Abschrift des Video-Interviews, sprachlich geglättet. Die Fragen sind im Video nicht zu hören und hier aus dem Zusammenhang ergänzt.
Wer bist du?
Mein Name ist Ingo Juergens. Ich bin Grafikdesigner und Art Director und hier an der Lazi Akademie Fachbereichsleiter für Grafik- und Kommunikationsdesign. Ich mache GKD. Im zweiten, dritten Semester fragen mich manchmal die Studierenden: „Was heißt eigentlich GKD?“ Das heißt Grafik- und Kommunikationsdesign. Das ist die eine Säule, und die andere ist Typografie.
Wie bist du zur Lazi Akademie gekommen?
Ich bin ganz klassisch über den Bewerbungsweg gekommen. Ich arbeite schon 20 Jahre als freischaffender Grafikdesigner, habe aber noch einmal nach etwas gesucht, bei dem ich eine neue Herausforderung habe. Ich habe mich beworben, und offensichtlich hat das geklappt.
Was hat dich an der Lehre gereizt?
Mich hat gereizt, das weiterzugeben, was ich bisher gemacht habe, nämlich Grafikdesign. Und mich hat auch gereizt, mit jungen Menschen zu arbeiten. Gerade dieser Bezug, das, was ich sonst mache, weitergeben zu können: Das könnte ich, glaube ich, an einer Hochschule gar nicht so ohne Weiteres. Es ist wirklich dieser direkte Praxisbezug, der mich gereizt hat. Vorher hatte ich keine Lehrerfahrung. Ich bin hier sozusagen ins kalte Wasser gesprungen und habe das erste Mal vor einer Gruppe gestanden, und ich freue mich jeden Tag, dass das, finde ich, ganz gut funktioniert.
Wie erlebst du die Lazi Akademie?
Ich fange mal so an: Als ich das erste Mal hierhergekommen bin, hat mir erst einmal der Ort total gut gefallen. Die Akademie liegt sehr schön, es ist einfach ein schöner Ort. Ein Arbeitsort ist für mich wirklich etwas total Wichtiges, ich verbringe dort ja total viel Zeit. Und die Akademie ist nun mal eine Akademie im Grünen. Es ist eine kleine Akademie, bei der man wirklich von einer familiären Atmosphäre sprechen kann. Man kennt sich, auch die Studierenden aus den anderen Fachbereichen. Der Kontakt ist einfach sehr direkt. Wenn es irgendetwas gibt, kann man wirklich schnell auf die Leute zugehen. Auch unter den Dozent/innen kann man sich natürlich sehr gut connecten. Das zeichnet es hier aus, finde ich.
Was möchtest du deinen Studierenden mitgeben?
Ich habe ein bisschen einen Claim geprägt, kann man sagen: „Art is beautiful, but design has to work.“ Grafikdesign in der Praxis, das ist das Thema. Ich habe natürlich selbst ein paar Ideen im Kopf, wie ich an Grafikdesign herangehe, zum Beispiel die Unterscheidung zwischen Kunst und Grafikdesign. Kunst darf schön sein, hat sicherlich eine ästhetische Qualität, manchmal ist sie vielleicht auch hässlich, aber sie funktioniert einfach anders als Grafikdesign. Beim Grafikdesign geht es um Informationsvermittlung, um eine Konzeption, immer um Botschaften. Das ist eigentlich mein Kernanliegen, das weiterzugeben. Und was das dann in der Praxis und in der Umsetzung heißt: das Arbeiten mit Stilen, mit Vibes, mit einem Mindset. Wie bringe ich meine Botschaft am besten zu den Empfänger/innen? Das ist, finde ich, die Kernfrage. Dafür nutzen wir natürlich alle möglichen Tools, auch interaktive Tools, um die Botschaft bestmöglich rüberzubringen.
Wie läuft ein Semester bei dir ab?
Im Grunde sind die Semester sehr praxisorientiert und sehr frei. Es läuft eigentlich immer so ab, dass man erst einmal eine gute Idee braucht. Das hatte ich gerade heute: Welche Themen sind heutzutage wirklich relevant? Ich sage den Studierenden manchmal auch, dass sie sich Themen suchen sollen, bei denen man nicht nur mehr vom Gleichen macht. Es gibt total viele Produkte da draußen. Wo gibt es vielleicht Probleme, wo kann Grafikdesign noch etwas leisten, was es so noch gar nicht gibt? Das ist die erste Phase, die Ideenfindung.
Dann geht es natürlich in die Praxis. Bei den unteren Semestern gebe ich etwas mehr vor, was das zum Beispiel für die Medien heißt: Machen wir einen Flyer, machen wir eine Webseite. In den oberen Semestern oder bei der Zwischen- und Abschlussprüfung sind die Studierenden dann frei, auch ihre Medien selbst zu wählen. So arbeiten wir uns durch die Semester. Es gibt natürlich immer wieder Feedback von mir und auch Feedback von der Gruppe. Das finde ich immer sehr schön. Ich übernehme dann den Part, bei dem man schaut, was man noch besser machen kann. Ab und zu nehme ich auch ein bisschen technische Sachen mit rein. Aber im Großen und Ganzen geht es wirklich um Gestaltung. Das macht die Semester aus.
Am Ende gibt es eine große Abschlusspräsentation, bei der auch das Präsentieren ein wichtiger Teil ist. Das haben wir natürlich besonders bei der Abschluss- und Zwischenpräsentation vor der Jury. Aber ich möchte das in meinen Kursen auch in den anderen Semestern trainieren. Das machen die Studierenden gut.
Wie frei sind die Studierenden bei der Themenwahl?
Bei mir sind sie grundsätzlich sehr frei. Ich habe ja vom zweiten bis zum sechsten Semester alle Studierenden in Grafikdesign, und schon im zweiten Semester können sie ein eigenes Thema wählen. Im dritten Semester gibt es zum Beispiel eine grobe Vorgabe, bei der ich sage: Macht ein Eventdesign. Aber was für ein Event das ist, können sie sich tatsächlich frei aussuchen. Das finde ich immer total toll. Es ist schön, wenn man diesen Rahmen bewusst nutzt, in dem es noch viel mehr Freiheiten gibt, als wenn man später im Arbeitsleben steht. Dann hat man natürlich Vorgaben von den Kund/innen, vom Markt, vom Budget. Deswegen finde ich es immer gut, wenn sie sich hier auch Themen suchen, die draußen auf dem Arbeitsmarkt so gar nicht funktionieren würden, die man hier aber machen kann. Ich finde es auch wichtig, dass sie sich hier wirklich kreativ austoben können.
Heute hatte ich zum Beispiel ein Thema für ein Corporate Design: ein Reiseunternehmen, mit dem man ins Weltall fliegen kann. Finde ich klasse, das habe ich supportet. Es gibt aber auch sehr viele sensible Themen, die sehr mit der eigenen Persönlichkeit zu tun haben: Nahrungsmittelunverträglichkeiten, psychische Gesundheit, Stressmanagement, wie organisiere ich mich. Finde ich alles toll, und es macht mir total Spaß, diese Abwechslung mitzunehmen.
Welches Projekt machst du besonders gern?
Im Typografiekurs lasse ich am Anfang sehr gern Buchstaben aus Papier ausschneiden. Es geht ja darum, die Schriftarten und die Eigenschaften von Schrift kennenzulernen. Es gibt Serifenschriften, es gibt serifenlose Schriften. Bei dieser direkten Erfahrung mit der Schere merkt man: Da darf ich jetzt nicht abschneiden, sonst ist die Serife weg. Das finde ich wirklich ein besonderes Projekt, und für das Gefühl für Typografie sehr wertvoll.
Wer sind die typischen Lazi-Studierenden?
Den typischen Lazi-Studierenden oder die typische Lazi-Studierende gibt es, finde ich, nicht. Ich würde eher das Spektrum beschreiben. Ich finde es sehr schön, dass wir hier sehr international sind. Nicht alle haben Deutsch als Muttersprache. Das funktioniert aber meistens sehr gut, beim Präsentieren muss man vielleicht manchmal ein bisschen nachhelfen. Aber dafür gibt es natürlich auch Hilfsmittel, man kann gut übersetzen lassen. Da ist also schon einmal eine große Vielfalt, und es gibt auch eine große Vielfalt bei den Altersstufen. Es gibt ganz junge Leute, die wirklich frisch von der Schule kommen, und welche, die schon eine Ausbildung gemacht oder vielleicht schon in einem kreativen Job gearbeitet haben. Diese Vielfalt finde ich toll, weil sie sich dann gegenseitig unterstützen und von ihren Erfahrungen profitieren können. Wir haben ja auch ein großes Einzugsgebiet. Ich höre mir immer gern an, wo die Leute herkommen. Manche wohnen zu Hause, andere in WGs. Auch da hat man eine große Vielfalt.
Wie entwickeln sich die Studierenden?
Man kann das total an formalen Sachen festmachen. Wenn ich noch einmal auf die Typografie zurückkomme: Am Anfang nimmt man gern ein bisschen wilde Schriften, Kreativschriften, die unter Umständen aber schlecht lesbar sind oder manchmal gar keine Umlaute haben. Das ist die erste Sensibilisierung. Da ist auch immer meine Botschaft: Buchstaben sind Formen. Wir achten dann auf die formale Ausgestaltung und auch auf Abstände. Da merke ich einen Riesenunterschied, ich behaupte mal im sechsten oder vielleicht auch schon im vierten, fünften Semester. Dann nutzt man einfach andere Gestaltungsmerkmale als noch im ersten, zweiten Semester. Das hängt sicherlich mit einer Schulung des Auges zusammen: Man wird in der Wahrnehmung geschulter und entwickelt ein Gefühl für Stile, für Vibes. Was kommt da wie rüber? Das ist eine große Entwicklung.
Was ich auch sehe: Man traut sich in den oberen Semestern natürlich mehr zu, vielleicht ein komplizierteres oder persönlicheres Thema. Man hat mit den Tools einfach mehr Routine: Was kann ich mit welchen Tools machen? Ich sehe gerade auch, dass Leute zum Beispiel in der Animation mit Tools kommen, die ich selbst gar nicht kenne. Die probieren sie aus, und ich bin mir ziemlich sicher, dass dabei gute Sachen herauskommen. Ich sehe also eine starke Weiterentwicklung, was die Skills angeht. Und ich sehe auch eine persönliche Entwicklung, die sich dann vielleicht in den Themen widerspiegelt.
Was wird aus den Studierenden?
Den typischen Werdegang gibt es nicht. Es gibt sicherlich die, die klassischerweise in kleinen Grafikbüros oder Agenturen landen oder einzelne Grafiker/innen unterstützen, vielleicht auch als Freelancer/innen. Das Spektrum ist groß. Es gibt, glaube ich, auch einige, die in der Weiterbildung einen nächsten Step machen wollen, sei es, dass sie einen Master machen oder sich vielleicht noch einmal in Richtung Marketing spezialisieren. Das ist, glaube ich, ohnehin das Stichwort: Man muss sich spezialisieren. Das machen sicher auch alle, niemand kann alles machen. Und da, wo man sich spezialisiert, kann man, glaube ich, auch auf dem Arbeitsmarkt ganz gut andocken.
Was macht die Lazi Akademie besonders?
Alle Dozent/innen, die hier unterrichten, sind auch in diesen Jobs tätig. Auf Platz 1 sehe ich deshalb tatsächlich die Praxisnähe. Das heißt, wir können unsere Erfahrungen eins zu eins weitergeben. Das finde ich einen enormen Vorteil. Vielleicht auch für die Studierenden, die hierherkommen: Manche sind mit der Schule vielleicht nicht so gut klargekommen, aber sie haben eine kreative Ader und können die hier ausleben. Das finde ich einfach einen Vorteil.
Wem würdest du die Lazi Akademie empfehlen?
Es muss ein bisschen Feuer da sein. Das sind wirklich die Schüler/innen, die schon in der staatlichen Schule irgendetwas entwickelt und irgendwo Feuer gefangen haben. Ich führe ja auch Vorstellungsgespräche, und da merke ich: Manche zeichnen gern Comics, manche fotografieren gern, manche filmen gern mit dem Handy und fangen schon an, ein bisschen vlogmäßig etwas zu machen. Wenn das Feuer da ist, kann man immer noch schauen, ob es diese oder jene Fachrichtung ist. Aber im Grunde würde ich es allen empfehlen, die Lust auf Kreativität haben und in denen schon ein bisschen Feuer brennt. Die werden hier sicher einen guten Weg machen.
Warum lohnt sich der Infotag?
Einfach, um den Ort kennenzulernen. Ich finde auch die Lage der Akademie besonders, weil sie wirklich im Grünen liegt. Es ist sehr ungestört und gleichzeitig sehr familiär, mit direkten Wegen. Ich glaube, die Vibes, die hier sind, bekommt man am besten direkt vor Ort an der Akademie mit.
Warum lohnt sich die Werkschau?
Sie ist gut zum Netzwerken, und es ist einfach ein toller Abend. Die Werkschau ist die Präsentation, bei der die Studierenden zeigen können, was sie im Semester, im Abschluss- oder Prüfungssemester gemacht haben. Da sieht man, wie hier gearbeitet wird. Man kann natürlich auch selbst Kontakt mit den Studierenden aufnehmen, wenn man vorhat, sich hier zu bewerben. Vielleicht ist es aber auch für Leute interessant, die Personal suchen. Und es ist eine tolle Veranstaltung, auch eine kulturelle Veranstaltung. Das ist wirklich eine super Ausstellung.
Die Lazi Akademie in drei Worten?
Praxisnah, im Grünen, super Atmosphäre.
