält alle Farben, die ein Mensch mit normaler Farbsicht sehen kann. Verschiedene Farbräume werden darin als Dreiecke oder andere Polygon-Formen eingezeichnet.

Gamut-Größen verschiedener Farbräume (approximativ):

  • sRGB: ca. 35 % der CIE-Wahrnehmungsfarben – Standard für Web und Verbraucher
  • Adobe RGB (1998): ca. 50 % – besonders größerer Grünbereich, gut für Print-Workflows
  • DCI-P3: ca. 45 % – Kinostandard, in neueren Apple-Geräten implementiert
  • CMYK (Offsetdruck): ca. 35–45 % – je nach Papier und Druckfarbe, andere Form als RGB
  • Rec. 2020: ca. 75 % – UHD/HDR-Standard, zukunftsorientiert

Out-of-Gamut-Farben: Wenn ein Bild Farben enthält, die im Zielfarbraum nicht darstellbar sind (z. B. leuchtendes RGB-Blau in CMYK), muss das Farbmanagementsystem entscheiden, wie diese Farben behandelt werden. Dies geschieht über den sogenannten Rendering Intent (Umsetzungsabsicht):

  • Perzeptiv (Perceptual): Alle Farben werden proportional gestaucht, damit der Gesamteindruck erhalten bleibt.
  • Relativ-kolorimetrisch (Relative Colorimetric): Farben im Gamut bleiben exakt, Out-of-Gamut-Farben werden zum nächsten darstellbaren Wert „geclippt".
  • Sättigend (Saturation): Maximale Sättigung, auch auf Kosten der Farbgenauigkeit.
  • Absolut-kolorimetrisch: Wie relativ-kolorimetrisch, aber Weißpunkte werden nicht angepasst.

Soft-Proofing: In Photoshop und anderen Design-Tools lässt sich mit Soft-Proofing simulieren, wie ein Bild auf einem anderen Gerät oder im Druck aussehen wird. Dabei werden Out-of-Gamut-Farben markiert (Ansicht → Proof → Gamutwarnung in Photoshop).

Beispiele

  1. Druckproofing in Photoshop: Ansicht → Proof → In Profil konvertieren: ISO Coated v2 300% – zeigt, welche Farben des RGB-Fotos im CMYK-Druck aus dem Gamut fallen.
  2. Monitor-Kalibrierung: Ein wide-Gamut-Monitor (P3-Abdeckung) wird mit einem ICC-Profil kalibriert, damit Farben korrekt auf sRGB-Anwendungen beschränkt werden.
  3. Videoproduktion in DaVinci Resolve: P3-Kameras nehmen in einem großen Gamut auf; beim Delivery für YouTube wird auf Rec. 709 (ähnlich sRGB) konvertiert.
  4. Verpackungsdesign: Leuchtendes Grün aus dem Corporate Design hat eine HEX-Farbe (sRGB), die im CMYK-Druck nicht reproduzierbar ist – es wird daher als Pantone-Sonderfarbe gedruckt.
  5. Display-Test in macOS: In den Systemeinstellungen (Displays → Farbe) kann das aktive ICC-Profil des Monitors eingesehen werden, das seinen Gamut beschreibt.

In der Praxis

In Photoshop aktiviert man die Gamutwarnung unter Ansicht → Gamutwarnung (Strg+Shift+Y). Out-of-Gamut-Farben werden in einer Warnfarbe (standardmäßig Grau) markiert. Vor der Konvertierung von RGB in CMYK sollte immer geprüft werden, welche Bereiche betroffen sind, und entschieden werden, ob ein Soft-Proof-Rendering-Intent perceptiv oder relativ-kolorimetrisch gewählt wird. Bei wide-Gamut-Monitoren (MacBook Pro, Pro Display XDR) darauf achten, ob Anwendungen korrekt farbgemanagt sind – sonst wirken Farben im Browser zu gesättigt.

Vergleich & Abgrenzung

Gamut beschreibt den Farbumfang (welche Farben darstellbar sind), während Farbtiefe beschreibt, wie viele Abstufungen innerhalb dieses Bereichs existieren. Ein großer Gamut mit geringer Farbtiefe kann wenige Stufen in einem breiten Bereich haben; ein kleiner Gamut mit hoher Farbtiefe kann viele Abstufungen in einem engen Bereich bieten. Beide zusammen bestimmen die Farbqualität einer digitalen Ausgabe. ICC-Profile beschreiben mathematisch den Gamut eines Geräts und erlauben dessen korrekte Einbindung in den Farbmanagement-Workflow.

Häufige Fragen (FAQ)

Was passiert mit Farben, die sich außerhalb des Gamuts befinden? Out-of-Gamut-Farben werden beim Konvertieren in einen kleineren Farbraum entweder „geclippt" (auf den nächsten darstellbaren Wert gesetzt) oder proportional gestaucht (Rendering Intent: Perzeptiv). Beim Clipping gehen Farbabstufungen in den betroffenen Bereichen verloren – helles Blau kann z. B. im Druck zu einem einheitlichen Dunkelblau werden. Perzeptives Rendering erhält die Farbbeziehungen, verschiebt aber alle Farben leicht. Welcher Ansatz besser ist, hängt vom Bildinhalt ab.

Sollte ich mit einem wide-Gamut-Monitor in Adobe RGB oder sRGB arbeiten? Bei einem wide-Gamut-Monitor, der DCI-P3 oder Adobe RGB abdeckt, sollte man farbgemanagte Anwendungen (Photoshop, Lightroom) verwenden, die das Monitorprofil berücksichtigen. Der Arbeitsfarbraum (in Photoshop unter Bearbeiten → Farbeinstellungen) kann Adobe RGB sein, wenn Druckworkflows geplant sind; für Web-Workflows ist sRGB praktikabler. Browser sind nicht vollständig farbgemanagt – daher können Farben in sRGB-Dokumenten im Browser anders aussehen als in Photoshop.

Verwandte Einträge

Weiterführend

  • Blatner, David / Fraser, Bruce (2004): Real World Color Management. Peachpit Press.
  • Fairchild, Mark D. (2013): Color Appearance Models. 3. Aufl. Wiley-IS&T.
  • Green, Phil / MacDonald, Lindsay (Hrsg., 2002): Colour Engineering: Achieving Device Independent Colour. Wiley.
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