Caption (Bildunterschrift, Legende) ist ein kurzer Begleittext zu einem Bild, einer Grafik oder einem anderen visuellen Element, der Kontext, Inhalt oder Quelle des Bildes erläutert und typografisch klar von Fließtext und Überschrift unterschieden wird.
Rubrik: Grundlagen der Gestaltung · Unterrubrik: Typografie · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Bildunterschrift, Legende, Bildlegende, Foto-Credit, Caption Text
Was ist eine Caption?
Eine Caption ist der Text, der ein Bild, eine Grafik, einen Chart oder ein Foto in einem Print- oder Digitalmedium begleitet. Sie gibt dem Leser Informationen, die aus dem Bild selbst nicht immer ableitbar sind: Wer ist abgebildet? Was passiert? Wann und wo wurde das Bild aufgenommen? Welche Quelle hat das Bild? Captions sind häufig das erste, was Leser in einem Magazin oder einer Zeitung lesen – vor dem Fließtext. Entsprechend wichtig ist ihre typografische Gestaltung.
Erklärung
Inhalte einer Caption:
- Beschreibung: Was ist auf dem Bild zu sehen?
- Kontext: Einordnung in das Thema des Artikels
- Quelle/Credit: Fotograf, Agentur, Lizenz (z. B. „© Max Mustermann / dpa")
- Datum und Ort: Bei journalistischen Fotos wichtig
Typografische Gestaltung von Captions:
Captions sollten sich typografisch klar vom Fließtext unterscheiden, ohne das Gesamtlayout zu stören. Typische Designentscheidungen:
- Schriftgröße: Kleiner als Fließtext, typisch 7–9 pt im Print, 12–14 px im Web
- Schriftschnitt: Oft kursiv oder Regular statt Regular des Fließtexts; manche Designs setzen Captions in Sans-Serif, wenn der Fließtext in Serif gesetzt ist
- Schriftgewicht: Leichter als Fließtext oder gleich; selten fett (außer für hervorgehobene Elemente wie Fotocredits)
- Zeilenabstand: Proportional, oft etwas enger als Fließtext
- Ausrichtung: Linksbündig (am häufigsten), bildbreit oder eingesetzt
Position der Caption:
- Unterhalb des Bildes: am gebräuchlichsten
- Rechts oder links vom Bild: bei schmalen Bildern oder im Magazinlayout
- Innerhalb des Bildes (overlay): bei Websites und digitalen Medien, aber nur wenn ausreichend Kontrast vorhanden
- Über dem Bild: selten, für spezielle Designlösungen
Caption vs. Bildtitel: Manche Layouts trennen zwischen einem kurzen fetten Bildtitel (oft Bold, 2–3 Wörter) und einem längeren Captionfließtext. Diese Zweistufigkeit verdeutlicht die Hierarchie und erleichtert schnelles Lesen.
Fotocredit: Der Hinweis auf den Fotografen oder die Bildagentur ist rechtlich und ethisch notwendig. Er kann in die Caption integriert oder separat neben dem Bild platziert werden, oft in sehr kleiner Schrift (6–7 pt) und gedrehter Ausrichtung am Bildrand.
Barrierefreiheit: Im Web sollte das alt-Attribut eines Bildes immer einen alternativen Beschreibungstext enthalten. Der Alt-Text ist kein Ersatz für die Caption, aber er stellt sicher, dass Screenreader-Nutzer den Bildinhalt verstehen.
Beispiele
- Nachrichtenmagazin (8,5 pt Myriad Pro Italic, linksbündig unter dem Foto): Die Bildunterschrift gibt Namen und Funktion der abgebildeten Person an; Fotocredit am Ende in 7 pt Regular.
- Wissenschaftliches Fachbuch (9/11 pt Times New Roman Regular, nummeriiert als „Abb. 3.1"): Captions in wissenschaftlichen Werken sind oft nummeriert und enthalten detaillierte Erklärungen der Darstellung.
- Website (14 px Open Sans Light Italic, in grauer Farbe, 80 % Deckkraft): Die Caption ist visuell vom Fließtext abgesetzt; der gedämpfte Farbton signalisiert sekundäre Information.
- Ausstellungskatalog (Bold Label + Regular Fließtext der Caption): Zuerst fett der Bildtitel (Künstler, Werk, Jahr), dann regular die Erläuterung; klassisches Zweistufenmodell.
- Social Media Post (Text über dem Bild, overlay mit halbtransparentem Hintergrund): Caption als Overlay funktioniert nur, wenn Kontrast und Lesbarkeit sichergestellt sind.
In der Praxis
In Adobe InDesign definiert man Caption-Stile als eigene Absatzformate, die in Schriftgröße, Laufweite und Zeilenabstand vom Fließtext abweichen. Die Funktion „Bildunterschrift aus Metadaten generieren" kann Informationen aus IPTC-Metadaten von Fotos automatisch einfügen. In Figma setzt man Captions als eigene Text Styles. Im Web empfiehlt sich das semantische HTML-Element <figcaption> innerhalb von <figure>, da es die Beziehung zwischen Bild und Caption für Browser und Suchmaschinen explizit macht.
Vergleich & Abgrenzung
Caption unterscheidet sich von der Überschrift (Headline), die den Artikel oder Abschnitt benennt, und vom Fließtext, der den Hauptinhalt trägt. Sie ist eine eigene Hierarchieebene – sekundär zum Haupttext, aber primär zum Bild. Sie ist auch nicht dasselbe wie ein Tooltip (kontextuelle Information, die bei Mouse-Over erscheint) oder ein Alt-Text (barrierefrei, aber nicht sichtbar).
Häufige Fragen (FAQ)
Wie lang sollte eine Caption sein? Kurze Captions (ein bis drei Sätze) sind am effektivsten. Leser überfliegen Captions; zu lange Texte werden ignoriert. Für detaillierte Erklärungen bei Abbildungen in wissenschaftlichen Werken sind längere Captions akzeptabel.
Muss immer ein Fotocredit angegeben werden? Rechtlich: Ja, wenn die Fotolizenz dies vorschreibt – was bei den meisten kommerziellen Bilddatenbanken (Getty, Shutterstock, dpa) der Fall ist. Bei eigenen Fotos oder CC0-Lizenzen ist es optional, aber guter Stil. Beim Fehlen eines Fotocredits drohen Abmahnungen.
Verwandte Einträge
Weiterführend
- Müller-Brockmann, J. (1996): Rastersysteme für die visuelle Gestaltung. Niggli Verlag.
- Samara, T. (2005): Publication Design Workbook. Rockport Publishers.
- W3C: HTML-Element figure und figcaption. html.spec.whatwg.org.
