Abschrift des Video-Interviews, sprachlich geglättet. Die Fragen sind im Video nicht zu hören und hier aus dem Zusammenhang ergänzt.
Wer bist du und was unterrichtest du?
Hallo, mein Name ist Benc Orpak. Ich bin freischaffender Dozent hier an der Lazi Akademie und auch an anderen Schulen und arbeite außerdem als Freelancer im Bereich 3D-Animation und Computergrafik. Mein Fach nennt sich CGI, ich sage mal Grundlagen. Da geht es darum, dass Fotograf/innen lernen, mit dem Medium 3D umzugehen, aber auch der Filmbereich, das Grafikdesign und so weiter. Ich versuche immer, den Unterricht so offen zu gestalten, dass ich alle mitnehmen kann.
Ich mache viel 3D, viel in der Werbung, das heißt klassische Animation, manchmal VFX, Motion Graphics, solche Geschichten. Auch interaktive Sachen sind immer wieder mit dabei. Das Gute ist, dass das recht breit gefächert ist. Man kann es in vielen Bereichen nutzen.
Wie bist du zum 3D gekommen?
Das ist eine gute Frage. Tatsächlich bin ich in die 3D-Branche reingerutscht, obwohl ich es gar nicht richtig wollte. Es kam aus der Not heraus. Von 1991 bis ungefähr 1998 habe ich 2D-Grafik gemacht, also Pixel Art am Computer und so weiter, und war in der Demoszene recht aktiv. Während meines Studiums hatte ich dann die Gelegenheit, ein Praktikum zu machen, und dort haben sie gesagt: „Schön und gut, dass du Pixelgrafik machen kannst, aber das ist tot. Die Zukunft ist 3D, du musst 3D lernen.“ Dann haben sie mir einen Stapel VFX-Tutorial-Kassetten in die Hand gedrückt: „Hier sind ganz viele Tutorials über Lightwave.“ Ich habe mir das angeschaut und fand es tatsächlich ganz interessant, weil es die Technik und das Kreative zusammenbringt. Es ist technisch etwas komplexer als nur Photoshop oder Illustration, aber es ist auch nicht nur Hardcore-Technik, man kann trotzdem seine künstlerische Ader ausleben. 1998 habe ich zum ersten Mal mit 3D-Grafik angefangen, habe Blut geleckt, und seitdem mache ich das. Ich bin nicht mehr davon weggekommen.
Wie bist du an die Lazi gekommen?
Ich kannte die Lazi Akademie schon. Interessanterweise wollte ich auch hier als Dozent arbeiten, habe mich dann aber doch nicht beworben. Dann hat mich ein Bekannter angesprochen und gesagt: „Pass auf, ich bin Dozent, aber ich höre jetzt auf. Hättest du nicht Lust, meine Position zu übernehmen?“ So bin ich da reingerutscht, und jetzt sind es auch schon ein paar Jährchen.
Warum unterrichtest du?
Was ich schön finde: Ich bin von Natur aus ein Mensch, der sein Know-how gern weitergibt. Ich bin nicht so ein Gatekeeper, wie es so schön heißt. Ich war schon immer so, dass ich den Leuten meine Tricks und Erfahrungen weitergegeben habe. Das geht natürlich auch ein bisschen Hand in Hand mit dem Alter: Man neigt dann mehr dazu, Geschichten und Erfahrungen zu erzählen und wie man etwas macht. Mir gefällt das, und es macht auch Spaß, mit jungen Leuten zu arbeiten. Das finde ich eine super Sache. Ich mache es wirklich gern, muss ich sagen.
Was macht die Lazi besonders?
Was hier natürlich schön ist: Man kann sich voll und ganz auf die Ausbildung konzentrieren. Wenn die Studierenden in diesen Alltag eintauchen, denken sie anfangs noch, das ist eine ganz normale Schule. Das ist aber nicht der Fall. Es ist sehr projektbezogen, hands-on, mit sehr viel aktiver Arbeit. Man muss auch sehr viel Eigeninitiative mitbringen. Man darf also nicht erwarten, dass man eine Liste von Aufgaben bekommt, A, B, C, D abarbeitet und dann fertig ist. So ist es nicht. Ich versuche immer, die Studierenden dazu zu animieren, dass sie lernen, kreativ zu denken. Da muss man sie ein bisschen an der Hand führen, weil sie das am Anfang nicht kennen. Sie kennen eher: Aufgabe A, B, C abarbeiten, und dann ist die Sache gegessen. Aber wenn man ihnen das einmal vermittelt hat, merken sie immer mehr, wie sie sich ausdrücken können.
Es ist ja nicht so extrem voll wie an einer klassischen Hochschule. Es sind relativ wenige Studierende, und deswegen ist die Kommunikation zwischen Dozent/innen und Studierenden und auch unter den Studierenden viel intensiver. Das ist eigentlich ganz gut, denn dadurch ist der Wissenstransfer viel größer.
Was lernt man bei dir?
Man muss differenzieren. Es gibt die Grundlagen, und tatsächlich kann man die Grundlagen eigentlich auch auf YouTube lernen. So habe ich es immer gesehen. Interessant wird es, wenn man spezialisierte Sachen wissen möchte. Zu den Grundlagen gibt es viele Tutorials, aber wenn es in die Tiefe geht, mit Rigging oder organischem Sculpting, werden die Videos weniger. Da ist es natürlich ganz praktisch, wenn man jemanden hat, der weiß, worum es geht. Wenn die Studierenden ihre Projekte haben und hands-on arbeiten, funktionieren bestimmte Dinge nicht. Dann kommen sie und sagen: „Guck mal, ich wollte das und das machen, aber es hat nicht funktioniert. Warum funktioniert es nicht?“ Dann setze ich mich hin und sage: „Okay, du musst auf das achten oder jenes so behandeln.“ Also ganz praktisch.
Warum machst du 3D so gerne?
Wenn du mich direkt fragst, würde ich sagen: weil es super viel Spaß macht. Das ist der erste Grund, und das ist auch der Grund, warum ich es nach ungefähr 25 Jahren immer noch gern mache. Ich setze mich gern hin und erschaffe Welten. Es ist ein Medium, das für mich, man könnte beinahe sagen, vollkommen ist, weil es eine komplette Freiheit hat. Du kannst dort alles gestalten.
Es ist natürlich auch so, dass die Nachfrage nach 3D steigt. Früher hat man 3D in der Filmbranche, also im Bewegtbild, und in der Computerspielbranche benutzt. Jetzt gibt es mittlerweile VR, Websites werden immer 3D-lastiger, es gibt WebGL. Auch der Bereich Industrie ist viel größer geworden. Als ich angefangen habe, gab es in der Industrie kein 3D. Die Autos von Daimler und BMW wurden zum Beispiel alle physisch fotografiert. Jetzt wird ja alles in 3D „fotografiert“. Das hat sich also immer mehr verbreitet.
Die einzige Variable in der Gleichung, die noch undefiniert ist, ist natürlich das Thema KI. Sie beeinflusst auch die 3D-Branche, vielleicht nicht so stark wie das reine Bild, also Konzeptdesign und so weiter, aber ich gehe davon aus, dass sie uns langfristig die Arbeit erleichtern wird. Potenzial sehe ich zum Beispiel in der Kombination mit 3D: Du gestaltest dein Bild, zeichnest es oder gestaltest es in 3D, definierst eine Kamerafahrt, und den Renderprozess übernimmt eine KI. Das wäre ideal, weil man das skalieren und beschleunigen kann. Niemand will ja eine riesige Renderfarm daheim haben. Das ist immer ein bisschen schwierig.
Was bedeutet CGI?
CGI ist die Abkürzung für Computer Generated Images, und das bedeutet Bilder, die vom Computer erstellt worden sind. Streng genommen gehört dazu zum Beispiel schon das Bild, das du auf deinem Monitor siehst, sobald du ein Computerspiel spielst: Es ist ein vom Computer erschaffenes Bild. Dann natürlich die ganzen Special Effects und so weiter, das ist alles computergeneriert, wobei das zum Teil auch gemischt wird. Man hat klassische Filmaufnahmen und mischt sie mit CGI. Aber im Großen und Ganzen kann man sagen: CGI ist einfach der Begriff für computererstellte Bilder.
Was ist VFX?
3D-Modeling, Animation, das alles ist eigentlich eine Teilmenge von VFX. Es gibt verschiedene Phasen in VFX. Man muss erst einmal unterscheiden, ob es nur ein Compositing-VFX-Job ist oder einer mit 3D-Elementen. Wenn es mit 3D ist, gibt es die Modeling-Phase, dann die Shading- und Texturing-Phase, eventuell Rigging, wenn es nötig ist, und dann hat man das Asset. Das Asset nutzt man, um die VFX-Shots abzuarbeiten. Man leuchtet aus, setzt die Kamera, und dann gibt es immer wieder Elemente wie Kamera-Tracking, wenn man etwas in ein reales Bild einfügen möchte. Da gibt es also verschiedene Begrifflichkeiten und Phasen in der Produktion, aber VFX ist sozusagen der Überbegriff: Visual Effects heißt es.
Früher hieß es SFX, also Special Effects. Alles, was man nicht real umsetzen konnte, wurde Special Effects genannt. Dazu gehörten aber auch Explosionen, Raucheffekte und so weiter. Irgendwann hat man differenziert und gesagt: VFX ist eher die Computergrafik, und Special Effects ist es, wenn es Explosionen gibt oder physische Effekte mit drin sind.
Welche Software lernt man bei dir?
Es gibt mittlerweile Blender, es gibt Maya und 3ds Max von Autodesk, dann Cinema 4D von Maxon, das ist eine deutsche Firma, und dann noch Houdini von SideFX. Hier im Unterricht lernen wir Blender, und der Grund ist, dass es Open Source ist. Das heißt, jeder kann es sich herunterladen. Es ist gut zum Lernen, die Lernkurve ist sehr steil, und es gibt unglaublich viele Tutorials auf YouTube und Co. Wenn man also schnell 3D lernen möchte, wobei „schnell“ jetzt auch wieder in Anführungszeichen steht, ist Blender eigentlich super.
Wenn man sich die Industrie anschaut, also die Visual-Effects-Industrie, ist Maya tatsächlich der Platzhirsch. Aber nicht, weil es das bessere Tool ist, sondern weil sie einfach einer der Ersten waren und die großen Studios immer noch viel mit Maya arbeiten. Das ändert sich ein bisschen, aber sehr, sehr langsam. ILM zum Beispiel ist mittlerweile nicht mehr so auf Maya fokussiert, sondern hat verschiedene Units, und da kann jede selbst ihre Werkzeuge benutzen. Es gibt aber auch andere Firmen, Weta zum Beispiel, die immer noch nur Maya verwenden. Seit 2000, seit „Der Herr der Ringe“ Teil 1, sind sie mit Maya gegangen und arbeiten immer noch nur damit. Ganz selten wird mal etwas anderes benutzt. Wenn es darum geht, Effekte zu machen, also Wasser, Rauch und spezielle digitale Effekte, ist Houdini ganz gut. Und Cinema 4D wird hauptsächlich für Motion Graphics im Agenturleben benutzt.
Wie verändert KI die 3D-Branche?
Das ist eine schwierige Frage. Es gibt bestimmte Jobs, zum Beispiel Rotoskopieren, die durch KI tatsächlich komplett verschwinden werden. Da gibt es schon, ich sage mal, semiprofessionelle Tools auf dem Markt. Diese Sachen werden mit der Zeit verschwinden, weil die KI das einfach schneller, besser und günstiger macht.
Wenn man sich die KI-Modelle anschaut, die 3D-Geometrien generieren, ist auch das 3D selbst noch nicht ganz so weit. Von Hand gemachte Sachen sind da schon besser. Das größte Problem bei KI ist das iterative Arbeiten, das funktioniert nicht so gut. Iterativ heißt: Der Kunde kommt und sagt: „Hier habe ich ein Bild, mach mal das Bild.“ Dann machst du das Bild, und er sagt: „Okay, das Fenster ist zu groß, mach es ein bisschen kleiner“, oder: „Der Flügel ist zu lang, mach ihn kürzer“, oder: „Setz da mal eine Turbine dran.“ Sobald es darum geht, solche Interaktion und Feedback einzuarbeiten, kriegt die KI das gerade überhaupt nicht hin. Sie generiert jedes Mal ein neues Bild, und dann ist von mir aus die Turbine drin, aber das Cockpit ist ganz anders. Das ist ein bisschen tricky, das haben sie bis jetzt noch nicht ganz hinbekommen. Ich weiß auch nicht genau, ob das ein technisches Problem ist oder ob die Leute, die die Tools herstellen, einfach nicht verstanden haben, wie Produktion funktioniert.
Was teilweise schon benutzt wird, ist natürlich KI fürs Denoising, also dass der Renderprozess beschleunigt wird. Das ist auch gern gesehen, und da bin ich froh, wenn sie das machen, weil das bei 3D eher ein Klotz am Bein ist, weil alles so langsam ist. Was sich vielleicht auch noch ändern wird: Irgendwann werden Tools entwickelt, bei denen man eine Symbiose hat. Man gibt zum Beispiel einen Anfangs- und einen Endframe ein, schreibt, was dazwischen passieren soll, und das Tool generiert es selbst. Wenn man das ein bisschen besser kontrollieren könnte, könnte das interessant sein.
Wie sich das auf den Markt auswirken wird: Für Creator ist es super. Es wird immer mehr Leute geben, die zu zweit oder zu dritt eine Serie oder einen Film machen können. Das ging früher überhaupt nicht, weil man Hunderte, wenn nicht Tausende von Leuten gebraucht hat. Das wird weniger. Für Creator ist es also interessant. Für Dienstleister, die das einfach als Dienstleistung anbieten möchten, kann es schon sein, dass es sich negativ auswirkt. Aber das ist alles Spekulation.
An welchen Projekten hast du gearbeitet?
Was für mich außerdem schön war: Ich habe an Biene Maja gearbeitet. Das war wegen meiner Kids interessant, die zu dem Zeitpunkt zwischen einem und vier Jahre alt waren. Ich konnte mit ihnen zur Premiere gehen, mit meiner Tochter bin ich hingegangen. Das ist echt toll, wenn sie das mit ganz großen Augen sehen: „Mein Papa hat daran gearbeitet.“ Solche Sachen sind ganz cool.
Wobei ich sagen muss: Das Projekt, das für mich persönlich jetzt am wichtigsten ist, ist, dass ich einen Buchverlag gegründet habe, einen Fantasy-Buchverlag. Am Ende des Jahres kommt dort mein Fantasy-Roman raus, und das hat für mich jetzt die höchste Priorität.
Welche Wege gibt es nach der Ausbildung?
Es gibt viele, die sich bewerben, eine Festanstellung bei einer VFX-Firma annehmen und dort ganz normal arbeiten. Es gibt auch Leute, die Freelancer sind. Wenn man eher Richtung Computerspiele geht, gibt es auch viele, die ein Indie-Studio gründen. Gerade hier in Baden-Württemberg gibt es Fördermöglichkeiten von der MFG und so weiter. Da gibt es eigentlich viele Möglichkeiten. Manche gehen auch zu Agenturen und arbeiten dort. Freelancen geht, wie gesagt, auch. Da gibt es also viele Möglichkeiten.
Komisch: Zu meiner Zeit, als ich meinen Abschluss gemacht habe, gab es eigentlich ganz wenige Festanstellungen, alles nur Freelancer. Das hat sich über 15 Jahre komplett geändert. Irgendwann gab es eine Phase, in der nur noch fest eingestellt wurde und Freelancer eher weniger geholt wurden. Das ging eigentlich bis kurz vor der Krise, ich sage mal der Wirtschaftskrise hier. Jetzt merke ich schon immer mehr, dass die Leute nicht mehr so viele Festangestellte suchen, sondern eher Freelancer, weil das für sie praktischer ist. Mich hat das sowieso immer gewundert, denn ich bin ja Freelancer, und Freelancer zu sein ist eigentlich gut. Aber bei mir gab es auch oft Situationen, in denen die Leute gefragt haben: „Schön und gut, aber würdest du dich fest anstellen lassen?“ Nein, eigentlich nicht. Ich habe nie verstanden, warum die Leute unbedingt immer nur Festanstellungen haben wollen. Aber gut, es ist eigentlich ganz gut so.
Man könnte auch nach München gehen, weil die Produktionsbranche dort stärker ist als hier. Hier gibt es ja wirklich vor allem Animation und Visual Effects. Die Filmproduktion sitzt eher in Berlin und München, vielleicht noch in Köln. Aber hier ist eigentlich ein guter Platz, um anzufangen.
Für wen ist 3D das Richtige?
Von Vorteil ist natürlich, wenn du ein künstlerisches Auge hast. Du musst nicht unbedingt super talentiert sein, aber die Basics sind immer ganz gut. Wobei man sagen muss, gerade im 3D-Bereich gibt es auch Bereiche wie den Technical Director, für die du überhaupt kein künstlerisches Können brauchst, weil das sehr technisch und sehr informatiklastig ist. Wenn du aber jemand bist, der gern ein bisschen zeichnet, also ein gewisses Können hat, und dich auch Technik interessiert, dann ist 3D natürlich perfekt, weil es die perfekte Symbiose ist. Leuten, die nur künstlerisch sind, fällt es wieder etwas schwerer. Wobei es auch Leute gibt, die künstlerisch überhaupt nicht begabt sind und trotzdem 3D machen und damit erfolgreich und gut sind. Das eine schließt das andere also nicht aus. Was ich nur gemerkt habe: Wenn du künstlerisch ein bisschen eine Basis hast, fällt es dir leichter, bestimmte Dinge zu machen und zu verstehen.
Die Lazi in drei Worten?
Sehr familiäre Atmosphäre.
