Abschrift des Video-Interviews, sprachlich geglättet. Die Fragen sind im Video nicht zu hören und hier aus dem Zusammenhang ergänzt.
Wer bist du, und was unterrichtest du?
Mein Name ist Jean-Claude Winkler, ich bin Fotograf und Filmer. Ich unterrichte hier an der Akademie Fotodesign im Abschlussjahr, also im fünften und sechsten Semester.
Wie bist du an die Lazi gekommen?
Witzigerweise war ich in meiner Jugend, als ich mich entschieden hatte, Fotodesigner werden zu wollen, schon einmal zu Besuch hier. Ich habe mir das alles angeschaut und fand es damals auch ganz toll. Ich habe die Akademie also schon immer gekannt und fand das hier eine tolle Geschichte. Durch eine Empfehlung bin ich dann auf die freie Stelle aufmerksam geworden und habe mich beworben.
Ich hatte hier an der Lazi einmal eine Extension gegeben. Das hat mir wirklich Spaß gemacht, und ich habe damals schon für mich entschieden, dass das auf jeden Fall eine Sache ist, die ich nicht ausschließen würde und die mir unter Umständen Spaß machen könnte. Das finde ich nach wie vor eine tolle Sache. Zu dieser Dozentur ist es dann wirklich gekommen, ich glaube, sieben oder acht Jahre nach dieser Extension.
Was reizt dich am Unterrichten?
Ich finde es toll, Wissen an junge, interessierte Menschen weitergeben zu dürfen, die Drive und Motivation haben. Deswegen bin ich froh, dass ich mich darauf eingelassen habe. Am Anfang ist das natürlich raus aus der Komfortzone, aber ich mache das jetzt, glaube ich, seit sechs Jahren, und es macht mir nach wie vor richtig Spaß.
Was ist das Besondere an der Lazi Akademie?
Was ich an der Lazi Akademie wirklich ganz besonders finde, ist, dass alles vor Ort in Präsenz stattfindet. Dass hier Leute zusammenkommen, dass es hier ein Netzwerk gibt, dass die Leute sich live miteinander austauschen. Das ist heutzutage gar nicht mehr Standard. Ganz viel wird ja vor allem aus Kostengründen eingespart und online gemacht. Hier gibt es einen Austausch, der real ist. Hier wird zusammen gefeiert, hier wird zusammen gearbeitet, hier entstehen Freundschaften, die lange über die Ausbildungszeit hinausgehen. Ich habe zu vielen ehemaligen Studierenden nach wie vor einen guten Kontakt.
Was fasziniert dich an der Fotografie?
Ich finde es nach wie vor spannend, Geschichten im Medium Fotografie zu erzählen. Ich bin schon immer Fotograf gewesen. Da muss man relativ punktgenau arbeiten. Der Film ist dann noch einmal eine Erweiterung, da hat man ein bisschen mehr Zeit, eine Geschichte zu erzählen. In der Fotografie ist es einfach reizvoll, so knapp wie möglich, im besten Fall in einem einzigen Bild, eine Message zu kommunizieren, die keine Fragen mehr offenlässt.
Wie ist die Atmosphäre am Campus?
Die Atmosphäre hier am Campus und an der Akademie ist kreativ, nett und kommunikativ. Studierende und Dozent/innen haben ein nettes Miteinander. Wenn es im Rahmen des Fachs, bei mir also im Fotodesign, zu Kritik kommt, dann immer in einem sehr respektvollen Austausch miteinander: konstruktive Kritik, von der jeder profitieren kann. Dementsprechend war die Stimmung bisher immer gut.
Was macht die Ausbildung an der Lazi stark?
Was ich an der Ausbildung hier an der Lazi wirklich toll finde, ist das Paket, das die Studierenden am Ende mitnehmen. Sie sind in jeder Disziplin wirklich gut ausgebildet. Ich bin damals in Fotografie ausgebildet worden, und dann war vielleicht noch ein bisschen Photoshop dabei. Was ich hier sehe, ist eine zeitgemäße Ausbildung: Die Inhalte reichen von Photoshop über CGI und KI, das ist mittlerweile natürlich auch ein ganz großer Punkt, bis zu Grafik und Text. Wer hier rausgeht, egal ob im Fotodesign, im Film oder in der Grafik, hat aus allen anderen Disziplinen so viel Know-how, dass er auf dem Markt auf jeden Fall wirklich gut bestehen kann. Er hat Kompetenzen nicht nur in seinem Spezialgebiet, sondern auch in den anderen Disziplinen. Und das ist auf jeden Fall eine Stärke.
Wie arbeitest du mit dem Abschlussjahr?
Gute Ergebnisse entstehen in der Regel immer in der Gruppe. Ich habe ausschließlich das Abschlussjahr, also das fünfte und sechste Semester, und ich habe das Glück, dass die Studierenden dann natürlich schon sehr, sehr gut ausgebildet sind. Da geht es eigentlich nur noch um den Feinschliff. Sie stellen sich selbst Aufgaben, die ich dann beaufsichtige, führe und anleite. Selbst gestellte Aufgaben also, die auf bestmöglichem und höchstem Niveau umgesetzt werden. Wir geben den Studierenden die Freiheit, selbst ihren Schwerpunkt zu wählen und zu sagen: Ich will Thema A und B bearbeiten. Dabei unterstütze ich sie, wir besprechen das in der Gruppe, im Team, und das führt in der Regel immer zu besseren Ergebnissen, als wenn man es ganz allein machen würde. Das ist natürlich auch wichtig für die Zukunft. Die Zusammenarbeit mit anderen Kreativen, sei es eine Art Direction oder eine Creative Direction, die das Konzept macht, ist einfach die Zukunft und war es auch schon immer. Diese Teamarbeit wird hier gefördert, und davon profitieren am Ende alle Beteiligten. Die Studierenden lernen zuzuhören: Was brauchen unsere Kund/innen?
Was sind Realprojekte?
Die Realprojekte sind deswegen sehr wichtig. Wie der Name schon sagt, geht es um Kooperationspartner/innen, die mit uns zusammen Konzepte erarbeiten, sei es Unternehmensfotografie, Businessfotografie oder Dokumentarisches. Solche Konzepte erarbeiten wir gemeinsam mit den Realprojektpartner/innen und setzen sie dann auch zusammen mit ihnen um. Man lernt dabei auch das Koordinieren zwischen den ausführenden Kreativen, also uns, und den Kund/innen. Das ist sehr praxisnah: Man sieht, wie man zuhört, wie man auf Kund/innen eingeht, wie man sich mit verschiedenen Instanzen austauscht und am Ende zu einem besseren Ergebnis kommt, als wenn man das allein machen würde. Das ist Sinn und Zweck von Realprojekten: realistische Situationen, aber in einem geschützten Raum.
Wir hatten schon das Glück, im Zuge der Realprojekte mit wirklich namhaften Kooperationspartner/innen zu arbeiten. Unter anderem Thorsten Strotmann, den Magier hier aus Stuttgart, eine kleine Keramikmanufaktur und ein Tattoo-Studio. Das sind die Kooperationspartner/innen, die wir bisher hatten, und sie haben immer zu guten Ergebnissen geführt.
Wie sind die Studierenden an der Lazi?
Das Schöne hier an der Lazi Akademie ist, dass jeder hier ganz eigen ist. Es gibt ganz viele Künstlerseelen, da ist jeder sehr eigen. Dann gibt es aber auch welche, die schon sehr zielstrebig sind, die genau wissen, was sie machen wollen, und sagen, dass sie einfach kommerziell arbeiten wollen. Und dann gibt es wieder andere, die noch ganz offen sind, links und rechts schauen und überall hineinschnuppern. Was hier aber alle eint, ist, dass alle motiviert sind, was mir das Leben als Dozent natürlich erleichtert. Hier sind alle freiwillig, hier sind alle wissbegierig, und in der Regel ist auch jeder wirklich sehr motiviert und versucht, das Beste aus der Ausbildung herauszuholen.
Worauf bist du stolz?
Was mich wirklich stolz macht, sind gar nicht spezielle Projekte. Ich bin wirklich stolz auf die Studierenden, die hier in der Regel rausgehen, über sich selbst hinausgewachsen sind und zeigen, was sie gelernt haben und dass sie es anwenden können. Einfach zu sehen, dass wir jungen Menschen etwas vermitteln konnten, das sie verstehen und auch anwenden können. Das macht mich stolz.
Was wird aus den Absolvent/innen?
Ich habe Kontakt zu manchen Absolvent/innen, und ich verfolge auch ihren Werdegang. Da gibt es schon Leute, die in der Industrie richtig gut Fuß gefasst haben, was auch zeigt, dass sie dafür bereit sind. Das heißt nicht, dass jeder, der hier rausgeht, tatsächlich Fotodesigner/in wird. Das sind ja in der Regel junge Menschen, die danach vielleicht auch noch einmal etwas anderes machen. Aber die, die es wollen, kommen in der Regel wirklich unter, und zwar auch in namhaften Firmen. Da fallen mir einige Beispiele ein. Natürlich habe ich mit ihnen noch Kontakt, wenn sie mit mir Kontakt haben wollen, dann sind wir im Austausch. Und es freut mich natürlich zu sehen, dass das hier gefruchtet hat.
Fotografie oder Film?
Für mich sind Fotografie und Film schon verwandt. Deswegen betreue ich auch beides beziehungsweise biete beides als Dienstleistung in meinem Unternehmen an. Ich habe aber mit der Fotografie angefangen, und das Reizvolle an der Fotografie ist, wie gesagt, dass man komprimiert viele Informationen in ein Bild bringen muss, ohne ästhetische Kompromisse einzugehen. Das ist immer ein Abwägen zwischen Ästhetik und Inhalt, und das finde ich sehr reizvoll. Die Fotografie ist nach wie vor zeitgemäß. Sie wird auch immer ihre Daseinsberechtigung haben und ist nicht weniger aktuell als noch vor zehn Jahren.
Warum sollte man zum Infotag kommen?
Der Infotag ist natürlich der wichtigste Tag überhaupt, weil man sich vor Ort umschauen kann. Man bekommt ein Gefühl für den Campus, man bekommt ein Gefühl für die Dozent/innen, und man hat die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Wenn man auch nur den geringsten Drang spürt oder mit dem Gedanken spielt, es eventuell zu machen, und noch komplett unentschlossen ist und überlegt, ob es sich lohnt, extra hinzugehen: Ich kann wirklich empfehlen, einfach hinzugehen, sich das anzuschauen und sich beraten zu lassen. Wenn man sich das angeschaut hat, kann man aufgrund von Tatsachen entscheiden, ob das etwas für einen ist oder nicht.
Warum lohnt sich die Werkschau?
Für uns als Akademie ist es einfach die beste Referenz und auch die beste Werbung, zu zeigen, was am Ende herauskommt. Die Werkschau sollte man sich unbedingt anschauen, weil sie die Abschlussarbeiten und die Zwischenprüfungsarbeiten zeigt, also den mittleren Stand der Ausbildung und mit den Abschlussarbeiten den letzten Stand. Das sind grandiose Arbeiten: innovativ, künstlerisch, werblich, die ganze Bandbreite. Aber alle haben gemeinsam, dass die Qualität einfach hervorragend ist.
Die Lazi in drei Worten?
Jung, innovativ, zeitgemäß.
