Preisgestaltung für Designleistungen umfasst die strategische Festsetzung von Honoraren unter Berücksichtigung von Erfahrung, Marktlage, Projektaufwand, Nutzungsrechteumfang und Kundennutzen – keine Willkür, sondern kalkulierte Profession.

Rubrik: Recht & Wirtschaft · Unterrubrik: Steuer & Wirtschaft · Niveau: Einsteiger Synonyme / Auch bekannt als: Honorarpolitik, Pricing, Preisfindung, Vergütungsstrategie

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Unternehmensberatung. Im Einzelfall kann ein Unternehmensberater oder Branchenverband weiterhelfen.

Was ist Preisgestaltung?

Preisgestaltung ist die Kunst, den richtigen Preis für kreative Leistungen zu finden und zu kommunizieren. Zu hohe Preise schrecken Auftraggeber ab; zu niedrige Preise führen zur Selbstausbeutung, zur Entwertung der Branche und machen die Selbstständigkeit langfristig unrentabel.

Professionelle Preisgestaltung beinhaltet:

  • Eine solide Kostenkalkulation als Boden
  • Kenntnis der Marktsituation und Wettbewerber
  • Berücksichtigung des Kundennutzens
  • Klare Kommunikation des Preises und seiner Begründung

Erklärung

AGD-Tarifordnung als Orientierung

Die Allianz deutscher Designer (AGD) gibt seit Jahrzehnten die AGD-Honorarempfehlungen heraus – ein Dokument, das auf Marktbefragungen basiert und als Orientierungsrahmen für Designhonorare gilt.

Die AGD unterscheidet nach:

  • Erfahrungsstufen (Junior, Designer, Senior, Art Director, Creative Director)
  • Leistungsart (Konzept, Entwurf, Reinzeichnung, Beratung)
  • Projektgröße (Klein-, Mittel-, Großprojekt)

Wichtig: Die AGD-Empfehlungen sind keine Preisvorschriften, sondern Orientierungswerte. Sie können nach oben und unten abweichen – aber sie geben Argumentationshilfe im Preisgespräch.

Ähnliche Empfehlungen geben heraus:

  • BFF (Berufsverband Fotografen und Film): Fotohonorar-Empfehlungen
  • Verband Freischaffender Foto-Designer (VFF): Honorarempfehlungen Fotografie
  • Bundesverband der Deutschen Kommunikationsdesigner (BDG): Designhonorare

Faktoren für die Preissetzung

1. Eigene Erfahrung und Spezialisierung Wer langjährige Erfahrung, ein starkes Portfolio und eine Spezialisierung mitbringt, kann und sollte mehr verlangen. Expertise hat einen messbaren Wert für den Auftraggeber.

2. Markt und Region Designhonorare variieren stark nach Region: In München und Hamburg liegen sie höher als in strukturschwächeren Gebieten. Internationaler Markt (z.B. US-amerikanische Auftraggeber) hat andere Preisniveaus.

3. Projektaufwand Wie viel Zeit und Kreativleistung steckt im Projekt? Detaillierte Briefings und klare Anforderungen ermöglichen präzisere Kalkulationen.

4. Nutzungsumfang und Exklusivität Das Nutzungsrecht ist Teil der Preiskalkulation. Ein Logo für ein kleines lokales Unternehmen (lokale Print-Nutzung) hat einen anderen Wert als dasselbe Logo für einen multinationalen Konzern (weltweiter Buy-out).

5. Dringlichkeit und Lieferfrist Eilaufträge werden mit einem Aufschlag (Rush Fee) berechnet: üblich 25–50 % auf das reguläre Honorar.

6. Auftraggeber-Profil Großunternehmen und Konzerne zahlen höhere Honorare als Start-ups oder Non-Profit-Organisationen – und das ist legitim. Value Pricing orientiert sich am Wert für den Kunden.

Häufige Fehler bei der Preissetzung

1. Zu günstig anfangen und nie erhöhen Der Einstiegspreis setzt eine Erwartung. Wer zu günstig startet, hat es schwer, den Preis signifikant zu erhöhen – besonders bei Bestandskunden.

2. Nutzungsrechteaufschlag vergessen Viele Designer berechnen nur ihre Arbeitszeit und vergessen, dass der Nutzungsrechteumfang einen eigenständigen Wert hat. Ein Bild, das weltweit auf Werbeplakaten erscheint, ist weit mehr wert als dasselbe Bild in einer lokalen Broschüre.

3. Korrekturrunden nicht begrenzen Unbegrenzte Korrekturschleifen fressen die kalkulierte Zeit auf. Immer eine Anzahl von Korrekturrunden festlegen (z.B. 2 inklusive) und zusätzliche Runden separat berechnen.

4. Scope Creep nicht in Rechnung stellen „Können Sie noch schnell...?" – ohne extra Honorar. Nachträgliche Erweiterungen des Projektumfangs (Scope Creep) müssen immer kommuniziert und zusätzlich abgerechnet werden.

5. Keine Anzahlung verlangen Ohne Anzahlung trägt der Kreative das volle Ausfallrisiko. Standard: 30 % bei Auftragserteilung.

Paketpreise vs. Einzelpreise

Paketpreise (Pakete mit definierten Leistungsumfängen) eignen sich für:

  • Standardisierbare Produkte (Logopaket, Visitenkarten-Paket, Social-Media-Setup)
  • Onboarding neuer Auftraggeber mit klaren Erwartungen
  • E-Commerce und Online-Buchungen

Einzelpreise (aufwandsbasierte Abrechnung) eignen sich für:

  • Individuelle Projekte mit unklarem Scope
  • Beratungsleistungen
  • Komplexe, mehrstufige Kampagnen

Tipp: Eine Kombination aus Paketpreis (für definierte Grundleistung) plus Stundensatz für Erweiterungen bietet Klarheit und Flexibilität.

Preisgespräche führen

Das Preisgespräch ist für viele Kreative unangenehm – aber es ist lernbar.

Wichtige Grundsätze:

  • Den Preis selbstbewusst nennen – keine Entschuldigungen, keine Abschwächungen
  • Den Preis begründen (Expertise, Aufwand, Nutzungsrechte), aber nicht rechtfertigen
  • Auf Preisdruck gelassen reagieren: „Das ist mein Preis für dieses Projekt."
  • Bei Rabattwünschen: Leistungsumfang reduzieren statt Preis senken
  • Schriftlich fixieren (Angebot)

Preiserhöhungen kommunizieren:

  • Ankündigung vor dem nächsten Projekt (nicht nach bereits vereinbartem Auftrag)
  • Begründung: gestiegene Kosten, mehr Erfahrung, Marktanpassung
  • Loyal-Aufschlag: Bestandskunden ggf. eine Übergangslösung anbieten

Beispiele

  1. Logo-Preisgestaltung: Designer Tom kalkuliert für ein Corporate-Design-Projekt 35 Arbeitsstunden à 90 Euro = 3.150 Euro. Hinzu kommt ein Nutzungsrechteaufschlag (nationale Print-Nutzung, 5 Jahre): +1.200 Euro. Gesamtangebot: 4.350 Euro netto.
  2. Rush Fee: Fotografin Anna bekommt am Freitagnachmittag eine Anfrage für ein Montags-Shooting. Sie berechnet ihre reguläre Tagespauschale (800 Euro) plus 40 % Rush Fee = 1.120 Euro.
  3. Scope Creep: Texter Lars schreibt für eine Website-Überarbeitung. Nach Ablieferung kommt die Anfrage: „Können Sie noch 5 Social-Media-Posts schreiben?" Lars antwortet: „Gerne, das sind zusätzliche 250 Euro netto." – Klar und professionell.
  4. Nutzungsrechteaufschlag richtig kommunizieren: Designerin Mia erklärt im Preisgespräch: „Das Designhonorar beträgt 2.000 Euro. Da Sie das Bild zusätzlich für internationale Werbekampagnen nutzen möchten, kommt ein Nutzungsrechteaufschlag von 800 Euro hinzu." Auftraggeber versteht und akzeptiert.
  5. Paketpreis Social Media: Kreativagentur Eva bietet ein monatliches Social-Media-Paket an: 8 Posts (Bild + Text), Redaktionsplan, Story-Grafiken – 1.200 Euro/Monat. Klar definiert, gut vergleichbar.

In der Praxis

Preiskalkulations-Schritte:

  1. Stundensatz berechnen (Honorarkalkulation)
  2. Aufwand schätzen (Stunden × Stundensatz)
  3. Nutzungsrechteaufschlag bestimmen
  4. Eventuelle Rush Fee oder Sonderleistungen addieren
  5. Korrekturrunden und Auslagen definieren
  6. Angebot schriftlich formulieren und Gültigkeitsdauer festlegen

Vergleich & Abgrenzung

Cost-Plus-Pricing vs. Value Pricing:

AnsatzGrundlageVorteilNachteil
Cost-PlusEigene Kosten + MargeSicher, nachvollziehbarIgnoriert Kundennutzen
Value PricingNutzen für den AuftraggeberHöhere Marge möglichErfordert Marktverständnis
MarktpreisWas der Markt zahltWettbewerbsorientiertKann zu Unterbewertung führen

Häufige Fragen (FAQ)

Was tun, wenn ein Auftraggeber meinen Preis für zu hoch hält? Ruhig bleiben und nachfragen: Was ist sein Budget? Dann entscheiden: Kann ich für das Budget die gewünschte Leistung erbringen (mit reduziertem Scope)? Oder ist der Auftraggeber nicht die richtige Zielgruppe? Grundsatz: Nie unter dem kalkulierten Mindeststundensatz arbeiten.

Darf ich als Freelancer nach AGD-Empfehlungen abrechnen, auch wenn ich kein AGD-Mitglied bin? Ja. Die AGD-Empfehlungen sind öffentlich zugänglich und dienen der Branchenorientierung. Sie können von jedem Kreativen als Referenz genutzt werden, unabhängig von der Verbandszugehörigkeit.


Verwandte Einträge


Weiterführend

  • AGD – Honorarempfehlungen für Designleistungen: agd.de
  • BFF – Honorarempfehlungen Fotografie: bff.de
  • Bundesverband der Deutschen Kommunikationsdesigner (BDG): bdg.de
  • Busse, Tanja / Storch, Sabine: Der AGD-Guide für Kommunikationsdesigner, Stiebner Verlag
  • Fischer, Andrea: Pricing für Kreative – Was bin ich wert?, Redline Verlag, 2021
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