Honorarkalkulation ist die systematische Berechnung des Stunden- oder Tagessatzes, der alle Kosten – Lebenshaltung, Betriebsausgaben, Steuern, Sozialabgaben und Gewinnpuffer – abdeckt und eine wirtschaftlich tragfähige Selbstständigkeit ermöglicht.

Rubrik: Recht & Wirtschaft · Unterrubrik: Steuer & Wirtschaft · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Stundensatzberechnung, Preiskalkulation, Kostenrechnung Freelancer

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Steuer- oder Finanzberatung dar. Individuelle Kalkulationen sollten mit einem Steuerberater abgestimmt werden.

Warum ist Honorarkalkulation wichtig?

Viele Kreative setzen ihren Preis nach Gefühl, nach dem, was Konkurrenten verlangen, oder was der Auftraggeber bereit zu zahlen scheint. Das führt häufig dazu, dass Honorare zu niedrig angesetzt werden – mit fatalen Folgen: zu geringes Einkommen, keine Altersvorsorge, keine Rücklagen für Krankheit und Pausen.

Die Honorarkalkulation stellt sicher, dass ein Preis alle realen Kosten deckt und die Selbstständigkeit langfristig wirtschaftlich tragfähig ist. Sie ist die Grundlage für jedes professionelle Angebot.


Erklärung

Die Kalkulationsbestandteile

Ein Stundensatz muss folgende Kostenpositionen abdecken:

1. Lebenshaltungskosten (netto/Monat) Was braucht man zum Leben? Miete, Essen, Kleidung, Transport, Freizeit, Urlaub. Alles ehrlich aufaddieren.

Beispiel: 2.500 Euro/Monat = 30.000 Euro/Jahr

2. Betriebskosten (Overhead) Was kostet die Selbstständigkeit?

  • Büro oder Homeoffice-Anteil
  • Hard- und Software (Camera, Computer, Adobe CC etc.)
  • Buchhaltungssoftware und Steuerberater
  • Berufshaftpflichtversicherung
  • Weiterbildung, Fachliteratur, Konferenzen
  • Marketing (Website, Portfolio, Visitenkarten)
  • Berufsverbandsmitgliedschaften
  • Telefon und Internet (betrieblicher Anteil)

Typisch: 5.000–15.000 Euro/Jahr je nach Branche

3. Altersvorsorge Selbstständige müssen selbst für die Rente vorsorgen. KSK-Mitglieder zahlen 50 % der Rentenversicherungsbeiträge. Zusätzlich private Altersvorsorge empfohlen.

Faustregel: 15–20 % des Einkommens als Altersvorsorge einplanen.

4. Kranken- und Pflegeversicherung KSK-Mitglieder zahlen die Hälfte der GKV-Beiträge. Ohne KSK: volle Beiträge selbst tragen (GKV-Mindestbeitrag ca. 200–400 Euro/Monat).

5. Steuerlast Einkommensteuer und ggf. Umsatzsteuer (die USt ist kein Einkommen, aber die Nettobeträge sind entscheidend). Grob: 20–35 % des Gewinns für Steuern einplanen.

6. Gewinnpuffer / Sicherheitspuffer Für Ausfälle, schlechte Monate, Investitionen und unvorhergesehene Kosten. Mindestens 10–15 % des Gesamtbedarfs.

Tatsächlich fakturierbare Stunden

Der häufigste Fehler: zu viele fakturierbare Stunden einplanen. Ein Jahr hat 365 Tage, aber:

  • 52 Wochenenden = 104 Tage frei
  • Urlaub: 25 Tage
  • Feiertage: ca. 12 Tage
  • Krankheitstage: ca. 10 Tage
  • Verbleibende Arbeitstage: ca. 214 Tage

Davon sind nicht alle fakturierbar. Viele Stunden fließen in:

  • Akquise und Angebotserstellung
  • Buchhaltung und Verwaltung
  • Netzwerkpflege und Marketing
  • Weiterbildung
  • Kundenkommunikation

Realistisch fakturierbare Zeit: 60–70 % der Arbeitszeit, also ca. 128–150 Tage pro Jahr.

Bei 8 Stunden pro Tag: ca. 1.000–1.200 Stunden/Jahr als fakturierbares Kontingent.

Stundensatz berechnen

Formel: `` Jahresbedarf (Lebenshaltung + Betrieb + Vorsorge + Steuerpuffer + Gewinnpuffer) ───────────────────────────────────────────────────────────────────────────────── Fakturierbare Jahresstunden = Netto-Stundensatz ``

Beispielrechnung:

  • Lebenshaltungskosten: 30.000 €/Jahr
  • Betriebskosten: 10.000 €/Jahr
  • Altersvorsorge und Krankenkasse: 8.000 €/Jahr
  • Steuerpuffer (30 %): 14.400 €
  • Gewinnpuffer (10 %): 6.200 €
  • Gesamtbedarf: ca. 68.600 €/Jahr
  • Fakturierbare Stunden: 1.200
  • Stundensatz: ca. 57 €/Stunde

Das ist ein Mindeststundensatz – keine Zahl, die man nach unten verhandeln sollte.

AGD-Honorarempfehlungen

Die Allianz deutscher Designer (AGD) gibt seit Jahrzehnten Honorarempfehlungen für Gestaltungsleistungen heraus. Diese basieren auf Markterhebungen und gelten als Branchenstandard:

  • Junior Designer: ab 60–80 €/Stunde
  • Designer mit Erfahrung: 80–120 €/Stunde
  • Senior Designer / Art Director: 120–180 €/Stunde

Diese Sätze beinhalten noch keine Nutzungsrechteaufschläge und gelten für die Designarbeit selbst.

Projektkalkulation vs. Stundensatz

Stundensatz-Abrechnung: Transparent, einfach, bevorzugt bei Research, Konzeption und Beratung. Nachteil: Auftraggeber sehen jeden Stundenblock und können Zeitaufwand in Frage stellen.

Projektkalkulation (Festpreis): Pauschalpreis für definiertes Projekt. Kreativer trägt das Risiko bei Mehraufwand, hat aber auch die Chance auf Effizienzgewinne. Setzt gutes Abschätzen von Projektaufwänden voraus.

Value Pricing: Preis wird nicht nach Aufwand, sondern nach dem Wert für den Auftraggeber bemessen. Ein Logo für ein börsennotiertes Unternehmen hat einen anderen Wert als das gleiche Logo für einen lokalen Handwerksbetrieb. Value Pricing erfordert Verhandlungsstärke und Erfahrung.


Beispiele

  1. Berufseinsteigerin: Grafikdesignerin Mia beginnt ihre Selbstständigkeit. Sie berechnet ihren Bedarf (24.000 € Lebenshaltung + 6.000 € Betrieb + 5.000 € Vorsorge + Steuerpuffer) und kommt auf 50 €/Stunde Mindeststundensatz. Sie verlangt 65 € – etwas über dem Minimum als Puffer.
  2. Unterschätzung des Aufwands: Fotograf Max kalkuliert einen Tagessatz von 600 Euro. Darin hat er aber vergessen, dass er 2–3 Stunden Nachbearbeitung pro Shooting-Tag hat – also effektiv 8 Stunden Arbeit für einen 4-Stunden-Shooting-Tag. Realistischer wären 900–1.000 Euro/Tag.
  3. Nutzungsrechte vergessen: Designerin Lea berechnet 500 Euro für ein Logo, vergisst aber den Nutzungsrechteaufschlag. Eigentlich müsste das Logo mit Buy-out 1.500–2.000 Euro kosten. Sie arbeitet für ein Drittel des angemessenen Honorars.
  4. Value Pricing: Werbetexter Tom schreibt eine Landingpage für ein Startup. Normalerweise würde er 800 Euro berechnen. Aber das Startup hat 2 Millionen Fördergelder erhalten und erwartet durch die Seite signifikante Conversions. Tom verlangt 2.500 Euro – und erklärt den Mehrwert überzeugend.
  5. Festpreis-Kalkulation: Für ein Corporate-Design-Projekt schätzt Designerin Sandra 40 Stunden Aufwand. Bei 90 €/Stunde ergibt das 3.600 Euro. Sie gibt den Festpreis mit 4.200 Euro an – als Puffer für ungeplante Korrekturen.

In der Praxis

Kalkulations-Checkliste:

  • Alle Lebenshaltungskosten ehrlich aufgelistet?
  • Betriebskosten vollständig?
  • Altersvorsorge und Krankenversicherung berücksichtigt?
  • Steuerbelastung (30–35 %) eingerechnet?
  • Nur realistische fakturierbare Stunden angesetzt (60–70 % der Arbeitszeit)?
  • Nutzungsrechteaufschlag bei Designleistungen berechnet?

Tipp: Den Stundensatz jährlich neu berechnen – Kosten steigen, Erfahrungswert steigt.


Vergleich & Abgrenzung

Stundensatz vs. Tagessatz vs. Projektpreis:

ModellVorteilNachteil
StundensatzTransparenz, Sicherheit bei unklarem ScopeStändige Zeiterfassung, Auftraggeber-Skepsis
TagessatzPlanbar, für Beratung/Shooting gutWenig Flexibilität
ProjektpreisEffizienzgewinn möglich, klar für AuftraggeberMehrkostenrisiko bei Scope Creep

Häufige Fragen (FAQ)

Wie viel sollte ich als Berufseinsteiger verlangen? Der Markt variiert stark nach Branche, Region und Spezialisierung. Als Orientierung: Einsteiger im Grafikdesign liegen meist bei 50–70 Euro/Stunde, erfahrene Designer bei 90–150 Euro. Immer den eigenen Mindeststundensatz berechnen – und nie darunter gehen.

Kann ich meinen Stundensatz später erhöhen? Ja, und das sollte regelmäßig passieren – mindestens zum Jahresanfang oder nach signifikantem Kompetenzgewinn. Eine gut kommunizierte Preiserhöhung wird von professionellen Auftraggebern respektiert.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • AGD (Allianz deutscher Designer) – Honorarempfehlungen: agd.de
  • Freelancer-Honorarrechner: diverse kostenlose Tools online
  • Haufe – Praxisguide Stundensatz berechnen: haufe.de
  • Karo, Karin: Selbstständig als Designer – Honorar, Vertrag, Recht, Hermann Schmidt Verlag, 2020
  • Bundesverband der Deutschen Kommunikationsdesigner (BDG): bdg.de
Verwandte Einträge
Preisgestaltung DesignFreelancer-SteuernNutzungsrechte-Vertrag
← Zurück zu Recht & Wirtschaft
Infotag · 13. Mai · 15:00 Uhr · Vor Ort

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, Snacks, kein Sales-Pitch
  • Auch online möglich

Platz beim Infotag reservieren

Dauert 30 Sekunden. Bestätigung per E-Mail.
100 % kostenlos · keine Verpflichtung · jederzeit absagbar