Schriftgröße bezeichnet die Größe einer Schrift, gemessen in Punkt (pt) für Print oder Pixel (px) bzw. relativen Einheiten (rem, em) für digitale Medien; sie bestimmt maßgeblich die Lesbarkeit und die visuelle Hierarchie eines Textes.
Rubrik: Grundlagen der Gestaltung · Unterrubrik: Typografie · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Schriftgrad, Kegelgröße, Font Size
Was ist Schriftgröße?
Die Schriftgröße gibt an, wie groß Buchstaben auf einem Ausgabemedium erscheinen. Im professionellen Druck wird sie in Punkt (pt) angegeben – ein typografischer Punkt entspricht 0,353 mm. Im Web und in digitalen Designs wird Schriftgröße in Pixel (px), em oder rem angegeben. Die Schriftgröße ist eine der wichtigsten Stellschrauben in der Typografie: Zu kleine Schrift ermüdet die Augen, zu große Schrift wirkt unprofessionell und stört den Textfluss. Die richtige Schriftgröße hängt vom Medium, dem Leseabstand und der Zielgruppe ab.
Erklärung
Maßeinheiten im Überblick:
- Punkt (pt): Die klassische Einheit im Druck. 1 pt = 0,353 mm. Fließtext in Büchern hat typischerweise 9–11 pt, Überschriften 14–36 pt.
- Pixel (px): Fixe Einheit am Bildschirm. Für Fließtext im Web sind 16 px (entspricht etwa 12 pt) ein verbreiteter Standard.
- em: Relative Einheit; 1 em entspricht der aktuellen Schriftgröße des Elements. Praktisch für skalierbare Layouts.
- rem: Wie em, aber relativ zur Basisschriftgröße des Root-Elements (html). Empfohlen für barrierefreie Webseiten.
Empfohlene Richtwerte für Fließtext:
- Print (Buch, Magazin): 9–11 pt, optimal 10–10,5 pt
- Broschüre/Flyer: 8–11 pt
- Webseite: 16–18 px (ca. 12–13,5 pt)
- Mobile: 16–20 px
- Präsentationen: 24–36 pt für Fließtext, 40–80 pt für Hauptüberschriften
Schriftgrößen und Hierarchie: Die Schriftgröße ist ein wesentliches Mittel zur Erzeugung von typografischer Hierarchie. Durch gezielte Abstufungen – Überschrift, Zwischenüberschrift, Fließtext, Caption – wird dem Leser sofort kommuniziert, was wichtig ist und was Zusatzinformation darstellt.
Optische Größe: Technisch identische Schriftgrößen erscheinen je nach Schriftart unterschiedlich groß, da die x-Höhe (Höhe der Kleinbuchstaben wie „x" oder „a") variiert. Eine Schrift mit hoher x-Höhe wirkt optisch größer als eine mit niedriger x-Höhe, obwohl beide denselben Punktwert haben. Beim Kombinieren von Schriften ist dies zu berücksichtigen.
Kegelgröße: Der Begriff stammt aus der Bleisatzzeit: Der „Kegel" war der Metallblock, auf dem der Buchstabe gegossen war. Die Kegelgröße umfasst also auch die Ober- und Unterlängen sowie einen kleinen Abstand oben und unten. Deshalb erscheinen Buchstaben etwas kleiner als der angegebene Punktwert vermuten lässt.
Beispiele
- Buch-Fließtext (10,5 pt, Times New Roman): Klassische Buchgröße; angenehm lesbar bei normalem Leseabstand (30–40 cm), guter Kompromiss zwischen Seitenökonomie und Komfort.
- Website-Fließtext (18 px, Inter Regular): Großzügige Fließtextgröße für moderne Webseiten; reduziert Lesestress besonders auf Mobilgeräten.
- Schaufenster-Beschriftung (72 pt oder mehr, Helvetica Bold): Sehr große Schrift für weite Leseabstände; Kontrast und Fettdruck kompensieren die schlechtere Erkennbarkeit aus der Distanz.
- Bildunterschriften (7–8 pt, Myriad Pro Regular): Kleiner als der Fließtext; zeigt, dass es sich um ergänzende Information handelt; muss aber noch gut lesbar sein.
- Mobile App-Schrift (16–20 px, San Francisco/Roboto): Apple und Google empfehlen Mindestgrößen für Touch-Interfaces; 16 px ist die barrierefreie Untergrenze.
In der Praxis
In InDesign lässt sich die Schriftgröße im Zeichen-Bedienfeld (Strg+T / Cmd+T) anpassen. Für einheitliche Hierarchien empfiehlt sich die Verwendung von Absatzformaten. In Figma setzt man Schriftgrößen in der rechten Seitenleiste; gemeinsam mit Text Styles lassen sich Größen systemweit konsistent halten. Beim Erstellen von Web-CSS empfiehlt sich, die Basisgröße im html-Element auf 100 % (16 px) zu belassen und alle weiteren Größen mit rem anzugeben.
Vergleich & Abgrenzung
Schriftgröße ist nicht dasselbe wie Laufweite oder Zeilenabstand – beide beeinflussen die Lesbarkeit ebenfalls, agieren aber auf anderen Ebenen. Die Schriftgröße gibt die Größe des einzelnen Zeichens an; der Zeilenabstand (Leading) regelt den Abstand zwischen den Zeilen.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist die Mindestschriftgröße für Barrierefreiheit? WCAG 2.1 (Web Content Accessibility Guidelines) gibt keine exakte Mindestgröße vor, empfiehlt aber 16 px als praktischen Richtwert für Fließtext. Für Texte, die vergrößert werden müssen (z. B. rechtliche Hinweise), sollte mindestens 12 px verwendet werden. Im Print gelten für barrierefreie Dokumente 12 pt als Minimum.
Warum sieht 12 pt in Word anders aus als 12 pt in InDesign? Die Maßeinheit Punkt ist dieselbe, aber die Rendering-Engines und Screenfonts unterscheiden sich. Zusätzlich ist die x-Höhe der Standardschriften unterschiedlich (Times New Roman hat eine niedrigere x-Höhe als Calibri). Wer Dokumente zwischen Programmen transferiert, sollte immer eine optische Prüfung machen.
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Weiterführend
- Forssman, F. & de Jong, R. (2002): Detailtypografie. Verlag Hermann Schmidt.
- Müller-Brockmann, J. (1996): Rastersysteme für die visuelle Gestaltung. Niggli Verlag.
- W3C (2018): Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1. w3.org/TR/WCAG21.
