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Abschrift des Video-Interviews, sprachlich geglättet. Die Fragen sind im Video nicht zu hören und hier aus dem Zusammenhang ergänzt.

Wer bist du?

Ich unterrichte seit letztem Jahr hier an der Lazi Akademie das dritte und fünfte Semester im Fachbereich Film und Mediendesign. Mein Name ist Carsten Unger, und ich arbeite als Drehbuchautor und Filmregisseur für Film und Fernsehen.

Wie bist du zur Lazi Akademie gekommen?

Die Lazi hat einen neuen Semesterleiter gesucht. Darauf habe ich mich beworben, und wir haben uns kennengelernt. Jetzt mache ich etwas ganz anderes, umso besser.

Warum unterrichtest du?

Ich sauge euch aus, ich presse euch aus. Ich habe wirklich ein ganz klares Ziel: Ich will die Generation der 19- bis 25-Jährigen kennenlernen. Ich arbeite als Drehbuchautor, und das ist eine Generation, für die ich erzähle, die ich aber eigentlich gar nicht kenne. Ich habe kleine Kinder, ich habe Eltern, ich habe meine eigene Generation. Aber gerade mit dieser Generation habe ich im Alltag wenig Kontakt, und deshalb war das ganz klar mein Ziel. Ich möchte diese Menschen kennenlernen, von ihnen lernen und verstehen, wie sie denken und ticken.

Was macht die Lazi Akademie besonders?

Ich finde es kollegial. Es gibt nicht dieses „Dozent/innen oben, Studierende unten“, sondern eine Lehre auf Augenhöhe. Dazu kommt die Campusatmosphäre: Alle Studierenden sind an einem Ort, alle Fachrichtungen hängen zusammen, und allein durch die Nähe entsteht eine gewisse kreative Energie, wie in einem Inkubator. Das finde ich sehr besonders. Allein durch die Räumlichkeiten hier oben auf dem Berg, die tolle Außenanlage und die Studios sind Arbeit und das Leben der Studierenden an einem Ort.

Was ich an der Lazi Akademie auch super finde: Sie hat noch eine gewisse Flexibilität. Du merkst, dass du als Dozent gestalten kannst. Du bist in der Lage, den Lehrplan jedes Semester neu an die Bedürfnisse deiner Studierenden anzupassen. Innerhalb dieses Bogens bist du als Dozent frei, deinen Unterricht selbst zu gestalten und auf die Bedürfnisse und individuellen Talente der Studierenden zuzuschneiden. Du merkst, dass jeder Jahrgang anders ist und einen eigenen Geschmack und eigene Schwerpunkte hat, und die Flexibilität gibt dir die Möglichkeit, darauf einzugehen.

Wie lernen die Studierenden bei dir?

Das Entscheidende ist eigentlich Learning by Doing. Alle Unterrichtsinhalte richten sich ganz konkret nach dem Stadium des praktischen Projekts. Die Studierenden lernen Filme zu machen, von der Idee bis zur Premiere, mit allen Stadien und allen Produktionsschritten, die es gibt. Learning by Doing. Und by the way: Filme zu machen ist eine der schönsten Arten, seine Zeit zu verbringen.

Worauf liegt der Schwerpunkt deines Kurses?

Der Schwerpunkt meines Kurses liegt darauf, dass wir Praxis machen. Wir entwickeln einen Film von der Idee bis zur Premiere. Wir starten damit, dass die Studierenden eigene Stoffe pitchen. Davon wählen wir einen Stoff aus, realisieren ihn gemeinschaftlich in der Gruppe und entwickeln den Film von der Idee bis zur fertigen Premiere. Währenddessen lernen wir mit Learning by Doing, on the job.

Alle Unterrichtsinhalte sind immer auf das Projekt zugeschnitten. Wenn es darum geht, einen Spielfilm zu realisieren, spielen Story Development, Dialogentwicklung und so weiter eine große Rolle. Wenn es darum geht, Werbung zu machen, geht es um ganz andere Themen, zum Beispiel die Zielgruppenansprache, die bei Werbung noch viel konkreter ist als vielleicht im Spielfilm. Wir realisieren einen gemeinsamen Film von der ersten Idee bis zur Premiere. Learning by Doing, also alle Produktionsschritte von der Stoffentwicklung über die Vorproduktion und den Dreh bis zur Postproduktion.

Alle Inhalte orientieren sich immer ganz konkret am Projekt. Wenn im Projekt Schauspieler/innen eine Rolle spielen, haben wir Inszenierungsinhalte. In der Phase, in der wir uns mit der Kameraauflösung beschäftigen, sind wir ganz tief im Storyboard, im visuellen Erzählen. Bis hin zur Produktion: In dem Moment, in dem wir Verträge mit Schauspielerinnen und Schauspielern machen, lernen die Studierenden die Inhalte eines Schauspielvertrags. Dann beginnen wir mit der Einteilung in einzelne Teambereiche und Gewerke: Die einen übernehmen Regie, andere Kamera, Produktion, Schnitt, whatever.

Wie läuft ein typisches Semester ab?

Das typische Semester ist simpel. Die Studierenden kommen an, und als Erstes lernen wir uns kennen. Ich mache das eigentlich immer so, dass ich mir von den Studierenden drei Minuten ihrer Arbeiten zeigen lasse. Der Stand, mit dem die Studierenden hier anfangen, ist sehr unterschiedlich. Die einen haben sehr viel Erfahrung, die anderen etwas weniger. Das spielt erst einmal gar keine Rolle, denn ich will erst einmal sehen, wo sie in ihrer kreativen und persönlichen Entwicklung stehen.

Dann entwickeln alle Studierenden in meinem Semester eigene Stoffe, die sie beim Lazi Pitch präsentieren. Momentan habe ich sieben Studierende in meinem Semester. Alle entwickeln eine Geschichte und einen Pitch, und alle präsentieren diesen Pitch. Am Ende entscheidet die Gruppe, welchen der gepitchten Filme sie gemeinsam realisiert. Beim Lazi Pitch präsentieren alle Studierenden semesterübergreifend ihre Projekte, und teilweise entstehen daraus sogar Synergien und Kooperationen.

Wie begleitest du die Studierenden beim Dreh?

Ich versuche, so wenig wie möglich einzugreifen. Ich bin dabei, um einfach zuzusehen, und bin dann meistens auch ein bisschen stolz auf meine Studierenden, dass sie es geschafft haben, ihre Idee bis dahin zu bringen. Das ist ein ganz aufregender Moment. Ich sehe ihnen einfach gerne beim Arbeiten zu. Das ist eine andere Generation mit einer anderen Art und Weise, und ich finde es total faszinierend, ihnen zuzuschauen. Manchmal gebe ich beim Dreh Tipps und greife ein bisschen ein. Aber ich versuche, so wenig wie möglich zu machen, weil es ihre Show ist. Jetzt müssen sie alleine laufen. In der Postproduktion sitzen wir dann wieder zusammen am Schneidetisch.

Welches Projekt ist dir in Erinnerung geblieben?

Letztes Jahr haben sich die Studierenden für einen sehr aufwendigen Film entschieden: den Postmichel. Das ist eine ganz alte Sage, die eigentlich jede Esslingerin und jeder Esslinger kennt, die Geschichte eines schlechten Gewissens. Jemand wird zu Unrecht verurteilt. Der zu Unrecht verurteilte Postmichel erwacht nach seinem Tod als kopfloser Reiter und jagt den eigentlichen Täter, indem er jede Nacht vor dessen Fenster steht und das Posthorn bläst. Er quält sein Gewissen so lange, bis der Gepeinigte krank und gebrochen nach Esslingen zurückkehrt und seine wahre Schuld gesteht. Es ist eine Geschichte über unschuldig Verurteilte.

Die Studierenden haben die Sage vom Postmichel in die heutige Zeit übertragen, indem sie eine Geschichte von Pfadfinder/innen erzählt haben, die sich nachts im Zelt eine Gruselgeschichte erzählen und dabei ein kleines Verbrechen aufklären, das in dieser Nacht im Zelt geschieht. Das war sehr aufwendig, eigentlich viel zu aufwendig. Aber am Ende ist es ihre demokratische Entscheidung. Das hat zur Folge, dass du als Dozent die Aufgabe hast, deine Studierenden so lange anzutreiben und positiv zu ermuntern, bis sie über die Latte springen, ohne sie zu reißen. Und sie haben sie nicht gerissen.

Was macht ihr gerade Besonderes?

Etwas Besonderes, das wir gerade machen, ist der Podium-Workshop. Podium ist ein Festival, das jährlich hier in Esslingen stattfindet. In diesem Fall geht es um Zwölftonmusik von Arnold Schönberg, die dort präsentiert wird. Wir machen einen Workshop mit einer Fotografin und beschäftigen uns mit analogen Effekten: Wie können wir über Prismen, Materialien und Folien, die wir vor die Linse geben, über Lichteinstrahlung und Reflexionen Effekte erzeugen, rein analog im Moment des Drehens? Das machen wir zu Schönbergs Soundtrack für einen nicht existierenden Stummfilm. Die Studierenden drehen eigene Clips von 60 bis 90 Sekunden, die auf dem Festival eine Woche lang präsentiert werden.

Wie groß sind die Gruppen?

Du hast hier keine großen Hörsäle mit 300, 400 Studierenden oder noch mehr. Du hast hier Gruppen von drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun Leuten. Alle sind individuell, und alle brauchen eine eigene Ansprache. Das ist auch die Qualität, die die Lazi leisten kann: Sie sieht die Einzelnen, geht individuell auf ihre Stärken und Talente ein und fördert sie individuell.

Was zeichnet die Studierenden aus?

Man kann gar nicht wirklich sagen, was sie alle auszeichnet, weil sie alle so individuell sind. Aber man sieht auch, dass diese Generation gewisse Gemeinsamkeiten hat. Eine Stärke ist, wie ich finde, der persönliche Umgang miteinander. Sie sind extrem kollegial und nehmen den anderen so, wie er ist. Sie sind total encouraging und empowering den anderen gegenüber.

Was ich manchmal als Kritik einbringe: Kunst eckt auch an. Kunst tritt Menschen auch auf die Füße, und das gilt es hier auch zu lernen. Wenn du Kunst machst, wirst du anecken, provozieren und vielleicht auch mal negatives Feedback bekommen. Das gehört dazu. Dazu gehört auch der Mut, hier Fehler zu machen, sich auszuprobieren und zu springen, auch wenn man nicht weiß, ob man auf den Füßen landet, und zu verstehen, dass das Teil des Prozesses ist. Dazu muss man die Studierenden dieser Generation manchmal etwas ermutigen, weil sie vorsichtig sind.

Wo arbeiten die Studierenden später?

Im Bereich Film und Mediendesign hat jeder seinen eigenen Schwerpunkt. Die einen spezialisieren sich auf Kamera, andere auf Schnitt, Regie oder Produktion. Das heißt auch: Die Orte, an denen sie später arbeiten, sind so vielfältig wie die Ausbildung selbst.

Was sollte man mitbringen?

Es spielt keine Rolle, welche Erfahrung man hat, wenn man hierherkommt. Was man aber mitbringen sollte, ist die Bereitschaft und die Begeisterung, etwas zu machen. Bei all den Inhalten und neuen Dingen, die du hier lernst, kommt es am Ende darauf an: Bist du bereit, zu machen und dich mit vollem Engagement in deine Projekte einzubringen? Das ist eine Entscheidung, die du treffen musst. Wenn du nicht die Bereitschaft hast, Leistung zu bringen und zu machen, wäre vielleicht ein Studium mit Frontalunterricht interessanter für dich. Was wir hier machen, ist praktischer Unterricht, und der lebt davon, dass du von dir aus die Motivation, das Bedürfnis und die Gier hast, Filme zu machen. Dann sind wir bereit, dir alle Hilfestellung der Welt zu geben, damit du das hier machen kannst. Aber die Bereitschaft muss von dir kommen.

Wie war die Werkschau?

Eine gute Party, finde ich. Aber man sieht vor allem, was in einem Jahr hier entstanden ist. Jeder Jahrgang ist anders, und deshalb ist jede Werkschau anders. Die Werkschau dieses Jahr hatte etwas total Festliches. Man merkte die Aufregung der Absolvent/innen und ihren Stolz auf ihre Arbeit, die Eltern, die die Arbeiten ihrer Kinder voller Stolz gesehen haben, aber auch die ganzen Partner und Sponsoren, mit denen man netzwerken kann.

Warum sollte man zum Infotag kommen?

Kommt zum Infotag und schaut euch die Akademie an. Ich bin der festen Überzeugung, dass man Dinge nur versteht, wenn man hingeht und sie sich anschaut. Spürt, welcher Spirit hier herrscht. Setzt euch auch mal als Praktikant/innen in einen Unterricht und schaut, was die Dozent/innen hier lehren und wie wir lehren. Das ist die beste Art und Weise, seine Entscheidung zu treffen.

Infotag

Sei am Mittwoch dabei.
Bring Eltern oder Freunde mit.

Ein halber Nachmittag, der dir drei Jahre Klarheit bringen kann. Kostenlos, unverbindlich, ehrlich.

  • Rundgang durch Studios, Schnitträume und Tonstudio
  • Echte Absolventenfilme sehen
  • 1:1-Beratung zu Bewerbung & BAföG
  • Studierende direkt fragen
  • Kaffee, kein Sales-Pitch
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Carsten Unger, Semesterleiter Film und Mediendesign | Lazi Akademie