Abschrift des Video-Interviews, sprachlich geglättet. Die Fragen sind im Video nicht zu hören und hier aus dem Zusammenhang ergänzt.
Wer bist du und was unterrichtest du?
Ich bin Hans und bin für After Effects zuständig. Ich bin seit 2020 hier an der Lazi und unterrichte seitdem After Effects, aktuell im fünften und sechsten Semester.
Wie bist du an die Lazi gekommen?
Ich hatte schon einmal an einer Hochschule Vorlesungen gehalten, also schon einen Lehrauftrag woanders. Das war aber sehr weit weg und ist dann ein bisschen im Sand verlaufen. Ich dachte mir aber, so ein neuer Lehrauftrag wäre ganz cool, weil ich das einfach gern mache: mein Wissen weitergeben und mit jungen Leuten zusammenarbeiten, vor allem mit jungen Kreativen. Ich habe dann recherchiert und bin auf die Lazi gestoßen. Sie hatten gerade die Stelle ausgeschrieben, ich habe mich beworben, und so kam eins zum anderen.
Wie war deine erste Vorlesung?
Nein, also: Ich habe eine Probevorlesung online gehalten, an die kann ich mich erinnern. Ich habe sie von zu Hause aus gehalten, und es ging gar nicht um After Effects, sondern darum, eine Kamera zu erklären, die FS7. Ich habe damals noch in der Agentur gearbeitet, wir haben die FS7 ausgeliehen, und ich habe zu Hause ein Setup aufgebaut: eine Kamera auf mich, eine andere Kamera auf die Kamera und dann noch das Bild der FS7 selbst. Von einem Freund habe ich mir noch ein Tool ausgeliehen, so ein Stream Deck, mit dem ich zwischen den Kameras umschalten konnte, und dazu ein Backup: Falls irgendetwas nicht funktioniert, konnte ich einen Wartebildschirm reinhauen. Solche Spielereien. Das war sehr lustig, und es war auch einmal spannend, so eine Vorlesung aufzuziehen.
Mein Headset ist dann ausgefallen, weil es keinen Strom mehr hatte. Das konnte mir keiner sagen, weil ich ja nichts gehört habe, bis ich irgendwann gesehen habe, dass alle in die Kameras gewunken haben. Da wusste ich: Okay, da passt etwas nicht. Dann kam kurz der Wartebildschirm, das war, glaube ich, eine kauende Giraffe oder so etwas. Zwischenzeitlich konnte ich mein Headset anschließen, und dann ging es weiter.
Warum unterrichtest du?
Erst einmal, wie gesagt, einfach um das Wissen weiterzugeben. Als ich noch studiert habe, fand ich es schön, mit den Dozent/innen zusammenzuarbeiten, weil das erfahrene Leute waren, die in ihrem Bereich schon seit keine Ahnung wie vielen Jahren tätig waren, die gut und erfolgreich waren, und von denen ich mir immer das Wissen abgreifen konnte. Ich dachte, es wäre vielleicht ganz schön, das dann auch entsprechend weiterzugeben.
Außerdem sehe ich dadurch, was gerade aktuell Trend ist. Ich bekomme ein bisschen Jugendsprache mit. Die ist extrem furchtbar. Was mir davor immer negativ aufgefallen ist, war das „Bro“.
Was macht die Lazi besonders?
Erst einmal ein richtig schöner, großer Campus, und dass die Leute hier die Möglichkeit haben, Equipment auszuleihen, zu arbeiten und wirklich hochwertiges Material zu machen. Wenn ich mir die Videos anschaue, die kann ich ja am besten bewerten, auf den Werkschauen oder was ich sonst teilweise zu sehen bekomme: Das ist echt Wahnsinn, was am Ende dabei herauskommt.
Wie ist die Atmosphäre an der Lazi?
Die Atmosphäre ist recht locker und entspannt. Selten ist da einmal viel Stress. Klar, wenn gerade Klausurphase oder Prüfungsphase ist, aber es ist ein völlig natürlicher Prozess, dass dann alle ein bisschen hibbelig sind und mehr los ist. Sonst finde ich die Stimmung hier sehr entspannt und angenehm.
Was lernen deine Studierenden bei dir?
Bei mir geht es um After Effects, ich habe das fünfte und das sechste Semester. Im fünften Semester habe ich alle, und da geht es erst einmal um die Basics des Programms: Wie funktioniert es, wie ist die Denkweise in dem Programm? Es gibt verschiedene Arten, wie so ein Programm funktioniert, ob es layerbasiert oder knotenbasiert ist, wie auch immer. In After Effects geht es also um die Basics, wie es funktioniert, und ich versuche, für alle Fachbereiche etwas Passendes einzubauen: für die Grafiker/innen, dass sie wirklich mit grafischen Elementen arbeiten können, für die Fotograf/innen Fotoanimationen und solche Geschichten.
Für die Filmer/innen wird es dann im zweiten Semester bei mir interessant. Da habe ich nur die Filmer/innen, und dann geht es wirklich um das Verfeinern des Materials: um Retusche, wie ich das Bild noch weiter aufwerten kann, Sachen rausschmeißen, die ich nicht drin haben will, Set Extension, also im Hintergrund Sachen hinbasteln, die vorher nicht da waren, die ich da aber gern haben möchte. Also wirklich: Was kann ich noch aus meinem Bildmaterial herausholen?
Wie praxisnah ist dein Unterricht?
Extrem praxisbezogen. Theorie ist klar mit drin, aber die Studierenden arbeiten wirklich ab der ersten Stunde konstant mit. Ich zeige, wie die Sachen funktionieren, dann dürfen sie es selbst ausprobieren, und so arbeiten wir uns pro Stunde durch ein Thema durch. Danach dürfen sie das Ganze noch einmal wiederholen und sich selbst eigenständig erarbeiten. Je nachdem, wie lange der erste Teil braucht, klappt es nicht immer, dass sie es noch einmal ausgiebig üben können, aber meistens funktioniert es ganz gut. Die Vorlesungen bauen außerdem konstant aufeinander auf. Wenn jemand fehlt, muss er das selbstständig nacharbeiten, damit er auf dem aktuellen Stand ist und weiß, wovon wir reden, wenn es in der nächsten Vorlesung weitergeht. Außerdem gibt es bei mir drei größere Hausaufgaben, die auch bewertet werden.
Welche Aufgabe lieben deine Studierenden?
Im ersten Semester bei mir ist zum Beispiel eine der beliebtesten Aufgaben eine Fotoanimation. Die Studierenden schießen ein Foto selbst, nehmen ein Stockbild oder erstellen es mit KI, da bin ich völlig frei. Es muss nur qualitativ hochwertig genug sein. Dann animieren sie das Foto entsprechend, zum Beispiel mit einem Flug durch die Landschaft, die auf dem Foto zu sehen ist.
Wie erlebst du deine Studierenden?
Die meisten Studierenden sind sehr herzlich unterwegs, und man merkt auch, dass sie Bock haben. Sie wollen etwas lernen, sie wollen gefordert werden. Natürlich nicht alle, manche wollen sich lieber berieseln lassen. Das hat man immer ein bisschen, Leute, die nicht so arg motiviert sind. Aber die meisten haben echt Bock und ziehen ordentlich mit. Manche liefern richtig starke Sachen ab. Bei den Hausaufgaben merkt man, dass sie Bock haben und sich wirklich lange hinsetzen. Die Hausaufgaben sind so aufgebaut, dass man mit, sagen wir, überschaubarem Aufwand eine gute Note bekommt. Wenn man eine sehr gute Note haben will, muss man ein bisschen mehr Zeit reinstecken. Da sind echt manche Kandidat/innen dabei, bei denen man das Gefühl hat, dass sie sich die zwei Wochen, die sie normalerweise Zeit haben, wirklich nonstop hingesetzt und an dem Ding gearbeitet haben. Wenn ich dann ihre Abschlussarbeiten sehe, weiß ich auch, dass sie generell motiviert sind.
Warum lohnt sich die Werkschau?
Es lohnt sich auf alle Fälle, zur Werkschau zu gehen, um sich ein bisschen inspirieren zu lassen und zu schauen: Was haben die anderen gemacht, was kann man hier lernen? Ich gehe davon aus, dass viele, die hergekommen sind, auch bei null angefangen haben oder zumindest mit, sagen wir, überschaubarem Wissen, und sich hier entsprechend hochgearbeitet haben, um dann solche Ergebnisse bei der Werkschau präsentieren zu können. Und da ist es völlig egal, ob es Fotografie ist, Design oder Film.
Die Lazi in drei Worten?
Kompetent, aufgeschlossen. Ich hasse solche Fragen. Familiär ist schon gut, aber das Wichtigste ist meiner Meinung nach, dass Wissen vermittelt wird. Was bringt es mir, wenn alle familiär miteinander sind und ich hinterher immer noch die doofe Nase vom Anfang bin? Das bringt mir ja nichts. Ich gehe ja an so eine Akademie, um etwas zu lernen und mit Wissen rauszugehen, mit dem ich dann in die Welt gehen und mich austoben kann, um Kund/innen zu gewinnen, in Agenturen zu arbeiten oder was die Leute sonst Bock haben. Das wäre mein klarer Fokus. Das andere ist auch schön, aber meiner Meinung nach zweitrangig.
