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Abschrift des Video-Interviews, sprachlich geglättet. Die Fragen sind im Video nicht zu hören und hier aus dem Zusammenhang ergänzt.

Wer bist du?

Mein Name ist Bettina Scherrieble. Ich bin hier an der Lazi Akademie für Soft Skills zuständig. Ich habe Grafikdesign gelernt, war dann ein Jahr als Fotoassistentin tätig und habe zwei Jahre in der Filmproduktion mitgearbeitet. Deshalb glaube ich, dass ich mich ganz gut in die einzelnen Gewerke einfühlen kann. Mich hat aber schon immer der Mensch an sich fasziniert, und die Kommunikation. Deshalb habe ich 2010 noch einmal eine zweijährige Ausbildung in Stuttgart gemacht und war dann als systemischer Business Coach unterwegs.

Wie bist du zur Lazi gekommen?

Eher per Zufall, wenn man so will: über eine Nachbarin, die auch eine Freundin ist. Sie hat gesagt: „Mensch, guck dir mal die Lazi Akademie an, kennst du die nicht?“ Und ich: „Nee.“ Ich habe auf eure Homepage geschaut, mich durchgeklickt und fand das sehr ansprechend. Aus Neugier schaut man dann natürlich auch bei den Jobs rein, und plötzlich war da eine Stelle zum Thema Mental Health ausgeschrieben. Da dachte ich: Wow, eine Medienakademie, die Mental Health als Thema angeht, das finde ich großartig. Ich habe mich beworben, du hast mich relativ flott hierher eingeladen, und ich glaube, es hat ganz gut gematcht. So bin ich zu diesem Thema hierhergekommen.

Einen richtigen Lehrplan dafür gab es noch nicht, den haben wir dann zusammen entwickelt. Ich weiß nicht, wie viele Akademien es gibt, die dieses Thema nicht nur nebenbei behandeln, sondern wirklich als eigenes Fach anbieten. Das finde ich total toll.

Als ich hierherkam, habe ich gedacht: Wow, ist das toll hier, so viel Natur. Es sieht eigentlich aus wie ein kreatives Feriencamp, gar nicht wie eine staatliche Einrichtung oder eine Uni, sondern so frei und leicht, mit Schaufensterpuppen auf dem Dach und bunten Schweinchen an der Decke. Ich dachte: Hier ist ja echt Chill-out-Ära, da sitzen welche unterm Pavillon. Die ganze Atmosphäre hat mich total angesprochen.

Warum unterrichtest du?

Über meinen Lebenspartner habe ich zwei Bonuskinder, die inzwischen erwachsen sind. Ich habe mich also schon früh mit Jugendlichen befasst, und sie liegen mir einfach am Herzen. Für mich sind die Studierenden die Menschen der Zukunft, und die müssen wir unterstützen, so gut es geht, in jede Richtung. Gerade weil immer mehr auf uns einstürmt, an Informationen, an Druck, an Leistung, an Zukunftsängsten und was da alles kommt, ist das größte Geschenk, das wir ihnen machen können, ihnen hier als Studierenden die tollste Zeit ihres Lebens zu geben und sie damit zu unterstützen.

Mein Herzenswunsch ist, dass ich ihnen etwas mitgeben kann. Ich habe oft gedacht: Hätte ich dieses Wissen früher gehabt, wäre mir im Beruf vieles leichter gefallen. Deshalb versuche ich jetzt, die Tools aus dem Business Coaching so zu verpacken, dass ich sie weitergeben kann. Und wenn ich nur zwei erreiche, die das für ihren Lebensweg mitnehmen, bin ich schon echt dankbar. Ich betone noch einmal: Das ist keine therapeutische Geschichte. Das sind alles Business-Tools, also Dinge, die auch Führungskräfte in Firmen bekommen und lernen.

Mein Herz geht auf, wenn ich mit ihnen rede und sehe, wie sie sich begeistern, wie offen sie noch sind, Dinge zu erfahren, und wie viel Spaß sie haben. Wenn das Wetter es zulässt, gehe ich mit ihnen raus. Die Natur ist hier großartig, die Luft ist gut, und wenn man Glück hat, steht noch ein Reh auf dem Weg. Ich finde das so toll hier, und dann mache ich den Unterricht eben im Freien. Ich versuche auch, die Theorie möglichst hinten dranzuhängen oder nachzuschicken und viel über das eigene Erleben zu vermitteln, also wirklich in 3D zu erfahren.

Was macht die Lazi besonders?

Das haben wahrscheinlich schon viele gesagt: das Herzliche und Familiäre. Was heißt familiär? Dass man sich duzt, dass Nähe entsteht, dass alle Dozent/innen nahbar sind, dass man mit allen reden kann, dass viel gelacht wird, dass es bunt und multikulti zugeht. Das liebe ich. Es gibt keinerlei Vorurteile, und keine Nische ist besetzt, alles darf sein. Je verrückter, desto besser, je bunter, desto besser. Diese Zeit, in der du noch frei bist und mit relativ wenig Druck einfach hier sein darfst, sollte man nutzen, um sich in allen Bereichen auszuprobieren und alles mitzunehmen. Das finde ich toll hier, und das wird auch gelebt.

Was lernen die Studierenden bei dir?

Ich habe natürlich eine Umfrage gestartet: Was wünscht ihr euch, oder wo seht ihr bei euch selbst Defizite, über die ihr gern mehr erfahren wollt? Als roter Faden ziehen sich Selbstdisziplin, Selbstbewusstsein, den eigenen Selbstwert kennenlernen und Kommunikation durch, also mit Konflikten umgehen können. Das sind die Kommunikationstools, auf die ich meinen Fokus lege.

Wir starten mit der Frage: Was sind meine Ressourcen, meine Stärken, meine Fähigkeiten? Damit ich in Stresssituationen, Stichwort Resilienz, darauf zurückgreifen und sie auflösen kann. Dafür gibt es tolle Techniken, Tools aus dem Business Coaching. Dann machen wir Persönlichkeitstests, damit man einmal schaut: Wann nehme ich mir sonst so viel Zeit, um herauszufinden, wie ich eigentlich ticke? Das sind ganz spannende Momente, wenn sie sich fragen: Was bedeutet das eigentlich, kann ich das oder kann ich das nicht? So eine Selbsteinschätzung zu bekommen, finde ich toll.

Dann geht es um gegenseitige Wertschätzung und natürlich um Dinge wie Zeitmanagement. Wir alle kennen das: Man schiebt alles bis zum Schluss, und dann wird es hektisch. Es gibt ganz tolle Techniken dafür, und natürlich vergisst man sie immer wieder. Aber ich versuche, sie in Erinnerung zu bringen: Wie kann ich das besser managen?

Hier wird auch sehr viel in Teams gearbeitet. Wie stelle ich ein gutes Team zusammen? Worauf kommt es an? Bin ich überhaupt ein Führungstyp? Kann ich gut ein Team leiten? Auch dafür gibt es tolle kleine Spiele, die wir miteinander machen und bei denen man sich selbst erkunden kann: Kann ich das überhaupt oder nicht? Delegiere ich lieber, oder muss ich lernen abzugeben? Das sind die Momente, die mir Freude machen, wenn sie Aha-Momente bekommen oder nach dem Unterricht zu mir kommen und sagen: „Mensch, Bettina, ich habe da mal eine Frage, wie kann ich das gut machen?“ Das sind die Dinge, die mir am Herzen liegen und die ich mitgeben möchte.

Dazu kommen natürlich Präsentationstipps aus meinem eigenen Business: Tricks, wie ich gut atme, wie ich mit Nervosität umgehe, was ich besser mit meinen Armen mache, damit ich sie nicht hinter dem Körper verstecke, und wie ich gut stehe. Das wünsche ich mir für sie: dass sie im Leben gut stehen können und sich in sich sicherer fühlen. Denn sie kommen von der Schule, und da herrscht Fremddruck. Da musstest du nie lernen, alles aus dir selbst heraus zu organisieren. Wie gehe ich mit Zeitdruck um, wie mache ich das gut, wie bekomme ich Selbstdisziplin hin? Und jetzt stehen sie auf eigenen Füßen. Die Überschrift würde ich deshalb Selbstverantwortung nennen: dass sie das hier lernen.

Was macht dich stolz?

Die Studierenden, die jetzt im Abschlusssemester sind, hatte ich vom ersten bis zum sechsten Semester. Für mich ist es natürlich ganz toll zu sehen, wie sie sich in den unterschiedlichen Semestern entwickeln. Und zu sehen, wie sie am Anfang mit ihrer Körpersprache waren und wie sie jetzt dastanden, als sie präsentiert haben. Das macht mich mega stolz, wenn sie das einfach gut machen.

Wie läuft dein Unterricht ab?

Meistens lernen wir uns zuerst kennen und erzählen ein bisschen. Dann machen wir, wie gerade beschrieben, die verschiedenen Übungen miteinander, mal in kleineren, mal in größeren Gruppen. Dafür gibt es verschiedene Business-Coaching-Tools, die sich Reflecting Teams oder Murmelgruppen nennen, damit man Feedback bekommt, gutes und wertschätzendes Feedback.

Du lernst zum Beispiel kennen, wo sich Stress eigentlich in deinem Körper zeigt. Oft nennen wir die typischen Sachen: Bauch, Kribbeln, ein zugeschnürter Hals. Wenn du dich aber wirklich darauf einlässt und dich selbst erforschst, merkst du plötzlich: Ich mache immer so, oder ich spiele immer mit den Haaren. Das sind Übersprungshandlungen, in die der Stress wandert, und die machen sie unbewusst auch in ihren Präsentationen. Deshalb ist es gut, wenn man sich das einmal bewusst gemacht hat, damit man bei einer Präsentation nicht an der Kette herumfummelt. Um sich kennenzulernen und die eigenen Übersprungshandlungen wahrzunehmen, ist so eine Übung toll.

Für die Selbstwahrnehmung machen wir auch tolle Übungen zu Mimik, Gestik und Stimme. Wenn ich mitbekomme, wie überall gelacht wird, wenn sie sich selbst wahrnehmen oder Feedback bekommen, dieses Staunen und dieses „Oh ja, stimmt, das habe ich noch gar nicht entdeckt, dass ich immer das mache“, oder „Meine Stimme, das geht ja gar nicht“, oder „Was mache ich eigentlich mit meinen Armen, oje“: Das finde ich toll, wenn sie zum ersten Mal so einen Wow-Moment haben und merken, dass es besser wird. Je öfter sie es üben, umso besser wird es. Das gefällt mir.

Warum alle Fachbereiche kennenlernen?

Am Anfang lernen sie ja alles. Wenn du im Fachbereich Grafik- und Kommunikationsdesign bist, bekommst du auch einen Einblick in Fotografie und Film. Und ich kann aus meiner Lebenserfahrung nur sagen: Es ist total wichtig, dass man sich in die anderen Gewerke einfühlen kann. Denn wenn du später arbeitest, ob selbstständig, im Team, in einer Agentur oder wo auch immer, musst du dich einfühlen können. Du musst gut briefen können. Du musst deinen Kund/innen erklären können, was die Filmer/innen machen, was die Fotograf/innen machen und so weiter. Bei einem Fotoshooting, einem Filmdreh oder auch einer Kampagnenproduktion musst du einfach gut kommunizieren können, und jedes Gewerk hat seine eigene Sprache. Deshalb ist es total wichtig, offen alles mitzunehmen und nicht zu sagen: „Brauche ich nicht, brauche ich nicht“, sondern: Nimm alles mit, was du kriegst, denn das kommt dir später zugute.

Was beeindruckt dich an den Studierenden?

Mich beeindruckt total, mit welchen Themen sich die Studierenden befassen, wie tiefgründig sie diese hinterfragen und wie sie versuchen, sie in ihrer Sprache umzusetzen, in welchem Gewerk auch immer. Das finde ich unfassbar toll. Das sind wirklich Talente, bei denen ich jeder Agentur nur sagen kann: „Hey, guckt euch diese Talente an.“

Außerdem ist es spannend zu sehen, was es alles gibt, welche neuen Techniken. Jetzt haben wir ja auch das Thema KI. Wie werden diese Themen miteinander verbunden? Man kann nicht sagen, die Medien sind tot, weil die KI übernimmt. Das stimmt nicht, denn in der Verbindung mit KI entstehen ganz neue Geschichten. Das ist faszinierend, und ich glaube, das sollte sich jeder einmal anschauen.

Die Lazi in drei Worten?

Bunt, viel Lachen und pure Kreativität.

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Bettina Scherrieble, Dozentin für Soft Skills | Lazi Akademie