Abschrift des Video-Interviews, sprachlich geglättet. Die Fragen sind im Video nicht zu hören und hier aus dem Zusammenhang ergänzt.
Wer bist du, und was machst du an der Lazi?
Mein Name ist Michael Rösel. Ich unterrichte seit zweieinhalb Jahren an der Lazi Akademie. Ich bin auch Dozent an der Filmakademie und Filmregisseur, habe viel Werbung gemacht, zwei Spielfilme und eine Serie, und ich unterrichte hier sehr gern. Momentan habe ich das vierte und das sechste Semester, die ich supervisiere. Das sind die Zwischen- und die Abschlussprüfungen. Das ist das Angenehme, weil ein bisschen Druck dahinter ist: Die Studierenden müssen am Ende wirklich etwas präsentieren, und die Ergebnisse sind in der Regel sehr, sehr gut.
Wie ist die Atmosphäre an der Lazi?
Es ist ein bisschen so, wie wenn man früher aus dem eigenen Studium nach Hause gekommen ist und von den Eltern umarmt wurde. Es ist ein sehr, sehr familiärer, fast verwandtschaftlicher Kontext. Was ich wirklich spüre: Die Lazi Akademie ist etwas ganz Besonderes, weil der Umgang so familiär ist. Es ist ein sehr, sehr idyllisch gelegener Campus, und er wird in der dritten Generation geführt. Man merkt euch an, dass dieser Laden wirklich euer Herzblut ist und über Generationen hinweg aufgebaut wurde. Ich finde, das überträgt sich. Das gibt diesem Campus eine ganz eigene Stimmung: sehr überschaubar, sehr klein, sehr intensiv.
Oft mache ich es bei kritischen Sachen so: Wenn die Projekte irgendwo haken, schnappe ich mir die Leute, laufe eine Dreiviertelstunde mit ihnen durch den Wald und spreche mit ihnen. Manchmal wird das Projekt dann komplett verabschiedet, oder wir finden die Lösung. Es ist wirklich wie im „Club der toten Dichter“: Unterricht im Gehen.
Die Atmosphäre ist sehr, sehr familiär und verwandtschaftlich, auch durch euch geprägt: die Lazi in der dritten Generation. Das finde ich total toll, dass sich eine Akademie über drei Generationen hinweg aufgebaut hat und das auch in die Zukunft weiterträgt.
Was macht die Lazi besonders?
Was die Lazi besonders macht, ist auch ein bisschen die Lage. Ich finde sie wirklich sehr, sehr idyllisch. Es erinnert mich ein bisschen an „Club der toten Dichter“: Ich umrunde sehr gerne mit den Studierenden im Einzelgespräch einmal euren Hügel und mache dann eine Dreiviertelstunde lang einen sehr intensiven Spaziergang. Beim Gehen kann man besser denken, und dann komme ich sehr gut mit ihnen ins Gespräch. Das ist hier landschaftlich wunderbar möglich, und das finde ich sehr, sehr besonders.
Was gefällt dir an der Arbeit mit den Studierenden?
Das Tolle an der Arbeit mit den Studierenden hier ist, dass die Projekte so differenziert und so divers sind. Ich habe im aktuellen Semester zum Beispiel ein Projekt, das ein sehr feministisches Sozialdrama ist, sehr naturalistisch, sehr authentisch, ein bisschen im Stil von Chantal Akerman. Auf der anderen Seite haben wir aber ein dystopisches Science-Fiction-Projekt à la „Blade Runner“, und einen Film noir werden wir auch noch angehen. Das sind alles ganz verschiedene Filmgenres, in denen ich mich auch nur bedingt auskenne und in die ich mich erst einmal reinfuchsen und reinrecherchieren muss. Insofern lerne ich zusammen mit den Studierenden auch noch einmal extrem viel dazu, weil ich diese unterschiedlichen Projekte auch unterschiedlich und differenziert behandeln muss. Das ist sehr spannend und ein toller Einblick in unterschiedliche Genres.
Was ist dabei die größte Herausforderung?
Die größte Herausforderung ist, die Ideen, die die Studierenden zunächst haben und die sehr, sehr groß sind, auf ein realisierbares Mindestmaß herunterzudampfen. Die Grundideen kommen immer von ihnen. Ich versuche dann, sie so zu reduzieren, dass sie in einer begrenzten Zeit von 10 bis maximal 15 Minuten auch machbar sind. Die Studierenden sollen sich wirklich darauf konzentrieren, in maximal fünf Drehtagen das Beste herauszuholen, damit es nicht total episch ausufert. Denn viele Ideen sind fast schon Spielfilmideen. Da muss man sagen: Nein, lieber herunterreduzieren. Einheit des Ortes, der Zeit, der Handlung, alles in Echtzeit verhandelt, in maximal 10 bis 15 Minuten.
Wie erlebst du die Studierenden?
Ich finde die Studierenden hier wirklich sehr zugänglich, auch im aktuellen Jahrgang. Ich glaube nicht, dass es typische Lazi-Studierende gibt, denn ich merke an den Projekten, wie unterschiedlich die Interessen sind: Da ist ein werbliches Projekt dabei, ein dokumentarisches, Science-Fiction oder eben dieses Sozialdrama. Sie hören wirklich zu und setzen um. Und ich finde auch die Disziplin großartig: Da kommt keiner zu spät, oder sie melden sich alle ab. Es läuft wirklich auf Augenhöhe, und das bin ich nicht immer gewöhnt. Das ist wirklich herausragend. Die Leute sind sehr, sehr unterschiedlich, und das finde ich auch das Spannende hier: Sie denken so breit, dass man auch als Lehrender immer wieder in unterschiedliche Bereiche eintaucht und unterschiedliche Lebenswelten kennenlernt.
Was ist dir beim Filmemachen am wichtigsten?
Ich versuche, die Studierenden immer von der Technik wegzubringen. Viele wollen erst einmal blenden, mit Kamera und VFX-Effekten. Letzten Endes bleibt aber die Story übrig. Ich zeige dir gern noch einen Film einer Regisseurin, den sie gar nicht selbst gedreht hat, sondern ihre Protagonistin mit dem Handy. Der ist natürlich überhaupt nicht schön kadriert und geleuchtet, und der Ton ist scheiße. Das ist aber ganz egal, weil die Story so stark ist: Es ist eine Frau, die aus Saudi-Arabien geflohen ist und ihre Flucht dokumentiert hat. Story is everything. Das zeigt sich an diesem Beispiel sehr, sehr schön: Du brauchst kein Licht, du brauchst keinen Ton, du musst an die Protagonist/innen andocken. Wenn dir das gelingt und du eine gute Geschichte hast, dann bist du auch eher geneigt, die Technik auszusparen und aus dem Blick zu lassen. Hauptsache, die Story ist gut und die Schauspieler/innen sind gut. Das ist die Basis.
Wie begleitest du die Filmprojekte?
Wir starten ganz klar mit der Drehbuchentwicklung. Das ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Was sehr gut ist: Im aktuellen Semester sind einige Sachen dabei, die schon im letzten Semester entstanden sind, Projekte bei Carsten, die ich jetzt übernommen habe und die auch schon sehr fortgeschritten sind. Andere stecken wirklich noch komplett in den Kinderschuhen, und somit sind die Timings unterschiedlich.
Wenn ein Projekt pitchreif ist, pitchen wir es vor der kompletten Akademie. Dann geht es in die Preproduction, und auch die wird relativ engmaschig betreut. Ich lasse mir wirklich Storyboards von den einzelnen Filmen zeigen, Pre-Shoots und so etwas. Dann wird gedreht. Teilweise schaue ich auch persönlich bei den Drehs vorbei, um vor Ort Ratschläge zu geben. Und auch die Postproduktion wird relativ engmaschig betreut: Tonmischung, Schnitt, Grading, all diese Schritte. Das ist schon der Zeitrahmen, das braucht seine Zeit. Weil es auch sehr, sehr viele Projekte sind, wandere ich immer von Projekt zu Projekt, die in unterschiedlichen Stadien sind.
Merkst du, wie sich die Studierenden entwickeln?
Ja, ich finde schon, dass ein Lerneffekt spürbar ist. Vor allem, weil ich jetzt seit zweieinhalb Jahren hier sein kann und bemerke, dass Leute bei mir die Zwischenprüfung gemacht haben und jetzt die Abschlussprüfung. Diesen Schritt zu sehen, die Qualität der Produktionen in der Zwischenprüfung im Vergleich zur sehr viel besseren Qualität bei den Abschlussprüfungen: Es ist schön zu sehen, dass die Leute gereift und in ihrem filmischen Können gewachsen sind.
Ich finde es toll, dass ihr euch darauf eingelassen habt, dass wir diese Credit-Regelung gefunden haben: Die Leute müssen für eine Zwischen- oder Abschlussprüfung nicht zwingend einen eigenen Film drehen, sondern können auch bei anderen Projekten mitarbeiten, um Schwerpunkte zu setzen, in der Kamera, im Ton, im Schnitt.
Was machen die Absolvent/innen später?
Bei einigen, mit denen ich gesprochen habe, ist es wirklich so, dass sie in laufenden Produktionsfirmen tätig sind, vornehmlich im werblichen Bereich hier in der Region. Ich habe einige wiedergetroffen, die tatsächlich als Kameraleute, Cutter/innen, Redakteur/innen oder in der Regie unterwegs sind.
Warum würdest du die Lazi empfehlen?
Ich würde die Lazi empfehlen, weil sie die Möglichkeit bietet, in möglichst viele Bereiche hineinzuschnuppern: dokumentarisch, szenisch, werblich. Und gleichzeitig gibt es an der Lazi die Möglichkeit, sich selbst zu finden und Schwerpunkte zu setzen. Wenn man mit Film startet, weiß man das meistens ja noch nicht. Alle wollen erst einmal Regie machen, die wenigsten schaffen es. Aber oft sind gute Drehbuchleute dabei, Kameraleute, Cutter/innen und auch Tonleute. Und um diesen Fokus zu finden und zu setzen, ist die Zeit an der Lazi, glaube ich, ideal.
Warum lohnen sich Infotag und Werkschau?
Ich empfehle, zu einem Lazi-Infotag zu gehen, um sich einfach einmal vor Ort einen Überblick zu verschaffen: wie die Räumlichkeiten sind, einmal den besagten Rundgang rund um die Akademie zu machen, der ja auch landschaftlich sehr schön ist, in die unterschiedlichen Gewerke hineinzuschnuppern, zu sehen, welche Möglichkeiten und welche Technik es hier gibt, und auch die tollen Studios zu inspizieren, die noch tolles Potenzial bieten. Die Werkschau sollte man unbedingt besuchen, um sich von der tollen Qualität dieser Zwischen- und Abschlussprüfungen ein eigenes Bild zu machen: wo die Latte liegt und was im Rahmen der Lazi zu produzieren möglich ist.
Die Lazi in drei Worten?
Familiär, interdisziplinär und sympathisch.
