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Abschrift des Video-Interviews, sprachlich geglättet. Die Fragen sind im Video nicht zu hören und hier aus dem Zusammenhang ergänzt.

Wer bist du und was unterrichtest du?

Ich bin Mohammad Hossain. Ich bin seit ungefähr fünf Jahren an der Lazi und unterrichte das dritte und vierte Semester in Crossmedia Tools Grafikdesign, so nennt sich das. Das ist im Grunde der Programmunterricht für das Layout- und das Illustrationsprogramm. Ich begleite die Studierenden im dritten und vierten Semester und zeige ihnen die Praxis. Sie haben den ganzen theoretischen Unterbau, den sie im ersten, im zweiten, aber auch in den weiteren theoretischen Fächern wie zum Beispiel Typografie lernen. Bei mir versuchen wir dann, das umzusetzen und in den Tools anzuwenden.

Warum unterrichtest du?

Ich war damals schon seit, ich weiß nicht, fünf, sechs Jahren im Business, habe in verschiedenen Agenturen und dann auch bei einem Unternehmen gearbeitet und hatte das Gefühl: Jetzt komme ich doch ein bisschen raus aus dem Explorativen. Mir hat der Input gefehlt, den ich früher in meinem eigenen Studium hatte, als ich sehr viel mit jungen Leuten und mit Dozent/innen geredet und viel gesehen habe. Das hat mir für mich selbst im Arbeitsleben immer ein bisschen gefehlt. Dann dachte ich: Vielleicht steige ich doch ein bisschen in die Lehre ein, habe den Austausch mit den jungen Leuten wieder und öffne für mich auch ein bisschen wieder den Geist. Und ich kann das, was ich gelernt habe, natürlich auch weitergeben.

Was ist dein Highlight der Woche?

Ich muss sagen, ich bin einmal pro Woche hier an der Lazi, und das ist eigentlich das Highlight meiner Woche. Bei meiner Arbeit bin ich sehr viel im Homeoffice und sitze in meinem kleinen Büro. Hier kann ich dagegen sehr frei sein und habe sehr viel Austausch mit den Leuten. Ich mag das Persönliche an der Lazi sehr. Man ist sehr nah an den Studierenden dran und lernt von ihnen, kann ihnen aber auch selbst etwas beibringen. Und ich glaube, beim Beibringen lerne ich auch selbst immer ein bisschen mehr dazu. Dieser Exkurs ist eigentlich ganz schön.

Was macht die Lazi besonders?

Ich glaube, die Lazi hat den Vorteil, dass die Studierenden hier sehr praxisorientiert lernen. Das kannte ich zum Beispiel von meinem eigenen Studium nicht. Da war sehr viel Theorie, und was man dann in der Praxis macht, also die Aufgaben und die Arbeit mit den Tools, musste man sich selbst aneignen. Hier sehe ich ganz stark, dass die Studierenden sehr viel und sehr früh schon an Projekten arbeiten und diese dann wirklich in einem Projektteam von 0 auf 100 bringen. Das ist, glaube ich, der große Vorteil an der Lazi.

Wie läuft dein Unterricht ab?

Bei mir fangen die Leute ja im dritten Semester an. Das heißt, ich muss erst einmal schauen: Wie weit sind sie? Was können sie bis jetzt, was können sie vielleicht noch nicht? Dann sieht man bei den verschiedenen Leuten auch ganz stark, wo ihre Stärken liegen. Jemand kann vielleicht besser illustrieren, jemand besser layouten, vielleicht hat jemand das Auge noch nicht so ganz. Das versuche ich natürlich erst einmal herauszufinden: Was habe ich für Leute, die mir gegenübersitzen? Darauf baut dann der Unterricht auf, in dem ich versuche, die ganzen verschiedenen Levels anzugleichen. Es gibt natürlich ein paar, ich sage mal, Stürmer, die in den ganzen Tools sehr weit vorn sind. Die fangen dann auch an, den anderen Studierenden etwas beizubringen und hier und da einen Tipp zu geben. Das ist ganz cool, und diesen Moment fördert man dann auch mit.

Wie baust du dein Semester auf?

Das dritte und vierte Semester sind relativ ähnlich aufgebaut. Wir schauen uns zwei Programme an: einmal Adobe Illustrator als Illustrationsprogramm und einmal InDesign als Layoutprogramm. Ungefähr die erste Hälfte machen wir wirklich mit Illustrator, mit sehr vielen Praxisübungen. Ich versuche mir dann auch immer Fantasieprojekte einfallen zu lassen, die ich mit den Studierenden mache. Das schließen wir mit einer benoteten Aufgabe ab, die etwas größer und aufwendiger ist. Den größeren Teil davon müssen die Studierenden natürlich daheim oder in der Freizeit machen, das können wir im Unterricht gar nicht abbilden. Mit InDesign machen wir es genauso. So habe ich eine gute Basis, um zu verstehen: Haben die Studierenden in dem halben Jahr, in dem ganzen Jahr, in dem ich mit ihnen arbeite, etwas gelernt? Sehe ich da auch das Handwerk, das von mir natürlich gefordert und gefördert wird?

Welches Projekt machst du am liebsten?

Ganz spannend ist, dass wir wieder ein kleines Fantasieprojekt haben. Da versuchen wir, eine kleine Brand zu finden oder zu erstellen, eine Getränke-Brand. Spannend ist, dass ich das Briefing bewusst sehr offen halte und die Ausführung des Briefings bei den Studierenden dann immer sehr unterschiedlich ist. Teilweise habe ich eine Skater-Brand, teilweise zum Beispiel eine Limonade für Zocker. Es ist immer ganz schön, dass alle ihren eigenen Spirit oder Vibe mit hineinbringen, die Aufgabe sehr persönlich umsetzen und einfach ihre Stärken einbringen.

Mir geht es wirklich darum, dass sie, wenn sie später nach der Lazi arbeiten, sei es in der Agentur, als Freelancer/in oder in einem Unternehmen, abseits vom Kreativen auch einen gewissen Speed haben. Den braucht man nämlich. Dann geht es wirklich darum: Ich habe jetzt nicht vier Wochen Zeit für ein Logo, das muss ich vielleicht in zwei oder sogar in einer Woche umsetzen. Und ich sehe tatsächlich schon, dass sie nach diesem dritten Semester sehr viel schneller arbeiten können. Das macht mich natürlich auch selbst sehr stolz.

Was wird aus deinen Studierenden?

Ich habe bei mir ja die Grafiker/innen, und da gibt es sehr viele, die selbstständig werden wollen. Das sehe ich auch bei mir: Sie versuchen dann schon, eigene Projekte zu machen, bringen manchmal Sachen mit und haben Fragen: „Wie kann ich das besser umsetzen? Hast du eine Idee hierfür und dafür?“ Das ist ganz schön. Denn dann merke ich natürlich auch, und darauf komme ich jetzt wieder zurück, dass ihnen dieses Praxisorientierte an der Lazi sehr viel hilft, weil das, was die Studierenden lernen, sehr nah an der Realität ist. Dann fängst du an und bekommst ein Kreativbriefing, wie du es vielleicht schon in einer Aufgabe hier bei uns bekommen hast. Das sieht dann ähnlich aus, du hast das vielleicht schon zwei-, dreimal gemacht und weißt, was auf dich zukommt. Das ist, glaube ich, sehr gut für die Studierenden.

Wie gehst du auf deine Studierenden ein?

Ich frage am Anfang immer ganz gern: Warum bist du hier an der Lazi? Warum Grafik an der Lazi? Und welche Arbeiten interessieren dich? Dann bringen die Studierenden auch immer sehr gern etwas mit, sei es Plakate, die ihnen gefallen, oder etwas, das sie vielleicht in der Stadt oder zum Beispiel auf Social Media gesehen haben, und teilen das mit mir. Das ist natürlich auch ganz cool, weil ich dann merke, was gerade angesagt ist, aber auch, worauf sie eigentlich Lust haben. Darauf kann ich dann ein bisschen aufbauen. Das ist ganz spannend.

Warum empfiehlst du die Lazi?

Weil man sehr viele praxisorientierte Aufgaben bekommt. Das ist für die Leute gegen Ende des Semesters, wenn viel parallel läuft, teilweise auch schwierig, aber das ist am Ende eben the real deal. Später wird es nicht anders sein, später hast du vielleicht zwei, drei Projekte gleichzeitig. So ist das halt. Das ist das eine: Es ist sehr nah an der Realität dran.

Das Zweite ist, glaube ich, dass die Leute hier sehr viel ausprobieren können. Ich kann hier in der Grafik sehr viel illustrieren, wenn ich Lust darauf habe. Ich kann Magazine machen. Ich kann in den Fachbereich Foto oder Film gehen und dort Sachen ausprobieren. So habe ich am Ende ein sehr breites Profil, mit dem ich mich dann auch spezialisieren kann, und ich habe und bekomme die Zeit, mich einfach auszuprobieren. Vielleicht weiß ich am Anfang an der Lazi noch nicht, was ich machen möchte. Vielleicht weiß ich das erst nach sechs Semestern, vielleicht weiß ich es dann auch noch nicht. Aber die Studierenden bekommen auf jeden Fall die Möglichkeit, sich erst einmal alles anzuschauen und dann darauf ihre Entscheidungen aufzubauen.

Warum lohnt sich die Werkschau?

Es ist natürlich super spannend zu sehen, was nach sechs Semestern, nach drei Jahren, tatsächlich an Ergebnissen herauskommt und was für einen Grad an Professionalität das schon mitbringt. Man merkt wirklich: Das sind Arbeiten, die ich auch draußen sehen würde, vielleicht in der Agentur oder bei einem Unternehmen. Das Level an Professionalität, das da herauskommt, ist schon so weit, dass ich sage: Das ist wirklich ein gutes, hohes Level. Und man sieht dort auch die verschiedenen Arten von Projekten, sei es ein Branding-Projekt, ein Film oder was auch immer. Ich glaube, es ist auch als Besucher/in super spannend, einfach mal hineinzuschnuppern und zu sehen: Okay, was passiert eigentlich in diesem Häuschen? Das ist ganz spannend.

Die Lazi in drei Worten?

Wow, okay, drei Worte. Kreativ, das macht Sinn. Frei, würde ich sagen, sehr frei. Was wäre das dritte Wort? Mutig.

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Mohammad Hossain, Dozent für Crossmedia Tools Grafikdesign | Lazi Akademie